DFB-Pokal 2. Runde

Kein Klassenunterschied

FFC Brauweiler Pulheim - SG Wattenscheid 09 2:1 n.V. (1:1/0:1

Von Uwe und Mareike Carlitscheck (Text und Fotos)

17.10.2005

Die zahlreichen Zuschauer im Pulheimer Stadion sahen einen spannenden, hart umkämpften Pokalfight mit erfolgreichem, allerdings auch glücklichem Ausgang für die eine Klasse höher spielenden Gastgeberinnen. Brauweiler spielte nach sieben Wochen Abstinenz endlich wieder einmal vor heimischem Publikum und ließ zu Beginn keinen Zweifel daran, wer „Frau im Haus“ war. In den Anfangsminuten schienen sie auf einen klaren Erfolg zusteuern zu wollen.

Aber bei aller spielerischen Überlegenheit konnten doch ein gewisses läuferisches Defizit, etliche Stockfehler und zuweilen fehlendes Durchsetzungsvermögen nicht übersehen werden. Viel zu oft ging der Ball verloren, der Kombinationsfluss stockte meist schon bei der zweiten oder dritten Station. Dies wird wohl auch dem als Gast beim Spiel weilenden Trainer des 1. FFC Frankfurt, Dr. Hans-Jürgen Tritschoks (früher selber Trainer in Brauweiler), nicht verborgen geblieben sein. Die Frankfurterinnen werden in zwei Wochen in Pulheim zum fälligen Spiel um Meisterschaftspunkte erwartet.

Bei aller optischen Überlegenheit der Grün-Weißen ließ die stabile Wattenscheider Abwehr nur in der 16. Minute einen gefährlichen Weitschuss von Louisa Bisby zu, der aber knapp das Gehäuse verfehlte. Bei ihren schnellen Kontern wurden die Gäste immer gefährlicher und wären bereits in der 17. Minute fast in Führung gegangen. Im Verlauf der ersten Halbzeit zwangen sie die diesmal das Brauweiler Tor hütende Barbara Legrand, zur besten Spielerin der heimischen Elf zu werden. Doch in der 23. Minute war sie gegen einen platzierten Kopfball von Caroline Hamann nach guter Hereingabe von Jennifer Manzer machtlos - 0:1!

Bereits eine Minute später landete der Ball am Lattenkreuz des Brauweiler Tores, dann wurde ein Alleingang in letzter Sekunde von Legrand mit Prachtparade gestoppt. Die Gastgeberinnen waren nun längst nicht mehr überlegen, sondern wirkten eher verunsichert und ließen den Vorwärtsdrang vermissen. Zwischen Mittelfeld und Angriff lief kaum etwas zusammen, zu viele Pässe liefen ins Leere. Trainer Küpper reagierte und brachte in der 36. Minute Susanne Kasperczyk für Frauke Renner, was sich auf der linken Seite bei Brauweiler als sehr stabilisierend erwies. Es kamen wieder bessere Bälle nach vorne, und einige Ecken und Freistöße brachten auch neue Möglichkeiten. Doch Mariana Ciorba und die erstmals mitspielende Bilgin Defterli waren bei der sicheren


Louisa Bisby im Zweikampf mit Jeanette Götte, rechts Jennifer Düner

Wattenscheider Abwehr in guter Obhut. Bis zur Pause blieb es bei der Gästeführung, die chancenmäßig auch deutlicher hätte sein können.

In der Halbzeitpause wechselte Trainer Küpper die noch recht bindungslos spielende Bilgin Defterli gegen Alexandra Muresan, die aber schon kurze Zeit später, in der 59. Minute, nach einem Zusammenprall mit der ihr entgegen stürzenden Wattenscheider Torhüterin, Nadine Richter, verletzt ausscheiden musste. Für sie kam Irmela Koch, und damit war das Auswechselkontingent beim FFC erschöpft.

Letzte Besprechung vor der Verlängerung beim Team aus Brauweiler

Brauweiler begann die zweite Hälfte stürmisch und kam durch Sonja Fuss und Mariana Ciorba zu einigen guten Gelegenheiten. Viel Aufbauarbeit leisteten Kasperczyk und Eva Augustin, die Abwehr machte zu dieser Zeit insgesamt einen besseren Eindruck als vor der Pause, auch die so lange verletzt gewesene Oana Niculescu spielte gut mit. Und in der 60. Minute endlich schaffte Ciorba den mittlerweile verdienten Ausgleich mit einem überlegten Flachschuss ins lange Eck. Ab diesem Zeitpunkt wogte der Kampf hin und her, und beide Teams hätten in Führung gehen können. Noch kurz vor Ende der regulären Spielzeit hätte Wattenscheid den entscheidenden Treffer eigentlich erzielen müssen, doch es blieb unentschieden. Die unauffällig und sicher leitende Schiedsrichterin Eva Kirschbaum bat zur Verlängerung.

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Jetzt waren es erneut die Grün-Weißen, die Druck machten. Angeführt von Fuss, Kasperczyk und Augustin, unterstützt von den schussstarken Abwehrspielerinnen Bisby und Gorges, suchten sie die Entscheidung. Und es war erneut Mariana Ciorba, die die Mannschaft und die Fans erlöste. Mit einem herrlichen Schrägschuss ins rechte Eck traf sie unhaltbar zur 2:1 – Führung, die bis zum Ende gegen die zwar mächtig drängenden, aber kraftloser gewordenen Gäste mit Einsatz und einigem Glück verteidigt wurde. Dieses Weiterkommen im Pokal war heute nicht selbstverständlich, vom Klassenunterschied nur selten etwas zu spüren.

Den Wattenscheidern bescheinige ich gerne, gut gespielt zu haben. Sie könnten mit dieser Leistung auch in der ersten Liga mithalten, allerdings müssen sie schnell lernen, aus den vielen heraus gespielten Großchancen auch Tore zu erzielen – hier lag meines Erachtens das größte Manko der Schwarz-Weißen aus dem Ruhrgebiet.

Statistik:

FFC Brauweiler Pulheim
Legrand, Defterlin (46. Muresan), Renner (39. Kasperczyk), Ciorba, Augustin, Niculescu (52. Koch), Fuss, Sims, Seuren, Gorges, Bisby.

SG Wattenscheid 09:
Richter, Walter, Dörpinghaus, Mahler, van den Berg, Ninaus, Götte (105. Rogalla), Düner, Mattheus (95. Heitmann), Manzer, Hamann

Zuschauer: 180

Schiedsrichterin: Eva Kirschbaum

Tore:
0:1 Hamann (23.)
1:1 Ciorba (60.)
2:1 Ciorba (97.)

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