DFB-Pokal 2. Hauptrunde

SGL steht nach Janßen Gala im Achtelfinale

SG Lütgendortmund - Tennis Borussia Berlin 3:1 (2:1)

Text und Bilder von Heinz Günter Sporkel

17.10.2005    Gerechnet hatten nicht viele damit. Wer einen Sieg gegen Berlin voraussagte, wurde als Optimist gehandelt. Doch dass im Pokal so manche Sensation zu schaffen ist, zeigte die SG Lütgendortmund. Lüdo spielte hervorragend und hielt gegen die Angriffswellen der Berlinerinnen kräftig dagegen. Deren Trainer Sven Thoß allerdings trug seinen Teil zur Niederlage bei, indem er aus disziplinarischen Gründen die beiden Banecki in der ersten Halbzeit auf der Bank ließ und somit selbst sein Team schwächte.

Trotz des schönen Wetters waren die Mienen der Verantwortlichen der SGL äußerst angespannt. Nadine Kirsch musste angeschlagen auf der Bank Platz nehmen. Katrin Lange saß schwer erkältet auf der Lüdo Bank, ihr Einsatz war daher unmöglich. Auf der anderen Seite ließ Sven Thoß die beiden Baneckis auf der Bank. Laut Berliner Medien galt dies als disziplinarische Maßnahme. Der Berliner Trainer wollte ein Zeichen setzen.

Nicole und Silvie Banecki auf der Ersatzbank

Disziplinarische Maßnahme: Nicole und Silvie Banecki auf der Ersatzbank

Beide Mannschaften waren am Anfang gleichwertig. TeBe zeigte die erwarteten spielerischen Qualitäten, die SGL hielt mit Kampf dagegen. So kamen die Veilchen nicht zur Entfaltung. Doch Jessica Brückner gab in der sechsten Minute einen Warnschuss ab. Ihr Distanzschuss landete an der Querlatte des SGL Gehäuses. Doch dies machte auf Lütgendortmund keinen Eindruck. In der zehnten Spielminute spielte sich Lüdos Lena Schüth eine Chance heraus. Doch ihr Vorstoß wurde ihm Strafraum mit einem klaren Foulspiel gebremst. Schiedsrichterin Silke Lüken zeigte sofort auf den Punkt, Isabel Janßen verwandelte den Elfmeter locker und es stand 1:0 für das Ruhrgebietsteam. Einen besseren Start konnte man sich um das Team von Teamchef Marco Geers kaum vorstellen.

Isabel Janßen

Die dreifache Torschützin Isabel Janßen

Das Spiel blieb auch nach dem Tor weiterhin gleichwertig. In der 19. Spielminute dann ein Freistoß für Tennis Borussia Berlin. Christine Schoknecht legte sich den Ball zurecht. Schoknecht sah Kerstin Straka. Die lange Berliner Stürmerin konnte das Leder dann zum Ausgleich per Kopf in die Maschen hämmern. Ab jetzt übernahm TeBe die Partie. Immer gefährlich wurden die Angriffe in die Spitzen getragen. Allerdings war die Abwehr von Lütgendortmund auf der Hut. Wenn dann doch mal die Defensivabteilung mit ihren Latein am Ende war, stand Torfrau Kerstin Duschinski auf ihrem Posten.

Nach einer halben Stunde Spielzeit verletzte sich Lütgendortmunds Deborah Steinhoff. Die Offensiv- spielerin wurde minutenlang an der Seitenlinie behandelt und musste dann doch ausgewechselt werden. Larissa Kock kam auf den Platz.


Jubel bei Lütgendortmund

Lütgendortmund konnte nach dem unverhofften Sieg über den Favoriten Tennis Borussia Berlin den Einzug ins Achtelfinale des DFB Pokals feiern

Kock, vor der Saison aus Wattenscheid gekommen, sollte Steinhoff auch gleichwertig ersetzen. Doch vor der Pause kam Lütgendortmund kaum noch zwingend nach vorne. TeBe besonders nach Standard- situationen wie Eckbällen oder Freistößen dagegen immer wieder brandgefährlich. Mit dem Halbzeit- pfiff dann überraschend doch die 2:1 Pausenführung für Lüdo. Isabell Janßen setzte sich auf der rechten Seite ab, lief mit dem Ball alleine auf das Berliner Tor zu und ließ TeBes Torfrau Kerstin Prusas hatte keine Chance. Eine glückliche Pausenführung für die SGL. Doch den Zuschauern und der SGL war dies wurscht. TeBe Berlin musste sich selber an die Nase fassen. Die Veilchen waren zwar spielerisch stärker. Doch war das Spiel in die Spitzen teilweise einfallslos oder zu statisch aufgezogen. Dazu hatte man ja die gefährlichsten Spielerinnen auf der Bank gelassen.

Carmen Israel

Carmen Israel lenkte das SGL Spiel

Nicole Banecki wurde dann auch direkt mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit eingewechselt. Das Spiel der Berlinerinnen wurde auch zugleich gefährlicher. Zwei Minuten auf dem Platz stand Banecki vor Duschinski frei. Doch die SGL Torhüterin verhinderte Schlim- meres. Während der zweiten Halbzeit nahm sich Katrin Hauenschild dann Banecki an. Zwar konnte Hauenschild ihre Gegenspielerin nicht die gesamte zweite Spielzeit ausschalten, allerdings grenzte sie ihre Kreise deutlich ein.

Nach der Banecki Szene kam auch prompt ein Konter. Der Ball landete bei Larissa Kock. Isabell Janßen wieder einmal frei - das Anspiel, dann ein schöner Treffer. 3:1 Für Lütgendortmund - ein Tor zur rechten Zeit. Dies machte die Aufgabe für TeBe Berlin nicht einfacher. Jetzt kam auch Sylvie Banecki auf den Platz. Die disziplinarischen Maßnahmen waren nun vergessen. Es galt jetzt, das Pokalspiel noch herumzureißen. Eine Ecke von Schoknecht landete direkt am Pfosten und sprang wieder ins Feld. Berlin beherrschte jetzt das Spiel und drückte mit Macht auf das Tor von Lütgendortmund. Lütgendortmund dagegen versuchte TEBE mit Konterfußball den endgültigen KO zu versetzen. Nach einem schönen Zuspiel von Sylvie Banecki auf Jessica Brückner musste Kerstin Duschinski ihr ganzes Können aufbieten. Claudia Fietkau setzte einen gefühlvollen Heber übers SGL Tor. Nicole Banecki setzte zwei Möglichkeiten in den Sand, beziehungsweise über das Tor. Lütgendortmund verteidigte das


3:1 nun mit Frau und Maus. Michaela Schulz hatte vier Minuten vor dem Abpfiff noch das 3:2 auf den Fuß. Der Ball knallte an die Latte, den Abpraller schoss Kerstin Straka in die abwehrenden Hände von Kerstin Duschinski.

Riesenjubel dann bei der SG Lütgendortmund, als die souverän leitende Schiedsrichterin Silke Lüken das Spiel abpfiff. Die kleine Pokalsensation war perfekt. Marco Geers und Tom Baaek hatten das Team hervorragend auf das Spiel eingestellt. Die SG Lütgen- dortmund hofft nun auf ein Heimlos mit einem attraktiven Bundes- ligisten. Die Spielerinnen und auch die Zuschauer hätten dies auf alle Fälle verdient. Am 11. Dezember hat Tennis Borussia Berlin die Möglichkeit zur Revanche in Dortmund. Diesmal wird allerdings wohl auch die beste Elf der Veilchen auf dem Platz stehen.

Nicole Banecki

U 19-Nationalspielerin Nicole Banecki, hier gegen Britta Rentmeister

Tom Baaek (Trainer SG Lütgendortmund) zum Sieg über TeBe Berlin: Ich bin relativ sprachlos. Wir sind mit einer geringen Erwartungshaltung in das Spiel gegangen. Wir haben niemals damit gerechnet, dass wir Tennis Borussia Berlin ärgern können, auf Grund der Tatsache, dass uns auch noch Spielerinnen ausgefallen sind. Ich bin total begeistert von der Mannschaft, wir haben bis zur 90. Spielminute gekämpft bis zum Umfallen. Wir haben im Großen und Ganzen auch verdient gewonnen. Wer seine Torchancen nicht nutzt der hat generell verdient verloren.

SG Lütgenortmund:

Duschinski - Rentmeister, Israel, Hauenschild. Schüth, Janßen (63.Hedegger), Steinhoff (32.Kock), Snopek (57.Brandt), van den Bergh, Marzinkowski, Geesmann

Tennis Borussia Berlin:

Prusas - Manthey (56.S.Banecki), Liepack, Schoknecht, Kelm, Yaren (46.N.Banecki), Fietkau, Brückner, Straka, Schulz, Krengel

Tore:
1:0 (10.) Janßen (Foulelfmeter)
1:1 (19.) Straka
2:1 (45.) Janßen
3:1 (48.) Janßen

Schiedsrichterin: Silke Lüken (Osnabrück)
Assistentinnen: Sandra Gommer und Imke Somberg

Zuschauer: 66


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