A-Nationalmannschaft

Über China und Portugal nach England

Jahresvorschau 2005

Von Katja Öhlschläger

12.1.2005   2004 war das Jahr des Umbruchs nach dem WM- Titel aus 2003. Mit der Bronze- medaille bei den Olympischen Spielen in Athen konnte auch dieses Jahr erfolgreich bestrit- ten werden – junge Spielerinnen traten in die Fußstapfen der nach dem WM zurückgetretenen Bettina Wiegmann und Maren Meinert. Auch wenn spielerisch noch nicht alles rund lief und die Idealbesetzung erst noch gefun- den werden muss, konnte der nach dem WM-Titel entfachte Frauenfußball-Boom fortgesetzt werden.

Doch es gilt sich immer wieder aufs Neue zu beweisen, verlangt der Zuschauer, insbesondere der vor den Fernsehgeräten, doch Erfolge. Nur mit annähernd gleichbleibender Erfolgsbilanz wird es gelingen können, sich in den Medien so präsent zu halten, dass alle Spiele live übertragen werden. Das verhilft dem Frauenfußball zu einem erhöhten Bekanntheitsgrad, vielen Spielerinnen zu zusätzlichen Ein- nahmen durch Sponsoring und erleichtert damit zumindest den Spitzenspielerinnen – Vorbild und Identifikationsfiguren für den Nach- wuchs – die Verbindung von Ausbildung bzw. Beruf und Sport. Sicherlich will keiner der Beteiligten mehr, dass sich dieser Aufwärts- trend wieder umkehrt. Da die Erfolge, die in der Öffentlichkeit mit großem Abstand am meisten wahrgenommen werden, die der A-Nationalmannschaft sind, bedeu- tet dies folglich einen besonderen Druck für die Nationalspielerinnen. Dabei wird es gleichzeitig nicht einfacher, die Erfolge der vergan- genen Jahre zu wiederholen, denn die anderen Nationen haben aufgeholt, die Konkurrenz wird größer.

Der nächste große „Prüfstein“ für die Mannschaft von Bundestrainerin Tina Theune-Meyer wird die EM in diesem Jahr sein, die Mitte Juni (5. - 19.6.) in England stattfinden wird.
Doch das gerade begonnene Jahr hat noch mehr zu bieten:

Four-Nations-Cup (23.01.-02.02.)

Im vergangenen Jahr nahm die Nationalmannschaft an diesem alljährlich zu Jahresbeginn ausgetragenen Vier-Nationen- Turnier nicht teil, diesmal ist es – ebenso wie der Algarve-Cup im März, siehe unten) - Bestandteil der EM-Vorbereitung. Da die EM bereits im Juni stattfindet, gilt es in diesen beiden Turnieren die nötige Wettkampfhärte neben den Trai- ningslehrgängen zu erlangen. Am Four-Nations-Cup nehmen neben Deutschland Gastgeber China, Australien und Russland teil. Der Turniermodus ist einfach: Jeder spielt gegen jeden, wie in einer normalen Vierergruppe bei Meisterschaften.


Die deutsche Mannschaft

Bild: Volker Lieberum

Die Paarungen lauten wie folgt:
  • Deutschland-Australien in Quanzhou (28.01., 10.30 Uhr MEZ/17.30 Uhr Ortszeit)
  • Deutschland-Russland in Quanzhou (30.01., 9.15 Uhr MEZ/16.15 Uhr Ortszeit)
  • China-Deutschland in Quanzhou (02.02., 10.25 Uhr MEZ/17.25 Uhr Ortszeit)

TV-Übertragungen sind uns leider nicht bekannt. Neue Informationen dazu erfahrt ihr in unserer Fernsehrubrik.

Bundestrainerin Theune-Meyer hat bereits den Kader für dieses Turnier berufen:

Tor:
Nadine Angerer (Potsdam)
Silke Rottenberg (Duisburg)

Abwehr:
Inken Becher (Potsdam)
Sarah Günther (Hamburg)
Steffi Jones (FFC Frankfurt)
Annike Krahn (Duisburg)
Sandra Minnert (Bad Neuenahr)
Kerstin Stegemann (Rheine)

Mittelfeld:
Isabell Bachor (Bad Neuenahr)
Melanie Behringer (Freiburg)
Britta Carlson (Potsdam)
Renate Lingor (FFC Frankfurt)
Celia Okoyino da Mbabi (Bad Neuenahr)
Navina Omilade (Potsdam)

Angriff:
Anja Mittag (Potsdam)
Conny Pohlers (Potsdam)
Birgit Prinz (FFC Frankfurt)
Petra Wimbersky (Potsdam)

Gleich auf den ersten Blick fällt auf, dass einige etablierte Nationalspielerinnen nicht im Kader stehen. Ariane Hingst, Kapitän des Deutschen Meisters Turbine Potsdam, laboriert an einer Knieverletzung und soll sich schonen. Pia Wunderlich vom FFC Frankfurt kuriert ihre im Abschlusstraining vor dem Bundes- texttexttexttexttext


ligaspiel gegen Bad Neuenahr zugezogene Fußverletzung aus. Mittelfeldspielerin Kerstin Gare- frekes vom FFC Frankfurt muss aus Studiengründen passen.
Darüber hinaus fehlen die Olympiateilnehmerinnen Viola Ode- brecht (Turbine Potsdam), Martina Müller (SC 07 Bad Neuenahr) und Sonja Fuss (FSV Frankfurt) sowie Weltmeisterin Sandra Smisek (FSV Frankfurt), die um ihren Anschluss ans A-Team kämpft.

Die Absagen der einen sind dagegen das Glück der anderen, denn mit Melanie Behringer, Celia Okoyino da Mbabi, Annike Krahn und Anja Mittag bekommen gleich vier U 19-Weltmeisterinnen ihre Chance, sich im A-Team zu beweisen. Während Anja Mittag bereits ein A-Länderspiel (März 2004 in Italien, 1:0-Sieg für Deutschland) absolviert hat und Annike Krahn schon zweimal (Februar 2004 in Portugal und September 2004 in Tschechien) dabei war, allerdings zu keinem Einsatz kam, ist es für die erst 16jährige da Mbabi und Behringer die erste Berufung in den A-Kader. Gut möglich, dass es nach den drei Turnierspielen wieder die eine oder andere Debütantin mehr gibt.

Erstaunlich auch die Teilnahme von Kerstin Stegemann, hatte die sich doch erst Ende Oktober im Bundesligaspiel in Freiburg einen Wadenbeinbruch zugezogen. Doch schon Mitte Dezember feierte sie ihr Comeback in der Bundesliga, gewann beim Hallenturnier in Jöllenbeck die Torjägerkanone (zusammen mit Conny Pohlers aus Potsdam), und auch jetzt beim Vier-Nationen-Turnier gönnt sich die unermüdlich arbeitende Stegemann keine Pause.

Wir sind gespannt, ob Ersatz- torhüterin Nadine Angerer zum Einsatz kommt, wie die Abwehr ohne Ariane Hingst aufgestellt wird, ob Britta Carlson sich als Mittelfeldpartnerin von Renate Lingor erstmalig über längere Zeit in dieser Konstellation  weiter