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DFB-Pokal, Viertelfinale

Doppelschlag durch Lisa Schwab

Tennis Borussia Berlin – 1. FC Saarbrücken 1:2 (0:0)

Text und Fotos von Christian Heidler

23.12.2006   Drei Zweitligisten standen im Viertelfinale, zwei von ihnen trafen aufeinander und da man mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Ausscheiden des SC Sand bei Vorjahresfinalist 1. FFC Frankfurt rechnen durfte, entschied sich im Berliner Mommsenstadion, wer sich als letzter Vertreter der 2. Bundesliga für das Halbfinale qualifizieren würde. Dabei trafen mit dem Drittplazierten TeBe Berlin aus dem Norden und dem souveränen Südstaffelersten Saarbrücken zwei Spitzenmannschaften aufeinander, was eine enge und spannende Partie erwarten ließ.

Bei den ersatzgeschwächten Borussen stand wieder Michaela „Murkel“ Schulz auf dem Platz, obgleich sie ja eigentlich schon ihre Töppen an den Nagel gehängt hatte. Yvonne Schilling konnte immerhin auf der Auswechselbank Platz nehmen. Auf der Gegenseite hatte insbesondere ein dickes Fragezeichen hinter dem Einsatz von Nadine Keßler gestanden. Doch nachdem die mit Knieproblemen geplagte Juniorenauswahlspielerin eine Woche mit dem Training ausgesetzt hatte, war die Saarbrücker Spielmacherin nun von Anbeginn dabei.

Fans von TeBe

Unter dem Tribünendach herrscht eine gute Akustik. Die Fans von Tennis Borussia (hier einige in der Halbzeitpause) machten sich aber auch optisch bemerkbar

Die erste gute Chance bot sich den Gastgeberinnen nach drei Minuten, doch der Kopfball von Kerstin Straka landete in den fangbereiten Armen von Verena Wonn. Wenig später hätte es beinahe im Tor der Saarländerinnen geklingelt. Nach einem Foul von Christina Arend an der agilen Aylin Yaren erhielt TeBe halblinks einen Freistoß zugesprochen, den Mannschaftsführerin Jessica Brückner rechts an der Mauer vorbei an den langen Pfosten nagelte (7.Spielminute). Glück für Wonn, die hier schon geschlagen war!

Funkturm

TeBe vor dem Anpfiff zur 2. Halbzeit. Im Hintergrund eine kleine Fanschar des bereits ausgeschiedenen Titelverteidigers aus Potsdam, dahinter das Messegelände mit dem Funkturm

Später klärte Saarbrückens Torfrau vor der heranpreschenden Straka (12.), konnte aber einen von Yaren aus fast 25 Meter Entfernung direkt getretenen Freistoß nur mit Mühe halten (17.). Aber auch die Gäste waren offensiv ausgerichtet. In der 10. Minute konnte Kerstin Prusas vor der anstürmenden Lisa Schwab retten, zwei Minuten darauf besorgte eine Berliner Abwehrspielerin diese Aufgabe wieder vor Schwab, die diesmal mustergültig von Keßler geschickt worden war. Überhaupt waren Sturmspitze Schwab und Keßler als Schaltzentrale die auffälligsten Aktiven des Spitzenreiters aus dem Süden. Doch noch vermochten es die Veilchen, diese beiden gefährlichen Spielerinnen einigermaßen im Zaum zu halten.

Passend zu einem Pokalspiel kam das kämpferische Element nicht zu kurz, gleichwohl beiden Teams ihre spielerischen Fähigkeiten anzusehen waren. So mußten die Spielerinnen auf beiden Seiten einiges einstecken. Besondere Fairneß zeigte Yaren als sie, obgleich einen vielversprechenden Angriff aufbauend, den Ball zugunsten einer Behandlung der verletzt am Boden liegenden Josefine Henning ins Aus spielte.

Die letzte Möglichkeit vor dem Pausenpfiff vergab Schulz, als sie einen diagonal in den Strafraum getretenen Paß volley in den sonnigen Himmel über dem Eichkamp jagte. Den etwa 140 Zuschauern war eine ziemlich ausgeglichene Begegnung geboten worden, in der die Lilaweißen wohl


Spielszene

Ecke für Tennis Borussia Berlin (blaue Hemden): am Ende reichte es für die Veilchen aber nur zum hochverdienten Ehrentreffer in der 90. Minute

ein Chancenplus verbuchten, das Team von Trainer Guido Mey dagegen die etwas reifere Spielanlage zeigte. Doch noch war der zahlreich mitgereiste Saarbrücker Anhang nicht sonderlich angetan vom Spiel seiner Mannschaft, während sich Borussen-Coach Sven Thoß ganz zufrieden mit der Leistung seiner Veilchenladies zeigte. Berlins Managerin Gaby Wahnschaffe freute sich auch über die Bundesligaatmosphäre, zu der gewiß auch die lautstarke Fanschar der Heimmannschaft beitrug. Aber auch der rbb war mit einer Fernsehkamera vor Ort.

Den zweiten Durchgang gingen die Gäste noch engagierter an und so mußte Madleen „Ernie“ Wilder auch schon kurz nach Wiederanpfiff gegen Keßler klären. Obwohl Wilder noch unter einer im Spiel gegen Leipzig zugezogenen Rippenprellung litt, zeigte sie eine vorbildliche Leistung. Berlin antwortete mit einem Distanzschuß von Josefine Krengel (50.) und auch in der Folgezeit wogte das Spiel hin und her, wobei sich die Mey-Schützlinge langsam ein Übergewicht erarbeiteten.

Einen Saarbrücker Schuß konnte Prusas nur mit Mühe halten (58.), dann wurde eine Flanke von der auf links durchgebrochenen Schwab von Berlins Abwehr gerade noch zur Ecke geklärt (62.). Doch in der gleichen Minute mußte schon auf der Gegenseite ein Tor verhindert werden, was Meike Dinger denn auch gegen Straka gelang. Zwei Minuten darauf hatte der 1. FCS eine Riesenmöglichkeit in Führung zu gehen, doch Henning schloß einen in Überzahl vielversprechend gestarteten Konter nur mit einem Schuß über das Gehäuse der Hauptstädter ab. Keßler war es dann wenig später, die eine Eckballvorlage nicht zu verwerten wußte und den Ball in die Arme von Prusas köpfte.

Zum Kampf kam Krampf und Hektik, die dann in der 66. Minute in einer unübersichtlichen Situation mit mehreren Beteiligten mündete, die wohl allesamt nicht mehr ganz in den Grenzen des Erlaubten agierten. Am auffälligsten zeigte sich dabei die bereits mit Gelb verwarnte Krengel, die nun von Schiedsrichterin Inka Müller auch noch den roten Karton sah und wutentbrannt vom Spielfeld eilte.

Diese Schwächung seines Teams bezeichnete Thoß bei der Pressekonferenz nachher als den Knackpunkt in der Partie. Tatsächlich tauchten die roten Jerseys der Saarbrücker nun noch häufiger gefährlich nah vor dem Tor von Tennis Borussia auf. Eine von der rechten Seite getretene Flanke verpaßte die einköpfbereite Nadine Dillenburger nur knapp, dann mußte Prusas vor Christina Arend die Situation bereinigen. In der 75. Minute war es dann soweit: Einen erneuten Konter schloß Schwab mit einem Schuß über die herauseilende Prusas hinweg ins Tor ab. 1:0 für Saarbrücken.

Jubel bei Saarbrücken

Jubel bei Saarbrücken, der Weg ins Halbfinale ist frei

Fast im Gegenzug wäre beinahe der Ausgleich gefallen als die eingewechselte Schilling den Fuß an eine Hereingabe bekam, der Ball aber von Wonn ohne Probleme gehalten werden konnte. Statt dessen folgte der zweite Streich der quirligen Schwab, die zwei Gegnerinnen überlief und halbhoch rechts einlochen konnte (78.).

0:2 im Hintertreffen, eine Spielerin weniger, das Spiel schien für TeBe gelaufen zu sein. Und dann zappelte der Ball auch schon ein drittes mal im Netz der Borussen, doch aufgrund des gestreckten Beines mit dem die Saarbrücker


Stürmerin zum Ball ging, wurde dem Treffer die Anerkennung versagt. Prusas, die sich bei dieser Aktion verletzte, war bald wieder auf dem Posten.

Das mußte man den Charlottenburgern hoch anrechnen, sie gaben nicht auf und kämpften bis zur letzten Minute. Und diese 90. Minute dauerte mitsamt der Nachspielzeit auch weitaus länger als nur 60 Sekunden. Eine Ecke von Brückner strich über den gesamten Strafraum der Gäste, wo am anderen Ende die eingewechselte Denise Neubauer frei an das Leder kam und selbiges zur allgemeinen Überraschung an die Latte setzte. Es folgte eine weitere Ecke, dann eine dritte und gar noch ein vierter Eckstoß für die Veilchen. Und wieder kam Neubauer zum Schuß, der aber von Wonn pariert werden konnte. Doch jetzt stand Schilling goldrichtig, die den Abpraller in Abstaubermanier im Tor versenkte. Jubel bei Saarbrücken

Saarbrücken im Halbfinale: Jubelwelle nach dem Spiel

Zu mehr als diesem hochverdienten Ehrentreffer reichte es für TeBe dann nicht mehr. Auch die längste 90. Minute wird einmal abgepfiffen. Überschwenglich feierten die Saarbrücker Spielerinnen den Halbfinaleinzug und beendeten somit ein erfolgreiches Jahr 2006. Doch auch Sven Thoß zeigte sich ob der gezeigten kämpferischen Leistung seiner Elf zufrieden und glaubt, daß dieses Spiel seiner Mannschaft Rückenwind für die Rückrunde geben wird. Tennis Borussia wird nun einige Hallenturniere bestreiten und dann in 2007 die Verfolgung der Favoriten Wattenscheid und Gütersloh aufnehmen.

Guido Mey blickt nicht nur angesichts des Pokalerfolgs und eines Siebenpunktevorsprungs optimistisch in die Zukunft. Nach zwei Lehrjahren hält er seine junge Truppe nun reif für den Aufstieg.

Gaby Wahnschaffe und Sven Thoß

Ernüchterung bei Managerin und Trainer. Während Trainer Sven Thoss noch an der Pokalniederlage zu knabbern hatte, konnte Gaby Wahnschaffe immerhin die gute Nachricht vermelden, dass das Duo Rosenstolz auch 2007 Sponsor der Veilchenladies bleiben wird.



Tennis Borussia Berlin:

Prusas - Sharif, Krengel, Liepack, Wilder - Schulz, Brückner, Özer, Yaren (86. Küpper) - Madarevic (71. Schilling), Straka (82. Neubauer)

Trainer: Sven Thoß

1. FC Saarbrücken

Wonn – Schinkel, Arend, Karnbach, Dillenburger, Keßler, Schwab, Henning, Dinger, Wagner, Blank Trainer: Guido Mey

Tore:
0:1 Schwab (75.)
0:2 Schwab (78.)
1:2 Schilling (90.)

Gelb-Rot: Krengel (65.)

Schiedsrichterin: Inka Müller (Stendal)

Zuschauer: 143


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