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DFB-Pokal, 1. Hauptrunde

Lok zurück in der Erfolgsspur

TSV Jahn Calden – 1. FC Lokomotive Leipzig 1:3 (1:2)

Text und Bilder von Christian Heidler

5.9.2007   Es sollte ein Festtag für Calden werden und als Ausgangspunkt der Sause war der Kaiserplatz vorgesehen. Das hatte freilich wenig mit dem an dieser Stelle angesetzten Pokalspiel des heimischen TSV Jahn Calden gegen den 1. FC Lokomotive Leipzig zu tun, wenngleich eine Pokalüberraschung eine schöne Ergänzung des Festprogramms bedeutet hätte. Nein, es ging um die 900-Jahr-Feierlichkeiten Caldens, die mit einem Festumzug vom Kaiserplatz durch den Ort begangen werden sollte. So war wohl das halbe Dorf auf den Beinen, aber nur verhältnismäßig wenige Einheimische fanden Zeit und Muße für einen Spielbesuch. Dabei hatte das Los dem TSV mit Lok Leipzig einen anspruchsvollen Gegner beschert, mit dem man vergangene Saison noch in der 2. Bundesliga Nord die Klingen kreuzte.

Die erste Torchance des Spiels gehörte Caldens Mannschaftsführerin Karina Krone (vielen noch besser unter dem Nachnamen Thöne bekannt) als sie in der 5. Minute auf das Leipziger Tor zustürmte, ihr Schuß aber von Schlußfrau Griseldis Meißner noch zur Ecke geklärt werden konnte. Kurz darauf versprang Neuzugang Arlene Rühmer der Ball in äußerst aussichtsreicher Position. Zu diesem frühen Zeitpunkt hätte es bereits 2:0 für die Gastgeberinnen heißen können. Das hätte die nach der 1:7 Heimschlappe gegen Turbine Potsdam II stark verunsicherte Leipziger Elf sicherlich in arge Bedrängnis gebracht.

Feiertag in Calden

Calden blickt auf 900 Jahre zurück und begeht dieses Jubiläum u.a. mit einem Umzug, bei dem natürlich auch der TSV Calden nicht fehlen darf

Doch die Sächsinnen zeigten dann dem Kontrahenten, wie man Tore schießt, auch wenn ihnen das Glück dabei etwas zur Seite stehen mußte. Als Torfrau Julia Zeuner den Ball vor einer heraneilenden Leipzigerin wegschlagen wollte, schoß sie eine Mitspielerin derart unglücklich an, daß der Ball zu Anja Hädrich abprallte, die den Ball problemlos im leeren Tor unterbringen konnte.

Schiedsrichterin Martina Storch

Die Spielführerinnen Anja Fleischer und Karina Krone sowie das Schiedsrichtergespann Jessica Hillenbrandt, Martina Storch und Markus Finke. Links im Hintergrund die Leipziger Auswechselbank

Obwohl nun Leipzigs Anfangsdruck etwas nachzulassen begann, ergaben sich für die Gäste noch zwei weitere Chancen aus einem Fernschuß und einem Kopfball im Anschluß an eine Ecke. Auf der Gegenseite setzten sich dann aber zwei Caldener Jungspunde gut in Szene: Zunächst weiß sich Kati Zech auf der rechten Außenbahn schön durchzusetzen um dann U 17 Nationalspielerin Rühmer im Strafraum als Anspielstation zu finden. Diese wiederum legt ein schönes Dribbling hin ehe sie die selbst gerissene Lücke zum Abschluß nutzt. Von einem Abwehrbein noch abgefälscht senkt sich der Ball über Leipzigs Nummer 1 hinweg ins lange Eck.

Nach dem Ausgleich legte Leipzig wieder eine Schippe drauf. Weitere Tormöglichkeiten ergaben sich aber auf beiden Seiten. So standen einem strammen Fernschuß von Yvonne Rademacher und einem Leipziger Abseitstor zwei Rettungstaten von Meißner gegen Julia Salokat und Jaqueline Scheuren sowie ein Lattentreffer von Jacky Scheuren gegenüber.


Torfrau Julia Zeuner

Caldens Keeperin sichert den Ball trotz Leipziger Bedrängnis (v.l.n.r. zu identifizieren: Simone Thöne, Jennifer Giehl, Juliane Guhr, Safi Nyembo, Torfrau Julia Zeuner, Leonie Klement, Julia Salokat und Justine Rosek)

In der Schlußphase des 1. Durchgangs wurde der Regionalligist dann aber zusehends von den Leipzigern in der eigenen Hälfte eingeschnürt. Die erneute Führung des Zweitligisten kam daher nicht unerwartet. Auch dieser Treffer wurde über den rechten Flügel vorbereitet. Eine feine Flanke von Anja Fleischer gelangt dabei genau zu der völlig zentral im Strafraum stehenden Sarah Zeising, die ungehindert das Leder einnetzen kann.

Arlene Rühmer

Gelungener Einstand. U 17 Nationalspielerin Arlene Rühmer wußte nicht nur mit ihrem Tor zu überzeugen

Auch nach dem Seitenwechsel entwickelte sich eine abwechslungsreiche Pokalbegeg- nung mit Tormöglichkeiten hüben und drüben. Beiden Torfrauen boten sich somit etliche Gelegenheiten, sich auszuzeichnen, wobei Zeuner bei zwei Schüssen von Kathleen Radtke eigentlich schon geschlagen war, die Kugel aber beide male von der Unterkante der Latte zurück ins Feld sprang.

Safi Nyembo

Die Ex-Frankfurterin Safi Nyembo bereitete der gegnerischen Abwehr viel Arbeit und krönte ihre Leistung mit dem Tor zum 1:3 (Im Hintergrund Katrin Sierringhaus und Justine Rosek)

Leipzig erwies sich auch in der 2. Halbzeit als das stärkere Team, ein Klassenunterschied war allerdings kaum erkennbar. Frank Tresp hätte sich auch nicht gewundert, wäre die Begegnung noch in die Verlängerung gegangen. Doch statt eines erneuten Ausgleichstreffers fiel mit dem 1:3 in der 88. Minute, erzielt durch die immer wieder in der Sturmspitze gesuchte wieselflinke Safi Nyembo, die Entscheidung. Somit fand die hart umkämpfte, im wesentlichen von Schiedsrichterin Martina Storch gut geleitete Partie, im Favoriten aus der Messestadt einen verdienten Sieger.

Banner Lok Leipzig

Der Leipziger Anhang: Optisch präsent, akustisch eher unauffällig


Trotz der Niederlage hatte auch Manfred Rauschenberg keinen Anlaß allzu unzufrieden zu sein. Denn obwohl der kleine Kader des TSV Jahn bereits zu Saisonbeginn das verletzungsbedingte Fehlen dreier Stammkräfte zu verkraften hatte, auch Karina Krone zur Pause angeschlagen aus der Partie ging und die Lücken mit Juniorinnen bzw. Spielerinnen aus der 2. Mannschaft geschlossen werden mußten, konnten die Nordhessinnen dem Zweitligisten über weite Strecken gut Paroli bieten. Und während Lok erst mal wieder zurück in die Erfolgsspur gefunden hat, konnte sich das Caldener Team nach dem Spiel immerhin noch am fantasie- und liebevoll gestalteten Festumzug erfreuen.

Martina Müller und Femke Kazubski

An alter Wirkungsstätte: Martina Müller (links) und Femke Kazubski schauen bei ihrem alten Verein vorbei



TSV Jahn Calden:

Zeuner – Giehl, Rosek, Klement, S. Thöne, Salokat, Krone (46. Berg), A. Scheuren (46. Sierringhaus), Zech (78. Kell), Rühmer, J. Scheuren

Trainer: Manfred Rauschenberg

1. FC Lokomotive Leipzig:

Meißner – Freitag, Fleischer, Beltz, Börner, Rademacher, Dettmer, Radtke, Hädrich (65. Vogg), Zeising (70. Guhr), Nyembo

Trainer: Frank Tresp

Tore:
0:1 Hädrich (7.)
1:1 Rühmer (21.)
1:2 Zeising (43.)
1:3 Nyembo (88.)

Gelbe Karten: Berg – Rademacher, Börner, Fleischer

Schiedsrichtergespann: Martina Storch (Fulda), Jessica Hillenbrandt, Markus Finke

Zuschauer: schätzungsweise 100


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