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DFB-Pokal 2006/2007: 1. Runde

Vier Tore für ein „Halle-Lujah“

Hallescher FC – TSV Jahn Calden 0:4 (0:1)

Von Christian Heidler

08.09.2006

Das Reizvolle am Pokal ist ja auch, daß er häufig Mannschaften zu einem Spiel zusammenführt, die ansonsten kaum einmal aufeinander treffen würden. Und dem Anhänger des Gästeteams beschert die Auslosung einen Austragungsort, den er aus dem Ligaalltag noch nicht kennt. Der Besuch einer so geschichtsträchtigen Universitätsstadt wie Halle versprach also recht interessant zu werden.

Alter Markt

Marktplatz mit Marktkirche, Händeldenkmal und Rotem Turm

Foto: Christian Heidler

Bereits unweit des Bahnhofs präsentiert die Stadt auf Tafeln zahlreiche Persönlichkeiten, die aus Halle stammen oder dort ihre Spuren hinterlassen haben. Beispielhaft seien hier nur der Reformator Martin Luther, Schauspieler Peter Sodann, der verwegene „Seeteufel“ Felix Graf von Luckner oder der in der Fünf-Türme-Stadt allgegenwärtige Komponist Georg Friedrich Händel genannt. Die Altstadt vom Leipziger Turm bis zum Alten Markt weiß mit vielen schönen alten Häusern zu gefallen, während die Moritzburg leider gerade wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist.

Am anderen Saaleufer befindet sich das Salinenmuseum und in dessen Nachbarschaft die WandelHalle, deren Ausstellung die Veränderung des Stadtbildes insbesondere für die jüngere Vergangenheit bis hin zur näheren Zukunft sehr anschaulich aufzeigt. In den Mittagsstunden erreichen die in Leipzig gestarteten Teilnehmer des 5. Mitteldeutschen Marathons das Ziel in der Hallenser Innenstadt und kehren die sportliche Seite der Stadt heraus, mit der sich auch Namen wie der des legendären Langstreckenläufers Waldemar Cierpinski oder des Fußballnationalspielers Dariusz Wosz verbinden.

Roter Turm Halle

Täglich ein Stück Geschichte: 1200 Jahre Halle, 500 Jahre Roter Turm, 40 Jahre Hallescher FC (Chemie), erstes Pokalspiel des HFC gegen Jahn Calden.

Foto: Christian Heidler

Und damit haben wir auch schon die Überleitung zum eigentlichen Grund des Abstechers in die Saale-Stadt: Der Hallesche FC ist als Sieger des Landespokals von Sachsen-Anhalt Gastgeber des Nordzweitligisten TSV Jahn Calden in der ersten Runde des DFB-Pokals. 150 bis maximal 200 Zuschauer finden denn auch den Weg zum Sportplatz am Böllberger Weg, viele von ihnen schon äußerlich als Anhänger des HFC zu erkennen. Der Grillstand sorgt für das leibliche Wohl der Besucher. Der Himmel ist wolkenverhangen, doch sorgt ein kräftiger Wind dafür, daß es trocken bleibt. Und nun zum Spiel:

Das erste Ausrufezeichen der Partie setzt Halles Jana Scheffler mit einem Lattenknaller, bei dem Caldens Torfrau Julia Zeuner nicht „Herr der Lage“ ist. Einen im Anschluß an eine Ecke kurz darauf erneut abgegebenen Schuß von Scheffler weiß Zeuner dann aber sicher zu parieren. Der Zweitligist kommt erst nach gut 20 Minuten gefährlich vor das Tor des Gegners, als Nina Ratzkowski einen Flachschuß knapp neben den linken Pfosten setzt. Noch eine bessere Gelegenheit bietet sich den Gästen in der 29. Minute, als Stürmerin Jaqueline Scheuren durch ist und nur noch die aus ihrem Tor eilende Frances Herter vor sich hat. Doch statt, wie man es von ihr gewohnt ist, in Goalgettermanier zu vollstrecken, stoppt sie ab, wird von den Gegenspielerinnen wieder gestellt und kann letztlich nur auf eine mitgelaufene Mannschaftska-
meradin querlegen, deren Schuß aber abgeblockt wird.


Lisa Penner, Sina Alexi

Selten hatte Calden so leichtes Spiel wie hier Sina Alexi, die Halles Nr. 6, Lisa Penner, verlädt.

Foto: Margerita Brilling

Zwei Minuten später macht es auch die Hallenser Nr. 20, Indira Döling, nicht viel besser. Auch sie kann ihren Kontrahentinnen entlaufen, verschießt dann aber kläglich. Dennoch gehört sie zu den Besten eines ohnehin stark aufspielenden Regionalligisten, der über den Kampf zum Spiel findet. Die Nordhessinnen hingegen bleiben vieles an Einsatz und Laufbereitschaft schuldig. Rein spielerisch lassen sich die Anhalter nicht bezwingen, zumal das Paßspiel Caldens zu ungenau bleibt. Ein Klassenunterschied ist kaum erkennbar.

Beatles-Museum Halle

Nicht nur Altmeister Händel hat seinen Platz in Halle. Auch den Pilzköpfen aus Liverpool wird hier gehuldigt.

Foto: Christian Heidler

Jahn-Trainer Manfred Rauschenberg reagiert auf die Situation und ersetzt bereits in der 40. Spielminute Leonie Klement durch das junge Talent Anika Klaus. Eine Minute später macht sich dann der kleine, aber letztlich spielentscheidende Unterschied zwischen den beiden Mannschaften bemerkbar: die Chancenauswertung. In einem der bis dahin seltenen sehenswerten Spielzüge setzt sich Nina Ratzkowski auf der linken Außenbahn durch und paßt von der Grundlinie nach innen. Die maßgenaue Vorlage braucht Miriam Böttcher nur noch im Hallenser Gehäuse zu versenken.

Dagegen waren die Roten kurz zuvor in Person von Lisa Penner und in der Schlußminute erneut durch Döling an Zeuner gescheitert. Bei ihrer Rettungstat vor dem Halbzeitpfiff verletzt sich Caldens Keeperin, doch kann sie glücklicherweise beim Seitenwechsel wieder zwischen die Pfosten, ist doch der TSV ohne Ersatztorhüterin angereist. Einen Wechsel nehmen die Gäste dennoch vor und bringen Angelique Scheuren für die Torschützin Böttcher.

Heimcoach Dietmar Noack sieht dagegen keinen Grund Änderungen vorzunehmen und schickt eine unveränderte Elf in die zweite Halbzeit. Zunächst scheint auch einiges wie im ersten Durchgang zu verlaufen. Die erste Großchance bietet sich den Gastgeberinnen, doch bei dem Gewühl und Gestocher vor dem Caldener Torraum schafft es keine Hallenserin, die Kugel über die Torlinie zu befördern. Einige Minuten später scheitert Simone Müller an Halles Nr. 1. Auch Klaus macht es Mitte der zweiten Halbzeit aus aussichtsreicher Position nicht besser.

Gruß ins Publikum

Gruß der Spielerinnen in das erwartungsvolle Publikum. Der HFC in Rot, die Gäste in Dunkelblau.

Foto: Margerita Brilling

Während bei den „Halloren“ langsam die Kräfte schwinden, legen die Caldenerinnen spielerisch und kämpferisch noch etwas zu, auch wenn sie weiterhin noch Probleme mit der Abseitsfalle des HFC haben. In der 76. Spielminute weiß sich Angi Scheuren zentral gut durchzusetzen. Sie umkurvt auch Herter, trifft dann aber zu weit nach rechts außen abgedrängt nur das Außennetz. Kurz darauf fällt dann doch das vorentscheidende 0:2, als Ratzkowski im dritten Nachsetzen den Ball aus Nahdistanz endlich im Tor unterbringen kann. Ratzkowski ist es dann auch, die nach einer schönen Kombination das 0:3


erzielt. Und wieder eine Minute später folgt der vierte Caldener Streich, diesmal durch J. Scheuren.

Die eingewechselte Meike Pottebaum und noch mal Caldens Kapitän vergeben in der Schlußphase weitere gute Chancen. Doch das wäre denn auch des Guten wirklich zu viel gewesen, wie auch Gästetrainer Rauschenberg nach dem Spiel einräumt. Er selbst hätte ein 2:0 als ein dem Spielverlauf angemessenes Ergebnis angesehen und gratuliert den HFC-Spielerinnen zu ihrer feinen Leistung, während er zu seinem eigenen Team lieber nichts sagen möchte.

Auch der Hallenser Übungsleiter ist mit der Leistung seines Teams sehr zufrieden. Obgleich er angesichts einer geschlossenen Mannschaftsleistung eigentlich keine Spielerinnen hervorheben will, finden dann doch Libero Katja Gabrowitsch, Spielführerin Anika Steckbauer und Indira Döring seine besondere Erwähnung.

Frances Herter

Die Situation ist bereinigt. Halles Torfrau Frances Herter hat den Ball.

Foto: Margerita Brilling

Abschließend kann von einer lange ausgeglichenen, spannenden, stark umkämpften und dennoch recht fair geführten Pokalpartie gesprochen werden, die hoffentlich zahlreiche Besucher dazu angeregt hat, auch zu den Meisterschaftsspielen der HFC-Frauen zu gehen. Die zurückhaltenden Hallenser Fans können dann sicherlich noch etwas mehr Stimmung verbreiten als an diesem Pokalnachmittag.

Für die Meisterschaft sollte dieser engagierte Auftritt der Noack-Truppe einigen Schwung verleihen. Mit einer solchen Leistung müßte der Abstiegskampf von Halle erfolgreich bestritten werden. Umgekehrt wird es Calden mit ähnlichen Leistungen wie heute in der 2. Bundesliga sehr schwer haben. Einem Team wie Auftaktgegner Gütersloh kann mit solcher Einstellung nicht Paroli geboten werden. Sicherlich, mit Karina Thöne und Julia Salokat fehlen den Rauschenberg-Schützlingen derzeit noch die potentiellen Spielmacherinnen. Ein Grund mehr aber insbesondere für die erfahrenen Spielerinnen, sich noch mehr reinzuhängen.

Mit einem Abstecher in die Hallenser Gastronomie in der belebten Innenstadt klingt der Sonntagsausflug aus, ehe die Heimreise angetreten wird.

Hallescher FC:

Herter, Richter, Helling, Scheffler, Penner, Steckbauer, Mann (73. Wegewitz), Gabrowitsch, Bein, Steiner , Döling

Trainer: Dietmar Noack

TSV Jahn Calden:

Zeuner, Georgi, Giehl, Alexi, Rosek, Thöne, Klement (40. Klaus), Böttcher (46. A. Scheuren), Müller (73. Pottebaum), Ratzkowski, J. Scheuren

Trainer: Manfred Rauschenberg

Tore:
0:1 Böttcher (41.)
0:2 Ratzkowski (77.)
0:3 Ratzkowski (80.)
0:4 J. Scheuren (81.)

Gelbe Karte: Klaus (weil Schuh verloren?)

SRin: Ina Michel (Stolpen)

Zuschauer: maximal 200


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