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DFB-Pokalfinale 2006

1:0 für Potsdam im Titeldreikampf der Dauerrivalen

1. FFC Turbine Potsdam – 1. FFC Frankfurt 2:0 (0:0) (aus Potsdamer Sicht)

Text von Marko Schiller, Fotos von den
www.bawue-loewen.de

06.05.2006   Keine zwei Wochen nach dem Debakel der Frankfurterinnen am heimischen Brentanobad gegen Turbine Potsdam stand am Samstag der erste Showdown im Titeldreikampf an. Das erste Mal ging Potsdam als Favorit in die Begegnung im Olympiastadion. Dies taten sie sicher auch mit Selbstvertrauen, aber keineswegs mit Überheblichkeit.

Kopfball Nia Künzer

Die erste Großchance für Frankfurt - Kopfball durch Nia Künzer, den Nadine Angerer über die Latte lenken konnte.

Die Aufstellungen gegenüber dem letzten Duell hatten sich leicht verändert, da Frankfurt verletzungsbedingt auf Pia Wunderlich verzichten musste und Birgit Prinz wegen einer roten Karte gesperrt war, allerdings war Sandra Smisek wieder fit. Potsdam konnte hingegen auf die genesene Inken Becher bauen. Sie dirigierte an Stelle von Ariane Hingst die Abwehr, welche ins Mittelfeld vorrückte. Frankfurt agierte mit den zwei Spitzen Sandra Albertz und Sandra Smisek, dahinter ein kompaktes Vierermittelfeld. Vor Marleen Wissink spielte Steffi Jones einen klassischen Libero hinter der Dreierabwehrkette mit Nia Künzer, Tina Wunderlich und Katrin Kliehm. Potsdam blieb seinem System treu und spielte das bewährte Drei-Vier-Drei-System.

Petra Wimbersky, Tina Wunderlich

Tina Wunderlich stabilisierte die Frankfurter Abwehr - hier kommt ihr jedoch Petra Wimbersky (l.) zuvor.

Und so wie das Wetter in Berlin, so war auch insgesamt das Spiel, eher mäßig und mit tröpfchenweisen Höhepunkten. Beide Mannschaften neutralisierten sich anfangs, da Frankfurt zunächst auf eine kompakte Deckungsarbeit setzte und damit den Potsdamer Spielfluss erheblich einschränkte. Das schnelle und offensive Konzept des letzten Spiels wurde von Frankfurt erfolgreich verhindert. Allerdings waren die Offensivbemühungen der Hessinnen daher auch gleich Null. Nur wenige Angriffe auf beiden Seiten konnten erfolgreich bis zum gegnerischen Strafraum vorgetragen werden oder führten gar zu Chancen. So war es Nia Künzer mit einem Kopfball aus einer Standardsituation heraus, die das erste Mal für richtige Torgefahr sorgte. Der gute Kopfball konnte von Nadine Angerer nur knapp geklärt werden. Frankfurt war bis zu diesem Zeitpunkt die Mannschaft mit mehr Ballbesitz und weniger Fehlpässen, aber das hätte die Führung nicht gerechtfertigt.

Marleen Wissink, Katrin Kliehm, Nia Künzer, Tina Wunderlich

Kurz darauf verfehlte Petra Wimbersky die Tormaschen knapp - ihr Schuss, dem hier gerade Katrin Kliehm, Tina Wunderlich, Nia Künzer und Torfrau Marleen Wissink hinterherschauen, knallte nur an die Latte.

Auf der Gegenseite war es Petra Wimbersky, die beinahe für Torjubel gesorgt hätte. In der 30. Minute ließ sie ihre Gegenspielerin schön aussteigen, zog in die Strafraummitte und setzte zum Schuss an. Dabei rutschte sie leichte weg und der Ball fand seinen Weg an die Querlatte. Diese Chance erwuchs mehr aus einer schönen Einzelleistung als aus einem geglückten Spielzug.

Der erfolglose Schussversuch von Sandra Albertz in der 35. Minute war dann auch die letzte nennenswerte Szene in der ersten Halbzeit. Frankfurt konnte zufrieden in die Pause gehen, da man erfolgreich einen Angriffswirbel der Potsdamerinnen verhindert hatte und sich ein leichtes Übergewicht innerhalb der ersten Halbzeit erspielt hatte. Potsdams Spiel war von Fehlpässen und leichten Ballverlusten geprägt, aber immerhin standen Abwehr und Keeperin jederzeit goldrichtig, so dass es noch 0:0 stand.


Turbine Potsdam

Der "Diver" der siegreichen Potsdamerinnen in Richtung Fans.

Beide Fangruppen erhofften sich eine Besserung des Spiels in der zweiten Halbzeit und das wahrscheinlich entscheidende eine Tor. Trainer Schröder hatte seinen Spielerinnen sehr deutlich die Meinung gesagt in der Kabine und so änderte sich das Bild in Halbzeit zwei ein wenig. Das Zusammenspiel wurde besser und man hielt dagegen. So war die zweite Halbzeit insgesamt deutlich ausgeglichener. Eins blieb allerdings weiterhin Mangelware: gute Torchancen. Ein unplatzierter Kopfball auf der einen Seite und ein ungefährlicher Fernschuss auf der anderen muss man leider als Highlights verbuchen.

1:0

1:0

1:0

1:0

Das 1:0 in der 80. Minute: Frankfurts Torfrau Marleen Wissink kann den Freistoß von Anja Mittag (Bild 1) nur wegfausten (Bild 2). Isabel Kerschowski zieht direkt ab (Bild 3) und dreht Sekundenbruchteile später zum Jubeln ab (Bild 4).

In der 63. Minute musste dann Britta Carlson leicht angeschlagen den Platz verlassen, und für sie kam Karolin Thomas. Eine Spielerin, die mehr für Kampf als für filigranen Fußball steht, aber gerade in den letzten Wochen eine gute Form und Treffsicherheit gezeigt hat. So wurde innerhalb des Potsdamer Spiels auch Mitte der zweiten Halbzeit mehr auf Durchsetzungsvermögen und Pressing gesetzt, als auf Hacke-Spitze-1-2-3.

In der 72. Minute war es dann Conny Pohlers, die das 1:0 auf dem Fuß hatte. Navina Omilade hatte sich über die rechte Seite erfolgreich durchgesetzt und in Richtung Fünf-Meter-Raum gepasst, wo Conny Pohlers den Ball direkt nahm. In letzter Sekunde verhinderte Tina Wunderlich durch ihren Einsatz die Potsdamer Führung. Dies war eine der wenigen guten Szenen der momentan besten Torjägerin der Liga, die allerdings nach zweiwöchiger Grippepause und einer Schwächung durch eine Allergie nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte war.

Aferdita Podvorica

Aferdita Podvorica jubelt nach dem 2:0 mit der Eckfahne um die Wette. Und das, obwohl die Meister dieser Disziplin, die St. Paulianer, den Einzug ins Finale der Männer verpasst hatten...

So fiel es Bernd Schröder dennoch schwer, sie in der 77. Minute auszutauschen und die schnelle Isabel Kerschowski zu bringen. Diese Auswechselung sollte sich nur 80 Sekunden später bezahlt machen. Einen Freistoß von Anja Mittag faustete Marleen Wissink direkt in die Mitte des Strafraums,


wo die eben eingewechselte Kerschowski mit ihrem dritten Ballkontakt den Ball ins Tor beförderte. So schien das Spiel durch einen individuellen Fehler entschieden worden zu sein, aber Petra Wimbersky reichte dies nicht.

Patrizia Barucha

Da Patrizia Barucha diese Großchance für Frankfurt kurz vor Schluss vergab, blieb es beim 2:0 für Potsdam.

Sie setzte, nur drei Minuten nach der Führung, einem gut hereingegebenen Ball nach und schoss vorbei an der herauseilenden Wissink ins kurze Eck ein. Die Entscheidung war gefallen, da nur noch acht Minuten zu spielen waren. Diese nutzten die Frankfurterinnen ihrerseits für durchaus gute Torchancen, die bei cleverer Verwertung das Spiel noch mal hätten spannend machen können. Besonders die Möglichkeit von Patrizia Barucha ist dabei zu nennen, die alleine aufs Tor zulief und wohl an ihren Nerven scheiterte.

So blieb es beim 2:0, da Matchwinnerin Isabel Kerschowski mit ihrer letzten Chance in der 90. Minute an Wissink scheiterte.

Zum dritten Mal in Folge gewann Potsdam damit den begehrten Pokal und hat damit das 1:0 im Titeldreikampf erzielt. Die Leistung der Frankfurterinnen war weit besser als zwei Wochen zuvor und die taktische Grundeinstellung machte den Potsdamerinnen das Leben schwer. Dennoch nutzten diese die sich bietenden Möglichkeiten eiskalt aus und gewannen somit sicherlich etwas glücklich, aber durchaus auch verdient dieses Duell. Potsdam hat nicht sein volles Potenzial abgerufen und trotzdem gegen eine sehr gute Frankfurter Mannschaft gewonnen. Die nächsten Duell werden sicher interessant und spannend. Und ob die vollmundige Aussage des Herrn Müller der Commerzbank ("Als erstes sollten wir den Potsdamern gratulieren, weil es der letzte Sieg war, den sie gegen uns in dieser Saison erzielt haben") eintrifft oder die geäußerte Meinung von Bernd Schröder gegenüber dem DFB ("„Ich erkläre hiermit, dass wir jetzt alle drei Titel holen“), bleibt abzuwarten.

Bericht aus Frankfurter Sicht

FFC Frankfurt

Beschwörung des Teamgeists nach dem Abpfiff beim FFC Frankfurt.

1. FFC Turbine Potsdam:

Angerer – Kuznik, Becher, Peter – Omilade, Hingst, Carlson (64. Thomas), Zietz – Wimbersky, Pohlers (77. I. Kerschowski), Mittag (90. Podvorica)

1. FFC Frankfurt

Wissink – Jones - Wunderlich, Künzer, Kliehm – Garefrekes, Hansen, Lingor, Affeld (87. Bartusiak) – Smisek (78. Barucha), Albertz (67. Weber)

Tore:
0:1 Isabel Kerschowski (79.)
0:2 Petra Wimbersky (82.)

Gelbe Karten: Zietz - Lingor

Schiedsrichterin: Anja Kunick (Lissa)

Zuschauer: 20.000


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