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DFB-Pokal, Halbfinale

Überraschung blieb aus

FC Bayern München - 1. FFC Frankfurt 0:4 (0:2)

Text von Karin Dorsch

25.03.2008   „Heute ist ein guter Tag Geschichte zu schreiben” war der Leitsatz des FC Bayern München. Sie setzten alles daran, den sechsfachen DFB-Pokal- Gewinner 1. FFC Frankfurt zu schlagen und gemeinsam mit der Männermannschaft nach Berlin zu fahren. Die Bedingungen dafür waren im ausverkauften Sportpark Aschheim (2.800 Zuschauer, also 300 mehr als ursprünglich angekündigt) geradezu ideal: ein perfekt präparierter Platz, das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und Sissy Raith konnte ihre Mannschaft fast 9 Wochen auf dieses Highlight vorbereiten.

Der Anpfiff durch Schiedsrichterin Christine Beck erfolgte kurz nach 13 Uhr. Anfangs noch mit viel Respekt vor den Frankfurterinnen, versuchten die Bayern ihr Spiel zu machen. Ihr Fanclub ließ es sich nicht nehmen, sie lautstark mit Chorgesängen anzufeuern. Leider verletzte sich schon nach eineinhalb Minuten das erst 17-jährige Talent Viki Schnaderbeck am Knie so schwer (Kreuzbandriss), so dass sie in der 7. Min ausgewechselt und durch Christina Schellenberg ersetzt werden musste.

Silvie Banecki und Tina Wunderlich

Tina Wunderlich, die hier den Ball vor Silvie Banecki abschirmt, war heute die große Stütze in der Frankfurter Abwehr

Bild: Sascha Pfeiler
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Die Bayern waren in dieser Zeit in Unterzahl so torgefährlich, dass sogar Birgit Prinz hinten aushelfen musste. Sie zeigten tolle und sehenswerte Spielzüge und eine enorme Laufbereitschaft, was jedoch die Frankfurterinnen nicht aus der Ruhe brachte. In der 11. Minute war es Birgit Prinz, die eine kurze Unaufmerksamkeit der Bayern ausnutzte, mit Ball durchstartete und auf die völlig frei stehende Conny Pohlers flankte. Conny Pohlers vollendete dann kaltschnäuzig zum Tor.

Birgit Prinz, Stefanie Mirlach, Sandra de Pol

Birgit Prinz bereitete mit ihrem schnellen Antritt die Frankfurter Führung vor. Sandra de Pol (links) und Stefanie Mirlach hatten keine Chance

Bild: Sascha Pfeiler

Die Anspannung wich Trainer Dr. Hans Jürgen Tritschoks merklich aus dem Gesicht, die Freude war bei allen Frankfurtern riesengroß. Die Bayern ließen sich nicht einschüchtern und spielten weiter attraktiven Fußball. Allerdings waren sie im Strafraum der Hessinnen zu unentschlossen. Erst in der 36. Minute wurde das Tor von Silke Rottenberg durch einen fulminanten Weitschuß von Nina Aigner so richtig bedroht. Der Ball ging aber knapp über die Latte.

Die Frankfurterinnen nutzten ihre Chancen besser. Erst rettete Bianca Rech für Bayern auf der Linie gegen Sandra Smisek, dann vollstreckte wieder Conny Pohlers. In der 45. Minute lief sie, steil geschickt von Pia Wunderlich, auf und davon und schob gegen die chancenlose FCB-Torfrau Uli Schmetz zum 2:0 für Frankfurt ein. Die Abwehr der Bayern war wiederum desorientiert. Sie stand viel zu weit weg vom Gegner. Kurz vor der Pause hatte der FC durch Vanessa Bürki noch eine Chance, als Frankfurts Keeperin Silke Rottenberg beim Abschlag in den Boden trat und den Ball genau zur


Tor durch Conny Pohlers

Conny Pohlers bewies auch im Pokal ihre Torgefährlichkeit. Die führende der Torschützenliste der Bundesliga erzielte die beiden wichtigen ersten Tore in München

Bild: Markus Römer

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am Strafraum stehenden Bürki spielte. Doch Bürki zögerte zu lange und bekam den Ball von der heraneilenden Gina Lewandowski noch weggespitzelt. Besonders zu loben ist übrigens die Leistung von Tina Wunderlich, der überragende Spielerin in der Frankfurter Abwehr-Reihe. In ihr fanden so einige Münchnerinnen ihre Bezwingerin.

Zur zweiten Halbzeit stellte die FC-Trainerin Sissy Raith etwas um. Bianca Rech rückte nach hinten, Sandra de Pol wurde nun offensiver, was dem Bayern-Spiel kurzzeitig neuen Schwung brachte. Zwei Minuten nach dem Seitenwechsel gab es eine Riesenchance für Frankfurt. Petra Wimbersky bediente rechts Sandra Smisek, die den Lauf von Birgit Prinz verlängerte. Diese scheiterte jedoch an Torfrau Ulrike Schmetz.

Pia Wunderlich im Kopfballduell mit Christina Schellenberg

Pia Wunderlich (links) im Kopfballduell mit Christina Schellenberg

Bild: Markus Römer

Mit der Einwechselung von Nicole Banecki für ihre Schwester Sylvie in der 61. Minute sollte der Spielfluß des FC nach vorne wieder intensiver werden. Die in rot spielenden Bayern legten ihre Scheu vor dem mehrfachen Deutschen Meister Frankfurt ab, sie wurden torgefährlicher. Die nächste Auswechslung erfolgte in der 65. Minute. Die unermüdlich kämpfende Pia Wunderlich ging, es kam Karolin Thomas. Bayern setzte nun alles auf eine Karte, was den Gästen Konterchancen eröffnete.

In der 69. Minute passte Sandra Smisek quer auf Petra Wimbersky zum 3:0. Frankfurt verlegte sich danach aufs Kontern. Die Bayern fanden den Weg zum Tor einfach nicht. Sie verzettelten sich in Strafraumnähe oder die Frankfurter Defensive stoppte ihre Bemühungen. Conny Pohlers, die sehr viel gelaufen war und den Grundstein zum Sieg legte, durfte sich ab der 78. Minute ausruhen. Für sie kam eine weitere Weltmeisterin: Kerstin Garefrekes, die ihr Comeback nach mehrmonatiger Verletzungspause feierte. Drei Minuten vor Schluß hatten die unermüdlich kämpfenden Münchnerinnen die Chance zum Ehrentreffer, doch Silke Rottenberg war beim Eins- gegen-Eins-Duell gegen Vanessa Bürki nicht zu schlagen. In der Schlußminute tanzte Sandra Smisek Bianca Rech im Strafraum aus und schoß das 4:0 für Frankfurt. Der 1. FFC Frankfurt nutzte abgeklärt seine Möglichkeiten, der Sieg war hochverdient. Der Traum von der


10. Finalteilnahme in Folge wurde wahr. Frankfurt spielt am 19. April in Berlin gegen den 1. FC Saarbrücken.

Vanessa Bürki und Gina Lewandowski

Vanessa Bürki (links), hier mit Frankfurts Innenverteidigerin Gina Lewondowski in Erwartung eines Balles, vergab kurz vor der Pause der wohl beste Chance der Münchnerinnen

Bild: Sascha Pfeiler

18-mal standen sich München und Frankfurt in der Bundesliga (15 Mal) und im DFB-Pokal (3 Mal) bereits gegenüber, bislang konnten die Bayern noch keinen Sieg verbuchen. Es wäre seit 1989/90 wieder die erste Finalteilnahme gewesen (damals gewann der FSV Frankfurt 1:0). FCB Trainerin Sissy Raith gewann 6 Mal in Folge (mit FSV Frankfurt und TSV Siegen) als Spielerin den DFB-Pokal, sie wechselt nach dieser Saison zum Bayerischen Fußballverband als Verbandstrainerin. Ein Endspiel in Berlin zum Abschluss ihrer Trainertätigkeit beim FC Bayern hätte sie also gerne mitgenommen, doch angesichts der vielen Nationalspielerinnen im Frankfurter Team wäre dies schon eine Überraschung gewesen.

Julia Simic und Alexandra Krieger

Julia Simic (links), hier gegen Alexandra Krieger, beeindruckte einige Male durch gute Technik

Bild: Markus Römer

FC Bayern München:

Schmetz – Mirlach, Roth, de Pol, Eder (85. Islacker) - Simic, Rech, Schnaderbeck (7. Schellenberg), Aigner, S. Banecki (61. N. Banecki), Bürki

1. FFC Frankfurt:

Rottenberg – Krieger, Lewandowski, T.Wunderlich, Günther (21. Kliehm), Weber, P. Wunderlich (65. Thomas), Wimbersky, Prinz, Pohlers (78. Garefrekes), Smisek

Tore:
0:1 Pohlers (11.)
0:2 Pohlers (45.)
0:3 Wimbersky (69.)
0:4 Smisek (90.)

Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt)

Zuschauer: 2800 (ausverkauft)


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