Von Nora Kruse
30.05.2008
„Ich bin glücklich“, so Silke Rottenberg, die den Moment ihres Abschieds und die ihr entgegen gebrachten Standing Ovations „wirklich, wirklich sehr
genossen“ hat. In der 83. Minute verabschiedete sich die 126-fache Nationaltorhüterin vom aktiven Fußball, hatte zuvor kein Tor kassiert und sorgte auch
bei Bundestrainerin Silvia Neid für einen „Moment, der mir sehr nahe ging.“
Einen besseren Rahmen hätte es für eine solch verdiente Fußballerin kaum geben können, auch Rottenberg war begeistert. „Es war ein tolles Abschiedsspiel
vor eigenem Publikum und mit vielen Freunden und der Familie im Stadion.“ Der emotionalste Moment war für die Torhüterin, die über ein Jahrzehnt die
Nummer Eins im Team des zweifachen Weltmeisters war, jedoch nicht ihre Auswechslung, sondern die Hymne zu Beginn, bei der ihr alle Erfolge, Titel und
Erlebnisse noch einmal durch den Kopf gegangen seien.
Conny Pohlers unterstrich mit dem 2:0 ihre derzeit herausragende Form.
Foto: Nora Kruse
Standesgemäß blieb Rottenberg auch in ihrem letzten Länderspiel ohne Gegentor, vom Gegner Wales ging allerdings auch keine Gefahr aus. Die Britinnen
waren über die volle Spielzeit mit der Verteidigung beschäftigt, denn der Weltmeister begann fulminant. Bereits nach zwölf Minuten lag die DFB-Elf mit 2:0
in Front. Nach Vorbereitung von Birgit Prinz erzielte Ariane Hingst das 1:0, frei vor der walisischen Torfrau Nicola Davies erhöhte Conny Pohlers.
Deutschland erarbeitete sich Chancen im Minutentakt und man bekam fast ein wenig Mitleid mit den restlos überforderten Waliserinnen: gefährliche Rückpässe,
ungenaue Abspiele und nicht in der Lage, die Bälle aus dem Strafraum zu befördern. Doch ein Schützenfest, das man zu diesem Zeitpunkt hätte erwarten
können, gab es nicht. Wales fing sich und kämpfte aufopferungsvoll, um den Schaden in Grenzen zu halten. „Uns fehlte ein wenig der Pep vorm Tor“, monierte
Silvia Neid, die vor allem ein starkes Spiel auf der linken Seite sah und die Leistung von Linda Bresonik und Fatmire Bajramaj heraushob.
|
126 Länderspiele - der deutsche Frauenfußball verliert eine seiner größten Spielerinnen.
Foto: Volker Lieberum
|
In der 30. Minute erhöhte Annike Krahn auf 3:0, zuvor hatte Torhüterin Davies bereits einige Male hervorragend geklärt. Die erst 22-jährige Torhüterin,
die im englischen Liverpool spielt, hatte in den vergangenen Monaten aufgrund ihres Studiums einige Länderspiele versäumt, umso beeindruckender war ihre
Leistung. „Das war erste Klasse“, lobte ihr Trainer Adrian Tucker, „aber solche Leistungen brauchen wir auf dem internationalen Niveau.“
Genau wie Neid, zeigte sich auch Tucker nach der Partie zufrieden. „Wir standen die ganze Zeit unter Druck, ich bin sehr glücklich über die
Vorstellung meiner Mannschaft, die sich gewehrt und gut gekämpft hat.“ Seine deutsche Kollegin sah ihr Team in der zweiten Halbzeit etwas nachlassen.
Auch von Bajramaj ging nicht mehr so viel Gefahr aus, die Duisburgerin habe es teilweise „übertrieben mit ihren Solokünsten“. Kritisieren wollte die
Bundestrainerin allerdings nicht und sprach ihrer Mannschaft, die „bei dieser Schwüle immer wieder gegen eine Mauer angelaufen ist“, ein Kompliment aus.
Sonderlob der Bundestrainerin für Lira Bajramajs (r.) Leistung auf der linken Seite.
Foto: Nora Kruse
Wales stand hinten und verlegte sich auf die Defensive. Viel zu tun hatte Rottenberg in ihrem Abschiedsspiel daher nicht. Gestört habe sie das nicht,
sie sei zufrieden, „wenn hinten die Null steht.“ In Gefahr war diese freilich nie, stattdessen legten ihre
|
Mitspielerinnen in der 77. Minute noch einen
drauf, Melanie Behringer verwandelte einen Freistoß direkt. Und nur sechs Minuten später war schließlich der Moment des Abschieds von Rottenberg gekommen.
„Aber ich bin ja nicht aus der Welt“, machte die Torhüterin vom 1. FFC Frankfurt deutlich, „ich bleibe dem Fußball erhalten.“ In welcher Form, das wird
sich zeigen. Noch steht sie beim FFC zwischen den Pfosten, aber auch ihr Interesse an der Trainerarbeit hat Rottenberg bereits bekundet. Als wahrscheinlich
gilt auch ein Engagement im Rahmen der Weltmeisterschaft 2011. Und auch wenn mit Nadine Angerer de facto schon eine neue Kraft im deutschen Tor steht, so
machte Silvia Neid deutlich, dass man erstmal abwarten müsse, ob eine andere Torfrau schaffen kann, was Rottenberg über ein Jahrzehnt im Fußball erreicht
und geleistet habe.
Statistik
Deutschland
Rottenberg (83. Angerer), Stegemann, Krahn, Omilade, Bresonik, Garefrekes (75. Wechsel Behringer), Gößling, Hingst, Bajramaj, Pohlers (46. Müller), Prinz
Wales
Davies, Parfitt (77. Townsend), Holt, Daley, Jones, Wade, Dykes, Fishlock, Harries, Foster (64. Edwards), Harding (90. Morgan)
Tore
1:0 Hingst (9.)
2:0 Pohlers (12.)
3:0 Krahn (30.)
4:0 Behringer (76.)
Verwarnungen: -
Schiedsrichterin:
Rachel Cohen (Israel)
Zuschauer: 16.382
Zur Natio-Seite
Zur FanSoccer-Startseite
|