Vier-Nationen-Turnier U15 (29.8.-2.9.05)

Deutschland steht kurz vor dem Turniersieg

Deutschland - Niederlande 3:0 (2:0)

1.9.2005
Von Katja Öhlschläger

Die U15-Nationalmannschaft des DFB hat sich am gestrigen Abend durch einen hochverdienten 3:0 (2:0)-Sieg gegen die Niederlande im Rahmen eines Vier-Nationen-Turniers beste Chancen erarbeitet, sich am morgigen Freitag im abschließenden Spiel gegen Kanada den Turniersieg zu sichern. Nach zwei Siegen in den ersten beiden Spielen reicht dazu bereits ein Unentschieden.Erstmals war es dem DFB gelungen, auf U15-Ebene ein Vier-Nationen-Turnier zu organisieren, denn bisher fehlten dafür die teilnehmenden Länder. Nach dem Spiel gaben U15-Trainer Ralf Peter und die Vorsitzende des DFB-Ausschusses für Mädchenfußball, Gisela Gattringer ausführlich Auskunft über die Rolle der U15 im Konzept der DFB-Talentförderung.

Doch zunächst zum Spiel. 1450 Zuschauer hatten sich bei herrlichem Sonnenschein im „Frisch-Auf-Stadion“ von Wurzen eingefunden, um dem Team von Trainer Ralf Peter zu seinem zweiten Turniererfolg zu verhelfen und mal zu schauen, was denn die Nachfolgegeneration der bekannten Weltmeisterinnen so zu bieten hat.

Für die Mannschaft ging es nicht nur um einen wichtigen Sieg im Rahmen des fünftägigen Turniers, sondern auch um Revanche für die 1:2-Niederlage vor drei Monaten in Utrecht. Damals hatte die deutsche Auswahl kurz vor Schluss nach einer haarigen Freistoßentscheidung - der Freistoß der Niederländerinnen wurde während einer deutschen Auswechslung ausgeführt – den Kürzeren gezogen. Doch bei dieser einen Niederlage, der zwei Siege und ein Unentschieden gegenüberstehen, sollte es bleiben.

Bereits nach zwei Minuten war es Sarah Mahler vom Herforder SV, die diese Absicht mit ihrem Treffer zum 1:0 beeindruckend untermauerte. Die niederländische Abwehr schien noch nicht ihre Formation gefunden zu haben, da fasste sich Mahler aus 22 Metern Entfernung ein Herz, zog ab und traf ins linke untere Eck. Eline Roet im niederländischen Tor war gegen diesen satten Fernschuss chancenlos.

Die deutschen Mädchen setzten nun weiter nach und ließen die Oranje-Abwehr kaum zur Ruhe kommen. In der 8. Minute arbeitete sich Stefanie Mirlach vom FC Bayern München bis zur Strafraumgrenze durch, ließ mehrere Abwehrspielerinnen stehen, scheiterte im Abschluss dann aber an Roet, die den Ball wegfausten konnte. Mirlachs Nachschuss ging über das Gehäuse. Nun folgten Chancen im Minutentakt, doch sowohl Selina Nowaks (SV Kehlen) als auch Kim Kuligs (VfL Sindelfingen) Torschüsse landeten in den Armen der sonst nicht immer fangsicheren niederländischen Keeperin.

Doch der Druck des deutschen Teams nahm immer weiter zu, sodass der nächste Treffer nur noch eine Frage der Zeit zu sein schien. 18 Spielminuten waren dann vergangen, als Nowak in den Strafraum stürmte, sich von keiner Abwehrspielerin aufhalten ließ, und mit einem platzierten Schuss ins rechte untere Eck zudem souverän abschloss.

Nach dem 2:0 blieben die deutschen Mädchen zwar weiter überlegen, ließen in ihrem Vorwärtsdrang aber ein wenig nach. So gelang es den Niederländerinnen dann endlich auch einmal, die Mittellinie zu überqueren. Dabei waren sie allerdings zu leicht auszurechnen, denn alle Aktionen wurden über die rechte Seite von Gisèle Fraikin vorgetragen, so dass die deutsche Abwehr keine Probleme hatte, die Angriffsbemühungen der Gäste frühzeitig zu unterbinden. Nach 35 Minuten Spielzeit ging es folglich mit einer verdienten 2:0-Führung der deutschen U15 in die Pause.


Nach dem Seitenwechsel zeigte sich das deutsche Team mit einem Angriff der auf rechts sehr aktiven Kim Kulig zunächst bemüht, mit einem dritten Tor für eine Vorentscheidung zu sorgen, doch schon bald musste man erkennen, dass die zweite Halbzeit nicht so einseitig wie die erste Spielhälfte verlaufen sollte. Die Gäste taten nun mehr für ihre Offensivspiel, mit Cynthia Beekhuis war für Lianne de Vries eine weitere Offensivspielerin gekommen. Das deutsche Team machte den Fehler, die Niederländerinnen ins Spiel kommen zu lassen, und hielt nicht ausreichend dagegen. Das Spiel gestaltete sich nun ausgeglichener, echte Chancen waren allerdings auf beiden Seiten Mangelware. Brenzlig wurde es dann erst wieder in der 53. Minute – vor dem niederländischen Tor, denn die Niederländerinnen konnten sich bei ihren Offensivbemühungen keine klaren Torchancen erarbeiten. Bianca Schmidt vom 1. FC Gera 03 führte einen Freistoß aus zentraler Position aus, doch Roet hatte noch die Fingerspitzen am Ball und konnte klären. So auch vier Minuten später - zunächst bei einem Freistoß der eingewechselten Nora Kirstein von der SG Holzwickede und dann auch beim strammen Nachschuss der deutschen Spielführerin Marina Hegering vom SV Lowick.

Trainer Peter wechselte nun mehrmals aus, weshalb das Zusammenspiel im Mittelfeld nicht mehr optimal lief. Doch die Gegenwehr der Gäste war zu harmlos, als dass man hätte befürchten müssen, die drei Punkte doch noch zu verlieren. Kurz vor Spielende dann startete das deutsche Team noch mal durch und kam zunächst durch einen eigentlich als Flanke gedachten Torschuss von Katrin Posdorfer (FC Gütersloh 2000) gefährlich vor das niederländische Tor, ehe dann zwei Minuten später die eingewechselte Kirstein den 3:0-Endstand markierte. Mit einem zügig vorgetragenen Angriff über Spielführerin Hegering, die am Mittelkreis schnell schaltete und auf die sich freilaufende Kirstein passte, sorgte die deutsche Auswahl für einen krönenden Abschluss eines tollen Fußballspiels, das spielerisch von deutscher Seite viel zu bieten hatte, dem aber ein wenig die Ausgeglichenheit und Spannung fehlte.

Spannend könnte es am morgigen Freitag in Grimma werden, wenn sich Deutschland (zwei Siege) und Kanada (ein Sieg, eine Niederlage im Elfmeterschießen gegen die Niederlande) im sechsten und letzten Spiel dieses Vier-Nationen-Turniers gegenüberstehen. Denn Kanada setzte sich beim parallel in Zwenkau ausgetragenen Spiel gegen Schottland vor ca. 400 Zuschauern klar und deutlich mit 6:0 (2:0) durch. Aufgrund des Vorsprungs von drei Punkten reicht dem deutschen Team ein Unentschieden, um den Sieg bei diesem erstmalig ausgetragenen Vier-Nationen-Turnier einzufahren.

Trainerstimmen:

Hesterine de Reus (Niederlande):

„Natürlich bin ich enttäuscht über diese Niederlage. Aber die Saison hat bei uns noch nicht angefangen und man hat gemerkt, dass meine Spielerinnen noch nicht fit genug waren, um gegen die starke deutsche Mannschaft gegenzuhalten. In der ersten Halbzeit war Deutschland klar überlegen, wir haben zu viele Fehler in der Abwehr gemacht. In der zweiten Spielhälfte hat mir unser Spiel besser gefallen, da haben wir bei Ballbesitz besser nach vorne gespielt. Leider hat aber der finale Pass gefehlt, um zum Torerfolg zu kommen. Deutschland war fitter und vor allem auch technisch besser.“

Ralf Peter (Deutschland):

Zum Spiel
„Zunächst möchte ich den Organisatoren dieses Turniers ganz herzlich danken. Wir sind hier sehr herzlich aufgenommen wurden und für meine Mädchen war das Spiel heute vor so einer großen Kulisse sicher ein Highlight. Was das Spiel angeht, kann ich mich meiner


niederländischen Kollegin nur anschließen. Auch in Deutschland hat die Saison noch nicht begonnen, umso zufriedener bin ich mit dem Spiel meiner Mannschaft. Die erste Halbzeit war deutlich attraktiver, in der zweiten Hälfte haben sich zu viele Fehlpässe eingeschlichen.“

Zum „Endspiel“ gegen Kanada:
„Die Kanadierinnen sind physisch sehr stark, es wird ein anderes Spiel als gegen die Niederlande. Wenn wir in der Viererkette wieder so sicher stehen wie heute und uns im Offensivspiel noch verbessern, sprich Fehlpässe vermeiden, dann bin ich sehr zuversichtlich.“

Zum Stellenwert des Turniers:
„Die Förderung in der U15-Nationalmannschaft ist so aufgebaut, dass wir im ersten Halbjahr viel sichten und in Trainingslagern neue Dinge erarbeiten. Im zweiten Halbjahr steht die Spielpraxis im Vordergrund und da sind drei Spiele auf internationaler Ebene in so kurzer Zeit natürlich sehr hilfreich. Die U15 und damit auch dieses Turnier dienen der Vorbereitung auf die U17-Nationalmannschaft. In zwei Jahren findet die U17-EM statt und im Jahr darauf erstmals eine Weltmeisterschaft für U17-Nationalmannschaften. Hier haben wir die „Creme de la Creme“ des U15-Nachwuchses dabei und wollen unsere Spielerinnen bis zum Jahr 2007/2008 optimal für diese großen Turniere vorbereitet haben. Die internationale Erfahrung aus solchen Turnieren kann ihnen dann zugute kommen. Ich gehe davon aus, dass auch viele andere Länder nun U15-Mannschaften aufbauen werden.“

Auf die Frage, wie er die Talente sichtet und das Team zusammenstellt:
„Vor allem besuche ich viele Regionalturniere. Höchste Bedeutung kommt dem U15-Länderpokal zu, der einmal jährlich in Duisburg stattfindet. Danach wählen wir 90 Spielerinnen aus, die in drei regionale Gruppen (Nord, Süd, Nordost) eingeteilt werden. Für diese Gruppen finden dann Lehrgänge statt. Danach wird der Kader auf 30 Spielerinnen verengt und mit diesem Kreis dann die Länderspiele bestritten.“

Auf die Frage, ob denn auch Beobachter der Bundesligisten bei U15-Länderspielen vor Ort wären, antwortet die Vorsitzende des DFB-Mädchenfußball-Ausschusses, Gisela Gattringer:
„Nein, bei der U15 sehr selten. In diesem Alter ist es wegen der Schule schwer, bei Interesse zu einem Bundesligisten zu wechseln. Erst ab der U17-Nationalmannschaft werfen die Bundesligisten verstärkt ein Auge auf die jungen Talente.“

Bevor Gattringer den Organisatoren in Wurzen noch einmal ganz ausdrücklich dankte, äußerte sie sich auf Nachfrage äußerst zufrieden mit der Entwicklung im Mädchenfußball-Bereich. Der WM-Boom halte immer noch an, die Vereine hätten sehr positive Entwicklungen im Mädchenbereich zu verzeichnen. Bis man konkrete Zahlen über den Zuwachs nenne, warte man aber noch eine große Marke ab, um damit dann entsprechend wirksam an die Öffentlichkeit gehen zu können.

Statistik

Deutschland
Romberg - Hansmeier (61. Posdorfer), Mirlach, Wermelt, Hegering - Kulig (65. Höß), Schmidt (55. Kirstein), Mahler - Wich, Nowak (55. Joswiak), Zirnstein

Niederlande
Roet, Joosten, van Vlerken, van den Berg, de Vries (36. Beekhuis), Kwakkenbos, Hulshof, Fraikin, de Kort, Jansen (60. Oudejans), Meerzorg

Tore:
Tore: 1:0 Mahler (2.)
2:0 Nowak (18.)
3:0 Kirstein (69.)

Schiedsrichterin: Daniela Schneider (Limbach-Oberfrohna)

Zuschauer: 1450

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Spielbericht Deutschland - Kanada

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