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DFB-Pokal 2006/2007: 2. Runde

Drei Tore zu hoch

Hamburger SV - SG Wattenscheid 09 5:0 (2:0)

Text und Fotos von Fuxi

23.10.2006

Eigentlich waren die Fronten klar: Der HSV als Erstligist war Favorit. Aber Wattenscheid kam als amtierender Tabellenführer der 2. Bundesliga Nord an die Hagenbeckstraße. Kein ungefährlicher Gegner also. Allerdings hatten die Bochumerinnen drei Wochen zuvor an gleicher Stätte gegen die Reserve der Hamburger mit 0:1 verloren und zwischenzeitlich die Spitze eingebüßt. Der HSV war in drei seiner vier Bundesligaspiele unterlegen gewesen, nur gegen Freiburg konnten sie einen Dreier verbuchen. Schiedsrichterin damals wie heute: Inka Müller aus Stendal, assistiert von Nicole Remus (Hecklingen) und Angela Hahn (Berlin). Ein gutes Omen? Die SG musste ohne Nadija Inan, Sabrina Dörpinghaus und Julia Kuhlendahl auskommen. Beim HSV fehlte lediglich Vanessa Schröer. Kapitänin Alexandra Gärtner kehrte anstelle von Friederike Engel in die Viererkette zurück.

Frederike Bittner

Fünf Gegentore sind kein Grund zur Fröhlichkeit: Wattenscheids Torhüterin Friederike Bittner mit grimmiger Miene

Die Gäste traten in der gleichen Aufstellung wie beim 0:1 gegen die HSV-Zweite an. Im Tor mit Friederike Bittner, davor Libera Carmen Israel und die Verteidigerinnen Mira Möller und Daniela Löwenberg. Das defensive Mittelfeld besetzten Jana Wolter und Silke van den Berg. Es folgte eine Dreierreihe mit Jennifer Ninaus, Caroline Hamann und Jeanette Götte. Im Sturm die beiden Jennifers, Manzer und Düner.
Achim Feifel setzte auf ein 4-4-2 mit Raute. Anstelle von Bianca Weech sollte Ersatzkeeperin Tessa Rinkes Spielpraxis sammeln. Davor eine Viererkette mit Christine Schoknecht, Janina Haye, Alexandra Gärtner und Christina Plessen. Vor der Abwehr sollte wieder Imke Wübbenhorst abräumen, flankiert von Marion Wilmes und Anna Mirbach. Die Fäden hatte einmal mehr Silva Lone Saländer in der Hand. Sie sollte die Spitzen Shelley Thompson und Tanja Vreden bedienen.

Aber zunächst lief es andersherum. Vreden schickte Mirbach rechts auf den Flügel und orientierte sich selbst Richtung strafraum. Mirbach passte sofort an die Sechzehnerlinie zu Thompson, die für Vreden prallen ließ. Vor Bittner legte die Stürmerin dann nochmal clever quer, und Saländer brauchte nur noch den Fuß hinhalten - 1:0 nach nicht einmal zwanzig Sekunden! Der HSV legte los wie die Feuerwehr. Ein Klasseangriff des Bundesligisten, der die Gäste überrumpelte. Die Rothosen waren bei jedem Zweikampf einen Schritt schneller.

Wie würde der Zweitligist auf den Rückstand reagieren? Zunächst zeigten sich die Bochumerinnnen unbeeindruckt und ließen den Ball gefällig durch das Mittelfeld laufen, während dem HSV das Tor keine Sicherheit zu geben schien. Aus einem in die Mitte abgewehrten Manzer-Freistoß machte Walter einen Direktschuss, der flach zentral in den Armen von Rinkes landete (6.). Beim HSV ging viel über die linke Seite, die die SG dementsprechend dicht machte. Ansonsten hatte Wattenscheid mehr Spielanteile, ohne gefährlich zu werden. Erst nach 24 Minuten kam es wieder zu so etwas wie Torchancen. Einen Rückpass von Israel klärte Bittner hektisch. Ihre Bogenlampe versuchte Vreden direkt zu verwandeln, der Ball jedoch kam viel zu früh wieder runter, und Bittner konnte ihn sicher aufnehmen. Fünf Minuten darauf wurde es schon gefährlicher. Mirbach gewann ein Kopfballduell in Strafraumnähe gegen Möller. Im zweiten Versuch legte Wübbenhorst den Ball an Israel vorbei in den Lauf von Thompson, deren Schuss von Bittner per Fuß zur Ecke abgewehrt werden konnte. Die darauf folgende Hereingabe von Wilmes schädelte Thompson vorbei.

Tina Plessen, Alexandra Gärtner, Jennifer Ninaus

Nach einem hohen Ball nehmen Plessen (Nr. 5) und Gärtner Wattenscheids Ninaus regelwidrig ran. Wübbenhorst erwischt den Ball nicht. Freistoß für Wattenscheid gibt es aber auch nicht.

Nach 33 Minuten hatte Wattenscheid seine bis dato beste Szene: Manzer flankte nach abgewehrtem Eckball von links hinter die Abwehr, deren Abseitsfalle nicht aufging. Plötzlich war Ninaus frei, traf den Ball mit ihrer Grätsche nicht richtig, und so landete er neben dem Pfosten. Der Ausgleich wäre nicht unverdient gewesen. Ein Klassenunterschied war nicht zu erkennen - aber nicht, weil Wattenscheid so gut


Tina Plessen

Die beste Hamburgerin an diesem Tag: Christina Plessen, Neuzugang von Holstein Kiel (im Hintergrund: Imke Wübbenhorst). Sowohl auf der rechten Abwehrseite wie auch vor der Kette gewann sie fast alle Zweikämpfe, suchte in der 2. Halbzeit auch den Weg zum Tor und krönte ihre Klasseleistung mit dem 4:0.

gewesen wäre. Einzig die recht gut organisierte HSV-Abwehr verhinderte Schlimmeres. Nach vorn spielten sie einfallslos, linkslastig und verloren häufig schnell den Ball. Den Gästen fehlte der Zug zum Tor. Es kam die 40. Minute. Links erhielt Saländer den Ball und kreiselte van den Berg aus. Ihr Steilpass in den Strafraum wurde von Vreden erlaufen, die vor Löwenberg und Möller an den Ball kam, aus der Drehung zurück spielte und Mirbach bediente. Mit etwas Glück kam der Neuzugang aus Büppel an Israel vorbei und schob freistehend zum 2:0 ein. Schmeichelhaft.

Damit ging es in die Pause. Die 220 Zuschauer sahen eine schwache Partie. Dem Gastgeber fehlte der Spielfluss. Es gab zu viele einfache Ballverluste. Die Folge war, dass die Abwehr unnötigerweise viel zu tun bekam. Sie suchten vergeblich ihre Linie, fanden nur ganz sporadisch zu einem funktionierenden Kombinationsspiel, aber immerhin reichte es zweimal mit sehenswerten Ballstaffetten zu den Toren. Da nutzten sie Unachtsamkeiten in der Hintermannschaft Wattenscheids, das ansonsten ordentlich mitspielte, nur nicht energisch genug auf ein eigenes Tor drängte. Es fehlte oft der Abschluss. Das 2:0 für den HSV war zu diesem Zeitpunkt glücklich.

Tanja Vreden, Anna Mirbach

Die beiden Akteurinnen des 2:0 in inniger Umarmung: Torschützin Mirbach (Nr. 20) bedankt sich bei Vreden für die Vorarbeit.

Das schien auch der HSV-Trainer so gesehen zu haben. Er wechselte, brachte für die schwache Wilmes und die bereits verwarnte Wübbenhorst nun Friederike Engel und Gina Heinßen. Heinßen übernahm links die Position von Wilmes, Engel ging auf die rechte Abwehrseite, und die bis hierhin starke Plessen rückte vor die Kette. Kurz nach Wiederanpfiff gab es Eckball. Thompson brachte sie herein, aber der Ball wurde abgewehrt. Er landete bei Schoknecht. Deren Bogenlampe sprang zehn Meter vor dem Tor auf, wo Vreden nicht im Abseits war. Bittner blieb ängstlich auf der Linie, Vreden köpfte, traf aber nur den Pfosten, während die Torfrau sich danach hechtete. Der Ball prallte zurück, Vreden lag im Fünfmeterraum und brachte ihn im Liegen mit einem nicht näher beschreibbaren, urkomisch gekrabbelten Seit-Rückzieher per Fußspitze über die Linie - 3:0. Typisch - die simplen Chancen (wie eine Woche zuvor gegen Nadine Angerer) sind ihr zu einfach, aber die Unmöglichen macht Vreden rein...

Carolin Dej, Jennifer Düner, Christine Schoknecht, Janina Haye, Silva Lone Saländer

Selten konnten sich die Gäste mal in Strafraumnähe durchsetzen. Auch hier tut sich Düner (Nr. 13) schwer gegen Haye (li.) und Schoknecht (re.). Dahinter lauert die eingewechselte Carolin Dej auf einen Ballgewinn. Aber für Düner war nach diesem Dribbling im Strafraum Schluss - Saländer klärte.

Das war natürlich die Entscheidung in diesem Spiel. Der HSV wurde nun im Gefühl des sicheren Sieges stärker. Schoknecht warf auf Thompson ein. Löwenberg störte, aber Thompson blieb in Ballbesitz, probierte es direkt aus zwölf Metern halblinks, traf aber nur das Außennetz. Wattenscheid wechselte. Für die blasse Manzer kam Carolin Dej. Es folgte die einzige Chance für Wattenscheid im 2. Durchgang: Ein Freistoß von Götte aus 20 Metern, der in der Mauer landete. Auf der anderen Seite köpfte Saländer einen Eckball von Thompson vorbei. Dann setzte sich Engel rechts gegen Ninaus durch, brachte den Ball flach in den Fünfmeterraum, wo ihn Vreden mit der Hacke neben den Pfosten leitete. Aber trotz der Möglichkeiten war der HSV im Spiel nach vorn häufig zu träge und brauchte zu lange für die Ballverwertung. So hielt sich Wattenscheid schadlos. Bis zur 64. Minute. Da nahm Saländer Löwenberg den Ball ab und suchte die gestartete Vreden. Israel war dazwischen, ließ den Ball aber zu weit abprallen. Plessen nahm die Kugel in den Strafraum mit und ließ


Bittner keine Abwehrchance - 4:0 (64.).

Beide wechselten jetzt erneut. Bei Wattenscheid kam Lisa Oelke für Götte. Beim HSV debütierte U20-WM-Torjägerin Anna Blässe im Rautentrikot anstelle von Mirbach. Sie sollte allerdings in den verbleibenden 25 Minuten nur ihren Platz im Team suchen. Ihr Team wollte über Konter weitere Tore herausspielen, machte sich das aber weiterhin mit Ballverlusten schwer. Die SG war nach vorn harmlos, obwohl der HSV weiterhin Räume zum Spielen bot. Einzig die mit Gärtner stabiler wirkende Abwehr stoppte sie immer wieder. Eine Viertelstunde vor Schluss hatte Thompson, an der das Spiel völlig vorbei lief, ihre beste Szene: Sie eroberte den Ball von Walter, trat kurz zum Strafraum an, holte dann aus 19 Metern die linke Klebe raus und schweißte das Spielgerät unhaltbar ins lange Eck - 5:0.

Nun kam bei der SG nochmal Stefanie Pohl für Caroline Hamann. Aber es spielte nur der HSV in den letzten zehn Minuten. Wegen Abseitsstellung ihrer Mitspielerinnen musste Plessen solo zum Tor gehen, doch Israel bedrängte sie effektiv genug, dass Bittner den Abschluss halten konnte. Dann flankte Schoknecht, die ihre Freiheiten nun nutzte, auf Thompson, die den Ball mit der Brust elegant annahm. Den folgenden Linksschuss fälschte Löwenberg ab, und Bittner hielt. Wieder Schoknecht über links, die Vreden schickte. Beim Querpass des HSV-Urgesteins kam Blässe einen halben Schritt zu spät, grätschte ihn deutlich rechts vorbei. Saländer versuchte es sechs Minuten vor Schluss aus 30 Metern - drüber.

Daniela Löwenberg, Silva Lone Saländer

Die entscheidende Szene vor dem 4. Treffer: Saländer (re.) erkämpft sich den Ball von Löwenberg. Nach einer Drehung sucht sie Vreden (im Hintergrund), aber Plessen macht schließlich das Tor.

Shelley Thompson wollte ihren zweiten Treffer nun erzwingen. Sie übersah nach Zuspiel von Saländer, dass Blässe in besserer Schussposition mitgelaufen war, versuchte es gegen Walter selbst und scheiterte an Bittner. Nochmal der HSV. Steilpass Saländer auf rechts zu Blässe, Flanke von der Grundlinie, doch Vreden köpfte drüber. Das war's. Der HSV-Sieg ging am Ende in Ordnung, wenngleich er drei Tore zu hoch ausfiel. Das 3:0 war der Knackpunkt, der Wattenscheid den Zahn zog. Danach lief es für das Feifel-Team besser. Die Gäste waren zu harmlos, waren im ganzen Spiel, besonders aber in der zweiten Halbzeit, ohne Torgefahr. Dennoch verkauften sie sich ordentlich. Der HSV nutzte die Räume in den zweiten 45 Minuten und fuhr einen Sieg ein, der deutlicher war als das Spiel. Nach Abpfiff waren sich dann auch alle einig: Der Bundesligist hatte noch viel Luft nach oben. Beste Hamburgerin war die sehr zweikampfstarke Tina Plessen, bei Wattenscheid Friederike Bittner, der man an keinem Gegentor Schuld zuweisen konnte. Allerdings auch in diesem Spielbericht noch ein Wort zur Schiedsrichterleistung: Es gab einige strittige Szenen, die zumeist zugunsten des HSV ausgelegt wurden. Müller machte keine gute Figur, wenn ihr auch grobe Schnitzer erspart blieben.

Hamburger SV:

Rinkes - Schoknecht, Haye, Gärtner, Plessen - Wilmes (46. Heinßen), Wübbenhorst (46. Engel), Mirbach (65. Blässe) - Saländer - Vreden, Thompson

Trainer: Achim Feifel

SG Wattenscheid 09:

Bittner - Israel - Möller, Löwenberg - Jana Wolter, S. van den Berg - Ninaus, Hamann (78. Pohl), Götte (65. Oelke) - Manzer (52. Dej), Düner

Trainerin: Tanja Schulte

Tore:
1:0 Saländer (1.)
2:0 Mirbach (40.)
3:0 vreden (47.)
4:0 Plessen (64.)
5:0 Thompson (75.)

Gelbe Karte: Wübbenhorst (32., Halten) / Walter (12., Meckern), Götte (25., Foulspiel)

SRin: Inka Müller (Stendal) mit Angela Hahn (Berlin) und Nicole Remus (Hecklingen)

Zuschauer: 220


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