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Vier-Nationen-Turnier 2007 in China

Lockerer Aufgalopp im WM-Land

Deutschland und USA mit jungen Teams

Text von Katja Öhlschläger, Fotos von Nora Kruse

24.01.2006    Wenn am Freitag mit der Begegnung China gegen England das Vier-Nationen-Turnier eröffnet wird (6.30 Uhr live bei Eurosport 2), bedeutet dies den Startschuss in das Jahr der Weltmeisterschaft, die vom 10.-30. September in China ausgetragen wird. Auch das Vier-Nationen-Turnier findet in seiner siebten Auflage wie jedes Jahr in China statt. Diesmal, wo ein großes Turnier seine Schatten voraus wirft, ist auch Deutschland wieder mit von der Partie. Allerdings bei weitem nicht in Topbesetzung. Doch damit sind sie nicht die einzigen.

An sich ist das Championat gut besetzt. Die vier teilnehmenden Nationen sind in den Top 12 der FIFA-Weltrangliste platziert, Deutschland (1.) und die USA (2.) bilden gar deren Spitze. Doch was auf dem Papier als aussagekräftiger Gradmesser daher kommt, relativiert sich mit Blick auf die Aufgebote recht schnell. Da zahlreiche Stammspielerinnen fehlen, haben die sechs Spiele binnen fünf Tagen lediglich Testcharakter. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Denn für die nachrückenden Talente bietet sich die Chance, vielleicht noch einen der begehrten Plätze zu ergattern, die jeder Trainer und jede Trainerin im WM-Jahr noch für mögliche Shootingsstars reserviert hat. Und England und China treten schließlich auch mit nahezu all ihren Spitzenspielerinnen an.

Heather Mitts

Eine der Erfahrenen im Team des Titelverteidigers: Heather Mitts.

Die USA hingegen machen es wie Deutschland. Sie verzichten auf Stammspielerinnen, die noch Verletzungen auszukurieren haben, beruflich verhindert sind oder einfach nochmal Kraft für dieses wichtige Jahr tanken wollen und sollen. Ohne Abby Wambach, Kristine Lilly, Aly Wagner und Christie Rampone geht der Titelverteidiger ins Rennen. Die Dritte der Weltfußballlerinnen-Wahl 2005, Shannon Boxx, befindet sich nach ihrem Kreuzbandriss noch in den letzten Zügen der Rehabilitationsmaßnahmen. Die 30-jährige Kate Markgraf, die 31-jährige Marci Miller und das bereits 35 Jahre alte Torwart-Urgestein Briana Scurry stehen somit für die Erfahrung in einem Team, in dem 14 der 20 Spielerinnen jünger als 25 sind. Scurry hat sich nach ihrer zwischenzeitlichen Pause im Anschluss an die Olympischen Spiele 2004 in Athen wieder in die Mannschaft gespielt, die WM im September könnte ihre vierte sein, muss aber den Kampf um den Platz zwischen den Pfosten gegen die 10 Jahre jüngere Hope Solo aufnehmen.

Heather O'Reilly, Sabrina Viguier

Heather O'Reilly (l./ hier gegen die Französin Sabrina Viguier) ist den Deutschen aus der Verlängerung im Olympia-Halbfinale 2004 noch "bestens" bekannt. Ihr gelang das "Golden Goal" für das US-Team.

Noch weit weg von einem Stammplatz, dafür aber nahe am ersten Länderspiel für die Frauen-Natio sind die Youngster Lauren Cheney, Casey Nogueira und Yael Averbuch. Noqueira und Cheney wurden im vergangenen September Dritter mit der U-20-Natio bei der WM in Russland, Cheney traf 2006 insgesamt 21 Mal für die US-amerikanische U-20 ins Schwarze. Nur nicht im Elfmeterschießen gegen China, als man haarscharf die Finalteilnahme verpasste.

Gut möglich, dass Cheney, Nogueira oder die auch erst 23-jährige, aber schon etwas erfahrenere Natasha Kai beim Vier-Nationen-Turnier Einsätze und Erfahrungen sammeln können, denn lediglich Deutschlands "Olympia-Schreck" Heather O'Reilly (22 Jahre) und Lindsay Tarpley (23) haben in der US-Offensive mehr als 50 Länderspielen

Melanie Behringer

In letzter Sekunde für Isabell Bachor ins Aufgebot gerutscht ist die Freiburgerin Melanie Behringer.

aufzuweisen. Im Mittelfeld werden Angela Hucles und Marci Miller versuchen, Aly Wagner bestmöglich zu ersetzen, Köpfe der Abwehr sind Heather Mitts, Kate Markgraf und Cat Whitehill. Whitehill, die Lilly als Spielführerin vertreten wird, wird am Freitag in Guangzhou, wo die USA 1991 ihren ersten WM-Titel errangen, gegen Deutschland ihr 100. Länderspiel bestreiten. Und das mit 24 Jahren.


Hope Powell, Kelly Smith

Die Köpfe der englischen Nationalmannschaft: Trainerin Hope Powell (l.) und Mittelfeldregisseurin Kelly Smith. Selbst in Bestbesetzung in China, müssen sie sich mit einem Kräftemessen mit dezimierten Teams begnügen.

Gleich vier Spielerinnen mit über 100 Länderspielen, die zur Stammformation gehören, nämlich Birgit Prinz, Sandra Minnert, Renate Lingor und Steffi Jones, fehlen - ebenso wie Kerstin Garefrekes - im Aufgebot des amtierenden Weltmeisters. Prinz und Garefrekes verzichten - wie auch Ersatztorfrau Nadine Angerer - berufsbedingt. Lingor, Jones und Minnert sagten wegen Verletzungen ab. Da auch die etatmäßige Keeperin Silke Rottenberg nicht gänzlich frei von Verletzungssorgen ist, könnte für Debütantin Stephanie Ullrich vom VfL Wolfsburg das erste Länderspiel schneller kommen als gedacht.

Auf ihren ersten Einsatz nach langer Pause hofft hingegen Linda Bresonik. Die Neu-Essenerin war 2003 noch während der WM aus - wie es offiziell hieß - Verletzungsgründen vorzeitig abgereist und hatte danach kein Länderspiel mehr bestritten. Jetzt stehen ihre Aussichten auf eine Bewährungschance mehr als gut, denn im Mittelfeld fehlen mit Regisseurin Lingor und Flügelspielerin Garefrekes zwei feste Größen. Auch Isabell Bachor musste kurzfristig absagen und wird durch die Freiburgerin Melanie Behringer ersetzt, die im vergangenen Jahr beim Algarve-Cup einen vielversprechenden Einstand gefeiert hatte.

Linda Bresonik

Comeback nach drei Jahren Pause: Linda Bresonik von der SG Essen-Schönebeck.

Foto: Bernd Scharfe

In Abwesenheit wichtiger Stammkräfte wird auch in Abwehr und Mittelfeld der Kampf um die begehrten WM-Tickets entbrennen. Annike Krahn wird erneut neben Ariane Hingst die Innenverteidigung bilden und mit guten Leistungen alles geben, um es Bundestrainerin Silvia Neid möglichst schwer zu machen, sie bei Rückkehr der wesentlich erfahreneren Steffi Jones gegen diese auszutauschen. Auf der rechten Abwehrseite scheint Kerstin Stegemann ebenso gesetzt wie Minnert links, doch die nach China mitgereisten Bianca Rech, Sonja Fuss und Babett Peter wollen sich als Alternativen anbieten. Im Sturm fehlt seit langem mal wieder Spielführerin Birgit Prinz, was das Rennen um den Platz neben der voraussichtlich gesetzten Prinz umso spannender macht. Martina Müller, Conny Pohlers, Sandra Smisek, Petra Wimbersky und Anja Mittag heißen die Bewerberinnen, die in den kommenden Tagen ihren Hut in den Ring werfen wollen.

Anne-Laure Casseleux, Katie Chapman

Katie Chapman (r.) zieht ab. Links die Französin Anne-Laure Casseleux.

Was den beiden besten Mannschaften der Welt den Druck nimmt und sich als ideale Chance für die zweite Garde erweisen könnte, gerät zum Nachteil von China und England. Vor allem für die Engländerinnen, die im März als einziges der vier Teams nicht am Algarve-Cup teilnehmen werden. Für sie verliert ihre Standortbestimmung bei ihrer ersten Teilnahme in China an Wert, wenn sie sich nicht mit den stärksten Spielerinnen der Welt messen können. Andererseits könnte ein dadurch wahrscheinlicher gewordenes erfolgreiches Abschneiden helfen, die Aufmerksamkeit und Begeisterung für den Frauenfußball im so bedeutenden Jahr 2007 zu erhöhen. Denn es gelang nicht nur der Nationalmannschaft durch ein Unentschieden im abschließenden Qualifikationsspiel in Frankreich zum zweiten Mal nach 1995 die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft. Auch der englische Meister Arsenal London blickt im April dem größten Erfolg in der Geschichte des Londoner Frauenfußballs entgegen. Die


"Gunners" treffen dann im Finale des UEFA-Cups auf den schwedischen Meister Umeå IK.

Pu Wei

Pu Wei ist eine stabile Größe in Chinas Abwehr.

In China treten die "Three Lions", deren Aufwärtstrend durch das 1:5 im Oktober in Aalen gegen die deutsche Mannschaft einen kleinen Dämpfer erhielt, bis auf Kapitänin Faye White, die nach ihrem Kreuzbandriss noch nicht wieder genesen ist, in Bestbesetzung an. Mit Rachel Brown zwischen den Pfosten und der Arsenal-Abwehr um Mary Philip, Anita Asante und Alex Scott, in die sich nur Evertons Rachel Unitt drängt. Davor im Mittelfeld, angeführt von Kelly Smith, der Fünftplatzierten bei der Weltfußballerinnen-Wahl, Fara Williams und Katie Chapman sowie Youngster Karen Carney. Rachel Yankey, "Member of the British Empire" (ähnlich dem Bundesverdienstkreuz), und die 20-jährige Eniola Aluko lechzen nach Torerfolgen. Mit dabei ist nach mehr als einjähriger Abstinenz auch wieder die junge Emily Westwood, deren Weg in die Mannschaft nach ihrem letzten Länderspiel in der WM-Qualifikation am 1. September 2005 in Österreich durch zahlreiche Verletzungen jäh gestoppt worden war.

Den Gastgeberinnen, im letzten Jahr Zweiter, bietet sich, auch angesichts der Gegner, die Gelegenheit, zu Beginn der zwei Jahre, in denen der chinesische Frauenfußball so stark wie nie im Fokus der Öffentlichkeit stehen wird, ein positives Zeichen zu setzen. Das vergangene Jahr verlief mit wenigen Abstrichen sehr erfolgreich für die Mannschaft aus dem Reich der Mitte. Im Juli errang man im Finale gegen "Asien-Neuling" Australien den Asienmeistertitel und reiste somit mit hohen Ansprüchen zu den Asien-Spielen im Dezember in Doha an. Doch dort kam das Aus nach einer Vorrunden-Niederlage gegen Japan bereits im Halbfinale. Ausgerechnet gegen Nordkorea, das auf dem besten Wege ist, die Chinesinnen schon vor der Heim-WM hinter sich zu lassen. Unvergessen ist die 0:5-Schmach, die der U20-Nachwuchs Nordkoreas den Chinesinnen im September in Russland beigebracht hatte.

Ma Liangxing

Ma Liangxing kann seiner Mannschaft wegen Herzproblemen nicht zur Seite stehen.

Was den Chinesen jedoch Hoffnungen macht, ist der Angriff um Riesentalent Ma Xiaoxu und Han Duan. Ma quälte sich mit einem Virus durch die Asienspiele und hofft, ihrer Mannschaft nun wieder eine feste Stütze zu sein. Ähnliches gilt für Torfrau Han Wenxia, die nach ihrer Verletzungspause wieder zurückkehrt, vorerst aber noch der gerade 20 Jahre alt gewordenen Zhang Yanru den Vortritt lassen muss. Zhang war bei den Titelkämpfen in Russland mit dem Silbernen Ball für die zweitbeste Spielerin des Turniers (hinter Ma Xiaoxu) geehrt worden. Ihr gehört das Vertrauen von Trainer Ma Liangxing, der nach akuten Herzproblemen bereits nach Shanghai heimgereist ist und von Wang Haiming vertreten wird. Wang führte die U20-Nationalmannschaft beim Titelgewinn der Deutschen 2004 in Thailand bis ins Finale.

Die Aufgebote

Turniere der A-Natios

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