DFB-Pokal 1. Runde

Lok Leipzig gewann das Spiel, das ohne Verlängerung 3 Stunden und 5 Minuten dauerte

1. FC Lok Leipzig - FFC Wacker München 99 4:1 (2:1)

Von Katja Öhlschläger (Text) und Bernd Seume (Fotos)

07.08.2005

"Der Pokal hat seine eigenen Gesetze". Jawohl, 5 Euro ins Phrasenschwein, aber dieser Spruch erwies sich heute gleich mehrfach als passend - nicht nur auf dem Spielfeld.

Etwa 20 Minuten vor (geplantem) Spielbeginn traf ich am Stadion ein und die Verwunderung war doch nicht klein, nur ein Team beim Einspielen anzutreffen. Der Grund war so selten wie simpel: Wacker München steckte im Stau und verspätete sich um gut 20 Minuten. Schade eigentlich, denn noch war es trocken und für den Nachmittag ein kräftiges Gewitter angekündigt...

Mit 20 Minuten Verspätung kam Wacker München am Bruno-Plache-Stadion an

So aber hatten die Spielerinnen von Lok Leipzig die Gelegenheit, sich gleich zweimal warmzuspielen. Vielleicht ein entscheidender Vorteil? Man könnte es meinen, denn das Team von Trainer Frank Tresp legte los wie die Feuerwehr. Obwohl die Lok-Frauen mit Neuzugang Susann Erber (FC Erzgebirge Aue), Mittelfeldregisseurin Karoline Aulrich und Stammtorhüterin Madeleine Hübner gleich auf drei Leistungsträgerinnen verzichten mussten, suchten sie von Beginn an ihr Glück im Offensivspiel.

Es dauerte denn auch nur zwei Minuten, ehe der Ball zum ersten Mal im Netz von Wacker-Torfrau Kathrin Lehmann zappelte. Doreen Richter setze sich gleich gegen mehrere Abwehrspielerinnen durch, tankte sich in den Strafraum, täuschte gegen Lehmann noch einen Haken an, legte den Ball aber frech mit dem Außenrist an der Münchner Torfrau vorbei in die Maschen.
Wacker ließ sich zunächst nicht beirren und griff seinerseits an. Annika Fröhlich setzte Maria Breitenberger mit einer schönen Flanke von rechts in Szene, doch Breitenbergers Schuss fiel Leipzigs Ersatztorfrau Sandra Lellwitz, Neuzugang vom FC Crimmitschau, direkt in die Arme.

Die Leipzigerinnen kamen dann zum zweiten Mal zum Warmspielen ins Stadion. Spielführerin Doreen Bock, Stefanie Beltz (Neuzugang von Turbine Potsdam II), U19-Nationalspielerin Babett Peter und Lisa Uhlig

Viele hatten den Münchnerinnen sicherlich die Favoritenrolle zugeschrieben und waren nach dem 1:0 überrascht. Doch das dies nicht nur ein Strohfeuer war, sondern sich die Leipzigerinnen mit allem Einsatz und Willen anschickten, hier den Platz als Sieger zu verlassen, wurde dann in der 6. Minute deutlich. Doreen Bock passte aus zentraler Position durch die komplette Wacker-Abwehr durch, der Ball landete bei Christina Nauesse und diese zögerte nicht lange, den Ball rechts an Lehmann vorbeizuschieben. Sechs Minuten gespielt, 2:0 für Leipzig und die Analyse war so einfach wie klar: Leipzig schnell und konsequent im Angriff, Wackers Abwehr offenbarte eklatante Schwächen in Stellungsspiel und Zweikampfverhalten.

Vor dem Spiel bedankte sich Kapitän Doreen Bock im Namen der Mannschaft bei Manuel Hess, Trainer der 2. Mannschaft und Förderer des Frauenfußballs bei Lok Leipzig

Leipzig schien von dieser Führung nun beflügelt und setze sich in der Spielhälfte der Münchnerinnen fest. Die Wacker-Spielerinnen hatten ernsthafte Probleme, sich aus der Abwehr zu befreien, der Schock ob des schnellen 0:2-Rückstands schien tief zu sitzen. Wenn es ihnen dann mal gelang, die Mittellinie zu überqueren, versuchten sie sich mit Fernschüssen. So in der 11. Minute Lisa Lebert und in der 24. Minute Breitenberger. Während Leberts Schuss über das Tor ging, flog Breitenbergers Schuss über Tofrau Lellwitz hinweg, aber ins Tor. Breitenberger hatte erkannt, dass die sächsische Torfrau zu weit vorm Kasten stand und mit dem Abschluss aus etwa 25 Metern Entfernung nicht lange gefackelt.

Nun gestaltete sich das Spiel deutlich ausgeglichener und es ergaben sich Chancen auf beiden Seiten. Eine Minute nach dem


Um 14.55 Uhr konnte es dann endlich losgehen

Anschlusstreffer war es Fröhlich, die sich über das halbe Spielfeld allein durchsetzte, sich nicht vom Ball trennen ließ, der im Abschluss dann aber die Kraft fehlte. Die nächsten Chancen hatte dann aber wieder Leipzig. Analog zum Münchner Anschlusstreffer versuchte sich Andrea Stolle mit einem Heber aus halblinker Position, doch Lehmann konnte mit letzter Kraft zur Ecke klären. Sieben Minuten später setzte sich Bock an der rechten Strafraumgrenze schön durch und wollte schon zum Abschluss ansetzen, doch Lehmann war schneller und spitzelte ihr den Ball vor den Füßen weg. Wieder waren nur zwei Minuten vergangen, als Zeising in die Mitte zog und die (mal wieder) frei stehende Nauesse bediente, deren Schuss diesmal aber knapp links am Tor vorbeistrich.

1:0 für Lok Leipzig durch Doreen Richter. Franiska Karl kommt zu spät, Torfrau Kathrin Lehmann ist chancenlos

Das 2:1 spiegelte durchaus den Spielverlauf wieder, doch beinahe wäre es noch vor dem Pausentee zum Ausgleich gekommen. Fröhlich flankte in den Strafraum zu Mercedes Hartmann, die sofort abzog, aber nur den linken Außenpfosten traf. Glück für Leipzig, aber angesichts der Spielanteile und Chancenverteilung in der ersten Halbzeit auch verdientes Glück.

Von Wacker musste nach der Pause mehr kommen, das war klar. Und so kam es denn auch, dass sich die Gäste in den ersten Minuten der zweiten Spielhälfte ein deutliches Übergewicht erarbeiten konnten. Eine Minute war wieder gespielt und gleich setze sich Rechl im Strafraum durch, zog ab und brachte Lellwitz in Schwierigkeiten, doch im Nachfassen hatte sie den Ball. Ein lauter Aufschrei bei den Lok-Fans dann in der 56. Minute, als Uhlich, die gerade im Spielaufbau begriffen war, ihre Gegenspielerin anschoss und erst U19-Nationalspielerin Babett Peter, deren Einsatz unter der Woche wegen Muskelbeschwerden noch unklar war, in höchster Not klären konnte. Sekunden später, hämmerte Hartmann einen satten Fernschuss auf das Leipziger Gehäuse, aber wieder war Lellwitz zur Stelle und klärte den Ball mit den Fingerspitzen an die Latte. Das 2:2 schien nur noch eine Frage der Zeit, so massiv war jetzt der Druck der Gästemannschaft aus Bayern.

Aber es kam anders. In der 62. Minute bekam Leipzig einen Freistoß zugesprochen, den Peter trat. Die Münchner Abwehr hatte wieder mal im Stellungsspiel versagt und ließ Anja Pioch zu viel Freiraum. Diese verlängerte den Freistoß ins rechte untere Eck - keine Chance für Lehmann. Was für ein Paukenschlag nach dieser Münchner Drangphase!
Auch die Wacker-Frauen schienen nun wieder deutlich verunsichert. Nur sechs Minuten nach dem 3:1 stürmte Stolle über gut 40 Meter an allen Anwehrspielerinnen vorbei, zog in den Strafraum und dort ab, doch Lehmann konnte den Ball noch rechts am Kasten vorbeilenken.

Dann das nächste Kuriosum des Tages. Der bereits angekündigte Regenschauer samt Gewitter setzte ein. Nach Einschätzung der Schiedsrichterin Christiane Schönfeld war eine Fortsetzung des Spiels unter diesen Bedingungen nicht möglich, weshalb sie das Spiel in Spielminute 70 unterbrach und die Mannschaften in die Kabine schickte.

Diese Regengüsse sorgten für eine 25minütige Spielunterbrechung

Es war 16.20 Uhr - eine Uhrzeit, zu der bei normalem Spielbeginn schon lange der Abpfiff ertönt gewesen wäre. Doch das auch sportlich spannende und abwechslungsreiche Spiel hielt einen nun noch länger in Atem. Und irgendwie kam die kurze Unterbrechung auch beiden Teams gelegen. Leipzig konnte so nochmal Kraft schöpfen, um die 3:1-Führung verteitigen. München konnte sich von dem Schock des texttexttexttexttext


1:3 erholen und nochmal die nötige Konzentration aufbauen, um dem Spiel doch noch eine Wende zu geben.

Das 2:0 für Leipzig durch die quirlige Christina Nauesse. Nicht nur hier ließ sich die Wacker-Abwehr viel zu leicht aushebeln

Einige heftige Donner und Blitze später, um 16.40 Uhr, ging es dann endlich mit Schiedsrichterball weiter. Nach einer Wende im Spiel allerdings sah es nicht aus. Wieder war es Leipzig, das zu den besseren Chancen kam. Erst Nauesse mit einem recht harmlosen Schuss in Lehmanns Arme, dann in der 76. Minute eine hochkarätigere Chance durch Stolle, die - von Lehmann, die vor Nauesse klärte, bedient - frei auf die herausgeeilte Torfrau zulief, es dann aber nicht schaffte, den Ball über Lehmann zu lupfen. Doch die vergebenen Chancen rächten sich nicht, denn die überragend agile Nauesse sorgte nur drei Minuten später für die Entscheidung. Nach einer Flanke von Bock schlug sie noch einen Haken und brachte den Sieg damit - trotz nasser Trikots - in trockene Tücher.

Das Spiel war gelaufen, Leipzig verwaltete den Sieg nun locker und wechselte gleich dreimal in den letzten fünf Minuten. Wacker versuchte sich zwar nochmal mit zwei strammen Fernschüssen von Katharina Wistel und Lisa Lebert, doch es blieb beim auch in dieser Höhe durchaus verdienten 4:1. Wacker war kurz vor der Pause und in der ersten Viertelstunde der zweiten Hälfte nah am Ausgleich und wer weiß, was dann passiert wäre. Über weite Strecken des Spiels allerdings agierte Leipzig offensiv zwingender, spielerisch durchdachter und mit der nötigen Konsequenz im Abschluss. Ein verheißungsvoller Saisonstart für die Messestädterinnen, die in der Regionalliga sofort den Wiederaufstieg in die 2. Liga erreichen wollen.

Christina Nauesse schoss heute zwei Tore und war jederzeit präsent und gefährlich

München muss vor der am kommenden Sonntag beginnenden Zweitliga-Saison insbesondere die gravierenden Mängel im Abwehrspiel abstellen und sich im Spielaufbau verbessern, da sich im heutigen Spiel die Torchancen nahezu ausschließlich aus Fernschüssen ergaben.



Statistik:

1. FC Lok Leipzig:
Sandra Lellwitz, Lisa Uhlig (80. Silke Reißig), Doreen Richter, Anja Pioch, Christina Nauesse, Andrea Stolle (82. Mandy Gallitschke), Sarah Zeising (86. Nadine Börner), Sabine Dettmer, Babett Peter, Doreen Bock, Stefanie Beltz

FFC Wacker München 99:
Kathrin Lehmann, Annika Fröhlich, Caroline Preiss, Franziska Karl (64. Ines Ortner-Bach), Lisa Lebert, Ines Rechl, Arlind Maurer, Denise Müller, Mercedes Hartmann (64. Janine Maier), Hélène Brévart, Maria Breitenberger (75. Katharina Wistel)

Zuschauer: ca. 80

Schiedsrichterin: Christiane Schönfeld

Tore: 1:0 Richter (2.)
2:0 Nauesse (6.)
2:1 Breitenberger (24.)
3:1 Pioch (62.)
4:1 Nauesse (79.)

Gelbe Karte: Rechl

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