A-Nationalmannschaft, WM Qualifikation

Jones Jubiläum wurde zum Fest

Deutschland - Schweiz 4:0 (3:0)

Bilder von Nora Kruse
Text von Tom Schlimme

13.11.2005    Beim dritten Spiel der WM-Qualifikation galt es für Deutschland, durch einen Sieg gegen die Schweiz endlich die Tabellenführung in der Gruppe 4 vor dem bis dahin führenden Team aus Russland, das bereits zwei Spiele mehr auf dem Konto hat, zu erringen.

Doch wer das Team um die ehrgeizige Bundestrainerin Silvia Neid kennt weiß, dass es gegen den eher schwächer einzuschätzenden Gegner aus der Schweiz (Platz 27 der Weltrangliste) auch darum ging etwas für das Torverhältnis zu tun und auch den über 15.000 Zuschauern in Ulm sowie Millionen von Fernsehzuschauern (das ZDF übertrug live) einen guten Abschluss eines sowieso schon gelungengenen Fußballjahres zu bieten. Dann feierte auch noch die Frankfurter Abwehrchefin Steffi Jones ihr 100. Länderspiel. Gründe genug also für vollen Einsatz und eine offensive Ausrichtung der deutschen Mannschaft!

Die deutsche Nationalmannschaft

Die deutsche Nationalmannschaft vor dem Spiel

So begann das Team dann auch gleich mit Volldampf und einem Antritt von Petra Wimbersky, die in der zweiten Minute gerade noch abgeblockt werden konnte. Schon in der dritten Minute knallte dann ein Freistoß von Renate Lingor an den Pfosten. Die drei Meter entfernt zuschauende Schweizer Torhüterin Marisa Brunner wäre ohne jede Chance gewesen.
Wenig später verpasste Kerstin Garefrekes, die sowohl rechts wie links für viel Wirbel sorgte und ihre Mitspielerinnen gut in Szene setzen konnte, eine Flanke der Jubilarin Jones knapp mit dem Kopf. Eine Minute später Wimbersky auf Birgit Prinz, die zog ab, doch Brunner, die zur mit Abstand besten Schweizer Spielerin an diesem Abend werden sollte, konnte halten. Der Druck des deutschen Teams hielt an, Anja Mittag konnte von der gegen sie völlig überforderten Fabienne Dätwyler nur durch ein hartes Foul gebremst werden, für das es verdient gelb gab. Den Freistoß zirkelte Lingor genau in den Laufweg der zwei Schritte nach vorne machenden Jones, die mit einem harten und platzierten Kopfball ihr Jubiläum bereits in der 10. Minute mit dem Tor zum 1:0 krönen konnte.

Anja Mittag

Ein Foul an Anja Mittag führte zum ersten deutschen Tor

Deutschland spielte auch nach der Führung weiter nach vorne und gab Torfrau Brunner noch einige Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. Nach einem schönen Hackentrick von Wimbersky, die ein Zuspiel von Mittag verlängerte, hatte Britta Carlson freie Bahn zum verdienten 2:0 in der 20. Spielminute. Doch die deutsche Mannschaft, bei der Lingor, Wimbersky, Carlson und Garefrekes beste Spielerinnen in einem durchgehend sehr guten Team waren, stürmte weiter. Die Schweiz kam in der ersten Hälfte kaum über die Mittellinie. Es ist mir unmöglich, die vielen schönen Kombinationen und Torchancen alle aufzuzählen, so beschränke ich mich beispielhaft auf das 3:0 in der


Kerstin Stegemann

Hier setzt sich Kerstin Stegemann gegen drei Schweizerinnen durch: Am Boden Fabienne Dätwyler, mit der 7 Künzler, mit der 10 Lara Dickenmann

36. Minute:
Prinz eroberte den Ball am Schweizer Strafraum, gab zu Carlson, die zurück zu Prinz, die mit einem Pass genau in die Lücke auf die am weitesten vorne stehende Wimbersky, die ließ zwei Gegenspielerinnen gekonnt aussteigen und lochte unhaltbar ein. Demgegenüber schafften die Schweizerinnen kaum einmal zwei Anspielstationen, ohne den Ball an eine deutsche Spielerin zu verlieren.

Nach der Halbzeitpause ging es dann gleich weiter mit Chancen von Mittag, Wimbersky und Prinz. Immerhin kamen die Schweizerinnen nun aber auch einmal zum Ansatz einer Chance. Die deutsche Abwehr spekulierte auf Abseits, die Schweizer Mittelfeldspielerin Martina Moser war plötzlich mutterseelenallein mit dem Ball auf dem Weg zum Tor. Der der jungen Spielerin versagten die Nerven, sie vergab diese Chance geradezu kläglich.

Britta Carlson

Britta Carlson erzielt ihr erstes Länderspieltor, dem gleich noch ein zweites folgen sollte

Weiter ging es wieder auf der anderen Seite: schöner Außenristschuss von Mittag ans Außennetz, geniales Zuspiel von Lingor auf Prinz, deren Schuss rutscht Brunner durch die Beine, doch im Umdrehen kann sie den Ball noch vor der Linie erreichen. In der 62. Minute dann wieder einer der Sturmläufe von Garefrekes auf dem Flügel bis zur Torauslinie, in der Mitte warten Wimbersky und Prinz, doch Garefrekes legt geschickt in den Rücken der Abwehr zurück auf die frei stehende Carlson, die so ihr zweites Tor in diesem Spiel erzielen kann.

Das deutsche Team kam noch zu vielen weiteren Chancen, doch insgesamt war die zweite Halbzweit schwächer als die erste. Die aufopferungsvoll kämpfenden Schweizerinnen kamen sogar noch zu einem Lattentreffer durch einen Fernschuss von Lara Dickenmann. In den letzten zehn Minuten dominierten aber noch einmal die deutschen Spielerinnen mit Chancen durch Wimbersky, deren scharfer Schuss Brunner eine weitere Glanzparade abnötigte und einen Kopfball von Ariane Hingst. Sandra Minnert verpasste zum wiederholten Male in diesem Spiel im Strafraum nur knapp eine Lingor-Flanke, und ein weiterer Schuss von Prinz wurde von Brunner noch entschärft. Deutschlands Torfrau Silke Rottenberg bekam dann immerhin noch einen Schuss von Martina Moser zu halten.


So waren dann am Ende alle zufrieden: die Schweizer Trainerin Beatrice von Siebenthal, dass ihr Team nicht "abgeschossen" worden war, Deutschlands Trainerin Silvia Neid, die im dritten Spiel ihrer Amtszeit den dritten Sieg und die Tabellenführung in der Qualifikationsgruppe feiern konnte, Steffi Jones, die sich über eine gute persönliche Leistung im 100. Länderspiel und über ihr neuntes Länderspieltor freuen konnte, und nicht zuletzt auch DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, der sich hoch erfreut über das Spiel und den Zuschauerzuspruch zeigte und in der Pressekonferenz ankündigte, man werde nun sukzessive dazu übergehen, Länderspiele der Frauennationalmannschaft auch in Bundesligastadien stattfinden zu lassen.

Zuschauer

Es war eine tolle Stimmung in Ulm, auch die Schweizer Fans waren vom Spiel begeistert

Deutschland:

Rottenberg, Hingst, Jones, Stegemann, Minnert, Carlson (78. Krahn), Lingor, Garefrekes, Wimbersky, Prinz, Mittag (57. Pohlers)

Schweiz:

Brunner, Künzler (79.Zimmermann), Achermann, Steinegger, Schärer, Moser, Comte (72.Schwarz), Dätwyler, Theiler, Dickenmann, Bürki

Tore:
1:0 Jones 10.
2:0 Carlson 20.
3:0 Wimbersky 36.
4:0 Carlson 62.

Gelbe Karte: Dätwyler

Schiedsrichterin: Anna De Toni (Italien)

Zuschauer: 15.637


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