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DFB-Pokal-Achtelfinale

Hamburgs Einsatz wurde nicht belohnt

Hamburger SV - 1. FFC Frankfurt 0:3 (0:2)

Text von Jens Wolter
Bilder von Beate Wolter

22.11.2006   Ein Desaster mit 9 Gegentoren wie in der Vorsaison (BL) sollte es nicht erneut geben, dieser Wille der Gastgeberinnen war von der ersten Minute an zu erkennen. Zu einer fußballerischen Sensation gegen den hohen Favoriten aus der Mainmetropole, der ohne seine Stammkräfte Birgit Prinz (Sperre) und Renate Lingor (Wadenverletzung) auskommen musste, reichte das hohe Engagement der HSV-Spielerinnen dann allerdings doch nicht.

Ein zeitgleich angesetzes Regionalligaspiel der zweiten Herrenmannschaft des HSV gegen Fortuna Düsseldorf an der Hagenbeckstraße sorgte dafür, dass die Partie auch für die Gastgeberinnen zu einem halben "Auswärtsspiel" wurde, denn man mußte in das Stadion des SC Victoria Hamburg ausweichen. Trotz dieses widrigen Umstandes und des miserablen Wetters (Dauerregen bei rd. 5 Grad Celsius) war die Partie - für Hamburger Verhältnisse - recht gut besucht. Die Qualität des Spieles litt allerdings unter den Wetterbedingungen und den daraus entstandenen Platzverhältnissen, die für manche unfreiwillige Rutschpartie auf beiden Seiten sorgten. Insbesondere die weißen Trikots der Gastgeberinnen ließen bei Spielende mehr an Schlammcatchen als an ein Fußballspiel denken.

Bibiana Steinhaus

Schon vor dem Anstoß mehr Schlamm als Gras am Anstoßkreis: So präsentierten sich die Teams den Zuschauern. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (genau auf der Mittellinie stehend) schien ihren Spaß daran zu haben

Hamburgs Aktionen in der ersten Spielhälfte waren erkennbar von der Devise geprägt: "Je länger es 0:0 steht, um so besser für uns"! Über eine halbe Stunde lang ging diese Marschrichtung auch auf. Frankfurt war erkennbar sehr um konstruktives Angriffsspiel bemüht, kam jedoch nicht zu wirklich zwingenden Torchancen. Hamburgs Abwehr um Torfrau Tessa Rinkes, die an diesem Tag Stammtorhüterin Bianca Weech gut vertrat, fing die Angriffe der Frankfurterinnen meist sicher ab. Gleichzeitig hingen die Hamburger Spitzen Tanja Vreden und Shelley Thompson völlig in der Luft und sahen sich stets gleich drei bis vier Abwehrspielerinnen des Gegnerinnen gegenüber, die die langen Bälle aus der Hamburger Abwehr zumeist sicher abfingen.

Meike Weber

Frankfurts Meike Weber am Ball, Judith Affeld passt rechts auf Hamburgs Stürmerin Shelley Thompson auf, Silva Lone Saländer stellt den Raum zu und Sandra Smisek bietet sich oben als Anspielpartnerin an

Die 0:1-Führung der Frankfurterinnen in der 36. Minute entstand aus einer Szene, die angesichts des vorhergehenden Spielverlaufes gar nicht besonders gefährlich wirkte. Nach Vorarbeit von Kerstin Garefrekes auf der rechten Seite konnte Steffie Jones eine hohe Flanke von Katrin Kliehm mit dem Kopf ins lange Eck verlängern. Sechs Minuten später konnte Petra Wimbersky die Führung auf 0:2 erhöhen. In dieser Szene sah die Hamburger Hintermannschaft einschließlich der Torhüterin alles andere als gut aus. Hamburgs Spielerinnen warteten erkennbar auf einen Abseitspfiff, der jedoch nicht kam


Tessa Rinkes

Schlammschlacht bei Dauerregen: Tessa Rinkes, heute für Bianca Weech im Tor des Hamburger SV, lag hier verletzt im Schlamm, konnte aber weiterspielen und lieferte ein gutes Spiel. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus und Hamburgs Kapitänin Alexandra Gärtner kümmern sich um Rinkes, Friederike Engel holt schon mal den Ball

(ob er hätte kommen müssen, konnte ich aus meinem Blickwinkel nicht beurteilen). Fast wie in Zeitlupe rollte der Ball durch eine Schlammpfütze, die ihn beinahe noch gestoppt hätte, und über die Linie des Hamburger Tores.

Dass hierdurch - mindestens - eine Vorentscheidung gefallen war, war jedem aufmerksamen Beobachter klar. Hieran änderte auch Hamburgs einzig nennenswerte Torchance durch eine Gemeinschaftsaktion von Vreden, Thompson und Silva Lone Saländer in der 44. Minute nichts, die von Silke Rottenberg durch eine entschlossene Fußabwehr im Herauslaufen zunichte gemacht wurde.

In der zweiten Halbzeit bewies Hamburgs Trainer Achim Feifel mehr Mut zum Risiko, indem er nach und nach mit Maja Schubert, Anna Blässe und Gina Heinßen gleich drei offensiv ausgerichtete Kräfte frisch ins Spiel brachte, während die Defensivspielerinnen Stephanie Ende und Friederike Engel den Platz verließen.

Petra Wimbersky

Petra Wimbersky (links), hier im Zweikampf mit Imke Wübbenhorst, machte mit ihrem Tor schon vor der Pause fast alles klar

Diese Maßnahmen brachten jedoch lediglich ein gefälligeres Angriffsspiel der Gastgeberinnen, aber keine zählbaren Erfolge ein. Spätestens Silke Rottenberg stoppte die Angriffsbemühungen des HSV. So rettete die Nationaltorhüterin, die aber einen insgesamt relativ ruhigen Nachmittag verbrachte, in der 52., 78. und 79. Minute vor Hamburgs Tanja Vreden sowie in der 57. Minute mit Fußabwehr vor Saländer nach Hereingabe von Thompson. Bei zwei weiteren nennenswerten Aktionen des HSV kam Shelley Thompson in der 63. Minute bei einer scharfen Hereingabe von Schubert um einen Schritt zu spät, während erneut Tanja Vreden in der 87. Minute nach kurzem Solo einen Schuß weit über das Frankfurter Tor jagte.

Shelley Thompson

Shelley Thompson springt hier fair über Silke Rottenberg, die den Ball sicher hat. Christina Zerbe braucht nicht mehr einzugreifen

Die offensivere Spielweise des HSV eröffnete andererseits den Gästen mehrere Gelegenheiten, das Ergebnis noch zu erhöhen. So mußte Torfrau Tessa Rinkes in der 72. Minute vor der


heranstürmenden Kerstin Garefrekes retten und konnte in der 75. Minute gerade noch die Arme hochreißen, um einen Schuß von Petra Wimbersky aus rd. 8 Metern weg zu fausten.

Wiederum Wimbersky war es dann in der 86. Minute, die nach einem Steilpass knapp rechts am Hamburger Tor vorbeizielte. angesichts des Zwei-Tore-Vorsprungs schienen die Angriffsbemühungen der Gäste in Halbzeit 2 allerdings nicht mehr mit dem allerletzten Biss vorgetragen zu werden. Den Schlusspunkt des Spieles setzte dann Louise Hansen in der ersten Minute der Nachspielzeit, als sie einen Frankfurter Konter mit einem Beinschuss bei der herausstürzenden Hamburger Torfrau zum 0:3 abschließen konnte.

Frankfurt gelang letztendlich ein verdienter, aber glanzloser und - vielleicht - um ein Tor zu hoch geratener Sieg. Den über die gesamte Spieldauer aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeberinnen wäre ein Ehrentreffer durchaus zu gönnen gewesen.

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Das Team des HSV - hier Silva Lone Saländer - zeigte eine kämpferisch starke Leistung. Im Hintergrund Frankfurts Kerstin Garefrekes, die von rechts für viel Gefahr im Hamburger Strafraum sorgte

Hamburger SV:

Rinkes - Engel (79. Heinßen), Gärtner, Ende (46. Schubert) - Wübbenhorst, Haye, Mirbach (74. Blässe), Saländer, Schoknecht - Vreden, Thompson

1. FFC Frankfurt:

Rottenberg - T. Wunderlich, Zerbe, Jones - Weber, Hansen, Smisek, Affeld - Wimbersky, Garefrekes, Kliehm (79. Bartusiak)

Tore:
0:1 Jones (36.)
0:2 Wimbersky (42.)
0:3 Hansen (90.+1)

Karten:
gelb: Schubert (82./Foulspiel)
gelb-rot: ---
rot: ---

Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus (Hannover)

Zuschauer: 500 (laut Ansage, eigene Schätzung: 700)


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