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DFB-Pokal 2006/2007: 2. Runde

Leipzig gegen schwache Essenerinnen chancenlos

1. FC Lokomotive Leipzig - SG Essen-Schönebeck 0:5 (0:2)

Text von Katja Öhlschläger, Fotos von Bernd Scharfe

25.10.2006

Am 16. Oktober vergangenen Jahres verlor Lokomotive Leipzig in der 2. Runde des DFB-Pokals gegen den FC Bayern München mit 1:8 und war zur Halbzeit bereits mit 0:3 deutlich in Rückstand geraten. Diesmal nun, da mit der SG Essen-Schönebeck wieder ein Erstligist zum Zweitrundenmatch ins Bruno-Plache-Stadion kam, wollte Lok-Trainer Frank Tresp einen schnellen Rückstand unbedingt vermeiden und stellte seine Mannschaft mit einem 3-6-1-System äußerst defensiv auf. Nach dem Spiel musste er einräumen, damit einen Fehler gemacht und Essen eingeladen zu haben. Einen höheren Essener Sieg verhinderte lediglich die äußerst mangelhafte Torausbeute der Gastmannschaft.

Christina Nauesse

An der Spitze der Lokomotive als einzige Sturmspitze auf sich allein gestellt: Christina Nauesse

Nach kurzem anfänglichen Abtasten erarbeitete sich der Erstligist schnell eine deutliche Feldüberlegenheit, gepaart mit vielversprechenden Tormöglichkeiten durch Mandy Islacker (7. und 11.), einen Seitfallzieher von Melanie Hoffmann (12.) und einen Pfostenschuss von Linda Bresonik (18.). Das Geschenk der überforderten Nadine Börner, die, im Aufbauspiel begriffen, den Ball leichtfertig an Linda Bresonik verlor, nahmen die Essenerinnen dann aber an. Bresonik konnte unbedrängt auf die Leipziger Schlussfrau Griseldis Meißner zulaufen und musste das Leder in der 20. Minute nur noch an der machtlosen Keeperin vorbei ins Gehäuse schieben. Ein individueller Fehler von Börner zwar, aber auch symptomatisch für den bisherigen Verlauf. Leipzig konnte sich kaum befreien und lud die Essenerinnen ein, die durch frühzeitiges Stören ihre Gegnerinnen nahezu ununterbrochen in deren eigene Hälfte drängen konnten. Leipziger Konterversuche scheiterten somit früh an der Essener Gegenwehr, den fehlenden Anspielmöglichkeiten und den schlechten Zweikampfwerten bei der Lokomotive.

Das Bild blieb nach dem Führungstreffer das gleiche. Essen stürmte unaufhörlich, Leipzig blieb in die Defensive gedrängt und konnte sich aus dieser Bedrängnis mittlerweile trotz verstärkter Offensivbemühungen auch kaum mehr lösen. Eine Situation, mit der Essens Trainer Ralf Agolli aufgrund des Klassenunterschiedes gerechnet hatte. Nicht aber mit dem heute offenbarten Unvermögen seiner Stürmerinnen, daraus Kapital zu schlagen. Die Agolli-Truppe hatte das 2:0 mehrfach auf dem Fuß, doch Charline Hartmann verpasste zwei Mal knapp. Erst mit einem scharfen Schuss von der Strafraumgrenze, dann nach einem Alleingang in der 25. Minute, den sie, statt auf die wesentlich besser postierte Islacker zu passen und somit zum unüberhörbaren Ärger des Coaches, selbst abschloss und verzog. Als wolle sie den Fehler gleich wieder vergessen machen, nutzte die Torjägerin nur kurz darauf eine Lücke in der Lok-Abwehr, hängte die chancenlose Anja Pioch ab und traf zur 2:0-Führung.

Noch blieb Leipzigs Trainer Tresp seiner defensiven Linie treu und wechselte Nadine Börner, die einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte, gegen Yvonne Rademacher aus. Ein positionsbezogener Wechsel, kein Signal für eine offensivere Ausrichtung. Die Leipzigerinnen schienen nun beinahe schon den Schwanengesang anzustimmen, so überfordert waren sie teilweise gegen die starke Essener Offensive, die ihre Schwächen im Abschluss allerdings über die gesamten 90 Minuten nicht abstellen konnte. Nicht nur die Chancenausbeute, auch die Ideenlosigkeit schlug Essens Trainer schwer auf den Magen: "Wir haben viel zu wenig kreativ gespielt, sind, glaube ich, 15 Mal ins Abseits gerannt. Das passiert einer F-Jugend, aber nicht einer Erstligamannschaft."

Susann Heuser, Sabrina Duhme

Susann Heuser klärt gegen Sabrina Duhme.

Erst war Melanie Hoffmann nach einem Ballverlust von Spielführerin Pioch frei vor dem Leipziger Tor aufgetaucht, um sich den Ball dann doch zu weit vorzulegen und Meißner noch eine Abwehrchance zu geben, dann verpasste Islacker nach Hartmann-Flanke - diesmal hatte sie ihre mitgelaufene Mitspielerin gekonnt bedient -


Livia Ambrosius, Charline Hartmann

Charline Hartmann (l.) war mit drei Toren die überragende Angreiferin auf Essener Seite. Hier schirmt sie den Ball geschickt gegen Livia Ambrosius ab.

haarscharf den Kasten und dann köpfte Bresonik nach einer Ecke von Jennifer Balkenhol auf das Tornetz. Zwei Entlastungsangriffe der Heimmannschaft über die auf sich allein gestellte Christina Nauesse, die, ähnlich wie zuvor Hartmann auf der anderen Seite, die mitgelaufene Susann Erber übersah und mit einem harmlosen Schuss aus 20 Metern abschloss, und wenig später Erber, die nach einem Pass von Nauesse wenige Zentimeter im Abseits stand und aus aussichtsreicher Situation nicht abschließen konnte, blieben ungefährlich und brachten nichts ein.

Ein schmeichelhaftes 0:2 für den Zweitligisten, dem nach erfolgreichem Start in Liga zwei die Grenzen aufgezeigt wurden. "Das war Angsthasenfußball", fasste Tresp die Leistung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit kurz und prägnant zusammen, um diesem sogleich mit offensiverer Marschroute in Halbzeit zwei ein Ende zu bereiten. Mit Erfolg, denn die zweite Spielhälfte begann ausgeglichener, zumindest ein spannenderer Verlauf schien mit etwas Glück noch möglich. Beinahe wurde diese Chance schon nach fünf Minuten zerstört, als Susann Heuser aus eigentlich geordnetem Spiel heraus den Ball gegen Hartmann verlor, aber Meißner Sekundenbruchteile von der Essener Stürmerin an den Ball kam.

Etwa zehn Minuten nach Wiederanpfiff kam die Partie in ihre entscheidende Phase. Die Leipzigerinnen, bei denen inzwischen Karoline Aulrich für Susann Heuser ins Spiel gekommen war, kamen über Susann Erber (durch Löhr im Herauslaufen geklärt) und Kathleen Radtke zu guten Torgelegenheiten, auf der anderen Seite konnte Meißner im 1:1-Duell gegen Bresonik mit einer tollen Fußabwehr bestehen. Wer würde als nächstes treffen? Leipzig zum Anschlusstreffer oder Essen mit der Entscheidung? Die Abgeklärtheit und größere spielerische Reife war es schließlich, die in dieser Phase den Ausschlag gab.

Linda Bresonik

War an fast allen Offensivaktionen beteiligt und traf zwei Mal ins Schwarze: Linda Bresonik

Islacker hatte sich auf der linken Seite gut durchgesetzt, an zwei Leipziger Abwehrspielerinnen vorbei in den Strafraum gepasst, wo Bresonik bereit stand und nur noch einnetzen musste. Eine Flanke allerdings, die niemals die Abwehr hätte passieren dürfen, und eine Torschützin, die niemals so frei hätte stehen dürfen. So gab Frank Tresp nach Abpfiff, obwohl er die Höhe des Erfolgs angesichts der vielen Chancen als absolut verdient ansah, auch konsterniert zu Protokoll, dass man mehrere Tore "durch dumme Fehler" und grobe Schnitzer kassiert habe.

Während die Essenerinnen in der ersten Halbzeit klar dominierten und nur die Effektivität vermissen ließen, schalteten sie jetzt einen Ganz zurück, ja, es schlichen sich sogar einige Nachlässigkeiten im Defensivverhalten ein, die den aufopferungsvoll um den Ehrentreffer kämpfenden Leipzigerinnen einige Torgelegenheiten einbrachten. Die größte Chance bot sich den Messestädterinnen in der 62. Minute, als Erber nach Pass von Nauesse Löhr schon umspielt hatte, dann aber nicht schnell genug abschloss und sich Löhr den Ball blitzschnell noch schnappte. Weitere Chancen durch Hoffmann für Essen und Nauesse, die Hellmann einfach stehen ließ, sowie Zeising blieben ungenutzt. Auch deshalb, weil Lok-Torfrau Meißner ihre Unsicherheiten, vor allem im Fangverhalten, aus der ersten Halbzeit ablegen konnte und mit einigen guten Reflexen glänzte. Dennoch taten die Essenerinnen nach Einschätzung des Trainers zu wenig: "Wir hätten testen und Tore üben können. Es ist sehr schade, dass wir keine Werbung für die 1. Liga machen konnten."

Für den 5:0-Endstand sorgte schließlich Charline Hartmann, die nach einer Flanke von Mirja Kothe zum 4:0 einnetzte und nach einem Foul an Stephanie Mpalaskas den letzten Treffer des Tages per Elfmeter erzielte.


Dem 4:0 war allerdings eine klare Abseitsstellung vorangegangen, die die ansonsten gut leitende Schiedsrichterin Elke Fehlow ebenso übersehen hatte, wie die verletzt am Boden liegende Nauesse wenige Minuten zuvor, als der Angriff über Kothe weiter lief und die Partie erst nach der Parade von Meißner unterbrochen wurde.

Ein hochverdienter, nie gefährdeter Sieg für die Gäste aus Nordrhein-Westfalen, der noch wesentlicher höher hätte ausfallen können, ja sogar müssen, wie ein sichtlich wütender Ralf Agolli nach dem Spiel befand: "Das war ein Klassenunterschied und wir hätten hier zweistellig gewinnen müssen. Mit der Leistung meiner Mannschaft bin ich absolut nicht zufrieden. Wir haben zwar 5:0 gewonnen, uns aber sehr schlecht präsentiert und viele unnötige Fehler gemacht. Mit der Mannschaft werde ich unter der Woche hart zu Werke gehen und ihr den Marsch blasen." Wer ihm dabei in die Augen sah, kann daran nicht zweifeln.

Susann Erber, Stefanie Löhr

Die größte Leipziger Chance zum Ehrentreffer: Susann Erber hat Stefanie Löhr schon fast umspielt, aber die Essener Schlussfrau hat den Ball im Nachfassen.

Leipzigs Trainer Frank Tresp hatte zwei sehr unterschiedliche Halbzeiten gesehen. "Angsthasenfußball" in der ersten und "ordentlichen Fußball" in der zweiten Hälfte. Selbskritisch erkannte er, dass es mit der offensiveren Ausrichtung der zweiten Halbzeit "vielleicht nicht so gekommen wäre". Mit Blick auf die kommenden Spiele in der 2. Liga Nord sprach er von einem "Klassenunterschied" zwischen seiner Mannschaft und den Essenerinnen, die der Tresp-Truppe gezeigt hatten, dass sie trotz des gelungenen Saisonstarts noch hart an sich arbeiten muss und nur der Klassenerhalt das Ziel sein kann. Vor den beiden Heimspielen gegen Calden und Kiel und dem Auswärtsspiel in Wattenscheid wird es nun erstmal Aufgabe des Coaches sein, "mit den Mädels zu arbeiten und das Selbstvertrauen wieder aufzubauen", um aus den kommenden drei Spielen das von Tresp ausgegebene Ziel zu erreichen: "Gegen Calden muss man derzeit gewinnen, obwohl die auch wieder im Kommen sind, wie man beim Spiel gegen TeBe gesehen hat. Mit vier Punkten aus den drei Spielen wäre ich zufrieden.

Frank Tresp

Leipzigs Coach zerbrach sich den Kopf über die richtige Taktik. Nun geht sein Blick schon wieder nach vorne in Richtung Klassenerhalt.

Lok Leipzig:

Meißner - Ambrosius, Uhlig, Beltz - Börner (26. Rademacher), Pioch, Zeising, Heuser (57. Aulrich), Radtke, Erber (73. Vogg) - Nauesse

Trainer: Frank Tresp

Essen-Schönebeck:

Löhr - Chojnacki, Schubert, Balkenhol (75. Kowalik), Mpalaskas - Hoffmann, Duhme (46. Hellmann), Bresonik (63. Yilmaz) - Kothe, Hartmann, Islacker

Trainer: Ralf Agolli

Tore:
0:1 Bresonik (20.)
0:2 Hartmann (25.)
0:3 Bresonik (60.)
0:4 Hartmann (87.)
0:5 Hartmann (89./FE)

Gelbe Karte: Zeising - Islacker

SRin: Elke Fehlow (Zeestow)

Zuschauer: 212


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