DFB-Pokal

Freiburg stark, doch Frankfurt kämpft sich durch

1.FFC Frankfurt - SC Freiburg 3:0 (0:0)

Text und Bilder von Tom Schlimme

3.101.2005    Es gibt im Fußball Lieblingsgegner und Angst- gegner. Freiburg ist für den FFC Frankfurt eher der zweiten Kategorie zuzurechnen als der ersten. In der Liga verloren die Frankfurterinnen gegen Freiburg in der Vergangenheit schon manchen Punkt und im Halbfinale des letzten DFB- Pokals taten sie sich in Freiburg lange schwer, bevor man durch ein Tor von Kerstin Garefrekes dann doch noch 0:1 gewann und zum Endspiel nach Berlin fahren durfte.

"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!", skandierten dann auch voll Optimismus - sicherlich gepaart mit einiger Selbstironie - die mitgereisten Fans aus dem Breisgau, während sich die Frankfurter Fans in abwartendes Schweigen hüllten. Und tatsächlich, wer eine deutliche Überlegenheit des auf dem Papier haushoch favorisierten Frankfurter Starensembles erwartet hatte, sah sich getäuscht. Die gesamte erste Halbzeit verlief ausgeglichen, allerdings spielte sich fast alles im Mittelfeld ab und Torszenen waren auf beiden Seiten Mangelware.

Miriam Dräger

Schiedsrichterin Miriam Dräger, die gut leitete, setzte sich auch gegenüber dem Publikum durch. Als sie das Spiel durch Trillerpfeifen von der Tribüne gestört sah, ließ sie eine entsprechende Lautsprecher- durchsage machen, die dann auch befolgt wurde.

Franfurt, ohne die sich auf dem Wege der Besserung befindliche Steffi Jones und ohne Renate Lingor, die wegen einer Zerrung für die wichtigen Uefa-Cup Spiele gegen Arsenal geschont wurde, kam so erst in der 15.Spielminute zur ersten richtigen Chance, als ein Weitschuss von Louise Hansen das Ziel verfehlte. Zwei Minuten später setzte sich Birgit Prinz gegen Alexandra Kury durch, paßte von der Torauslinie zurück, doch Sarah Günther konnte den halbhohen Ball nicht kontrollieren. In der 22. Minute vertändelte die Frankfurter Abwehr etwas leichtsinnig den Ball, doch Freiburgs Christine Kaltenbach schoss aus guter Position vorbei. Wenig später ließ Freiburgs einzige Spitze Karine Levy Judith Affeld aussteigen, passte zu Ines Österle, diese setzte sich gegen Tina Wunderlich durch, schoss dann aber ebenfalls am Tor vorbei. In der 30. Minute Überzahlsituation für Freiburg, diesmal ist es Jeanne Haag, die vorbei schießt.

Pia Wunderlich, Katja Bornschein, Patrizia Barucha

Das Spiel war lange spannend und kampfbetont. Hier ein Duell zwischen Freiburgs Kapitänin Katja Bornschein (weißes Hemd) und der eingewechselten Patrizia Barucha, links hinten Pia Wunderlich

Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks stellte in der 37. Minute um, holte die an sich nicht schlecht spielende linke Verteidigerin Judith Affeld vom Platz und beorderte die bis dahin rechts im Mittelfeld aufgestellte Sarah Günther auf die linke Verteidigerposition, während die eingewechselte Saskia Bartusiak nun im Mittelfeld die Räume aufreißen sollte. Eine Maßnahme, die vor der Halbzeitpause keinen Erfolg mehr brachte.


Torraumsszene

Saskia Bartusiak vor dem Freiburger Tor, umzingelt von Gegenspielerinnen: Von links Kerstin Boschert, Ines Österle, Bartusiak, Valerie Maillard, Torfrau Alexandra Schwald, mit der 16 Havva Kutal und dahinter Alexandra Kury

Nach der Pause kam dann wirklich gleich mehr Wind in die Angriffe des FFC Frankfurt: Bartusiak konnte in der 47.Minute nur noch mit größter Mühe zwei Meter vor dem Tor gestoppt werden. Torfrau Alexandra Schwald hielt zwei Minuten später einen Schuss aus kürzester Distanz von Birgit Prinz, die den Ball allerdings wohl auch nicht voll getroffen hatte. Wieder nur zwei Minuten später setzt sich Prinz rechts durch, gibt schön zurück zu Sandra Smisek, doch die schießt aus ca. neun Metern am langen Eck vorbei. In der 61. Minute war es dann soweit: Prinz zieht in der Mitte drei Gegenspielerinnen auf sich, kann aber nach rechts zu Kerstin Garefrekes passen, die hat einige Meter freie Bahn, gibt dann nach links zur freistehenden Pia Wunderlich, und es steht 1:0 für den 1.FFC Frankfurt.

Birgit Prinz

Birgit Prinz war wieder einmal an vielen Chancen und an zwei der drei Tore beteiligt. Oben links startet Kerstin Garefrekes.

69. Minute, ein Traumpass von Bartusiak steil durch die Gasse erreicht Sandra Smisek, doch diese rutscht auf dem nassen Boden aus. Doch schon eine Minute später machte Smisek ihren Fehler wieder gut, indem sie sich mit dem Ball bis zur Torauslinie durchkämpfte, dann clever flach zur Strafraumgrenze zurückpasste, von wo Prinz mit einem satten Flachschuss zum 2:0 einlochte. In der 73. Minute war es dann Pia Wunderlich, die links durchgebrochen war, schön zu Smisek abgab, die zum 3:0 ins lange Eck schoss. Damit war das Spiel entschieden, zumal Freiburg gleich danach die größte Chance der zweiten Halbzeit vergab: Melanie Behringer ließ sich nicht vom Ball trennen, passte in den Strafraum zu Levy, Frankfurts Torhüterin Marleen Wissink kam nur halbentschlossen aus dem Kasten, wurde von Levy umspielt, doch dann war Louise Hansen zur Stelle und grätschte in letzter Sekunde dazwischen.

Karine Levy geht, Fabienne Breisacher kommt

22 Jahre Altersunterschied: Die 38-jährige Karine Levy verließ in der 82. Minute den Platz, für sie kam die 16-jährige Fabienne Breisacher. So gut wie Levy muss das junge Talent aber erst noch werden!

Frankfurt hätte gegen Ende noch erhöhen können, doch Garefrekes erwischte einen halbhohen Ball zwei Meter vor dem Tor nicht richtig, so dass der Schuss in die


Wolken ging, Bartusiak schoss vorbei, nachdem Schwald einen Ball Prinz vom Kopf holend ihr genau vor die Füße gefaustet hatte, und Patrizia Barucha verpasste eine Flanke von Prinz, die alle Gegenspielerinnen und Torhüterin Schwald bereits ausgespielt hatte. So blieb es bei einem aufgrund der zweiten Halbzeit gerechten 3:0 Erfolg der Frankfurterinnen.

Pressekonferenz:
Freiburgs Trainer Dietmar Sehrig lobte die Leistung seiner Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit, als die Spielerinnen gar nicht gemerkt hätten, wie oft sie in Überzahl auf das Frankfurter Tor losgestürmt seien. In der zweiten Halbzeit habe man dann gesehen, dass doch noch ein Abstand zur Spitzengruppe der Bundesliga bestehe. Immerhin habe man praktisch gegen die Nationalmannschaft gespielt.

Dietmar Sehrig

Freiburgs Trainer Dietmar Sehrig will sein Team im oberen Mittelfeld der Tabelle stabilisieren

Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks machte seinen Spielerinnen ein Kompliment, weil sie in der zweiten Halbzeit genau das umgesetzt hätten, was er ihnen in der Halbzeitpause gesagt habe.

Frankfurts Manager Siegfried Dietrich wies darauf hin, dass das Interesse am Uefa-Cup Rückspiel gegen Arsenal London, das am 15.10 im Stadion am Brentanobad ausgetragen werden wird, recht hoch sei. Es wird empfohlen, rechtzeitig Karten bei der Geschäftsstelle zu bestellen oder ab kommenden Donnerstag in der Vereinsgaststätte abzuholen.

1.FFC Frankfurt:

Wissink - T. Wunderlich, Künzer, Affeld (37. Bartusiak), Kliehm (86. Zerbe), Günther, Hansen, Garefrekes (80. Barucha), Wunderlich, Prinz, Smisek

SC Freiburg:

Schwald - Boschert, Kury, Kaltenbach, Maillard, Behringer (76. Schmidt), Bornschein, Haag (65. Kutal), Schneider, Österle, Levy (82. Breisacher)

Tore:
1:0 Wunderlich 61.
2:0 Prinz 70.
3:0 Smisek 73.

Schiedsrichterin: Miriam Dräger, Mainz

Gelbe Karten: Kliehm/Haag, Bornschein

Zuschauer: 650


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