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DFB-Pokal Finale 2007Holls Abschiedsgeschenk als Höhepunkt eines enttäuschenden Pokalfinals1. FFC Frankfurt - FCR 2001 Duisburg 5:2 n.E. (1:1/1:1) | ||
Text von Katja Öhlschläger, Fotos von Tom Schlimme28.5.2007 Über die reguläre von Spieldauer von 90 Minuten hinweg plätscherte das Pokalfinale 2007 so eintönig vor sich hin, wie der Regen vom Himmel goss. Nur wenige Aufreger ließen erahnen, dass es vor anfangs wenigen tausend Zuschauern um den Titel im deutschen Vereinspokal ging. So ließ der Höhepunkt der Partie bis zum Elfmeterschießen auf sich warten. Mit Frankfurts Torfrau Uschi Holl avancierte dabei ausgerechnet eine Spielerin zur Heldin, die den neuen Pokalsieger nach der Saison gen Bad Neuenahr verlässt, weil sie das Reservistendasein in Frankfurt satt hat. Nachdem sich beide Teams über weite Strecken neutralisiert hatten, machte im Elfmeterkrimi schließlich Holl mit ihren zwei starken Paraden gegen Vanessa Martini und Patricia Hanebeck den Unterschied, da waren sich alle einig. Duisburgs Abwehrchefin Annike Krahn: „Uschi hat die Elfmeter super gehalten.“ Frankfurts Torwarttrainer Andreas Kalusche: „Super, wie Uschi reagierte. Es bedarf schon einer enormen Sprungkraft, um aus dem Stand die Bälle derart aus dem Winkel zu holen.“ Und die Matchwinnerin erklärte glücklich: „Wenn eine Spielerin zum Punkt läuft, entscheide ich mich spontan. Dieses Mal hat es zwei Mal geklappt, das war schon ein geniales Gefühl!“ Es ist nicht übertrieben festzustellen, dass sich die Einigkeit zwischen den Frankfurter und Duisburger Beteiligten in den Lobeshymnen auf Holl schon erschöpft hatte. ![]() Elena Hauer (l.) und Jennifer Oster wurden von ihren Teamkolleginnen schmerzlich vermisst. Denn schon die erste Spielminute schmeckte Frankfurts Übungsleiter Hans-Jürgen Tritschoks gar nicht. In dieser waren FCR-Torhüterin Kathrin Längert und FFC-Stürmerin Petra Wimbersky arg zusammengerasselt, als die Duisburger Schlussfrau in brenzliger Situation retten musste. Statt einer Verwarnung für Längert entschied Schiedsrichterin Moiken Jung auf Freistoß für Duisburg. Tritschoks vorsichtig, aber zugleich unmissverständlich: „Eine unglückliche Entscheidung. Bei einer roten Karte für Längert wäre das Spiel anders verlaufen.“ Zwei Minuten später aber gab es nach einem Pfiff von Jung auf Frankfurter Seite Grund zum Jubeln. Anne van Bonn stellte Frankfurts Angreiferin Birgit Prinz das Bein, Prinz kam ins Fallen und Jung entschied sich korrekt für Strafstoß. Steffi Jones mochte nach den Negativerfahrungen in den letzten Pokalfinals gegen Potsdam schon gar nicht mehr Hinsehen, doch FFC-Kapitänin Renate Lingor verwandelte sicher zum 1:0. Eine frühe Führung, die Duisburg so „gar nicht eingeplant“ hatte (Krahn). Was den Löwinnen auch anzusehen war, denn in den Anfangsminuten wirkten sie wie schon im Ligaspiel seltsam gehemmt und suchten ihr Heil wiederholt und erfolglos in langen Pässen auf Inka Grings. Diese unerlaubte Berührung von Duisburgs Anne van Bonn (r.) im Zweikampf mit der angreifenden Birgit Prinz führte zum berechtigten frühen Elfmeter für Frankfurt, die damit ohne Feldtor Pokalsieger wurden. Duisburgs Top-Stürmerin stand in der Spitze oftmals auf verlorenem Posten. Umso schmerzlicher für sie und ihr Team, dass ihre Offensivpartnerin Simone Laudehr, im Halbfinale in Essen noch zweifache Torschützin, bereits nach sieben Minuten wegen eines Pressschlags im Zweikampf mit Steffi Jones verletzungsbedingt behandelt und schließlich kurz darauf gegen Verena Hagedorn ausgewechselt werden musste. Für FCR-Trainer Thomas Obliers nur ein Element in einer Woche, die er als „Seuchenwoche“ bezeichnete. Nach den Verletzungen von Jennifer Oster und Elena Hauer war auf der Hinfahrt nach Berlin auch noch der Mannschaftsbus kaputt gegangen, was fast zu einem Unfall geführt hätte. „Ich bin stolz auf diese junge Mannschaft, wie sie die Rückschläge weggesteckt hat“, konstatierte daher der 2. Vorsitzende Dieter Oster. In der Tat, die Feldüberlegenheit lag zwar auf Seiten Frankfurts, doch zwingende Chancen ergaben sich dadurch nur sehr selten. Eine der wenigen hochkarätigen Chancen vereitelte in der 10. Minute Patricia Hanebeck auf der Linie, nachdem sich Prinz von drei Löwinnen nicht hatte aufhalten lassen und dem Duisburger Gehäuse gefährlich nahe gekommen war. Das nächste Raunen ging neun Minuten später durch das weite Rund: Nicole Bender hatte sich aus gut 20 Metern ein Herz gefasst, abgezogen und das Ziel knapp links nur um wenige Zentimeter verfehlt. In der Folge sorgte eher der heftige Wolkenbruch über dem Olympiastadion für reichlich Bewegung – auf den Zuschauerrängen. Tausende Fans der Männerfinalisten nahmen in Windeseile ihre Plätze ein, um sich vor dem Unwetter zu schützen. Die heftigen Wolkenbrüche machten allen Spielerinnen schwer zu schaffen.
Die „Regenschlacht“ (Frankfurts Manager Siegfried Dietrich) auf dem Rasen gewann erst Sekunden vor dem Abpfiff des ersten Spielabschnitts wieder an Würze. In der 40. Minute kam Hanebeck in halblinker und aussichtsreicher Position an das Leder, stand nach Meinung der Unparteiischen aber im Abseits - Glück für Frankfurt. |
Sternstunde für Uschi Holl: Die Frankfurter Torfrau parierte gleich zwei Strafstöße und machte damit den Weg frei zum sechsten Pokaltriumph des FFC Frankfurt. | |
Kurz darauf zielte wieder Hanebeck bei einem Freistoß knapp rechts vorbei. Aller guten Dinge waren schließlich drei: Fatmire Bajramaj spielte die ansonsten sehr sichere Saskia Bartusiak schwindlig, flankte präzise kurz vor das lange Eck, wo Sonja Fuss schneller reagierte als ihre Gegenspielerin Judith Affeld und den Ausgleich zum psychologisch günstigsten Zeitpunkt erzielte. Die stabile Frankfurter Abwehr um Tina Wunderlich (r.) hatte Duisburgs Top-Stürmerin Inka Grings zumeist gut im Griff. Wie günstig dieser Zeitpunkt war, merkte jeder gleich in den Anfangsminuten von Halbzeit zwei. Die unsichtbaren Fesseln, die die Duisburgerinnen in der Anfangsphase getragen hatten, schienen nun gänzlich abgelegt. Treffend erkannte Trainer Obliers: „Meine Mannschaft kam frisch aus der Kabine.“ Drei Minuten waren wieder gespielt, da kam Grings auf der linken Seite erstaunlich frei an den Ball, fand in der Angriffszentrale aber keine Abnehmerin. Zehn Minuten darauf hatte ihr Frankfurter Pendant, Birgit Prinz, das 2:1 für die Hessinnen auf dem Fuß. In Strafraumnähe bekam sie den Ball, konnte unbedrängt auf Längert zulaufen und schloss im richtigen Moment ab. Alles richtig, nur nicht die Schussrichtung – die Kugel ging weit über den FCR-Kasten. Vanessa Martini (vorne) wird nach ihrem verschossenen Elfmeter von Annike Krahn getröstet. Keine drei Minuten später zielte die starke Hagedorn neben das Tor, ehe Sekunden darauf ein Eckball von Hanebeck an die Latte ging. Es war die stärkste Phase des Spiels, diese 15 Minuten nach Wiederanpfiff. Der Ausgang war offen, das Mittelfeld wurde schnell überbrückt, Fehlpässe waren zumindest kurzzeitig die Ausnahme. Doch dann ebbte die Partie wieder ab, um erneut erst gegen Ende wieder ein kleines Hoch zu erleben. Vor allem ein Duisburger Hoch, wie Obliers zufrieden feststellte: „Wir haben die zweite Halbzeit bestimmt und hätten auch der Sieger sein können.“ Nicht, ohne umgehend den Widerspruch von Tritschoks zu ernten: „Ich sehe es nicht so, dass Duisburg die 2. Hälfte diktiert hat. Auch wir hatten unsere Chancen.“ Kurz vor der Entscheidung: Patricia Hanebeck (l.) wendet sich nach ihrem Fehlschuss geknickt ab, während Wimbersky zur Tat schreitet. Doch das zahlenmäßige Chancenplus lag auf Duisburger Seite. Einen schönen Duisburger Konter eine Viertelstunde vor Schluss über van Bonn und Grings schloss Fuss zu hastig ab. In der 83. Minute klärte Tina Wunderlich unglücklich vor die Füße von Bajramaj, die das Leder zu Grings lupfte. Diese netzte sicher ein, Jubel aus den Duisburger Plätzen. Doch Moiken Jung entschied auf Abseits – eine knappe, aber richtige Entscheidung. Ganz klar nicht im Abseits stand sie vier Minuten später – und frei vor Holl. Doch der Führenden in der Torschützenliste sprang der Ball schon bei der Annahme zu weit vom Körper weg, sodass diese Riesenchance kurz vor Abpfiff ungenutzt blieb. Das Elfmeterschießen musste entscheiden. Es ist nicht bekannt, ob Thomas Obliers vor den Finalspielen ein paar Worte mit Nürnbergs Trainer Hans Meyer gewechselt hat. Dessen für den FCN erfolgreicher Schachzug, vor dem Elfmeterschießen Ersatztorwart Daniel Klewer für Stammkeeper Raphael Schäfer zu bringen, hatte ihm aber offensichtlich imponiert. Lena Hohlfeld, die sich in den letzten Minuten hatte warmschießen lassen, bekam das Vertrauen des Trainers. „Hohlfeld hat beim Elfmeterschießen im Training den besseren Eindruck gemacht“, begründete der Coach diese Maßnahme, die ebenso wie die Nominierung der erst 17-jährigen Vanessa Martini für den ersten abzugebenden Elfmeter im Anschluss an die Begegnung für reichlich Gesprächsstoff sorgte.
Weder mit Hohlfeld noch mit Martini hatte Obliers Glück. Hohlfeld hatte sichtbar Probleme mit ihrem Schuhwerk und rutschte gleich bei zwei der vier geschossenen Elfmeter aus, ohne überhaupt einen Abwehrversuch |
unternehmen zu können. Und Martini scheiterte an Matchwinnerin Holl, obwohl die Duisburgerin platziert ins Eck gezielt hatte. Allerdings in das, in das sich Holl schon frühzeitig bewegt hatte. Auch eine Frage der Erfahrung, das noch rechtzeitig zu bemerken. Doch Kollegin Hanebeck, die bereits internationale Erfahrung aufweist, machte es beim dritten FCR-Elfer auch nicht besser, sodass es Petra Wimbersky bei ihrem vierten Pokalsieg in Folge (zuvor drei Jahre mit Turbine Potsdam) vorbehalten blieb, schon nach dem vierten Elfmeter den Frankfurter Pokaltriumph zu besiegeln. Obwohl die Frankfurterinnen „übrigens keine Elfmeter geübt hatten“, wie Tritschoks betonte. Freud und Leid ganz dicht beieinander, nachdem Wimbersky getroffen hat: Frankfurter Jubel hinten, Duisburger Fassungslosigkeit vorne. Letztlich kein unverdienter Sieg für die Frankfurterinnen, nachdem sich die beiden Kontrahenten lange Zeit nichts nahmen. Duisburg hatte seine Chancen, ließ diese aber ungenutzt. Im Elfmeterschießen schließlich behielt der FFC klar die Oberhand und wusste die beste Torfrau in seinen Reihen. „Ich sehe es nicht so, dass wir glücklich gewonnen haben. Elfmeter muss man auch erstmal verwandeln“, parierte Tritschoks deshalb Obliers' Analyse, der Frankfurter Sieg sei glücklich gewesen. Frankfurts Spielführerin Renate Lingor nimmt den Pokal von Bundestrainerin Silvia Neid entgegen und präsentiert ihn ihrer Mannschaft. Die Spielerinnen interessierte dieses Verbalduell ihrer Trainer da schon nicht mehr. Schöne Szenen waren es, die sich nach Abpfiff auf dem Rasen und in den Katakomben abspielten. Vor allem die beiden Duisburger Torfrauen, die unglückliche Vanessa Martini und die verletzte Simone Laudehr (Diagnose noch unbekannt) hatten viel Trost nötig. Und bekamen ihn von Mitspielerinnen wie Gegnern. Nationaltorfrau Silke Rottenberg beispielsweise, im letzten Jahr noch Duisburgerin und Kollegin von Längert, schnappte sich ihre Nachfolgerin gleich mehrmals, um sie wieder aufzurichten.
1. FFC Frankfurt Susanne Hartel, Tina Wunderlich, Judith Affeld, Petra Wimbersky (v.r.n.l.) und Mitspielerinnen zeigen ihren Fans ihre Trophäe.
FCR 2001 Duisburg
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