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Olympia 2008

Die Gruppe des Gastgebers

Die Gruppe E

Text von Tom Schlimme

28.07.2008   Gastgeber China hat eine Gruppe zugelost bekommen, die man getrost als mittelstark bezeichnen kann. Wie auch bei den anderen beiden Gruppen gibt es in der Gruppe E drei starke Mannschaften und einen Außenseiter. Argentinien muss sich bei der ersten Olympia-Teilnahme eines argentinischen Frauenfußballteams ganz klar in diese Außenseiterrolle fügen. Dagegen muss der Anspruch der Teams aus China, Schweden und Kanada sein, möglichst einen der ersten beiden Gruppenplätze zu erreichen und eine Runde weiter zu kommen. Auf die Möglichkeit, als einer der beiden besseren Gruppendritten ins Viertelfinale einzuziehen, wird sich keines dieser drei Länder verlassen wollen. Im weiteren nun eine genauere Vorstellung der Teilnehmer in der Gruppe E:

Argentinien

Flagge Argentinien

Im argentinischen Frauenfußball spricht man im Hinblick auf die olympischen Spiele vor allem von „Wiedergutmachung”. Die WM 2007 hat fast so etwas wie ein Trauma ausgelöst, das es zu bewältigen gilt. Die 0:11 Auftaktniederlage gegen die deutsche Mannschaft war die höchste WM-Niederlage aller Zeiten, ein Rekord, auf den man natürlich gerne verzichten würde. Dabei war Argentinien als aktueller Südamerikameister mit dem Renomee eines Endspiel-Sieges gegen Brasilien in die WM-Endrunde gestartet. Doch dem 0:11 folgten ein 0:1 gegen Japan und ein 1:6 gegen England, so dass Südamerikameister Argentinien sich sang- und klanglos von der WM verabschieden mußte, während der Südamerikavize Brasilien immerhin bis ins Finale kam.

Elf Spielerinnen im Kader von Trainer Jose Carlos Borello waren bereits im Vorjahr mit ihm zur WM nach China gefahren. Insbesondere im Sturm hat es fast keine Änderungen gegeben. Neu im Tor steht mit Guadalupe Calello eine ganz junge Keeperin, die ihren Weg über die U20 Argentiniens, die ebenfalls von Borello trainiert wird, in die A-Auswahl gefunden hat. Überhaupt ist das argentinische Team noch sehr jung und dürfte seine größte Zukunft noch vor sich haben, denn Carlos Borello baut im Kern auf das Team, mit dem er 2006 die Teilnahme an der U20 Weltmeisterschaft in Russland schaffte. Viele dieser Spielerinnen hat er bereits als 15-jährige entdeckt und aufgebaut.

Im Prinzip hat Borello ältere Spielerinnen, die bei der WM noch dabei waren, ausgemustert, und weitere junge Spielerinnen aus den U-Nationalmannschaften Argentiniens eingebaut.
Verzichten muss Borello auf die wichtige Abwehrspielerin Catalina Perez, die einen Kreuzbandriss auskurieren muss, und auf die ebenfalls verletzten Analia Hirmbruchner. Wichtigste Spielerin dürfte Eva Gonzalez sein, die nicht nur die Abwehr organisiert,


sondern auch viele Standards ausführt. Im Angriff ruhen die größten Hoffnungen auf Goalgetterin Maria Potassa.

Maria Potassa

Maria Potassa hatte im Trikot der argentinischen Nationalmannschaft schon öfter Grund zum Jubeln. So soll es auch in China bei den Olympischen Spielen sein!

Bild: Martin Kochem

Weitere Informationen zur argentinischen Nationalmannschaft und zum Frauenfußball in Argentinien findet ihr in der Teamvorstellung, die wir zur WM 2007 geschrieben haben:

Die „Weiß-Himmelblauen”

China

Wohl mit am schwersten einzuschätzen von allen Mannschaften, die an den olympischen Spielen teilnehmen, ist das Team des Gastgebers China. China war lange eine ganz feste Größe im Frauenfußball, seit 1996 bei jeder WM und jedem olympischen Turnier vertreten, holte 1996 in Atlanta Silber und wurde 1999 Vizeweltmeister. Als Asienmeister kam eigentlich immer nur China in Frage. Doch inzwischen hat sich vieles geändert - eigentlich erstaunlich, betrachtet man die rasante wirtschaftliche Entwicklung Chinas, die völlig konträr zur Stagnation bzw. sogar zum Niedergang des Frauenfußballs in China verläuft.

Flagge China

Von 1986 bis 1999 wurde China siebenmal in Folge Asienmeister. 2001 holte Nordkorea erstmals diesen Titel, um ihn 2003 dann gleich noch einmal zu verteidigen. 2006 holte sich China die Asienmeisterschaft zurück, doch 2008 besiegte Nordkorea China im Finale erneut mit 2:1 und fährt damit als amtierender Asienmeister nach Peking. Auch bei anderen Turnieren konnte China nicht mehr überzeugen. Konzeptlos wirkende Trainerwechsel waren die Folge. Bei der WM 2007 sollte Erfahrung aus Europa den Erfolg bringen, die langjährige schwedische Nationaltrainerin Marika Donaski-Lyfors stand zusammen mit ihrer nicht minder bekannten Assistenten Pia Sundhage an der Seitenlinie. Doch man war mit dem Abschneiden bei der WM nicht zufrieden und holte mit Elisabeth Loisel eine weitere, diesmal französische, ehemalige Nationaltrainerin aus Europa. Auch dieses Zusammenspiel harmonierte nicht, und jetzt soll es wieder Shang Ruihua richten, der die


Chinesinnen bereits früher erfolgreich trainiert hatte.

Der 63-jährige Shang, der China bei der ersten FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 1991 bis ins Viertelfinale führte, nahm erst einmal eine drastische Verjüngung der Mannschaft vor und wertet den zweiten Platz bei der Asienmeisterschaft in Australien in diesem Jahr sogar als Erfolg. Man ist bescheidener geworden, zumal zum Jahresbeginn bei der Ostasien-Meisterschaft hinter Japan und DVR Korea nur Dritte Platz heraussprang und China beim Algarve Cup im März drei Niederlagen in Folge kassieren mußte.

Han Duan

Han Duan ist die erfahrenste Stürmerin der Chinesinnen und soll ihre jungen Mannschaftskameradinnen in der Offensive führen

Bild: Nora Kruse

Shang setzt bei Olympia auf eine Mischung aus Erfahrung, hier sind zuvorderst die Spielführerin und Abwehrchefin Li Jie sowie Stürmerin Han Duan zu nennen, und den jungen, frischen und unbelasteten Spielerinnen. Große Hoffnungen ruhen auf der 23-jährigen Angreiferin Xu Yuan, aber auch von zwei Teenagern im offensiven Mittelfeld, Gu Yasha und Lou Jiahui, wird viel erwartet.

Im Gegensatz zu den allermeisten anderen Nationen wird China erst einen Tag vor Beginn der Spiele den endgültigen, auf 18 Spielerinnen eingeschmolzenen, Kader benennen. Derzeit sind es noch 22 Spielerinnen, die sich auf Olympia vorbereiten. Eine Unbekannte mehr, die es nicht leichter macht, die Stärke der Chinesinnen einzuschätzen. Gespannt sein muss man aber auch, ob es wieder zu einem „Spionage-Skandal” wie bei der WM 2007 kommt, als sich das dänische Team durch eine hinter einem Spiegel angebrachte Kamera und durch Schikanen beim Training durch die chinesischen Gastgeber ausspioniert und empfindlich gestört fühlte.

Weitere Informationen zur chinesischen Nationalmannschaft und zum Frauenfußball in China findet ihr in der Teamvorstellung, die wir zur WM 2007 geschrieben haben:

Elf Schlüsselspielerinnen


Zu den beiden anderen Mannschaften, die in der Gruppe E antreten, Kanada und Schweden, geht es hier:

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