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DFB-Pokal, Viertelfinale

In den letzten Minuten aufgedreht

TSV Crailsheim - SG Essen-Schönebeck 0:4 (0:1)

Text von Meret Schockenbäumer

27.12.2006   Die SG Essen-Schönebeck steht nach ihrem 4:0 Erfolg beim Ligakonkurrenten TSV Crailsheim erstmals in ihrer Vereinsgeschichte im Halbfinale des DFB-Pokals. Allerdings entspricht das Ergebnis nicht dem Spielverlauf, denn da beide Mannschaften zuvor in der Bundesliga eine Niederlage hinnehmen mussten (SGS gegen Freiburg 1:2, TSV gegen Duisburg 0:2), war gehörig Zündstoff in der Partie und es entwickelte sich ein Pokalfight auf dem matschigen Untergrund.

Dabei starteten die Gastgeberinnen, die sich noch im September in der Bundesliga gegen Schönebeck 3:0 geschlagen geben mussten, besser ins Spiel. Die von Ralf Agolli trainierten Gäste wurde von Günter Wörles Team gehörig unter Druck gesetzt, so dass sich das Essener Mittelfeldduo Linda Bresonik und Melanie Hoffmann gar nicht entfalten konnte. Auf der anderen Seite aber schaffte es TSV-Kapitänin Ramona Treyer immer wieder mit geschickten Pässen auf die schnellen Tanja Wörle und Carina Breunig die Essener Abwehr in Bedrängnis zu bringen.

Wäre da nicht SGS-Torfrau Steffi Löhr, so hätte durchaus das Führungstor für Crailsheim fallen können. Dann aber war es ausgerechnet die Torhüterin der anderen Mannschaft, die dem Spiel die Wendung gab. Denn der Hüterin des TSV-Tores, Steffi Kübler, passierte bei einem Abschlag ein gravierender Fehler. Der Ball landete nämlich nicht bei der eigenen Mitspielerin, sondern bei Essens Kathrin Van Kampen. Die Nachwuchsspielerin nahm dies dankend an und zog aus 25 Metern einfach ab, prompt landete der Ball im Gehäuse. Bis zum Halbzeitpfiff boten sich beide Teams dann einen offenen Schlagabtausch, der aber keine Tore beinhaltete.

Zur Pause stellten die Essenerinnen ihr Konzept um. Mandy Islacker, gelbvorbelastet, verließ das Feld. Neu ins Spiel kam Marlene Kowalik. Damit diese auf den Außenbahnen ihre Schnelligkeit ausnutzen konnte, rückte Bresonik ins zentrale Mittelfeld. Und diese Umstellung


fruchtete, die nach der Pause unveränderten Crailsheimerinnen hatten plötzlich enorm viel zu tun.

War es in der ersten Hälfte Essens Regisseurin Bresonik, die nicht ihr Können aufblitzen lassen konnte, während Crailsheims Gestalterin Treyer schier explodierte, so schien sich dies in der 2. Halbzeit zu wenden. Bresonik schaltete und waltete und Treyer, so schien es, war untergetaucht. Für die letzte Viertelstunde wollte TSV-Coach Wörle dann noch einmal alles nach vorne werfen und brachte für Abwehrspielerin Martina Honecker die junge und schnelle Stürmerin Julia Manger. Außerdem kamen für Wörle und Breunig die frischen Steffi Limbach und Nadine Vogt.

Doch alles Bemühen nutzte nichts, denn während die Crailsheimerinnen vorne fungierten, wurde die Defensivarbeit vollends vernachlässigt. So gelangen den Essenerinnen geschickt herausgespielte Konter, mit denen die Gastgeberinnen nicht gerechnet hatten. In der 80. Spielminute bekommt Essens Charline Hartmann den Ball an der Strafraumgrenze serviert, ohne nachzudenken zieht die Stürmerin knallhart ab. So sehr sich Kübler auch versucht zu strecken, sie kommt einfach nicht an den Ball heran.

Nach diesem zweiten Gegentreffer brach die Crailsheimer Mannschaft endgültig zusammen, die SGS aber ließ ihrer Spielfreude freien Lauf. Nur eine Minute später ging ein Raunen durch das nur mit 400 Zuschauern gefüllte Schönebürgstadion, denn da marschierte die nach ihrer Einwechselung brilliant aufspielende Kowalik auf ihrer rechten Seite bis fast zur Grundlinie und schaffte dann noch, was fast unmöglich schien. Sie drehte den Ball so herein, dass er im oberen linken Winkel landete! Weitere zwei Minuten danach fiel der Schlusspunkt zum 4:0 Endstand durch Mittelfeld-Ass Hoffmann. Hartmann hatte in den Strafraum geflankt und Hoffmann rutschte eher als Kübler in den Ball.

Nach diesem nerven- wie auch kräfteaufreibenden Pokalfight lagen sich die Essener Spielerinnen glücklich in den Armen. Die Mädels des TSV schlichen nieder- geschlagen vom Platz, doch


hatten sie sehr gut dagegengehalten, die erste Halbzeit über hielten sie die Essenerinnen größtenteils in ihrer eigenen Hälfte gefangen und erst in der Schlussphase waren sie eingebrochen, was die Gäste jedoch auch konsequent ausnutzten. Beide Mannschaften können nun nach diesem erfolgreichen Halbjahr in die verdiente Winterpause gehen. Die SG Schönebeck kann zur Hälfte einen stolzen 4. Tabellenplatz vorweisen und entwickelte sich zur Überraschung aller zum "Überflieger" der Hinrunde. Der TSV Crailsheim präsentiert einen 7. Platz und konnte als Aufsteiger äußerst gut mithalten. Ein erneutes Wiedersehen der beiden Teams könnte es bereits am 20. Januar in der Bonner Hardtberghalle geben, wo der alljährliche Oddset-Cup ausgetragen wird. Im Rahmen dieses Hallentunieres werden auch die Halbfinalbegegnungen des DFB-Pokals ausgelost. Mögliche Gegner der Schönebeckerinnen wären der FFC Frankfurt, FCR Duisburg oder Zweitligist Saarbrücken.



TSV Crailsheim:

Kübler - Held, Beck, Burger, Hörber, Honecker (70.Manger), Treyer, Bornhoff, Nußelt, Wörle (88.Limbach), Breunig (76.Vogt)

SG Essen-Schönebeck:

Löhr - Chojnacki, Schubert, Duhme, Van Kampen - Mpalaskas, Hoffmann, Kothe, Bresonik(88.Winter) - Islacker (46.Kowalik), Hartmann

Tore:
0:1 Van Kampen(29.)
0:2 Hartmann(80.)
0:3 Kowalik(81.)
0:4 Hoffmann(83.)

Gelbe Karten: Bornhoff - Islacker, Chojnacki, Kowalik

Schiedsrichterin: Moiken Jung (Worms)
Zuschauer: 400


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