Von Nora Kruse (Text u. Foto)
29.05.2008
„Ich glaube, wir sind ein ziemlich kleines Land“, lacht Emma Jones. Damit meint die Waliserin jedoch nicht die Einwohnerzahl ihrer Heimat mit
weniger als drei Millionen, sondern viel mehr die Körpergröße. Mit einem Blick schielt die Spielführerin auf die parallel trainierende deutsche Mannschaft,
„die sind ja schon alle einen Kopf größer.“
Für Jones ist das jedoch nur eine Stärke von vielen im Team des zweifachen Weltmeisters. „Deutschland ist extrem gut organisiert, kann die
entscheidenden Pässe spielen – nur ein Fehler und du wirst sofort bestraft. Aber wir können auch Fußball spielen, und das wollen wir den vielen Zuschauern
zeigen.“ Bislang haben die Waliserinnen noch nie vor über 13.000 Stadionbesuchern gespielt, für Jones jedoch kein Grund zur Nervosität. „Wir wollen die
Atmosphäre genießen, haben vielleicht nie wieder die Gelegenheit, vor so vielen Menschen zu spielen. Wir haben nichts zu verlieren.“
Einen besseren Leitspruch kann es für Wales nicht geben, mit einem Sieg der Britinnen rechnet schließlich keiner – auch sie selbst nicht, was aber
kein Problem ist. „Das Ergebnis ist nicht so wichtig, entscheidender ist, wie wir auftreten“, sagt Jones. Ihre wohl bekannteste und erfahrenste
Mannschaftskollegin Jayne Ludlow wird diesen Auftritt allerdings
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versäumen. Die Spielführerin, die mit Arsenal London sämtliche Vereinstitel gewonnen hat und
als eine der besten Fußballerinnen Großbritanniens gilt, leidet an einer Sprunggelenksverletzung und konnte nicht mit nach Deutschland reisen.
„Sicherlich ist der Ausfall von Jayne eine Schwächung – sie ist unsere Spielführerin und sehr erfahren auf dem allerhöchsten Niveau“, so Jones, die
daher mit der Kapitänsbinde am Arm auflaufen wird. „Man kann es aber auch positiv sehen. Jede im Team will einen Platz für die kommenden Spiele und
Maßnahmen – jetzt haben sie die Möglichkeit, sich zu präsentieren.“
Nachdem in der Vergangenheit Trainingslager und Freundschafts- spiele Seltenheitswert hatten, will der Verband hier stärker ansetzen. „Wir bekommen mehr
Geld zur Verfügung gestellt, ab der nächsten Saison soll es auf alle Fälle monatliche Trainingslager der Nationalmannschaft geben“, zeigt sich Jones
zufrieden. „Wir sind eine sehr junge Mannschaft, wir müssen uns Schritt für Schritt weiter entwickeln.“
Wichtig war es daher für Wales, sich in die A-Gruppe zu spielen, um überhaupt erst die Möglichkeit zu haben, in die EM-Qualifikation eingreifen zu können.
„Wir haben früher nur gegen recht kleine Frauenfußball-Nationen gespielt. In den vergangenen Monaten konnten wir jedoch gegen die führenden Länder in
Europa antreten und ein Gefühl für deren Spielweise entwickeln – davon können wir nur lernen“, so die 25-jährige Mittelfeldspielerin, die in
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Emma Jones vertritt Spielführerin Jayne Ludlow und ist sich sicher, gerade von hochkarätigen Gegnern lernen zu können.
der englischen
Liga bei Bristol Academy kickt. „Es spielen so viele aus unserer Mannschaft in England, wo sich derzeit sehr viel im Frauenfußball bewegt. Es gibt also
keinen Grund, warum wir das nicht für uns nutzen könnten.“
Gegen den Weltmeister müssen jedoch vor allem die Chancen genutzt werden. „In manchen Spielen bekommt man zehn Möglichkeiten geboten. Gegen
Deutschland wird es vielleicht nur eine sein. Wir wollen zeigen, dass auch wir Fußball spielen können.“
Der walisische Kader
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