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Olympische Spiele 2008

Überraschende Olympiastarts

Der erste Spieltag

Von Nora Kruse (Text u. Archivfotos)

06.08.2008

Zwei Tage vor dem offiziellen Beginn der Olympischen Spiele sind die Fußballerinnen ins Turnier gestartet. Ein Ergebnis, mit dem Bundestrainerin Silvia Neid gut leben kann, erkämpfte sich die deutsche Mannschaft mit einem 0:0 gegen Brasilien. Ergebnisse, bei denen man im ersten Moment etwas überrascht die Stirn runzeln mag, bot die Konkurrenz – allen voran die Vereinigten Staaten.

Norwegen - USA

Seit der Halbfinalniederlage bei der Weltmeisterschaft im vergangen Jahr haben die USA jedes Spiel gewonnen. Erst vor wenigen Wochen absolvierten sie einen Test gegen ihren heutigen Auftaktgegner Norwegen und gewannen souverän mit 4:0. Ein Ergebnis, das ihnen auch beim Algarve Cup gelang. Doch heute war alles anders. Bereits nach zwei Minuten gingen die Norwegerinnen durch Leni Larsen Kaurin in Führung.

Leni Larsen Kaurin

Schon nach zwei Minuten legte Leni Larsen Kaurin den Grundstein zum Sieg ihrer Mannschaft.

Der Traumstart der Nordländerinnen wurde perfekt, als Melissa Wiik zwei Minuten später das 2:0 erzielte. Die USA gerieten in eine unbekannte Situation, noch nie musste das Team so früh einem solchen Rückstand hinterher laufen. Dementsprechend unsicher wirkte die Mannschaft von Pia Sundhage, die eklatante Schwächen im Mittelfeld offenbarte und sich im Spielaufbau erschreckend schwach zeigte. Norwegens Trainer Bjarne Berntsen machte daher seiner Mannschaft ein Riesenkompliment, nur eine „handvoll Chancen“ zugelassen zu haben. Doch auch für seine Kollegin auf der anderen Seite ist das Spiel kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, schließlich sei es gerade das erste Spiel, so Sundhage. Der Lerneffekt stehe im Vordergrund, gegen Japan und Neuseeland werde die ihre Mannschaft anders auftreten.

Japan - Neuseeland

Japan und Neuseeland waren es auch, die für die nächste kleinere Überraschung sorgten. Die Japanerinnen hatten gegen die „Football Ferns“ zwar über die Gesamtdauer gesehen deutlich mehr Spielanteile, in Zurückhaltung übten sich die Neuseeländerinnen bei ihren ersten Olympischen Spielen jedoch nicht. Sie begannen stark, arbeiteten sich eine Chance nach der anderen heraus – ein Tor gelang jedoch nicht. Das fiel erst, als Japan besser ins Spiel fand. Nach Zuspiel von Ria Percival schloss Kirsty Yallop erfolgreich ab.

Nach der Pause fiel durch Amber Hearn per Foulelfmeter das 2:0 für Neuseeland, eine Sensation lag in der Luft. Die Minuten verstrichen, die Uhr tickte gegen Japan – doch die ließen sich davon nicht schocken. Unermüdlich arbeiteten die Asiatinnen und konnten es in der 72. Minute wohl ausgleichende Gerechtigkeit nennen, dass Schiedsrichterin Deidre Mitchell erneut auf den Elfmeterpunkt zeigte – diesmal für die „Nadeshiko“. Aya Mimaya, die Frau der Standards in Japan, schloss erfolgreich ab. Neuseeland war auf Absicherung des Ergebnisses bedacht, doch in der 86. Minute war der Traum vom Traumstart beendet – Spielführerin Homare Sawa erzielte den hochverdienten Ausgleich.

Deutschland - Brasilien

Das zweite Unentschieden des Tages gab es ausgerechnet im Spiel der DFB-Auswahl, die bei drückender Hitze in Shenyang einen druckvollen Start hinlegte,


Nadine Angerer

Den Punkt festgehalten - Nadine Angerer zeigte eine starke Leistung.

jedoch von Beginn an zu ungenau spielte. Die Pässe in Reihen der Deutschen kamen nicht an und die Brasilianerinnen hatten sich schnell gefangen. In der zwölften Minute spurtete Marta an Kerstin Stegemann vorbei, umspielte die erfahrene Außenverteidigerin und kam zur Flanke. Glück für die Weltmeisterinnen, dass Cristiane im Strafraum den Kopfball nicht richtig traf.

Die „Seleção“ machte den sichereren und spritzigeren Eindruck. Erst nach 24 Minuten kam Deutschland zur ersten echten Torchance, als sich Melanie Behringer auf der linken Seite durchsetzte und deren Flanke zielgenau zur frei stehenden Sandra Smisek gelangte. Ihr Kopfball traf jedoch nur die Latte. Die letzte Viertelstunde gehörte dann der DFB-Elf. Noch immer mit vielen Fehlpässen im Spiel wurde die Mannschaft besser. Zwei Ecken und ein Freistoß binnen weniger Minuten machten den neu aufgebauten Druck deutlich. Auch Behringer versuchte in der 36. Minute mutig mit einem Schluss aus gut 30 Metern ihr Glück, und kurz vor der Halbzeit kam Birgit Prinz im Strafraum zu einer guten Gelegenheit, wurde jedoch abgedrängt. Brasilien zeigte insbesondere durch eine teilweise unsicher wirkende Abwehr, dass ein Sieg der Deutschen nicht unmöglich war, doch waren die Schützlinge von Silvia Neid nicht in der Lage, auf der ihrerseits guten Defensivleistung aufzubauen und konstant Druck auf die Südamerikanerinnen auszuüben.

Dieses Bild änderte sich auch in der zweiten Halbzeit nicht, stattdessen kam Brasilien zu einigen hochkarätigen Chancen. Insbesondere Marta testete Nadine Angerer das ein oder Mal, doch die Torhüterin zeigte sich von ihrer besten Seite und hielt das Unentschieden fest. An einen deutschen Sieg mochte man zum Ende des Spiels nicht mehr glauben, auch die in der 73. Minute eingewechselten Fatmire Bajramaj und Célia Okoyino da Mbabi konnten in dieser Richtung keine Akzente setzen. So war es unter dem Strich ein Punktgewinn, mit dem man im DFB-Lager gut leben könne, wie die Bundestrainerin deutlich machte.

Zwei Torchancen und viel Einsatz - erfolgreich war Sandra Smisek dennoch nicht.

Nordkorea - Nigeria

Die Tabellenführung in der deutschen „Todesgruppe“ übernahm anschließend Nordkorea. Dank eines 1:0-Sieges gegen Nigeria setzten sich die Asiatinnen an die Spitze und erwarten nun am Samstag die Brasilianerinnen, die unter Zugzwang sind. Die Nigerianerinnen hatten dem Spiel Nordkoreas wenig entgegenzusetzen und waren von Beginn an in die Defensive gedrängt, Trainer Joseph Lapido wollte jedoch nur von einem „vorübergehenden Rückschlag“ sprechen. Vor dem Turnier hatte er sich bereits selbstbewusst gegeben und erklärt, dass nur Brasilien in der Lage sei, seine Mannschaft zu stoppen, jetzt versprach er eine Steigerung für


die kommenden Spiele. Dann muss vom Afrikameister in der Offensive deutlich mehr geschehen, will man das Turnier nicht bereits nach der Vorrunde beenden.

Das Spiel gegen Nordkorea fand fast ausschließlich in der nigerianischen Hälfte statt, doch nach einer knappen halben Stunde konnten die Asiatinnen Torfrau Precious Dede dennoch überwinden, die beim Schuss von Kim Kyong Hwa keine Chance hatte. Der Asienmeister hatte noch vor der Pause die Möglichkeit zum 2:0, Ri Kum Suk trat jedoch den an ihr verursachten Foulelfmeter neben das Tor.

China - Schweden

Vize-Asienmeister China führte das schwedische Trauma schlechter Auftaktspiele bei Großereignissen fort. Als Favorit in die Partie gegangen, gerieten die Schwedinnen schon nach sechs Minuten in Rückstand, als Xu Yuan einen Abpraller vom Pfosten zum 1:0 verwandelte.

„Ich bin sehr enttäuscht, ein Unentschieden wäre gerecht gewesen“, bedauerte Schwedens Spielführerin Victoria Svensson nach der Partie. Und in der Tat hatte es ihre Mannschaft in der Hand, erfolgreicher ins Turnier zu starten. Noch vor der Pause erzielte Lotta Schelin nach Zuspiel von Svensson den Ausgleich. In der zweiten Hälfte waren die Nordländerinnen überlegen und hatten die Partie zu weiten Teilen unter Kontrolle, nach 72 Minuten traf Chinas Topstürmerin Han Duan jedoch zum 2:1-Endstand.

Nach ganz schwachen Vorstellungen zu Beginn des Jahres scheint die chinesische Nationalmannschaft rechtzeitig fit geworden zu sein.

Argentinien - Kanada

Ebenfalls 2:1 endete die Partie zwischen Kanada und Argentinien, die unter der Leitung der deutschen Schiedsrichterin Christine Beck stand. Die Kanadierinnen begannen das Spiel druckvoll und gingen durch einen Schuss aus der zweiten Reihe von Candace Chapman nach einer halben Stunde in Führung. Argentinien gab sich jedoch nicht geschlagen und kämpfte tapfer weiter. Dem Südamerikameister fehlten jedoch die Mittel, Kanada ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

So fiel in der 72. Minute folgerichtig das 2:0 für die Nordamerikanerinnen, Kara Lang war nach einem Freistoß von Rhian Wilkinson per Kopf erfolgreich. Fünf Minuten vor dem Ende wurden schließlich die argentinischen Bemühungen belohnt, Mariela Coronel spielte auf der linken Seite Wilkinson aus, Ludmila Manicler verwandelte die Hereingabe zum 1:2-Endstand aus Sicht der Argentinierinnen.

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