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DFB-Pokal-HalbfinaleÜber den Kampf ins Olympiastadion1. FFC Turbine Potsdam - FC Bayern München 3:1 (1:1) | ||
Von Detlef Püschel, Fotos von www.bawue-loewen.de 30.03.2006 Nach den üblichen Begrüßungen nahmen wir den Platz in Augenschein. Es war kein grünes Hälmchen auf dem Rasen, große Pfützen säumten das Spielfeld. Es war der blanke Kartoffelacker. Zu Beginn des Spiels waren die Potsdamerinnen sehr nervös. Viele Fehlpässe waren das Ergebnis. Die Münchnerinnen kamen besser in die Partie, standen gut in der Abwehr und praktizierten ein starkes Pressing. Sie versuchten immer wieder, mit langen Bällen unsere Abwehr zu bezwingen. Da bei den Turbinen die Zuordnung oft nicht stimmte, gelang es den Damen in rot, in "Natzes" (Nadine Angerer, Anm.) Strafraum hin und wieder Unruhe zu stiften. So hatte die junge Julia Simic eine Riesenchance, als sie in guter Position das leere Tor verpasste. Die Bayern-Mannschaft konnte sich wie so oft aus zahlreiche Fans verlassen
. Turbine tat sich sehr schwer und konnte auf dem schlechten Boden seine technischen Möglichkeiten kaum zeigen. Und so kam es, wie es kommen musste. Einen Fehlpass von Ariane Hingst nutzten die Bayernladies zu einem langen Ball auf Bianca Eder, die Jenny Zietz einfach stehen ließ und Richtung Turbine-Tor lief. Den ersten Schuss konnte Natze noch parieren, doch beim Nachschuss war sie machtlos. Auf der Bayernbank sprangen alle auf und tanzten vor Freude. Sie hatten das Unglaubliche geschafft und dem hohen Favoriten in der 40. Minute ein Ei ins Nest gelegt. Die Turbinen gingen mit hängenden Köpfen zum Anstoßpunkt. Was würde Schröder wohl in der Kabine sagen? Ein Rückstand kurz vor der Pause, die Fans im Karli sahen sich entsetzt an. Hatten die Schröder-Schützlinge etwa die Bayern-Ladies unterschätzt? Nein, das konnte doch nicht war sein, hatten sie das Spiel vor fast genau einem Jahr schon vergessen? Auch im letzten Jahr taten sich die Turbinen sehr schwer, als man an gleicher Stelle mit 2:0 nur knapp ins Finale einzog! Ein letztes Aufbäumen vor der Halbzeit. Petra Wimbersky lief am rechten Flügel und flankte zu Conny Pohlers, die im Bayern-Strafraum einschussbereit war. Die herauseilende Torfrau Ulrike Schmetz streckte Conny zu Boden und es gab Strafstoß in Minute 45. "Piwi" (Petra Wimbersky, Anm.) behielt die Nerven und verwandelte sicher zum 1:1 Pausenstand. Nun sah zumindest das Ergebnis schon ein wenig freundlicher aus. Aber mit dem Spiel in der ersten Hälfte konnte auf Potsdamer Seite niemand zufrieden sein. Nun hatte auch Petrus ein Einsehen und schob die dicken Regenwolken endlich auseinander, damit die Sonne auf den Ackerrasen scheinen konnte. Bianca Eder trifft gegen Torfrau Nadine Angerer zum 1:0 für Bayern München. Inken Becher (8) kommt zu spät, sodass Peggy Kuznik (21) und Jennifer Zietz dem Ball nur noch entsetzt nachschauen können
In der Turbinekabine müssen die beiden Trainer wohl die richtigen Worte gefunden haben, denn endlich zeigten die Brandenburgerinnen, wer hier der Titelverteidiger ist. Torchancen fast im Minutentakt ließen die Bayern-Ladies kaum noch über die Mittellinie kommen (52. Pohlers, 54. Wimbersky, 58. Mittag, 60., Wimbersky, 61. Pohlers). Jetzt lag |
Bayern München setzte gegen Turbine Potsdam zum Höhenflug an, im Finale landeten dann aber doch die Potsdamerinnen. Hier beweist Julia Simic (Mitte) ihre Sprungkraft. Links Babett Peter, rechts Jennifer Zietz | |
der Führungstreffer förmlich in der Luft - oder sollten die Gastgeberinnen ihren vielen Torchancen doch noch nachweinen? Es spielte aber nur noch eine Mannschaft. Turbine drückte die Bayern in die eigene Hälfte zurück und kam wenig später auch zum verdienten Lohn. Eine sehr schöne Flanke von Britta Carlson, die ansonsten kaum etwas bewegen konnte, kam genau auf Anja Mittag, die den Ball gekonnt über Schmetz lupfte und zum 2:1 traf. Einige Berichte mutmaßten, dass Anja im Abseits gestanden sei. Nach mehrmaliger Videoanalyse konnte ich keine Abseitsstellung feststellen, der Treffer war korrekt. Turbine spielte jetzt wie im Rausch, allein die Bodenverhältnisse und fehlende Präzision im Zuspiel verhinderten, dass Bayern München total unter die Räder kam. In der 81. Minute kam für die stark spielende Petra Wimbersky, die eine Riesenbeule auf der Stirn zur Erinnerung an dieses Match behielt, die erst 18-jährige Isabell Kerschowski auf den Platz. Wieder mal sicher beim Elfmeter: Petra Wimbersky verwandelt gegen Ulrike Schmetz... Sechs Minuten später hielten alle Turbinefans den Atem an. Inken Becher musste den Platz verlassen, nachdem sie einige Zeit im Strafraum behandelt wurde. Was war geschehen? Ich konnte es nicht sehen, war kurz abgelenkt. Da rief einer „Inken liegt am Boden“. Als sie von Matthias Pefestorff in die Kabine gebracht wurde, drückte sie sich einen Schwamm aufs Auge. Später wurde dann bekannt, dass sie bei einem Zusammenprall mit einer Bayern-Spielerin mit den Stollen am Auge verletzt wurde. Das hatte uns gerade noch gefehlt, da war sie wieder gerade rechtzeitig vor den schweren Spielen gegen Frankfurt und Duisburg von ihren Knieproblemen genesen, und nun das! ...und wird dafür von ihren Mitspielerinnen Anja Mittag, Karolin Thomas und Ariane Hingst (v.l.n.r.) gefeiert. Für die verletzte Inken kam nun Navina Omilade auf das Feld. "Ari" nahm Inkens Platz in der Abwehr ein, und "Ommel" (Navina Omilade, Anm.) ging nun ins Mittelfeld. Isi (Isabell Kerschowski, Anm.) brachte nochmal Schwung in den Laden. War sie kurz vorher noch an Ulrike Schmetz gescheitert, machte sie es in der 90.Minute besser. Nach tollem Sololauf über 50 Meter gab sie uneigennützig zu Conny Pohlers ab, die den Ball mühelos ins Tor schoss. Damit war die Partie entschieden und kurz darauf auch beendet. Eine Aktion gab es nach dem Abpfiff noch, Bianca Rech sah noch die Ampelkarte Gelb/Rot, weil sie die Schiedsrichterin nach dem Abpfiff noch beschimpfte. Das war zwar absolut nachvollziehbar, musste aber einfach nicht mehr sein. Sie hätte wohl besser die Wand in der Kabine anschreien sollen, denn die Frau in Gelb bekam schon von den Rängen genug |
Buhrufe zu hören. Ich will nun nicht wieder über das Schirigespann herziehen, doch hat die Unparteiische nicht eine einzige Vorteilsauslegung hinbekommen - weder auf Bayernseite, noch bei Turbine. Dazu kamen mangelhafte Abseitsentscheidungen usw. Den Ausgang der Partie haben die Schiris sicher nicht beeinflusst, aber solche wichtigen Spiele verlangen einfach nach mehr Kompetenz. Harter Kampf um den Ball - hier kommt Bayern-Torfrau Ulrike Schmetz Nationalstürmerin Conny Pohlers zuvor. Rechts beobachtet Bianca Rech die Szene.
Kurz nach dem Abpfiff tanzten die Turbinen zwar noch, aber später sahen sie schon ein wenig nachdenklich aus. Was war in der ersten Halbzeit los? Wie war so eine schlechte Leistung zu erklären? War der Boden an allem Schuld? Sicherlich haben die Bayern am Limit gespielt und mit mehr Durchsetzungsvermögen hätte es auch 0:3 für die Gäste stehen können. In Halbzeit zwei zeigten die Turbinen aber, dass sie auch auf schlechtem Untergrund gut spielen können und sie dominierten das Geschehen deutlich. Nationalspielerinnen unter sich: Anja Mittag (l.) und Bianca Rech, die nach dem Spiel noch wegen Meckerns die gelb-rote Karte sah. Somit steht das Finale im DFB-Pokal der Frauen fest. Am 29. April stehen sich die beiden Spitzenmannschaften aus Frankfurt und Potsdam erneut gegenüber. Wer wird wohl diesmal den Pott stemmen dürfen? Alle diese Fragen, und noch einige mehr, diskutierten wir während der langen Heimreise ins Schwabenland, wo wir gegen Mitternacht ankamen.
Aufstellungen 1. FFC Turbine Potsdam: FC Bayern München: | |