Testspiel der A-Nationalmannschaft in Edmonton

Der Traum vom Sieg gegen den Weltmeister blieb ein Traum

Kanada - Deutschland 3:4 (2:1)

05.09.2005

Von John Schwermer (Text) und Elaine Sun (Fotos)
Übersetzung: Katja Öhlschläger

Website von Elaine Sun: www.gobigred.ca

Das zweite Spiel zwischen Kanada und Deutschland war um einiges spannender als das erste Aufeinandertreffen. Das regnerische Wetter kam den Deutschen und ihrer Spielweise nicht so entgegen. Die leeren Ränge im „Commonwealth Stadium“ bei einem Spiel dieser Klasse waren für mich allerdings schon eine große Enttäuschung.

Die beiden Spielführerinnen, Charmaine Hooper (l.) und Birgit Prinz, tauschen vor dem Spiel die Wimpel ihrer Nationalverbände aus

Kanada ging nach 17 Minuten durch ein Tor der erfahrenen Charmaine Hooper in Führung. Superstar Kara Lang, die im ersten Spiel Kanadas Ehrentreffer erzielt hatte, legte zwei Minuten später nach und brachte Kanada mit zwei Toren in Front. Die Kanadierinnen konnten ihr Glück kaum fassen, den deutschen Spielerinnen war die Überraschung ebenso anzusehen. Doch noch vor der Pause, in der 25. Minute, gelang es Conny Pohlers, den Rückstand zu verkürzen, sodass die beiden Teams mit einem 2:1 für Kanada in die Pause gingen.

Nach dem Wiederanpfiff dauerte es nicht lange, ehe eine deutsche Flanke von der linken Seite gefährlich in den Strafraum kam und Isabelle Morneau mit einer Abwehraktion versuchte, vor den deutschen Stürmerinnen zu klären. Dies gelang ihr zwar, nicht aber die Verhinderung des Gegentores, denn der Ball ging von ihrem eigenen Fuß ins kanadische Tor.

Birgit Prinz, Nadine Angerer, Kerstin Garefrekes, Ariane Hingst, Renate Lingor und Conny Pohlers bei der Nationalhymne

Danach wechselte Kanadas Coach Even Pellerud mehrmals aus, brachte unter anderem Brittany Timko für Kara Lang. Das deutsche Team nahm nun richtig Fahrt auf und in der 65. Minute war es die begeisternde Celia Okoyino da Mbabi, die Deutschland nach einem Eckball von Renate Lingor mit 3:2 in Führung brachte. Beide Teams boten nun ein sehr unterhaltsames und vom Kampf geprägtes Spiel, das für den kanadischen Frauenfußball mit einem Sieg gegen den Weltmeister fast in die Geschichte hätte eingehen können. Doch es blieb nur ein Traum.

Wieder wechselte Pellerud aus und brachte Sasha Andrews ins Spiel,


Anspannung vor einer kanadische Ecke

die mit der kanadischen U19 vor drei Jahren in diesem Stadion im Rahmen der U19-Weltmeisterschaft in einem dramatischen Finale den USA mit einem Tor Unterschied unterlag und damit vor Deutschland und Brasilien auf Platz zwei landete. Damals war das Stadion voll und ich dachte, dass es diesmal wieder so würde, aber es war wirklich enttäuschend, dann die leeren Ränge zu sehen. 8812 Zuschauer waren zwar mehr als in Vancouver, aber ich hatte mehr erhofft. Vielleicht war es die frühe Anstoßzeit (14 Uhr Ortszeit) oder der Regen – oder es wurde mal wieder zu wenig Werbung für das Spiel gemacht...

Das deutsche Team bei der Einschwörung vor dem Spiel

In der 75. Minute dann war es Zeit für Birgit Prinz, mit 140 Länderspielen im Rücken, die Deutschen mit 4:2 in Front zu schießen. Die Kanadierinnen kämpften nun ziemlich verzweifelt, sodass Amy Walsh in der 83. Minute nach ihrer zweiten gelben Karte vom Platz gestellt wurde. Doch nur zwei Minuten später brachte Martina Franco mit einem großartigen Heber ins linke untere Toreck die Gastgeberinnen wieder zurück ins Spiel. Die deutsche Torfrau Nadine Angerer war chancenlos.

1:0 für Kanada durch Charmaine Hooper (2.v.r.). Amy Walsh gratuliert ihr

In der 86. Minute hatten die Deutschen noch mal eine große Chance, doch sie führte nicht zum Torerfolg. Die Kanadierinnen verhielten sich nun clever und verhinderten mit einer soliden Abwehrleistung einen weiteren Gegentreffer. Und vielleicht hatte auch Coach Pellerud aus dem


Vancouver-Spiel gelernt, dass man die deutschen Angriffsversuche früh und aggressiv unterbinden muss. Schiedsrichterin Benett ließ zwei Minuten nachspielen, doch Kanada kam nicht mehr zum Ausgleich.

Es war mir eine große Freude, beide Spiele sehen zu können. Das in Vancouver, bei dem ich ein Autogramm der für den kanadischen Frauenfußball wertvollsten Person, Elaine Sun, die die Website Go Big Red betreibt, bekam. Und das in Edmonton, das ich vom Fernseher aus verfolgte. Beide Teams haben großen Kampfgeist und ein beeindruckendes Stehvermögen in den Schlussminuten bewiesen. Und ich bin davon überzeugt, dass diese beiden Spiele für den kanadischen Frauenfußball sehr wertvoll waren, da sich das kanadische Team zum zweiten Spiel hin steigern konnte, weil sie mal auf allerhöchstem Niveau gefordert wurden.

Ariane Hingst, Renate Lingor und Kerstin Stegemann (v.l.n.r.) lauern auf den Pass von Kanadas Kara Lang

Kanada
Swiatec - Neil (68. Latham), Morneau, Matheson (73. Andrews), Schmidt - Hermus, Lang (65. Timko), Hooper (68. Apps), Walsh - Wilkinson (79. Allen), Franko

Deutschland
Angerer - Stegemann (46. Zietz), Jones, Krahn (46. Okoyino da Mbabi), Günther - Hingst, Lingor (68. Carlson), Garefrekes, Pohlers (46. Mittag) - Prinz, Wimbersky (62. Grings)

Tore:
1:0 Hooper (17.)
2:0 Lang (19.)
2:1 Pohlers (25.)
2:2 Morneau (56.)
2:3 da Mbabi (67.)
2:4 Prinz (75.)
3:4 Franco (86.)

Schiedsrichterin: Bennet (USA)

Gelb-rote Karte: Amy Walsh (83.)

Zuschauer: 8812

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