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Das Frauenfußball-Magazin



Testspiel der Nationalmannschaft

Bessere zweite Halbzeit bringt den Sieg

Deutschland - Schweden 1:0 (0:0)

Text von Steffen Langbein, Bilder von Sven-E. Hafft

28.10.2011  Vier Tage nach dem, zwar gewonnenen, aber spielerisch dürftigen EM-Qualifikationsspiel in Rumänien stand für den Frauenfußball der Klassiker Deutschland – Schweden auf dem Freundschaftsspielplan. Gegen gut mitspielende Schwedinnen konnte sich das deutsche Team deutlich steigern - sowohl insgesamt gesehen als auch im Verlauf des Spiels.

Tor Barbara Müller

Alexandra Popp, hier gegen Sara Larsson, brachte nach ihrer Einwechselung zur zweiten Halbzeit frischen Wind ins Spiel und erzielte schließlich sogar das Tor des Tages!

Schon in den ersten Minuten zeigte die deutsche Mannschaft im traditionsreichen Stadion am Millerntor auf St. Pauli gleich Offensivdrang. Linda Bresonik stürmte in vollem Lauf in den Strafraum, wurde aber abgeblockt – die erste Ecke folgte schon (2.). Eine Flanke von rechts von Melanie Beringer köpfte Sara Larsson aus der Gefahrenzone (4.). Simone Laudehrs Geschoss aus vollem Lauf von der Strafraumgrenze traf Schweden-Keeperin Hedvig Lindahl genau auf dem Körper, im Nachfassen schnappte sie sich den Ball (8.). Schon in der Anfangsphase zeigte sich aber, dass das Passspiel der deutschen Mannschaft zu oft ungenau war und auch deshalb den WM-Dritten ins Spiel kommen ließ. Den ersten Offensivakzent der Gäste setzte Therese Sjögran, deren Flanke von der rechten Seite abgewehrt wurde (9.). Wenig später klärte Sjögran technisch stark im eigenen Strafraum, als sie den Ball gekonnt auf ihre Torhüterin abtropfen ließ (12.). Gefährlicher wurde es, wieder nach einem Fehler in der Vorwärtsbewegung, für das deutsche Tor in der 15. Minute, als Turbine-Neuzugang Antonia Göransson von links in den Strafraum stürmte. Nadine Angerer konnte den Gewaltschuss mit ihrer ersten Glanzparade abwehren. Später bewahrte sie ihr Team erneut vor dem frühen Rückstand, als sie Lotta Schelins Versuch aus spitzem Winkel vereitelte (22.). Trotz der schwedischen Drangphase schwappte wenig später die erste LaOla durch die Arena, die Stimmung auf St. Pauli war einfach klasse! Dies ist um so mehr zu loben, als das deutsche Team eine schwache Phase im Spiel hatte. Richtig gefährlich vor dem Schweden-Tor wurde es eigentlich nicht. Auch die Ecken wurden meist von Lindahl herunter gepflückt oder von der vielbeinigen Abwehr (oft waren gar alle Schwedinnen bei deutschen Ecken im eigenen Strafraum). Inka Grings versuchte es aus der Ferne von Halbrechts mit einem Heber, der allerdings am langen Eck vorbei strich (41.).



Nach der Pause kam für die meist glücklos agierende Grings Alexandra Popp ins Spiel und brachte mehr Wind in die deutschen Aktionen, wie auch Trainerin Silvia Neid später lobend erwähnte. Zunächst verpasste Lira Bajramaj Behringers Flanke vor dem Tor um einen Schritt (48.). Nicht zufällig war es dann „Poppi”, die für das 1:0 sorgte. Nach einem Behringer-Freistoß köpfte Laudehr den Ball an den Pfosten, im Nachsetzen war die Duisburgerin ebenfalls per Kopf zur Stelle (60.). Eine Minute später war die Torschützin schon wieder mit dem Kopf am Ball, diesmal aber knapp drüber. Im Gegenzug hatten die Deutschen Glück, als Lotta Schelin das Leder aus halblinker Position an die Latte nagelte. Beide Teams machten nun rege von den Wechselmöglichkeiten Gebrauch. Das schien dem Spielfluss vor allem der Schwedinnen nicht so gut zu tun – richtig gefährlich wurde es für das Tor der Gastgeber nicht mehr. Auf deutscher Seite kam Svenja Huth zu ihrem ersten Länderspieleinsatz, sorgte trotz Nervosität für neuen Wirbel – und bekam ein Lob der Bundestrainerin, die sich zufrieden zeigte mit ihrer Debütantin.
Die deutsche Mannschaft erarbeitete sich in der Schlußphase noch ein paar Chancen, Zählbares kam aber nicht mehr heraus. So blieb es beim knappen, aber, vor allem wegen der zweiten Halbzeit, nicht unverdienten Prestigeerfolg des Gastgebers über den WM-Dritten und EM-Gastgeber 2013.

Die stimmungsvollen Kulisse in der traditionellen Heimstätte des FC St. Pauli bekam sowohl von den Spielerinnen als auch von der Bundestrainerin ein Lob, die „sehr zufrieden mit der Klasse-Atmosphäre am Millerntor” war und dem Publikum Respekt zollte, dass es in der ersten Hälfte schon mit wenig Gutem zufrieden war und die Mannschaft immer wieder anfeuerte. „Es hat Spaß gemacht, hier zu spielen.”
Im Übrigen fand ich persönlich die Darstellung im Videotext von ARD und ZDF, die beide von einem „nur halbvollen Stadion” schrieben, unpassend. Was wurde denn von den Sendern des öffentlich-rechtlichen Fernsehens erwartet? Volle Stadion wie bei der WM 2011 sind bei „normalen” Frauenländerspielen nicht realistisch – und gegenüber dem EM-Quali-Spiel kürzlich gegen die Schweiz in Augsburg, als nur etwa halb so viele Zuschauer da waren wie heute, war das ja schon ein Fortschritt. Dazu war auch noch Männer-DFB-Pokal-Abend, was sicherlich mancher Fußballfreund auch bevorzugt hat. Das es auch positiv geht, zeigte z.B. die lokale Bild-Zeitung: „12.183 Fans strömten ans Millerntor. Sie bildeten eine Super-Kulisse für den 1:0-Sieg der deutschen Frauen gegen Schweden.”. Also, auch für mich war es eine tolle, stimmungsvolle und angemessene Kulisse am Millerntor – Danke Hamburg. Vielleicht auch ein Hinweis für den Hamburger SV, der leider seine zweite Mannschaft, welche in der Saison 2010/11 Zweitligameister geworden war, kurz vor der WM abmeldete und den Etat der Frauenabteilung kürzte...


Trainerstimmen:

Thomas Dennerby (SWE): „Es war ein hochklassiges Spiel zweier sehr guter Mannschaften. Gratulation an Deutschland, die ein schwedisches Team geschlagen haben, welches derzeit eigentlich ein hohes Selbstbewusstsein hat. Positiv für mich war, dass wir uns Torchancen erarbeitet haben und nicht viel zugelassen. Negativ, dass wir das Tor aus einem Standard bekommen haben.”

Silvia Neid (D): „In erster Linie bin ich zufrieden mit dem Ergebnis. Der Sieg gegen den WM-Dritten hat gut getan. Wir haben durch unsere Fehlpässe zu viel Chancen zugelassen, haben zu oft nach hinten gespielt statt nach vorn. Mit der Abwehrarbeit bin ich sehr zufrieden, die Innenverteidigung hatte die gegnerischen starken Stürmer gut im Griff. Als Team hat die Mannschaft gut zusammen gearbeitet. Es gibt aber noch viel zu tun, wir müssen z.B. an unserer Technik unter Gegnerdruck arbeiten.”

Lotta
Schelin Strafraumszene Thomas Dennerby



Deutschland:
Angerer - B.Schmidt, Krahn, Bartusiak, Faißt, Laudehr, Goeßling, Bresonik (76. Mittag), Bajramaj (87. M. Müller), Behringer (68. Huth), Grings (46. Popp)

Schweden:
Lindahl - Nilsson (74. Svensson), Rohlin, Larsson ( 74.Sembrant), Thunebro, Göransson ( 56. Almgren), Seger, Fischer ( 56.Dahlkvist), Sjögran (87. Moberg), Schelin, Edlund (62. Landström)

Tor:
1:0 Popp (60.)

Gelbe Karten: Faißt / Sjögran

Schiedsrichterin: Thalia Mitsi (Griechenland) mit Inka Müller-Schmäh (D) und Marija Kurtes (D)

Zuschauer: 12183



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