Von Cathrin Ruppert (Text)
und Nora Kruse (Fotos)
05.08.2008
Für die Fußballerinnen beginnen die Olympischen Spiele bereits morgen, in Gruppe G treffen die alten Rivalen Norwegen und die USA, sowie Japan und
Neuseeland aufeinander. Es ist aber nicht nur die Gruppe zweier Mannschaften, die den Frauenfußball entscheidend geprägt haben. US-Nationaltrainerin
Pia Sundhage brachte unlängst ihre Freude über die verschiedenen Stile zum Ausdruck, für diese Teams stehen.
Als aktuelle Nummer Vier der Weltrangliste gilt Norwegen immer als ernstzunehmender Gegner. Die Bilanz von zwei EM-Titeln, einem WM-Titel und je
einer Gold- und Bronzemedaillen aus den Olympischen Spielen in Sydney und Atlanta ist beachtlich und so sind die Skandinavierinnen auch sicherlich
bei diesen Spielen ein Top-Favorit.
Für Melissa Wiik sind es die ersten Olympischen Spiele, doch sie hat die Goldmedaille selbstbewusst zum Ziel erklärt.
Als Bjarne Berntsen im Dezember 2004 das Amt des neuen Trainers übernahm, leitete er einen Generationswechsel ein. Das Team wurde und ist stark verjüngt
und mit dieser „neuen“ Mannschaft schaffte er es 2005 bereits ins Finale der EM.
Melissa Wiik gibt als klares Ziel aus: „Wir streben nach der Goldmedaille!“ Dennoch musste das Team in letzter Zeit einige Rückschläge verkraften. Durch
den Rücktritt von wichtigen Spielerinnen, wie Ragnhild Gulbrandsen, Lise Klaveness oder Weltklasse-Torhüterin Bente Nørdby nach der WM 2007, ist die
Mannschaft geschwächt. Die vorolympischen Testspiele gegen die USA und Schweden verlor man mit 0:4 bzw. 0:2. Im Spiel gegen Deutschland ging man mit
einem 2:0 zwar als Sieger vom Platz, dennoch bleibt die Frage offen, ob das junge Team insbesondere gegen Gruppengegner USA bestehen kann. Dass die
Mannschaft gerade in ihrem ersten Olympiaspiel gegen diesen starken Gegner ran muss, nimmt Melissa Wiik gelassen: „Das ist okay. Das letzte Mal,
als Norwegen gegen die USA sein Eröffnungsspiel hatte, gewannen wir die Goldmedaille.“ Das war 2000 in Sydney.
Lange Jahre war Bente Nordby der sichere Rückhalt ihrer Mannschaft - nach der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr beendete sie ihre Karriere.
Es wird also sicherlich interessant sein zu sehen, wie sich Norwegen im Spiel gegen die USA schlägt und ob sie die Abgänge einiger ihrer wichtigsten
Spielerinnen wirklich gut verkraftet haben. Wenn das der Fall ist und sie die Gruppenphase gut überstehen, ist Norwegen sicherlich ein heißer
Medaillenaspirant.
Neuseeland
Nach der WM 2007 ist es für Neuseeland das zweite große Turnier nach einer 16 Jahre lang andauernden Durststrecke. Wie die WM 2007 soll auch ihr erster
Olympiaauftritt ein weiterer Meilenstein in der zukünftigen Entwicklung des Teams sein. So sagt Trainer John Herdmann: „Wir sind dafür bekannt, ein
körperlich starkes Team mit starkem Zusammenhalt und einer “Sag niemals nie”-Mentalität zu sein, aber wir versuchen immer noch an unserem eigenen Stil
zu arbeiten, so dass wir 2011/2012 einen unverwechselbaren Stil haben.“ Dieser sollte seiner Meinung nach von dem starken Teamgeist und mit einer
„deutlich erkennbareren Spielphilosophie“ gekennzeichnet sein und so werden Turniere wie das kommende in China zum Erfahrung sammeln genutzt, um sich
aus diesen dann weiter zu entwickeln.
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Wie ist also sein Plan für Olympia 2008? „Man beginnt immer mit defensivem Spiel. Das ist denke ich das Wichtigste. Wir haben versucht, vor allem am
Kontern zu arbeiten. Wir wissen, dass wir während der Spiele nicht so oft in Ballbesitz sein werden, aber wenn, können wir den Gegner mit schnellem
Umdenken und Kontern schlagen.“
Zwar konnte sein junges Team (Durchschnittsalter 22,8) gegen Argentinien in der Vorbereitungsphase zu Olympia einen 1:0-Sieg feiern, gegen Australien,
Kanada und zuletzt China mussten sie der Realität jedoch ins Auge sehen. Alle vier Spiele (gegen China wurde zweimal gespielt) wurden verloren und somit
dürfte ihnen die Außenseiterrolle bei Olympia durchaus bewusst sein.
Bei dem ersten Spiel gegen China gelang es Ali Riley zwar, den elf Jahre dauernden „Fluch“ der Torlosigkeit in einem Spiel mit China zu brechen,
dennoch verloren die „Football Ferns“ mit 1:3 und beim zweiten Test mit 0:1 gegen China. Herdmann sagte dazu: „Wir haben das Spiel lange Zeit dominiert,
aber keine Tore geschossen.“
Dennoch sind die Neuseeländerinnen erfreut über die Olympiateilnahme und gespannt, zu was sie es in Peking bringen können. „Es ist alles sehr aufregend –
allein das ganze Drumherum ein Olympionike zu sein. Wir wissen, was es für die Neuseeländer bedeutet, bei Olympia vertreten zu sein und in dieser
Sportart das erste Team überhaupt zu sein, macht es noch aufregender“, sagt Herdmann.
Insgesamt betrachtet ist Neuseeland also sicherlich kein Medaillenaspirant, aber ein Team, dass durch Spielfreude überzeugen und in Zukunft durchaus
für Furore sorgen könnte.
Japan
Seit 1991 hat Japan an allen Weltmeisterschaften teilgenommen und war auch 1996 und 2004 bei Olympia dabei. Mit dem Ausscheiden in den Vorrunden oder
spätestens im Viertelfinale blieben größere Erfolge jedoch bislang aus. Dennoch ist zu erkennen, dass der japanische Frauenfußball immer mehr im Kommen
ist und so gibt Trainer Sasaki als (durchaus realistisches) Ziel das Erreichen der Runde der letzten Vier aus. „Das ist eine schwere Aufgabe für uns,
doch wir werden alles daran setzen, dieses Ziel zu erreichen.“ In der Qualifikation erlangten sie fünf Siege und nur ein Unentschieden. Mit 27 Toren und
nur drei Gegentreffern qualifizierten sie sich vorzeitig für Peking 2008.
Leistungsträgerin des japanischen Teams ist die 29-jährige Homare Sawa. Mit gerade mal zwölf Jahren debütierte sie 1991 in der japanischen Liga, bereits
mit 15 bestritt sie ihr erstes Spiel für die Nationalmannschaft. Seitdem war sie bei allen großen Turnieren der Japanerinnen dabei und jetzt, nach 15
Jahren langen Wartens, will sie endlich den großen Coup landen. Sie selbst spielte in der amerikanischen Profiliga WUSA, nach deren Zusammenbruch kehrte
sie nach Japan zurück und spielt seitdem erfolgreich für NTV Beleza.
Wie bekannt und geachtet Sawa in der Frauenfußballwelt wird, wird deutlich, wenn US-Rekordnationalspielerin Kristine Lilly sagt, dass „sie der
Typ Spielerin [ist], der Tore schießen, aber auch das Spiel machen kann. Man weiß nie, woran man bei ihr ist. Was ich in den Spielen gegen sie in der
WUSA gelernt habe, ist, dass sie niemals aufgibt. Sie ist eine großartige Spielerin.“
Die japanische Nationalmannschaft hat sich viel vorgenommen, vor allem bei Olympia eine gute Rolle zu spielen.
Mit dem Rest der „Nadeshiko“, wie die Frauenfußballmannschaft Japans seit Athen genannt wird, möchte sie nun das von Trainer Sasaki vorgegebene Ziel
erreichen. Die Nadeshiko ist im Übrigen eine wildwachsende Nelke und im ostasiatischen Land zum Symbol für das weibliche Ideal geworden. Daran gemessen
kann man sehen, wie erfolgreich sich der Frauenfußball in Japan immer weiterentwickelt und so hat sich das Japan ehrgeizige Ziele gesetzt: Zuerst
Fußball zur Sportart Nummer Eins für japanische Frauen zu machen,
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anschließend die „Nadeshiko“ in der internationalen Spitze zu etablieren und einen
Plan zu erstellen, der die „Individualität“ der Spielerinnen gemäß den globalen Fußballstandards entwickelt und fördert. Diese Ziele beinhalten, dass man
bis zum Jahr 2015 die Anzahl der Spielerinnen in Japan auf 300.000 erhöhen will und bis dahin auch eine Top-5-Platzierung in der Weltrangliste erreichen
„Die Entschlossenheit der Spielerinnen, eine Medaille zu gewinnen, ist sogar noch größer als meine eigene“, sagte Trainer Sasaki. Es ist also deutlich
zu erkennen, dass Japans Frauen stark einzuschätzen sind und vor allem auch in Zukunft eine wichtige Rolle im internationalen Frauenfußball spielen
werden. Ob das angestrebte Ziel des Trainers zu verwirklichen ist, wird sich zeigen, das Potential und der Wille sind allemal gegeben.
Vereinigte Staaten
Als aktuelle Nummer Eins der Weltrangliste gelten die USA natürlich auch bei Olympia als großer Goldmedaillenfavorit. Es gilt, die Goldmedaille aus Athen
zu verteidigen und dafür reisen die US-Frauen mit einem sehr starken Team an. Neun der 18 Spielerinnen sind aus dem Gold-Team von Athen, Christie Rampone
und Kate Markgraf werden in Peking ihre dritten Spiele bestreiten, sieben Spielerinnen sind zum ersten Mal bei Olympia dabei. Die Mischung aus erfahrenen
Spielerinnen und jungen Talenten ist also gegeben und auch das macht wohl die Stärke des Teams aus.
Die Vorbereitungs- und Testspiele gegen Norwegen (4:0), Schweden (1:0) und Brasilien (1:0; 1:0) gewann man souverän, auch wenn man bei dem letzten
einen großen Verlust einstecken musste. Abby Wambach, unter anderem Torschützin des „Golden Goals“ im Finale der letzten olympischen Spiele in Athen
gegen Mitfinalist Brasilien und 127-fache Nationalspielerin, erlitt einen Schienbeinbruch und fällt für mindestens drei Monate und somit auch für Olympia
aus. Zwar ist das ein herber Rückschlag für die Mannschaft von Nationaltrainerin Pia Sundhage, dennoch sind sie sicherlich in der Lage, diesen Verlust
zu komprimieren und wegzustecken.
Mit Erfahrung die Gegnerin in Schach halten: Für Kate Markgraf (l.) werden morgen die dritten Olympischen Spiele beginnen.
Abby Wambach selbst sagt über ihren Ausfall: „Das ist verheerend! Aber über allem steht trotzdem, dass ich nur eine Spielerin bin und ein Turnier kann
man nie mit nur einer Spielerin gewinnen. Ich habe das größte Vertrauen in das Team. Es wird Gold nach Hause bringen.“ Für Wambach hat Sundhage die
21–jährige Lauren Cheney. Sie bestritt alle Vorbereitungslehrgänge und kam auf bisher insgesamt zwölf Länderspieleinsätze.
Alles in allem gilt die USA immer als ernstzunehmender Gegner und wird wohl auch in diesem Turnier ganz vorne mitmischen.
In den vergangenen Jahren haben wir sowohl die Mannschaften vor der Weltmeisterschaft vorgestellt, als auch einige Spielerinnen im
Zusammenhang mit der "FIFA World Player Gala". Folgende Artikel sind in dieser Zeit erschienen:
Vorstellung Japan
Vorstellung Neuseeland
Vorstellung Norwegen
Vorstellung USA
Shannon Boxx (USA)
Solveig Gulbrandsen (Norwegen)
Ane S. Horpestad (Norwegen)
Bente Nordby
Homare Sawa (Japan)
Ingvild Stensland (Norwegen)
Abby Wambach (USA)
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