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DFB-Pokal, Achtelfinale

Teuer erkaufter Sieg für den FCR

FCR Duisburg - Herforder SV 5:0 (4:0)

Text von Andrea Vehlken
Bilder von Florian Büchting

24.11.2007   Keine echten Probleme hatte der letztjährige Pokalfinalist FCR Duisburg mit dem Zweitligisten Herforder SV. Allerdings trübt die schwere Schulterverletzung von Nationalspielerin Simone Laudehr das Bild.

Die erste richtig gute Aktion des Spiels gelang Annemieke Kiesel für den FCR, die ein klasse Zuspiel auf Turid Knaak zunächst nicht belohnt sah. Die anschließende Ecke köpfte Annike Krahn knapp am Tor vorbei. Wer allerdings nun schon klare Verhältnisse sah, täuschte sich. Der Herforder SV stellte sich keinerwegs nur hinten rein, sondern versuchte seinerseits, brauchbare Bälle vor das Tor der wiedergenesenen Katrin Längert zu bringen. Dies allerdings mit keinem durchschlagenden Erfolg. Einzig ein Fehler von Marit Prießen ließ eine kleine Aufregung im Herforder Lager zu, deren Fans für gute Stimmung sorgten in der eher spärlich besetzten Arena Eintracht Duisburgs an der Wedau.

Der FCR versuchte nun das Heft in die Hand zu nehmen, allerdings wußte der Gast aus Herford durchaus zu gefallen mit einem guten Zweikampfverhalten und den weiteren Versuchen, sich nicht nur hinten rein zu stellen. Doch langsam kam der FCR Zug ins Rollen: so war es eine immer stärker werdende Inka Grings in der 15. Minute mit einem tollen Solo und einer Flanke auf die Füße der sehr gut aufgelegten Annemieke Kiesel, die aus etwa 16m den Ball im Tor zum 1:0 unterbrachte.

Annemieke Kiesel

Annemieke Kiesel (links), hier gegen Marie Pollmann, machte ein gutes Spiel und erzielte das erste Tor des Tages

Wenig später brachte ein guter Einsatz von Turid Knaak außer einer Ecke nichts Zählbares. Genauso erging es wiederum Kiesel und auch Patricia Hanebeck mit weiteren guten Aktionen. Bis zur 25. Minute versuchte Herford aber dagegen zu halten und Herfords Sarah Mahler rückte gar bis an den Strafraum und zwang Annike Krahn zu einer Ecke.

Bis dahin schien in einigen Mittelfeldaktionen des Vizemeisters auch der Schlendrian zu sitzen, dennoch konnte Herford davon nur bis zum 16er profitieren. Dann fehlte es Ihnen an Mitteln oder die gut gestaffelte FCR Abwehr stand sicher.

Sonja Fuss, Marie Pollmann und Anne van Bonn

Sonja Fuss führt den Ball, hinter ihr Marie Pollmann, rechts Anne van Bonn, die später das 4:0 erzielte

Fast paradox: die nun folgenden merkwürdigen Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns - die eigentlich gegen den FCR gepfiffen wurden - entschieden das Spiel gegen Herford. Denn es folgten die starken 20 Minuten des FCR bis zur Halbzeit. Zunächst wurde Turid Knaak gefoult, den Freistoß zirkelte Hanebeck genau in den Lauf von Inka Grings. Die fiel im Strafraum. Grings fiel deutlich im Strafraum, allerdings blieb dem aufgeregtem Zuschauer verborgen, ob die Gegnerin sie mit Absicht zu Fall gebracht hat oder ihr nur unglücklich in die Haken getreten ist. Allerdings hätte sich Herford hier nicht beklagen können, wäre der Pfiff erfolgt. Kurze Zeit später wird die Situation noch deutlicher.


Kerstin Nolte

Herfords Kapitänin Kerstin Nolte treibt hier den Ball nach vorne, meist lief das Spiel aber in die andere Richtung. Sonst im Bild ganz links Vanessa Martini, verdeckt Marie Pollmann, rechts Annemieke Kiesel

Bild: Florian Büchting

Viele weitere Bilder von Florian Büchting von diesem Spiel findet ihr hier:
http://www.frauenfussball-foto.de/ffuss_07_08/pokal_fcr_herf_01.html

Der ausgefahrene Ellbogen der Herforder Abwehrspielerin gegen Anne van Bonn war deutlich bis in die letzte Zuschauerreihe zu sehen. Wieder reagierte das Schiedsrichtergespann nicht. Dies führte nicht nur zu lautstarken Protesten der Zuschauer und Spielerinnen, sondern auch dazu, dass der FCR aufdrehte. Nach mehreren knapp am Tor vorbeigehenden Schüssen und einem noch knapperen Kopfball von Grings aufs Tor folgte ein Freistoß von Corinna Schröder, der genau auf dem Kopf der nun zu Hochform auflaufenden Inka Grings und von dort zum 2:0 in den Herforder Maschen landete. Wir zählen Minute 37. Schon Sekunden nach dem Wiederanpfiff in Minute 38 legte eben jene Inka Grings ein klasse Solo hin und netzte zum 3:0 ein.

Das sicher schönste Tor des Tages folgte umgehend. Ein Freistoß von Sonja Fuss in den Strafraum, genau auf den Fuss von wieder Grings, die mit der Hacke direkt weiterleitete in den Lauf von Verteidigerin Anne van Bonn. Die vollendete zum 4:0. In der verbleibenden Zeit kam Herford nicht mehr aus der eigenen Hälfte heraus. Bis zu Halbzeit spielte der FCR nur noch auf das Tor der aber weiter tapfer kämpfenden Herforderinnen, die keineswegs geneigt waren, sich abschießen zu lassen.

Sonja Speckmann

An ihr lag es nicht: Herfords Keeperin Sonja Speckmann hielt gut!

Nach der Halbzeitpause verflachte das Spiel allerdings zusehends. Die nach langer Verletzung erstmals wieder eingewechselte Jennifer Oster, die kurz zuvor noch knapp an Herfords Torfrau scheiterte, brachte das Leder in der 48. Minute zum 5:0 im Tor unter. Zwar mußte auch Katrin Längert noch zweimal eingreifen, wirkliche Gefahr kam aber nicht für das Duisburger Tor auf. Viel mehr hatte Turid Knaak das 6:0 nach einem Torwartfehler der ansonsten guten Sonja Speckmann auf dem Fuß. Jedoch ging auch dieser Ball knapp vorbei.

Schiedsricherin Marija Kurtes

Schiedsrichterin Marija Kurtes mußte heute einige Kritik einstecken

Die schwache, zu vernach- lässigende zweite Hälfte eines überlegenden FCR gegen einen geschlagenen HSV fand ihren negativen Höhepunkt in einer schweren Verletzung der zur


Halbzeit eingewechselten Simone Laudehr. Gerade wieder genesen, zog sie sich bei einer unglücklichen Aktion im Mittelfeld eine schwere Schulterverletzung zu und musste mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gefahren werden. Für sie kam Nicole Bender ins Spiel. Wenig später zog auch Sonja Fuss sich eine, wenn auch nur leichte, Verletzung zu. Dennoch mußte die Kapitänin des FCR vom Feld. Da der FCR bis dahin aber bereits drei mal gewechselt hatte, spielte man fortan nur noch mit zehn Spielerinnen. Profit konnte der HSV daraus allerdings nicht schlagen. So blieb es schließlich beim 5:0.

Fazit: dem FCR reichten 25 richtig starke Minuten gegen einen sehr tapfer kämpfenden Herforder SV, der auch in der zweiten Halbzeit nichts gegen das dezimierte FCR Team ausrichten konnte. Allein die Verletzung von Simone Laudehr gibt dem Sieg einen faden Beigeschmack.

Simone Laudehr

Weltmeisterin Simone Laudehr, gerade erst von einer Verletzung zurückgekehrt, mußte mit einer Schulterverletzung ins Krankenhaus gebracht werden, was die Duisburger Freude über den Sieg sehr trübte. FanSoccer wünscht Simone Laudehr rasche Besserung!



FCR Duisburg:

Längert – van Bonn (46. Laudehr, 60. Bender), Prießen, Krahn – Martini (46. Oster), Fuss, Kiesel, Hanebeck, Schröder - Knaak, Grings

Herforder SV Borussia Friedenstal:

Speckmann - Lühr, Schlottmann, Hölscher, Nolte, Schulte, Rolfs, Kühme, Pollmann, Mittendorf, Bujna, Mahler, Müller, Hansmeier

Tore:
1:0 Kiesel (14.)
2:0 Grings (37.)
3:0 Grings (38.)
4:0 van Bonn (40.)
5:0 Oster (51.)

Schiedsrichterin: Marija Kurtes (Düsseldorf)

Zuschauer: 400


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