Vier-Nationen-Turnier U15 (29.8.-2.9.05)

Unentschieden reicht zum Turniersieg

Deutschland - Kanada 0:0

2.9.2005
Von Katja Öhlschläger

Nachdem sich in der Nacht zu heute die beiden A-Teams von Kanada und Deutschland auf kanadischem Boden duellierten, fand nur wenige Stunden später im sächsischen Grimma das gleiche Spiel auf Juniorenebene statt. Im Rahmen des seit Montag im Großraum Leipzig ausgetragenen U15-Vier-Nationen-Turniers trafen Kanada und Deutschland – beide noch mit Chancen auf den Turniersieg – im abschließenden Gruppenspiel aufeinander. Deutschland genügte für den ersten Platz ein Unentschieden.Im ersten Spiel des Tages, das auch in Grimma statt fand, setzte sich die Niederlande vor 1200 Zuschauern mit 2:0 (2:0) gegen Schottland durch.

Im mit 1600 Zuschauern - überwiegend Schülern, die im Muldentalkreis zumeist frei bekommen hatten, um das Spiel anschauen zu können – gut gefüllten „Stadion der Freundschaft“ traf der Gastgeber Deutschland mit Kanada auf ein Team, von dem DFB-Trainer Ralf Peter schon nach dem Mittwoch-Spiel eine aggressive und robuste Spielweise erwartet hatte.

Doch nun zum Spiel. Sowohl DFB-Trainer Ralf Peter als auch der kanadische Coach, Lewis Page, hatten ihr Team gegenüber den vorangegangenen Spielen nur geringfügig verändert. Bei Deutschland stand diesmal Desirée Schumann statt Jeanette Romberg im Tor und durfte Katrin Posdorfer für Yvonne Hansmeier von Beginn an auflaufen. Paige Adams bekam auf kanadischer Seite den Vorzug vor Emilie Filion.

Wie schon gegen die Niederlande begann das deutsche Team von Beginn an couragiert in offensiver Ausrichtung. Schon nach zwei Minuten kamen die Mädchen von Trainer Ralf Peter zu ihrer ersten Torgelegenheit. Selina Nowak hatte sich auf links durchgesetzt, die heraneilende Spielführerin Marina Hegering erblickt und schnell abgegeben, doch Hegering erwischte den Ball nicht optimal, sodass dieser eine leichte Beute für Rebecca Hazen im kanadischen Tor war.

Während die Niederlande zwei Tage zuvor sich gegen den deutschen Angriffsdruck nicht zur Wehr setzten, wurde heute gleich klar, dass die Kanadierinnen ihrerseits versuchen wollten, über ihre physische Stärke und ihre schnellen Stürmerinnen, allen voran Paige Adams, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken. Immer wieder schickten sie mit langen Pässen Adams oder auch Rita Keimakh, doch deren Schuss in der 6. Minute ging neben das Tor und die Pässe zu Adams kamen noch nicht richtig an.

So gelang es Deutschland, sich mehr und mehr Spielanteile zu sichern, was nach sieben bis acht Minuten sich dann auch in mehreren guten Torchancen äußerte. In der 8. Minute öffnete Hegering, die mit gutem Stellungsspiel und durchdachten Pässen im Mittelfeld die Mannschaft führte, mit einem schönen Pass auf die ebenfalls technisch wie kämpferisch sehr starke Kulig das Spiel, doch deren Flanke konnte noch zur Ecke geklärt werden. Drei Minuten später leitete wieder Hegering, nachdem sie einer Kanadierin den Ball abgeluchst hatte, einen schnellen Angriff über Jessica Wich und Bianca Schmidt ein, doch erneut haperte es im Abschluss, denn Schmidts Schuss fiel zentral in die Arme von Hazen.

Durch den zunehmenden Druck der Deutschen bot sich den Kanadierinnen so aber auch schnell einmal die Gelegenheit, einen gefährlichen Konter anzusetzen. So auch in der 17. Minute, als die deutsche Mannschaft den Ball im Mittelfeld verlor, Sydney Leroux alle überlief, auch Schumann schon umkurvt hatte, und dann Deutschlands Innenverteidigerin Lena Wermelt in letzter Sekunde mit einem mutigen Körpereinsatz klären konnte. Allerdings hatte sich Wermelt so engagiert eingesetzt,


dass sie sich dabei das Knie verdrehte, vom Platz humpelte und umgehend durch Valeria Kleiner ersetzt werden musste. Trainer Ralf Peter konnte nach dem Spiel noch keine Angaben zur Schwere der Verletzung machen. Wermelt wurde mit dem Krankenwagen zum Röntgen in die Klinik gefahren. Trainer Peter hoffte sehr, dass es sich nur um eine Überdehnung handelte und nicht womöglich um einen Kreuzbandriss, da er zudem mit Wermelt bereits für die U17-Nationalmannschaft, deren Trainer er ebenfalls ist, plant.

In der 20. Minute dann kam Deutschland zu einer von mehreren Großchancen in der ersten Halbzeit. Nowak setzte sich im Zweikampf durch, leitete den Ball zu Schmidt und diese zu Wich weiter, sodass Wich frei vor der Torfrau zum Schuss kam. Doch Wich zögerte einen Moment zu lange, sodass Hazen den Winkel verkürzen und mit dem Fuß klären konnte.
Doch es gab jetzt ein Hin und Her der Chancen. Nur zwei Minuten später zog Melissa Busque aus gut 25 Metern einfach mal ab, der Ball schien ungefährlich, doch kurz vor dem Tor senkte er sich gefährlich. Auch Schumann unterschätzte die Gefahr zunächst und konnte den regelrecht herabfallenden Ball im letzten Moment nur an die Latte lenken. Ein Raunen ging durch das Stadion, denn dies war die größte Torchance des Spiels gewesen.

Weitere Chancen auf beiden Seiten folgten. Erst ein Freistoß durch Schmidt, der über das Tor ging. Dann ein Schuss von Adams neben das Tor.
Dann der nächste Schock für das Team von Ralf Peter. Valeria Kleiner, die gerade erst für die verletzte Wermelt gekommen war, krümmte sich am Boden vor Schmerzen. Ich vermag nicht zu beurteilen, ob sie sich nach einem Foul oder ohne Fremdeinwirkung verletzte. Niemand der in meiner Nähe anwesenden Zuschauer hatte die Szene mitbekommen, in der sie sich verletzte. Sie humpelte vom Platz, kam noch mal kurz zurück ins Spiel, doch es ging nicht weiter und so endete ihr Kurzeinsatz bereits wieder 15 Minuten nach ihrer Einwechslung. Die Physiotherapeuten vermuten bei ihr eine Bänderdehnung im Fuß, nach dem Spiel konnte sie mit Krücken bereits die Heimreise Richtung Süden – sie spielt beim FC Wangen – antreten.

Nach der Halbzeitpause konnte man ein Abtasten der beiden Teams beobachten. Beide hatten den Turniersieg noch vor Augen, durften aber auch auf keinen Fall ein Tor kassieren. Deutschland nicht, weil man dann mit einer massiven kanadischen Abwehrreihe hätte rechnen können, und Kanada erst recht nicht, weil dann zwei Tore nötig gewesen wären, um noch zu einem Tages- und damit Turniersieg zu kommen. So dauerte es bis zur 43 Minute, ehe wieder eine ernstzunehmende Torchance zu verzeichnen war. Nach einem Abspielfehler in der deutschen Abwehr, die allerdings trotz der verletzungsbedingten Wechsel gut stand, kam Adams aus aussichtsreicher Position zum Schuss, doch Torfrau Schumann konnte mit einer Glanzparade retten.

Nur eine Minute später brannte es im kanadischen Strafraum. Hegering eroberte den Ball im Mittelfeld und konnte so die sich freilaufende Nowak bedienen, doch Hazen war einen Schritt schneller und schnappte ihr den Ball vor den Füßen weg. Es entwickelte sich in der Folge ein offener Schlagabtausch, bei dem man merkte, dass auch das Publikum nun richtig gefesselt war. In der 50. Minute legte Wich den Ball auf Strafraumhöhe geschickt für Nowak ab, doch ihr Versuch ging über das Tor. Ganz nah am Führungstreffer war dann zwei Minuten später die gerade erst eingewechselte Bianca Joswiak nach Pass von Hegering, doch ihr Schuss ging nicht nur rechts an Hazen, sondern auch knapp rechts am Tor vorbei.

Während Deutschland über systematischen Spielaufbau zum Erfolg kommen wollte, setzten die Kanadierinnen ganz auf schnelle Konterangriffe, mit denen sie die


deutsche Mannschaft überrumpeln wollten. Mehrfach kamen so Adams und Hana Taiji gefährlich zum Schuss, in der 55. Minute konnte Julia Zirnstein im letzten Moment klären.

In den letzten Minuten agierte Deutschland sehr bemüht, doch der letzte Pass wollte einfach nicht ankommen. Chancen durch Nora Kirstein und Zirnstein blieben ungenutzt. So bleib es beim letztlich verdienten 0:0, das Deutschland den Turniersieg und Kanada den zweiten Platz einbrachte. So hatte im Anschluss an das Spiel Deutschlands Kapitänin Marina Hegering die Ehre, den Siegerwimpel aus den Händen der Vorsitzenden des DFB-Mädchenausschusses, Gisela Gattringer entgegen zu nehmen.

Trainerstimmen:

Lewis Page (Kanada):

„Wir hatten zwar gute Torgelegenheiten und hätten auch gewinnen können, aber der deutsche Turniersieg ist dennoch ohne Zweifel verdient, denn sie haben über die drei Spiele hinweg immer eine hoch konzentrierte Leistung gebracht und sind so der verdiente Gesamtsieger.“

Ralf Peter (Deutschland):

"Wie erwartet war das kanadische Spiel sehr körperbetont. Sie haben versucht, und mit langen Bällen und ihrer physischen Stärke zu überwinden. Unser Spiel baut eher auf den technisch-taktischen Bereich auf. In den nächsten Monaten werden wir daran weiter arbeiten und dabei vor allem die Raumdeckung, die Viererkette, das aggressive Spiel im Mittelfeld und das Spiel mit drei Spitzen über die Flügel üben, um die Spielerinnen so an das System der A-Nationalmannschaft heranzuführen.
Meine Spielerinnen waren heute nicht mehr ganz so frisch wie in den zwei Spielen zuvor, aber das ist verständlich, denn es war ihr drittes Spiel innerhalb von fünf Tagen. Manchmal sind wir deshalb einen Schritt zu spät gekommen, außerdem hat ein Tor und auch das Quentchen Glück dafür gefehlt, aber insgesamt bin ich sehr zufrieden. Es war eine tolle Woche, die uns weitergebracht hat und ich denke, wir haben einige Talente im Team, von denen man noch etwas hören wird.“

Zum allgemein sehr positiven Fazit zum Vier-Nationen-Turnier passte denn auch die frohe Kunde von Gisela Gattringer, dass es im Mädchenbereich im vergangenen Jahr einen Zuwachs um 20 Prozent auf jetzt 4113 sich im Spielbetrieb befindliche Mädchenteams gegeben hat. 236.947 Mädchen spielen im Verein Fußball, was den Fußball zur Mannschaftssportart Nummer eins in Deutschland macht.

Für mich selber waren es die ersten U15-Länderspiele, die ich gesehen haben. Es werden aber sicherlich nicht die letzten sein, denn es hat großen Spaß gemacht, diese Begeisterung bei den Spielerinnen und die Freude über die große Zuschauerresonanz zu spüren. Das spielerische und technische Niveau hat mich wirklich beeindruckt, es zeugt von sehr qualifizierter Arbeit. Von Spielerinnen wie Marina Hegering, Bianca Schmidt, Sarah Mahler, Kim Kulig, Selina Nowak oder Jessica Wich, um diese nur stellvertretend zu nennen, wird man sicherlich noch viel hören.

Statistik

Deutschland
Schumann - Posdorfer, Mirlach, Wermelt (19. Kleiner, 34. Höß), Hegering - Kulig, Schmidt (50. Kirstein), Mahler - Wich (50. Joswiak), Nowak, Zirnstein

Kanada
Hazen, Pinard, Sansar, Marton, Taiji, Keimakh, Romagnoulo, Leroux, Adams, Busque (56. Campbell), Dececco

Tore:
Fehlanzeige

Schiedsrichterin: Inka Müller (Stendal)

Zuschauer: 1600

Zur Bildergalerie

Spielbericht Deutschland - Niederlande

Zur FanSoccer-Startseite