U21-Nordic Cup 2005

U21 im Norden auf Titeljagd?

Von Nora Kruse (Text und Fotos)

17.07.2005

Diese Frage würde Bundestrainerin Tina Theune-Meyer sicherlich verneinen, geht es ihr doch mit der U21 weniger um die Titel, als viel mehr darum, dass die Spielerinnen die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln. Ihre selbsternannte „Lieblingsmannschaft“ soll Erfahrungen sammeln, die Spielerinnen sollen an die A-Nationalmannschaft herangeführt werden.

Viele Spielerinnen im Team von "TTM" haben dabei bereits Erfahrungen in der A-Mannschaft gemacht. Zu nennen wären dabei Annike Krahn in der Abwehr, Celia Okoyino da Mbabi - die fast den Sprung in die EM-Mannschaft geschafft hätte oder Melanie Behringer. Doch nicht nur diese talentierten jungen Spielerinnen sind im Kader, die Bundestrainerin darf auch auf vier Spielerinnen zurückgreifen, die bereits über 21 Jahre sind. Dazu zählen in diesem Jahr Ursula Holl, die gerade erst in England Europameisterin geworden ist, Saskia Bartusiak, Janine Partzsch und Isabell Bachor. Verzichtet hat Theune-Meyer auf "routinierte U21-Oldies", wie Marion Wilmes oder Katrin Kliehm. Diese Umstellung, so Theune-Meyer, wurde auch im Hinblick auf eine mögliche Perspektive im A-Kader vorgenommen.

Isabell Bachor (r.), die im Kader für die Europameisterschaft in England Conny Pohlers weichen musste, wurde nun für den Nordic Cup nominiert.

Der Nordic Cup, der – wie die U19-Europameisterschaft – jährlich ausgetragen wird, gilt als inoffizielle U21-EM, ein anderes Einladungsturnier gibt es für diese Nachwuchsmannschaft nicht. Überlegungen standen vor einigen Jahren einmal im Raum, man hat sich bei der UEFA jedoch zunächst für den UEFA-Cup der Landesmeister entschieden.

Silke Rottenberg ist im Trainerteam um "TTM" und Helmut Horsch für das Torwarttraining zuständig.

Das Teilnehmerfeld des Nordic Cups besteht aus zwei Gruppen mit jeweils vier Mannschaften. Deutschland tritt in Gruppe B an und hat mit den USA – Sieger im vergangenen Jahr - und Dänemark zwei schwierige Gegner. Doch auch die Isländerinnen sind dem deutschen Nachwuchs nicht unbekannt; gegen diese Mannschaft gab es beim Cup im vergangenen Jahr auf der Insel der Geysire beim Spiel um Platz fünf eine Niederlage im Elfmeterschießen.
Allgemein gilt jedoch, dass die Gegner bei U21-Turnieren immer relativ schwer einschätzbar sind. Man kennt viele Spielerinnen durch die U19 oder durch einen vergangenen Nordic Cup, in der Vorbereitung der beiden Jugendnationalmannschaften genießt jedoch die U19 mit ihren jährlich stattfindenden Europameisterschaften Vorrang, was auch eine Beobachtung der potentiellen Nordic-Cup-Gegner im Vorfeld des Turniers ausschließt.


Die U21-Nationalmannschaft in der Besetzung des Vorbereitungsspiels gegen Kanada am 6. April.

In Gruppe A stehen sich die Mannschaften aus England, Norwegen, Schweden und Finnland gegenüber. Das Team Schwedens, Vize-Meister im vergangenen Jahr, wird dabei letztmalig von Helena Kihlberg-Bystedt trainiert, bevor Marika Domanski-Lyfors, bis zur Europameisterschaft in diesem Jahr Trainerin der A-Nationalmannschaft, sie beerben wird.

Nach der Vorrunde spielen die beiden Gruppensieger um den Turniersieg, die Zweiplatzierten um die Plätze drei und vier. Doch auch die anderen Mannschaften scheiden nicht aus, sondern spielen in einem weiteren Spiel mit der in der anderen Gruppe gleichplatzierten Mannschaft um die endgültige Platzierung.

Das Programm sieht demnach folgendermaßen aus:

Gruppe A

20.7. / 19 Uhr / Grums:
Finnland - England
20.7. / 19 Uhr / Karlstad:
Norwegen - Schweden
22.7. / 19 Uhr / Karlskoga:
Schweden - Finnland
22.7. / 19 Uhr / Arvika:
England - Norwegen
24.7. / 19 Uhr / Forshaga:
Norwegen - Finnland
24.7. / 19 Uhr / Mallbacken:
Schweden - England

Gruppe B

20.7. / 19 Uhr / Kristinehamn:
USA – Island
20.7. / 18 Uhr / Mallbacken:
Deutschland - Dänemark
22.7. / 19 Uhr / Deje:
Island - Deutschland
22.7. / 19 Uhr / Säffle:
Dänemark - USA
24.7. / 19 Uhr / Arvika:
Island - Dänemark
24.7. / 18 Uhr / Karlskoga:
Deutschland - USA

Platzierungsspiele:

Spiel um Platz sieben:
26.7. / 14 Uhr / Kristinehamn

Spiel um Platz fünf:
26.7. / 14 Uhr / Kil

Spiel um Platz drei:
26.7. / 14 Uhr / Säffle

Spiel um Platz eins:
26.7. / 17.30 Uhr / Karlstad

Tina Theune-Meyer wird bei diesem Nordic Cup zum letzten Mal die Richtung an der Seitenlinie vorgeben. Was im Anschluss mit der U21 geschehen wird, ist nach Einführung der U20 ungewiss. Denkbar, so Theune-Meyer, sei eine Zusammenlegung mit dieser.

Im Rahmen der Europameisterschaft in England stand uns Tina Theune-Meyer für ein paar Fragen zur Verfügung und hat auch einen Ausblick auf den Nordic Cup gegeben, den wir an dieser stelle noch einmal anführen möchten.


Ihre letzte Amtshandlung wird der Nordic Cup im Juli sein. Wie sehen Sie die Chancen Ihrer Mannschaft?
Wir haben mit Dänemark und den USA bereits zwei sehr starke Gegner in der Gruppe. Aber ich sehe den Wert des Nordic Cups weniger in Siegen und Niederlagen, sondern er ist eine Chance für junge Spielerinnen, sich für höhere Aufgaben anzubieten. Bei diesem Turnier können sich Talente aufdrängen.

Für die A-Nationalmannschaft hatten sie mit der Titelverteidigung das EM-Ziel klar formuliert – wie könnte es für den Nordic Cup aussehen?
Hier bietet sich den Spielerinnen die Gelegenheit mehr Erfahrung zu sammeln und damit das eigene Niveau zu heben. Dafür haben wir genau die richtigen Gegner. Da wir auch vier ältere Spielerinnen mitnehmen dürfen, bietet sich hier auch die Chance für Späteinsteiger. [...] Grundsätzlich gilt aber: Wir wollen immer ins Finale kommen!

Das Turnier findet nur rund einen Monat nach der EM statt. Wie intensiv ist da die Vorbereitung der U21?
Wir haben drei Lehrgänge nach der EURO geplant. Das ist ein intensives Programm für die Sommerpause, gerade unter dem Aspekt das die Bundesliga-Saison sehr früh beginnt. Dennoch sind solche Turniere mit sehr guten Erfahrungen verbunden. Der internationale Vergleich ist sehr wertvoll für junge Spielerinnen. Der DFB gehört zu den wenigen Verbänden, die an allen großen Turnieren bisher teilgenommen hat.

Um auf diese jungen Spielerinnen zu kommen – wer sind Ihrer Meinung nach derzeit die größten Talente im deutschen Frauenfußball?
Da kann ich einige nennen. Zu ihnen gehören zum Beispiel Celia Okoyino da Mbabi, Anja Mittag, Simone Laudehr, Fatmire Bajramaj, Patricia Hanebeck, Lena Goeßling, Melanie Behringer und Annike Krahn. Sie haben unterschiedliche Charaktere. Sie besitzen Perspektive, sind gute Persönlichkeiten, sind in einer guten körperlichen Verfassung und sind auch spielstark; sind entweder sehr kreativ oder zeigen ein gutes Durchsetzungsvermögen.

Was fehlt ihnen noch, um ganz nach oben zu kommen?
Erfahrung, schnelles Denken, Cleverness, Zielstrebigkeit – aber das werden sie sich alles mit der Zeit aneignen. Allerdings ist die Zeit auch ein Problem, weil sie den Fußball mit der Schule oder der Ausbildung vereinbaren müssen. Um so wichtiger ist die individuelle Begleitung durch den Verein und den Verband.

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