Fansoccer-Logo

DFB-Pokal, Halbfinale

Das Weiterkommen zählt

1. FFC Frankfurt - 1. FC Saarbrücken 4:0 (4:0)

Text von Tom Schlimme

9.4.2007   Auch wenn viele es schon langweilig finden mögen und dem „Underdog” aus Saarbrücken die Daumen gedrückt haben, der 1. FFC Frankfurt fährt zum neunten Mal in Folge zum Pokalfinale nach Berlin. Dabei reichten 20 wirklich überzeugende Minuten, um vier Tore zu schießen und diese Halbfinalbegegnung zu entscheiden.

Nur mit diesen 20 Minuten war Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschokas am Ende sehr zufrieden, ansonsten habe sein Team die Zeit heruntergespielt, was aber auch in Ordnung sei, weil einzig die Finalteilnahme das Entscheidende sei. So konnte Gästetrainer Guido Mey darauf verweisen, dass sein Team nicht nur die komplette zweite Halbzeit lang keinen Gegentreffer zugelassen hatte, sondern insgesamt mehr als eine Stunde ohne Gegentreffer geblieben war. Entscheidend für den Trainer des Zweitligisten war vor allem, dass sein Team durch dieses Spiel keinen „Knacks weg” bekommen habe, sondern nun guter Dinge den Rest der Saison angehen und den Aufstieg klar machen könne.

Drei Saarbrückerinnen gegen Judith Affeld

Drei Saarbrückerinnen gegen Judith Affeld: von links Vicky Hinsberger, Selina Wagner und Josephine Henning

Bild: Peter Henkel

Ich selber kann sagen, ich freue mich auf Saarbrücken in der ersten Liga. Das Konzept, mit jungen Spielerinnen den Erfolg zu suchen, beeindruckt mich. Keine Spielerin ist älter als 23 Jahre, und in der Pressekonferenz nach dem Spiel erklärte Mey, dass man auch im Falle des Aufstiegs gar nicht über die finanziellen Mittel verfüge, um gestandene Spielerinnen an die Saar zu holen, statt dessen sich konsequent um junge Spielerinnen bemühen werde. Was diese junge Truppe beim mit National- spielerinnen gespickten Meister- schaftsfavoriten bot, war schon beachtlich.

Nadine Keßler  und Meike Weber

Zwei, die letztes Jahr gemeinsam U 19 Europameisterinnen wurden: Saarbrückens Nadine Keßler (links) und Frankfurts Meike Weber

Bild: Peter Henkel

Natürlich fand das Spiel weitgehend in der Saarbrücker Hälfte statt, doch richtig gute Chancen ließ die Viererkette um die meist gut stehende Sabine Blank zumindest in den ersten knapp 30 Minuten kaum zu. Zugute kam dabei den Saarbrückerinnen, dass Frankfurt sich zwar viele Ecken erspielte, diese aber wieder einmal geradezu sträflich schwach ausführte. Da kam die großgewachsene und kopfballstarke Steffi Jones ein ums andere Mal zur Ecke nach vorne, da verfügt man zusätzlich noch mit Kerstin Garefrekes und Birgit Prinz über Spielerinnen, die die komplette Saarbrücker Mannschaft um einige Zentimeter überragen, doch die Bälle kamen flach und ungenau, so dass sich kaum einmal aus einem Eckball eine Kopfballchance ergab.

Ein Freistoß von Renate Lingor landete an der Latte des Saarbrücker Tores, einen Schuss von Prinz konnte die gute Saarbrücker Keeperin Verena Wonn im Nachfassen halten, einmal warf sich Vicky Hinsberger in letzter Sekunde noch Petra Wimbersky in den Weg, Garefrekes vergab aus kurzer Entfernung und Meike Weber setzte einen Weitschuss über den Kasten. Dann fiel in der 30. Minute aber doch das erste Tor: Garefrekes flankte von rechts in den Strafraum, Weber verlängerte zu Sandra Smisek, und diese, heute in ihrer besten Form seit langem, brauchte nur noch eine halbe Drehung mit dem Ball um sicher zu verwandeln.


Petra Wimbersky und Sabine Blank

Die lauffreudigen Saarbrückerinnen waren nicht nur in dieser Szene oft in der Überzahl beim Verteidigen ihres Strafraums. Hier hat es die Frankfurterin Petra Wimbersky mit Sabine Blank zu tun, die noch von Sarah Karnbach unterstützt wird.

Bild: Peter Henkel

Das 2:0 war dann mal wieder ein typisches Prinz-Tor, links mit Volldampf in den Strafraum und mit einem satten Flachschuss abgezogen. Bezeichnend aber für Mut und Kampfgeist der Saabrückerinnen, dass schon eine Minute später auf der anderen Seite Frankfurts Keeperin Uschi Holl im Herauslaufen gegen Christina Arend klären mußte.

Pia Wunderlich und Ann-Katrin Schinkel

Pia Wunderlich (links) wurde nach 56 Minuten für Renate Lingor eingewechselt. Hier hat sie den Ball vor Ann-Katrin Schinkel erwischt

Bild: Peter Henkel

Das dritte Tor erzielte dann wieder Smisek nach schöner Kombination von Prinz über Wimbersky, beim 4:0 gab Saskia Bartuisak eine von links kommende hohe Flanke mit dem Kopf hoch in den Saarbrücker Strafraum, Prinz und eine Abwehrspielerin verpassten knapp mit dem Kopf, der Ball kommt zur dahinter stehenden Garefrekes, und die vollstreckt mit dem Knie. Mit diesen vier Toren, erzielt von der 30. bis zur 44. Minute, ging es dann in die Halbzeitpause.

Petra Wimbersky

Petra Wimbersky wuselte wie immer und sorgte für viel Druck in Richtung Saarbrücker Tor, doch selber traf sie heute einmal nicht, auch nicht in dieser Szene, wo sie aussichtsreich vor Saarbrückens Keeperin Verena Wonn auftauchte

Bild: Peter Henkel

In der zweiten Halbzeit wurde Saarbrücken dann etwas offensiver, ohne allerdings wirklich Druck aufbauen zu können. Die meisten Chancen ergaben sich immer noch für den FFC, doch in der 57. Minute hatte Lisa Schwab eine gute Szene, setzte sich auf dem linken Flügel erstmals durch, gute Flanke nach innen, doch die aufmerksame Keeperin Uschi Holl bekam eine Faust an den Ball. Wenig später ging dann ein Schuss von Lisa Schwab deutlich über den Frankfurter Kasten, Nadine Kessler wurde in aussichtsreicher Position von Steffi Jones abgeblockt, und gegen Ende kam Selina Wagner noch zu einem Kopfball aus wenigen Metern, den Holl mit einer Glanztat parierte.

Renate Lingor und Lisa Schwab

Wohin mit dem Ball? Renate Lingor sucht eine Anspielstation, Lisa Schwab, eigentlich Sturmspitze, verteidigt, wie die ganze Saarbrücker Mannschaft

Bild: Tom Schlimme


Die Frankfurter Chancen auch in der zweiten Hälfte waren wie gesagt zahlreicher als die auf Saarbrücker Seite, aber auch nicht so zwingend, dass ich sie jetzt aufzählen möchte. Es läßt sich sowieso nur spekulieren, was gewesen wäre, wenn in diesem Spiel das Torverhältnis eine Rolle gespielt hätte. Wahrscheinlich hätte Frankfurt dann noch zulegen können, doch mit ihrer Laufbereitschaft verbunden mit Schnelligkeit, stellenweise guter Technik und einer guten taktischen Leistung machten die jungen Zweitligisten dem Branchenführer der ersten Liga auf jeden Fall das Leben schwer, und man kann sicher nicht behaupten, dass die Frankfurterinnen aus reiner Freundlichkeit heraus kein Tor mehr geschossen hätten, wenn man es ihnen zu leicht gemacht hätte.

Sandra Smisek

Sandra Smisek (links), hier gegen Josephine Henning, war heute mit ihren zwei Treffern erfolgreichste Frankfurter Torschützin

Bild: Tom Schlimme

1. FFC Frankfurt

Holl - Affeld, Jones, T. Wunderlich, Bartusiak (73. Kliehm) - Weber (79. Hansen), Lingor (56. Wunderlich), Garefrekes, Wimbersky, Prinz, Smisek

1. FC Saarbrücken

Wonn - Schinkel, Hinsberger, Blank, Karnbach (80. Kollisi), Henning (87. Skradde), Dinger (87. Salm), Wagner, Arend, Keßler, Schwab

Tore:
1:0 Smisek (30.)
2:0 Prinz (37.)
3:0 Smisek (42.)
4:0 Garefrekes (44.)

Gelbe Karten: Hinsberger, Henning, Arend

Schiedsrichterin: Anja Kunick (Lissa/Leipzig)

Zuschauer: 1220


Zum DFB-Pokal

Zur FanSoccer-Startseite