Fansoccer-Logo

DFB-Pokal, Viertelfinale

Ereignisarmut wird zum Fußballkrimi

FC Gütersloh - TuS Köln rrh. 4:2 n.E. (1:1), (1:1), (1:1)

Von Nora Kruse (Text u. Bilder)

17.12.2007

Der TuS Köln rrh. hat zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte das Halbfinale im DFB-Pokal erreicht. Die Rheinländerinnen siegten im Zweitligaduell beim FC Gütersloh mit 4:2 nach Elfmeterschießen und schauen mit Spannung auf die noch im Wettbewerb verbliebenen Erstligisten. Klar war nach über 120 Minuten jedoch auch, dass sie auch mit einem Zweitligisten mehr als genug zu tun hatten.

Zwischen der dritten und 15. Minute mache Gütersloh sein erstes Tor, hatte Kölns Interimstrainer Maruan Azrak analysiert – und behielt Recht. Bereits nach zwölf Minuten schoss Kristina Gessat ihre Mannschaft nach einem tollen Zusammenspiel von Stefanie Bunte und Anja Barwinsky über die linke Seite in Führung. Barwinsky verlängerte auf die im Strafraum lauernde Gessat, die den Ball nur noch einschieben musste. „Wir konnten aus der Führung aber leider keine Euphorie mitnehmen“, so FCG-Trainer Steffen Enge. Stattdessen musste er mit ansehen, wie seine Mannschaft dem Gegner zur Mitte der ersten Halbzeit mehr Räume im Mittelfeld ließ und zu weit vom Gegner entfernt stand.

Kristina Gessat

Ein Auftakt nach Maß: Kristina Gessat gelang das frühe Tor.

Köln hatte in dieser Phase mehr Spielanteile, brachte die Gütersloher Hintermannschaft jedoch nicht ernsthaft in Gefahr, zu harmlos waren die Angriffsbemühungen. So war es in der 23. Minute ein Einwurf, mit dem der Ausgleich vorbereitet wurde. Nach Kopfballverlängerung schoss Ilona Demirtas aus der Drehung und gestaltete das Spiel wieder offen.

Ilona Demirtas

Ilona Demirtas brachte die "TuSsen" wieder ins Spiel

Die Ostwestfälinnen benötigten einige Minuten, um sich von diesem Schock zu erholen, waren jedoch in der letzten Viertelstunde vor dem Pausentee wieder wach und hatten Chancen, diesen mit


TuS Köln

Der entscheidene Elfmeter von Claudia Bings sitzt, Kölns Jubel kennt keine Grenzen.

einer Führung zu genießen. Doch es war nicht der Tag der Maren Wallenhorst, die einem in diesen 120 Minuten schon leid tun konnte. Sowohl in der 31. als auch in der 37. Minute stand sie frei vor Kölns Torhüterin Corinna Ernst. Beim ersten Mal klärte Ernst bravourös, beim zweiten schoss Wallenhorst aus halbrechter Position weit über den Kasten.
Dieses Pech sollte den Gütersloher Sturm, und insbesondere die derzeitige Top-Torschützin der Zweiten Bundesliga Nord, auch in den kommenden 45 Minuten verfolgen. Nach acht Minuten war es Bunte, die nach einem Getümmel im Kölner Strafraum den Ball volley nahm – doch auch hier war Ernst im Tor zur Stelle. In den folgenden Minuten verlagerte sich das Spiel wieder zunehmend in die Gütersloher Hälfte und Demirtas hätte in der 59. Minute erneut zuschlagen können. Ihr Schuss aus zentraler Position blieb lange in der Luft und senkte sich gefährlich aufs Tor. Das jedoch ein wenig zu spät und so landete er auf dem Außennetz.
Gemessen an den Spielanteilen entwickelte sich eine ausgeglichene zweite Hälfte, in der die Gütersloherinnen jedoch den stärkeren Drang zum Tor zeigten. „Es war zeitweise sehr glücklich für uns, Gütersloh fing an zu drücken“, erklärte Azrak und meinte die letzten 20 bis 25 Minuten, in denen der Gastgeber die Führung auf dem Fuß hatte – aber eben auch das Pech. Nach einer Flanke in der 62. Minute konnte Ernst den Schuss von Birgitta Schmücker nur abprallen lassen, im Nachschuss setzte Anja Barwinsky den Ball weit über das Tor. Der Druck der Gütersloherinnen hielt an und es entwickelte sich nach der recht ereignisarmen ersten Halbzeit ein spannender Pokalkrimi mit hitziger Schlussphase. Fünf Minuten vor dem Abpfiff war es erneut Wallenhorst, die im Strafraum völlig frei und unbedrängt in Ballbesitz kam, im Eifer des Gefechts jedoch über den Ball trat.
Köln rettete sich in die Verlängerung, in der es gleich zu Beginn eine der sehr seltenen Chancen für die Gäste gab. Die eingewechselte Meike Petri, die das Spiel ihrer Mannschaft noch einmal beleben konnte, schoss aber nach einem Konter lediglich über das Tor. Bei eisigen Temperaturen brachte auch die Verlängerung keine Entscheidung. Gütersloh drängte auf die Führung, hatte jedoch das Pech auf dem Fuß. Lisa Scholz spielte sich auf der rechten Seite durch, ihr strammer Schuss verfehlte das Tor knapp. Kurz vor dem Ende kam Wallenhorst per Konter zum Schuss, die an diesem Tag herausragend spielende Ernst klärte jedoch zur Ecke.
Auch im daher folgenden Elfmeterschießen stand die Torhüterin im Mittelpunkt der


Partie. Nachdem Güterslohs Desiree Lenz den ersten Schuss noch versenkt hatte, hielt Ernst alle weiteren ostwestfälischen Versuche von Christina Drewitz, Wallenhorst und Scholz. So stand es am Ende 3:1, Köln bejubelte den größten Erfolg der Vereinsgeschichte. „Verdient gewonnen, möchte ich nicht sagen, aber es war ein schönes Spiel, ein echter Pokalfight", so der Interimstrainer und fügte schmunzelnd an, dass es eine „Erfahrung war, die ich nicht nochmal machen möchte.“ Damit meinte Azrak allerdings nicht einen Krimi bis ins Elfmeterschießen, sondern den Job als Chefrainer: zu nervenaufreibend

Maruan Azrak

Einmal und nie wieder? Interimstrainer Maruan Azrak möchte seinen Aufenthalt auf dem Trainersessel nicht zwingend verlängern.

Statistik

Gütersloh
Wojtasik – Hackmann (123. Dreyer), Janke, Drewitz, Posdorfer – Barwinsky (72. Scholz), Lenz, Gessat, St. Bunte – Schmücker, Wallenhorst

Köln
Ernst – Bings, Wurth, Stein, Kramer – Windmüller (78. Köhne), Frettlöh, Koch, Braun – Kummer (97. Beer), Demirtas (68. Petri)

Tore
1:0 Gessat (12.)
1:1 Demirtas (26.)

Elfmeterschießen
1:0 Lenz
1:1 Stein
Ernst hält gg. Drewitz
Frettlöh verschießt
Ernst hält gg. Wallenhorst
1:2 Petri
Ernst hält gg. Scholz
1:3 Bings

Gelb: Braun, Wurth

Schiedsrichterin
Monique Klauß (Mühlheim/Ruhr)

Zuschauer: 425

DFB-Pokal

Zur FanSoccer-Startseite