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A-Nationalmannschaft - WM-Qualifikation

WM-Quali unter Dach und Fach

Schottland - Deutschland 0:5 (0:3)
Russland - Deutschland 2:3 (0:3)

Fotos von Nora Kruse
Text von Tom Schlimme

29.9.2006   2,28 Millionen Fernsehzuschauer in der Spitze (2,05 Millionen im Schnitt) haben am Mittwoch Nachmittag zugesehen, wie die deutsche Nationalmannschaft mit einem 3:2-Sieg in Moskau gegen ihren größten Konkurrenten, das Team aus Russland, die letzte Hürde nahm, um 2007 an der WM in China teilnehmen zu können. Bereits am Samstag konnte das deutsche Team im vorletzten von insgesamt acht Qualifikationsspielen in Perth in Schottland die schottische Nationalmannschaft mit 5:0 schlagen.

Damit wurden es also acht Siege in acht Qualifikationsspielen. Mit 31:3 Toren liest sich die Bilanz hervorragend. Doch nicht immer lief der deutsche Motor rund, es holperte häufig in diesen acht Spielen, und die Frage bleibt offen, inwieweit diese eindrucksvolle Bilanz der Stärke der deutschen Mannschaft oder vielmehr der Schwäche der Gegner zu verdanken ist.

Birgit Prinz und Ifeoma Dieke

Die herausragende Leistung von Birgit Prinz, hier gegen Schottland Verteidigerin Ifeoma Dieke, in den letzten Spielen dürfte unumstritten sein. Gegen Russland gelang Prinz ihr 99. Länderspieltor!

Beispielhaft seien die ersten beiden Tore gegen Schottland genannt: Beim ersten kann sich Birgit Prinz alleine gegen vier Gegnerinnen durchtanken und dann noch die Torhüterin verladen, ein Tor, wie es Prinz, ohne ihre Weltklasseleistung in dieser Szene schmälern zu wollen, gegen die meisten Abwehrspielerinnen der Bundesliga kaum gelingen würde. Beim zweiten Tor ließ Schottlands Torhüterin Gemma Fay einen Freistoß von Renate Lingor durch die Arme rutschen, und damit war die Messe gesungen.

Gemma Fay

Schottlands Torhüterin Gemma Fay hielt meistens gut, leistete sich aber einen schweren Patzer bei diesem Freistoß von Renate Lingor zum 0:2

Auch das zweite Tor gegen Russland resultiert aus einem Torwartfehler, die anderen beiden aus ganz schwachen Abwehrleistungen, und wenn Deutschland erst mal 3:0 vorne liegt, ist das Spiel natürlich entschieden. Schwer zu beurteilen ist so natürlich auch die Stärke der deutschen Abwehr, die selten gefordert wurde.

Um so ernster sollte man die Warnung nehmen, als die man die zwei Gegentore in Moskau begreifen kann! Beim 1:3 durch Natalja Barbaschina spielte die sonst eigentlich fast immer souveräne Ariane Hingst kaum bedrängt einen Rückpass zu Silke Rottenberg und übersah dabei völlig die zwischen ihr und Rottenberg postierte Barbaschina, die dieses Geschenk dankend annahm. Beim 2:3 durch Olga Kremleva kam kurz vor Abpfiff noch eine hohe Flanke in den Strafraum, und weder Annike Krahn noch Kerstin Stegemann, die beide bei Kremleva postiert waren, konnten das Tor verhindern. Hätte Russland vorher offensiver gespielt und mehr riskiert, hätte man es gar mit einem stärkeren Gegner zu tun gehabt, das Spiel hätte auch anders ausgehen können.

Die Hauptprobleme im deutschen Spiel sind aber im Mittelfeld zu finden, wo sich geniale Momente, in denen die Stürmerinnen perfekt in Szene gesetzt werden, zu oft mit Fehlpassorgien mischten, wobei es in diesen letzten beiden Qualifikationsspielen schon besser lief als zum Beispiel in der ersten Halbzeit gegen die Schweiz. Aber es stellt sich schon die Frage, ob Renate Lingor nicht doch besser als Spielmacherin hinter den Spitzen eingesetzt werden sollte statt als Staubsauger vor der Abwehr.


Sandra Smisek und Michelle Kerr

Sandra Smisek erzielte das wichtige erste Tor im Spiel gegen Russland, nachdem Conny Pohlers einen genialen Steilpass auf Kerstin Stegemann gespielt hatte und diese von der Torauslinie in den Rücken der Abwehr zu Smisek passen konnte. Das Bild zeigt Smisek im Spiel gegen Schottland im Zweikampf mit Michelle Kerr

Man kann es natürlich auch anders herum sehen: Gegen schlechte Gegner kann man selber immer nur schlecht aussehen. Spielt man gut, war das sowieso klar und keine Kunst, spielt man schlecht, ist das dann natürlich nie ein Verdienst eines über sich hinauswachsenden Gegners, sondern immer eigene Schwäche.

Joanne Love und Renate Lingor

Renate Lingor, hier gegen die schottische Nationalspielerin Joanne Love, konnte aus ihrer defensiven Position heraus zu wenig Akzente im Angriff setzen

Man muss solche Spiele erst mal so souverän gewinnen, wie es der deutschen Mannschaft letztlich doch gelungen ist, und auch das knappe Ergebnis im letzten Spiel gegen den stärksten Gegner der Gruppe, Russland, spiegelt nicht die deutliche Überlegenheit des deutschen Teams in der gesamten Partie.

Julie Fleeting

Julie Fleeting, Star der schottischen Nationalmannschaft, blieb gegen Deutschland wirkungslos. Auch das muss eine Abwehr erst mal hinbekommen!

Wie unterschiedlich die Ausgangslagen bei diesen Spielen waren, zeigen die Kommentare der Trainerinnen nach dem Spiel Schottland - Deutschland. Während die deutsche Trainerin nach dem klaren 5:0 Erfolg zwar zufrieden ist, aber noch Kritik übt, kann ihre schottische Kollegin auch einem 0:5 noch einiges positives abgewinnen:

Silvia Neid (Trainerin Deutschland):
Ich bin insgesamt mit dem Spiel sehr zufrieden. In den ersten zwanzig Minuten sind wir zwar nicht gut ins Spiel gekommen, die Schottinnen sind sehr gut in die Zweikämpfe gegangen und in unserem Spiel war eindeutig zu wenig Bewegung. Das Ergebnis geht dann aber auf jeden Fall in Ordnung, weil wir immer besser ins Spiel gefunden haben. Schottland hat wesentlich offensiver gespielt als im Hinspiel, was unserem Spiel natürlich entgegenkam. Es haben sich Räume ergeben, wodurch wir beim Ballgewinn unsere Stärke des schnellen Kombinationsspiels ausleben konnten.

Anna Signeul (Trainerin Schottland):

Ich denke, wir haben uns wesentlich besser als beim Hinspiel präsentiert. Wir waren besser organisiert und haben unser Spiel nach vorne im letzten Jahr enorm


verbessert, was man heute deutlich erkennen konnte. Unser Problem war, dass wir die deutschen Mittelfeldspielerinnen nicht in den Griff bekamen. Deutschland ist unglaublich beweglich und flexibel. Sie können extrem schnell spielen und ihr Kombinationsspiel war grandios. Sie haben einfach ganz klasse gespielt.

Fazit:
Es ist noch fast ein Jahr bis zur WM, und die deutsche Mannschaft hat noch in zwei Turnieren, beim Algarve-Cup und beim Vier-Nationen-Turnier in China, die Gelegenheit, an dann hoffentlich schwereren Gegnern weiter zu wachsen. Wenn man sich von der hervorragenden Qualifikationsbilanz nicht blenden läßt, sondern gut weiterarbeitet, hat Deutschland in China gute Chancen, den Weltmeistertitel zu verteidigen!

Kerstin Garefrekes und Leanne Ross

Kerstin Garefrekes, hier gegen die Schottin Leanne Ross, brachte mit ihren Toren und Vorlagen in den letzten beiden Spielen eine gute Leistung

Schottland

Fay - Smith, Ross, Dieke, Kerr, Love, Burns, Grant, Fleeting, Hamill, McBride

Deutschland

Rottenberg - Stegemann, Krahn (69. Rech), Hingst, Minnert - Garefrekes, Omilade, Lingor (72. Okoyino da Mbabi), Pohlers (46. M. Müller) Prinz, Smisek

Tore:
0:1 Prinz (26.)
0:2 Lingor (36.)
0:3 Garefrekes (44.)
0:4 Prinz (53.)
0:5 Smisek (67.)

Gelbe Karten: Kerr, McBride

Schiedsrichterin: Mihaela Basimamovic (Kroatien)

Zuschauer: 1000


Russland

Pigaleva - Poriadina, Tsybutovich, Sergaeva, Chmatchkova, Komarova, Fomina, Morozova, Savchenkova, Barbaschina, Kremleva

Deutschland:

Rottenberg - Stegemann, Krahn, Hingst, Minnert Garefrekes, Omilade, Lingor (71. Okoyino da Mbabi), Pohlers (46. Bachor) Prinz, Smisek (46. Wimbersky)

Tore:
Smisek (32.)
Garefrekes (36.)
Prinz (45.)
Barbaschina (84.)
Kremleva (90.)

Gelbe Karte: Poriadina

Schiedsrichterin: Bente Ovedie Skogvang (Norwegen)

Zuschauer: 200


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