Von Nora Kruse
07.08.2009
Die deutsche Nationalmannschaft hat die Generalprobe für die Europameisterschaft in Finnland gewonnen. 18 Tage vor Turnierbeginn siegte die
DFB-Auswahl gegen Russland mit 3:1, bot jedoch erst ab der zweiten Halbzeit guten Fußball.
„Ich habe eine sehr starke russische Mannschaft gesehen, die sehr gut organisiert und zweikampfstark war“, so Bundestrainerin Silvia Neid,
deren Elf insbesondere in der ersten Hälfte Probleme hatte. „Unsere Spielerinnen mussten sich erst reinfinden; das hat einige Zeit gedauert.“ Und so
waren die ersten 45 Minuten von vielen Fehlpässen und Abspielfehlern geprägt, die zu einem unfreiwillig hohen Laufpensum führten. „Wir haben uns das
Leben sehr, sehr schwer gemacht“, kritisierte Neid, die aber auch dankbar über die Stärke des Gegners war. „Es war optimal, Russland hier zu haben“, so
die Bewertung in Hinblick auf Gruppengegner Island, der für Neid über ähnliche Qualitäten verfügt: zweikampf- und kopfballstark und sehr tief stehend.
Island wird ernst genommen im deutschen Team, „kein Underdog“ seien die Nordländerinnen für die Bundestrainerin, die sich sicher sei, dass der
EM-Neuling jedem Gegner ein Bein stellen könne. Wichtig daher die optimale Vorbereitung auf die sogenannte „Todesgruppe“ bei der EM, und dass die
Spielpaarung attraktiv und aussagekräftig war, bewies die Prominenz im Stadion. Mit Hope Powell, Bruno Bini und Bjarne Berntsen waren gleich drei
ausländische Nationaltrainer unter den Zuschauern.
Gesehen haben die insgesamt 13.300 Zuschauer eine Partie, die erst die Tore in der zweiten Halbzeit brauchte, um mehr Tempo und Klasse zu bekommen. Denn
auch wenn die Russinnen in den ersten 45 Minuten nicht viel zuließen, konnten sie sich im Gegenzug ebenso wenig erarbeiten. „Für uns sind solche Spiele
wichtig, um zu sehen, was uns bei einer EM erwartet“, so Russlands Trainer Igor Schalimow.
Erstmals in diesem Jahr über 90 Minuten im Spiel: Kerstin Stegemann.
Foto: Nora Kruse
Die Ansätze waren vorhanden, insbesondere über die Außenbahnen konnten die Gäste Druck machen und stellten Kerstin Stegemann teils vor große Probleme.
Die Abwehrspielerin bestritt nach ihrer langen Verletzung die erste Partie in diesem Jahr über die vollen 90 Minuten, wobei ihr die fehlende Spielpraxis
noch anzumerken war. Beim Ausgleich zum 1:1 nach 53 Minuten ließ sich Stegemann von Olesya Kurochkina ausspielen, die nur eine Minute zuvor erzielte
Führung war dahin.
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Das 1:0 für Deutschland durch Kerstin Garefrekes - danach ging es aufwärts im Spiel.
Foto: ViolA
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Dieses 1:0 gelang Kerstin Garefrekes. Die Mittelfeldspielerin nutze eine Vorlage von Inka Grings zum mühsam erarbeiteten, aber verdienten, Treffer. In der
Folgezeit wurde das Spiel attraktiver. Die Deutschen erspielten sich mehr Chancen, wie schon zehn Minuten später – auch wenn Ksenia Tsybutovich nachhelfen
musste. Linda Bresonik trat zum Freistoß aus halbrechter Position an, den Ball köpfte die Russin unhaltbar über Torhüterin Elena Kochneva hinweg.
Torhüterin Elena Kochneva hat keine Chance beim Eigentor von Ksenia Tsybutovich.
Foto: ViolA
Die Freistoßschützin lief dabei erstmals nicht mit der gewohnten Nummer ‚6’ auf, sondern hatte die ‚10’ auf dem Trikot. Notwendige Maßnahme für die EM,
bei der alle Nummern von eins bis 22 vergeben sein müssen, einerseits, Anerkennung aber dennoch. „Eine ‚10’ zu tragen ist etwas Besonderes“, so die
Bundestrainerin, schließlich bedeute sie auch, über „Spielmacherfähigkeit“ zu verfügen. „Die hat sie auf jeden Fall.“
Die deutsche Mannschaft erspielte sich in der letzten halben Stunde weitere Chancen. In der 66. Minute versuchte es Kim Kulig aus der zweiten Reihe, ihren
Schuss lenkte die glänzend aufgelegte Kochneva noch knapp über den Kasten. Für Kulig war es erst das neunte Länderspiel, doch stand die Hamburgerin bei
allen Partien in diesem Jahr auf dem Feld. Sieben Mal dabei, wie an diesem Tag, über die vollen 90 Minuten. Als große Gewinnerin des Algarve Cups
bezeichnete Neid die 19-jährige Mittelfeldspielerin im März, mittlerweile ist sie für die Bundestrainerin „eine echte Alternative für die erste Elf“.
Kulig zeigte ein gutes Spiel und war kurz vor dem Abpfiff nach einem Konter an einer weiteren Möglichkeit der DFB-Auswahl beteiligt. Den Schuss von
Kulig konnte Kochneva noch abwehren, er Ball blieb jedoch im
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gegnerischen Strafraum, bis Garefrekes drauf hielt. Die russische Torfrau war einmal mehr zur Stelle und klärte zur Ecke.
Mit dem Schlusspfiff fiel schließlich doch noch ein weiteres deutsches Tor. Célia Okoyino da Mbabi spielte nach rechts auf Garefrekes. Deren Hereingabe
verwandelte Martina Müller drei Minuten nach ihrer Einwechslung zum 3:1-Endstand.
Statistik
Deutschland
Angerer, Stegemann, Krahn, Hingst (65. Bartusiak), Peter (82. Fuss), Garefrekes, Kulig, Bresonik, Laudehr (57. Bajramaj),
Prinz (87. Müller), Grings (69. Okoyino da Mbabi)
Russland
Kochneva, Dyachkova (46. Kozhnikova), Skotnikova, Savchenkova, Fomina (84. Rogova), Kurochkina, Sochneva (61. Danilova),
Suslova, Pertseva, Tsybutovich, Morozova
Tore
1:0 Garefrekes (52.)
1:1 Kurochkina (53.)
2:1 Tsybutovich (63./ET)
3:1 Müller (90.)
Gelb
Bresonik - Skotnikova, Dyachkova
Schiedsrichterin
Anja Kunick (Leipzig)
Zuschauer: 13.303
Deutschlands neue '10': Linda Bresonik
Foto: Nora Kruse
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