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Olympische Spiele 2008, Viertelfinale

Auf dem Weg der Besserung

Schweden - Deutschland 0:2 n.V. (0:0)

Text von Tom Schlimme

12.08.2008   Immer noch weit weg von Glanzleistungen, kommt das Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei Olympia 2008 nun doch langsam in Fahrt. Hinten steht die Null nun schon nach vier Spielen (neuer olympischer Rekord), vorne fehlt zwar immer noch einiges, aber die Zahl der angekommenen Pässe nahm doch ebenso zu wie die Zahl und Qualität der herausgespielten Torgelegenheiten. Dazu muss man noch anerkennen, dass mit Schweden immerhin der Dritte der Fifa-Weltrangliste bezwungen werden mußte.

Die Schwedinnen begannen stark und selbstbewußt, drängten das deutsche Team gleich in den ersten Minuten an den eigenen Strafraum. Doch etliche schwedische Stürmerinnen gaben den Ball lieber weiter statt den direkten Weg zum Tor zu suchen, und so verpuffte diese Angriffsphase wirkungslos. Weit gefährlicher sah es schon bald auf der anderen Seite aus. Anja Mittag, heute statt Sandra Smisek von Anfang an auf dem Platz, bekam den Ball nach missglückter Aktion von Schwedens Keeperin Hedvig Lindahl vor die Füße, verpasste jedoch knapp.

Noch einmal Mittag nach Super-Zuspiel der weiter verbesserten Renate Lingor zog dann den Ball aussichtsreich am langen Eck vorbei, und Linda Bresonik traf den Pfosten mit einem schönen Fernschuss, nachdem ein Freistoß von Lingor zu kurz abgewehrt worden war. Da waren gerade mal acht Minuten gespielt und die Schwedinnen dann doch so geschockt, dass sie nur noch äußerst vorsichtig nach vorne agierten, mit ihren bekannt langen Bällen. Oder das deutsche Mittelfeld stand jetzt so gut, dass Kombinationen durchs Mittelfeld nur noch schwer möglich waren, man weiß das ja nie so genau.

Die deutsche Spielführerin Birgit Prinz könnte das Spiel als „verhext” abtun. Trotz guter Leistung war ihr kein Glück im Abschluss beschieden. In der 18. Minute bekam Sara Larsson noch das Bein in einen aussichtsreichen Schuss, in der 34. Minute konnte Prinz Larsson stehen lassen, Keeperin Lindahl ausspielen, und verfehlte dann doch noch knapp das leere Tor. So ging es die ganze Partie durch weiter, entweder die Schüsse von Prinz gingen knapp vorbei, oder ein schwedisches Bein blockte noch im letzten Moment ab.

Auf schwedischer Seite ging nun aber fast gar nichts mehr nach vorne. Besonders die Stars, Lotta Schelin und Victoria Svensson, waren kaum zu sehen, mit Abstand am agilsten vorne bei Schweden war mit Jessica Landström eine bei uns relativ unbekannte Spielerin, deren Kopfball in der 40. Minute aus guter Position jedoch weit vorbei ging.

Als nach der Pause dann auch Svensson aus der Drehung vorbeischoss - die deutsche Abwehr hatte fälschlich auf Abseits spekuliert - dauerte es nicht mehr lange, bis Nadine Angerer mal wieder einen Turnierrekord feiern konnte. Nach dem Rekord bei der Weltmeisterschaft nun also auch bei Olympia die meisten Minuten ohne Gegentor! Angerer bot auch heute wieder eine absolute Top-Leistung, ihr einziger Schnitzer bei


einer Ecke in der 57. Minute, als sie am Ball vorbeigriff, wurde von der Abwehr ausgebügelt. Ansonsten hielt Angerer alles, was auf ihr Tor zu kam, mit bemerkenswerter Sicherheit.

Kerstin Garefrekes

Kerstin Garefrekes erlöste das deutsche Team mit ihrem Kopfball zum Führungstor

Archivbild: Nora Kruse

Doch Mitte der zweiten Halbzeit wurde es langsam Zeit für ein deutsches Tor. Doch Charlotte Rohlin konnte die durchgebrochene Prinz noch in allerletzter Sekunde abblocken. Dann der größte Wermutstropfen für Deutschland an diesem Tag: Die gut spielende Linda Bresonik knickte beim Aufkommen um und mußte ausgewechselt werden. Es besteht der Verdacht auf eine Verletzung des Außenbandes im Sprungelenk, so dass Bresoniks Einsatz bei den beiden folgenden Partien dieser Olympischen Spiele stark gefährdet ist.

Babett Peter, die für Bresonik auf die Position links in der Viererkette eingewechselt wurde, machte ihre Sache allerdings ebenfalls gut. In der 72. Minute dann die nächste Chance für Prinz, wieder schneller als Larsson, wieder am langen Eck vorbei. In der 75. klärte Lindahl im Herauslaufen weit vor ihrem Strafraum noch vor Kerstin Garefrekes, dann hatte die eingewechselte Anna Paulsson eine Chance für Schweden, als sie eine Mischung aus Flanke und Torschuss so in die Ecke zirkelte, dass Angerer nur mit äußerster Mühe noch die Hand an den Ball bekam. Ein Kopfball von Landström nach Flanke von Schelin ging dann auch noch vorbei, da hatten die Schwedinnen innerhalb von zwei Minuten (83. und 84.) auf einmal ihre beiden besten Chancen des Spiels gehabt.

Doch die Qualität der deutschen Chancen war deutlich höher. Nach dem Pfostenschuss von Bresonik zu Beginn kam Melanie Behringer erst in der 87. Minute zu einem sehenswerten Fernschuss, den Lindahl nur mit Mühe halten konnte, und dann in der dritten Minute der Nachspielzeit noch zu einem Lattentreffer. Aber Latte und Pfosten zählen nicht, und so ging es in die Verlängerung.

Die begann gleich mit einer weiteren Chance für Prinz, die jedoch an einem flachen Pass von Simone Laudehr knapp vorbeirutschte. Auf schwedischer Seite tat sich außer bei einem Freistoß von Landström, den Angerer ohne Probleme hielt, nicht mehr viel. Schließlich war es dann eine Standardsituation, die die Führung brachte. Lingor brachte


einen Eckstoß von links auf den kurzen Pfosten, und Garefrekes, größer gewachsen als ihre Gegenspielerin, köpfte den Ball mit Wucht in die Maschen. Riesenjubel auf der deutschen Bank, die Erleichterung war allen anzumerken!

Die Partie blieb spannend, und es dürfte sich für die ARD gelohnt haben, das Spiel von der ersten bis zur letzten Minute einschließlich Verlängerung gezeigt zu haben (Riesenlob an die ARD!), denn bei diesem Krimi dürfte kaum jemand abgeschaltet haben. Ein Tor für Schweden wäre zwar glücklich, aber jederzeit möglich gewesen. So dauerte es bis zur 115. Minute, ehe Simone Laudehr nach vorne stürmte, den Ball zu Prinz spielte, die spielte steil auf die weitergelaufene Laudehr zurück, und als Ergebnis dieses gelungenen Doppelpasses hämmerte Laudehr den Ball zum 0:2 ins kurze Eck.

Nach dem Spiel gegen Nordkorea schrieb ich, die deutsche Mannschaft werde sich steigern müssen, um das Halbfinale zu erreichen. Die deutsche Mannschaft hat sich gesteigert. Nun wartet im Halbfinale Brasilien, und die deutsche Mannschaft wird sich noch einmal steigern müssen, um ins Finale zu kommen. Vor allem im Spiel nach vorne gibt es noch Verbesserungsbedarf, doch zuzutrauen ist diesem Team mal wieder alles!

Victoria Svensson und Kerstin Stegemann

Schwedens Spielführerin Victoria Svensson war weitgehend kaltgestellt. Hier ein Szene aus dem Algarve Cup 2008 mit Kerstin Stegemann, die heute klar die Oberhand behielt

Archivbild: Beate Wolter

Deutschland:
Angerer - Stegemann, Krahn, Hingst, Bresonik (71. Peter) - Laudehr, Lingor, Garefrekes, Prinz, Behringer, Mittag

Schweden:
Lindahl - Östberg, Larsson (110. Almgren), Thunebro, Rohlin, Forsberg (67. Paulsson), Seger, Sjögran (110. Aronsson), Svensson, Landström, Schelin

Tore:
0:1 Garefrekes (105.)
0:2 Laudehr (115.)

Gelbe Karten: Landström, Seger, Prinz

Schiedsrichterin: Dagmar Damkova (Tschechien)


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