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DFB-Pokal-Achtelfinale

Bayern versagen die Nerven im Elfmeterschiessen

VfL Wolfsburg – FC Bayern München 5:4 n.E. (0:0)

Text und Bilder von Marko Schiller

20.11.2006   Erst vor 7 Tagen trafen beide Mannschaften in der Liga aufeinander und Wolfsburg hatte das bessere Ende für sich mit einem knappen 1:0-Sieg. Diesen Erfolg wollten die Niedersachsen auch im Pokal wiederholen.

Der Wolfsburger Trainer Bernd Huneke muss weiterhin auf einen Teil seines Kaders verzichten und so nahm Verena Brammer (eigentlich Ersatztorhüterin) erneut als Feldspielerin auf der Bank Platz. Auf der Gegenseite fehlt Trainerin Sissy Raith weiterhin die Torjägerin Nina Aigner, aber sie konnte wieder auf ihre Spielmacherin Julia Simic zurückgreifen.

Steffi Gottschlich

Auch nach ihrem verletzungsbedingten Karriereende immer noch nah bei der Mannschaft: Wolfsburgs Weltmeisterin Steffi Gottschlich

Bei beiden Teams war die Vorsicht deutlich in den ersten Minuten zu spüren, so dass es bis zur 5. Minute dauerte, ehe die erste nennenswerte Szene des Spiels registriert wurde. Die sonst im ganzen Spiel sehr sichere Bayernabwehr patzte und gab damit den Hausherrinnen die erste Möglichkeit. Fast im direkten Gegenzug setzte dann der Gast ein erstes Zeichen in Richtung Tor von Stephanie Ullrich. In diesen ersten Minuten zeigte sich bereits, dass es ein sehr kampfbetontes und von vielen Zweikämpfen geprägtes Spiel werden sollte. Dies bekamen auf Wolfsburger Seite hauptsächlich Nathalie Bock und Martina Müller zu spüren. Sehr früh bedrängten und foulten die Bayern die junge Nathalie Bock, die sich dadurch deutlich beeindrucken ließ und kaum ins Spiel fand. Martina Müller hingegen warf ihre ganze internationale Erfahrung und den unbändigen Willen dagegen.

Innenansicht der Volkswagen-Arena

Innenansicht der Volkswagen-Arena

Die erste ernste Torchance für die Gäste war begünstigt durch die Wolfsburgerinnen, die sich in der Abwehr zunächst unsicher zeigten, wobei noch kein zählbarer Erfolg für die Bayern herauskam. Ab der 15. Minute verflachte das Spiel extrem. Beide Mannschaften waren nicht in der Lage ein geordnetes Aufbauspiel zu zeigen, was mehr an eigenen Unzulänglichkeiten lag als am Gegner. Strafraumszenen, gar Schüsse in Richtung Tor, konnte man auf keiner Seite registrieren. Neutralisieren trifft es nicht ganz, aber ist am Nächsten dran. Erst in der 38. Minute kam wieder etwas Torgefahr auf, als sich die stets agile und laufstarke Vanessa Bürki auf links durchsetzte aber abgeblockt wurde. Schlusspunkt dieser enttäuschenden ersten Halbzeit war ein Konter der Bayern nach einem Freistoss der Wolfsburgerinnen in der Gästehälfte, aber Sandra de Pol wurde zu weit aus dem Strafraum an der linken Seite gedrängt und traf nur das Außennetz.


Inga Kappel

Freistoss durch Inga Kappel, am oberen Bildrand laufen Paula und Annelie Brendel in den Strafraum. Kappel war es dann, die mit dem letzten Elfmeter das Spiel für Wolfsburg entschied

Die zweite Halbzeit hatte wie bereits die erste Halbzeit wenige spielerische Akzente und Torchancen zu bieten. Wenn es zu einer Chance kam, war dies mehr den Fehlern der Abwehr zu verdanken, denn der Offensive. So kam es wie es kommen musste, nach 90 Minuten stand es 0:0 und so kam es zur Verlängerung.

Diese wiederum war sehr zum Vergnügen der Zuschauer. Beide Mannschaften kamen besser ins Spiel und so kam es zu einigen auch viel versprechenden Angriffen und Torchancen. Endlich durften die Keeperinnen auch Bälle halten und den Strafraum für sich erobern. So unterhielten die zusätzlichen 30 Minuten mehr als die 90 davor. Hierbei konnte zeitweise jede Mannschaft die andere in der eigenen Hälfte einschnüren.

Julia Simic

Julia Simic gejagt von der Wolfsburger Defensive, Bianca Rech eilt zur Hilfe

Allerdings begann nun auch die bunte Zeit der Bayern. Sie kassierten diverse Karten für überharte Attacken und Meckern. Speziell Martina Müller dürfte noch jetzt das Knie von Bianca Eder auf ihrem Steißbein spüren. Sie war vermehrt Opfer der Fouls, sicher auch um ihren Kampfwillen zu brechen. Nach diversen Abseitsstellungen konnte dann Vanessa Bürki nicht mehr an sich halten und schimpfte auf alles und jeden. Das brachte ihr prompt die gelbe Karte, wie später auch Bianca Rech für das gleiche Vergehen.

Nach unterhaltsamen 30 Minuten Verlängerung hatte allerdings keine Mannschaft das Spiel für sich entschieden. So kam es zum Elfmeterschießen. Die ersten drei Schützinnen jeder Mannschaften versenkten souverän. Dann musste Nathalie Bock erneut für Wolfsburg vorlegen. Der Elfmeter war dann allerdings ein Spiegelbild ihrer heutigen Leistung. Sie schoss ihn weit über das Tor und trat weinend ihrer Mannschaft gegenüber, die sie spontan in den Arm nahm und tröstete. Die Gäste versenkten sicher und gingen somit in Führung. So standen die beiden letzten im Blickpunkt. Annelie Brendel auf Wolfsburger Seite traf souverän in den oberen rechten Winkel. So lag es jetzt an Bianca Rech und Stephanie Ullrich. Rech lief an und schob den Ball gut einen Meter am linken Pfosten vorbei während Ullrich in die Gegenrichtung unterwegs war. So stand es 4:4 nach den ersten fünf Schützinnen. Es ging im direkten Duell weiter und Inga Kappel legte für Wolfsburg erfolgreich vor. Bayern musste in Person von Carmen Roth nachlegen. Aber auch ihr versagten, wie bereits Bianca Rech, die Nerven und sie schoss den Ball über das Tor.


Der Jubel auf Wolfsburger Seite kannte keine Grenzen, da man noch mal mit einem blauen Auge davongekommen war. Aufgrund der ersten 120 Minuten hätte man einen leichten Vorteil für Bayern ausmachen können, aber im Nervenspiel vom Punkt behielt der Gastgeber die Oberhand. So wurde den Zuschauern in der Volkswagen Arena vielleicht kein hochklassiges Spiel geliefert, aber dafür ein sehr spannendes. Bei den drei Pechvögeln vom Punkt konnte nur Nathalie Bock am Ende wieder lachen, brauchte aber den Zuspruch der Mitspielerinnen. Carmen Roth verschwand direkt in der Kabine und Bianca Rech haderte auf dem Spielfeld noch eine Weile mit sich und dem ganzen Spiel. In Wolfsburg ist man jetzt sicher gespannt auf die nächste Auslosung und wünscht sich mit Sicherheit alles andere als die Lose Frankfurt oder Duisburg.

Nathalie Bock

In der Bildmitte: Hängender Kopf, hängende Schulter, Sinnbild des Spiels von Nathalie Bock (Nr. 21 bei Wob)

VfL Wolfsburg:

Ullrich – Özer, Kampf, Tetzlaff – Paula, Unzeitig (86. Pieper) – Kappel, Brendel, Bock – Müller, Horwege (61. Brammer)

FC Bayern München:

Schmetz – Rech, Roth, Paukner, Petsch (72. N.Banecki) – Baunach, Spieler, de Pol, Eder - Simic (61. S.Banecki) – Bürki

Tore: 0:0 n.V.

Elfmeterschiessen:
1:0 Kampf
1:1 de Pol
2:1 Müller
2:2 Spieler
3:2 Brammer
3:3 Baunach
3:4 S.Banecki
4:4 Brendel
5:4 Kappel

Gelbe Karten: de Pol, Eder, Bürki, Paukner, Rech

Schiedsrichterin: Inka Müller (Stendal)

Zuschauer: etwa 350 (keine offizielle Bekanntgabe im Stadion)


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