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A-Nationalmannschaft, Freundschaftsspiel

Gelungene Generalprobe

Deutschland - Norwegen 3:0 (0:0)

Text von Tom Schlimme

17.06.2011   Beim letzten Testspiel des deutschen Teams vor der WM gegen den starken Gegner Norwegen stimmte das meiste, wenn auch noch nicht alles. Das Ergebnis, das überlegen geführte Spiel, die Stimmung im Stadion stellen große Pluspunkte dar. Aber kleine Unsicherheiten in der Abwehr und eine mangelnde Chancenauswertung bzw. zu ungenaues Spiel im Angriff geben durchaus noch Anlass, weiter an einer Verbesserung des deutschen Teams zu arbeiten.

Allerdings ist klar, dass man nach einer Testserie zur Vorbereitung mit vier Siegen und 15:0 Toren nicht wirklich meckern kann. Die DFB-Auswahl, sowieso schon hoch gewettet, kommt aus der Favoritenrolle nun erst recht nicht mehr heraus. Alles andere als eine Finalteilnahme wäre nach der in den Testspielen gezeigten Frühform eine Enttäuschung. Und so muss man eventuelle Negativaspekte schon ziemlich in den Krümeln suchen. „Wäre es nicht besser gewesen, ihr Team hätte in der Vorbereitung auch mal einem Rückstand hinterher laufen müssen?”, wurde Bundestrainerin Silvia Neid in der Pressekonferenz nach dem Norwegenspiel gefragt. „Ja, was soll ich machen”, konnte Neid nur lächelnd mit den Schultern zucken. „Ich kann doch den Mädels nicht sagen, sie sollen absichtlich einen Gegentreffer zulassen, nur damit sie das Gefühl mal kennen lernen!” Wohl wahr!

 Celia Okoyino da Mbabi gegen Cecile Pedersen

Celia Okoyino da Mbabi (rechts) machte von Beginn an Druck auf dem linken Flügel. Cecile Pedersen, die sie hier bedrängen möchte, war eigentlich als norwegische Sturmspitze aufgestellt, blieb jedoch völlig wirkungslos

Bild: Sandra Kunschke

Dabei war Norwegen von der Papierform her durchaus für Gegentore gut und hielt die ersten 25 Spielminuten auch offener, als dies in den vorherigen Testspielen Italien und die Niederlande getan hatten. Allerdings erwies sich der norwegische Sturm als harmloses Lüftchen. So konnte Sturmspitze Cecile Pedersen zwar in einen zu ungenauen Querpass von Saskia Bartusiak auf Annike Krahn sprinten, brachte dann aber keinen gescheiten Schuss zustande. Krahn klärte, eigentlich ohne Not vor der bereit stehenden Keeperin Nadine Angerer, zur Ecke. Ansonsten war Norwegen eigentlich nur bei Standards gefährlich. Lisa-Marie Woods kam nach einer der immer von Trine Rönning getretenen Freistöße zum Schuss, doch weit vorbei.

Simone Laudehr  gegen Lene Mykjåland

Simone Laudehr tauchte, obwohl im zentralen Mittelfeld aufgestellt, oft auf den Flügeln auf und kam zu gefährlichen Flanken, wird hier aber von Lene Mykjåland geblockt

Bild: Tom Schlimme

Schon in den ersten 25 Minuten hatte das deutsche Team etwas mehr vom Spiel. Celia Okoyino da Mbabi, auf der linken Flügelposition eingesetzt, kam gleich in der ersten Minute zu einer gefährlichen Flanke, doch Norwegens Keeperin Ingrid Hjelmseth parierte. Wenig später kam Kerstin Garefrekes von rechts, doch wieder war Norwegens Keeperin aufmerksam. Auch durch die Mitte versuchte es das deutsche Team, die erneut starke Kim Kulig mit einem fulminanten Dribbling im Zentrum, steiler Pass auf den Flügel auf Okoyino da Mbabi, die mit genauer Flanke nach innen, Direktabnahme Inka Grings, doch der Schuss ging deutlich vorbei.

Kim Kulig

Kim Kulig kam immer wieder gefährlich durch die Mitte vor das norwegische Tor. Hier ist es Trine Rönning, die ihr nicht folgen kann

Bild: Sandra Kunschke

Auch die andere "Doppelsechs", Simone Laudehr, machte erneut ein gutes Spiel. Diese beiden Positionen dürften nach den Testspieleindrücken im deutschen Team fest vergeben sein. Laudehr dominierte nicht nur im zentralen Mittelfeld, sondern tauchte auch immer wieder auf den Flügeln auf, von wo sie schon in der Anfangsphase zweimal zu Flanken kam, die aber zu ungenau waren. Auch eine weite Flanke von Celia auf Garefrekes verpasste deren Kopf knapp. Etwas unglücklich agierte Inka Grings, die einige Male zum Schuss kam, das Tor aber immer verfehlte. Birgit Prinz kam ebenfalls in Position, wurde aber von zwei Abwehrspielerinnen plus Keeperin gerade noch abgeblockt.

Ab der 25. Minute wurde das Spiel dann langsam fast ebenso einseitig wie die Testspiele gegen Italien und die Niederlande, und in den fünf Minuten vor der Pause brannte das deutsche Team


Tor Simone Laudehr

So frei darf man Simone Laudehr nicht zum Kopfball kommen lassen! Zwei Norwegerinnen behinderten sich bei diesem von Melanie Behringer herein gebrachten Eckstoß, der Ball kam genau auf den Kopf von Laudehr (Nr. 6) und diese hatte freie Bahn. Mit ihrem Kopfball zum 1:0 brach sie in der 79. Minute den Bann in diesem bis dahin torlosen Spiel

Bild: Tom Schlimme

ein regelrechtes Offensivfeuerwerk ab, hatte einige gute Gelegenheiten, blieb jedoch noch ohne Erfolgserlebnis. Die beste Chance des Spiels bis dahin hatte in dieser Phase Garefrekes, die angespielt von Prinz aus spitzem Winkel und kurzer Entfernung zum Schuss kam, doch Hjelmseth parierte gerade noch so mit dem Fuß, eine Glanzleistung der norwegischen Kapitänin, die gleich danach auch einen Schuss von Prinz festhielt.

Nach dem Seitenwechsel setzte das deutsche Team in geänderter Besetzung den Sturmlauf fort. Lira Bajramaj und Melanie Behringer wirbelten mit frischer Energie und sorgten für weiter zunehmenden Druck auf das norwegische Tor. Dazwischen kam Norwegen zwar zu Chancen, so nahm Emilie Bosshard Haavi eine Flanke von Leni Larsen Kaurin direkt, verfehlte das Ziel, aber diese Angriffe brachten kaum Entlastung. Auf der anderen Seite setzte sich auch die dritte zur Pause eingewechselte Spielerin, Alexandra Popp, immer besser in Szene. In der 66. Minute setzte sich Popp am Strafraum klasse durch, kam zum Schuss, doch der Ball rutschte ihr vom Spann und ging in die Wolken, aus denen prompt ein Wolkenbruch aus dicken Regentropfen niederging. „Ich bin eine "Fritz-Walter-Spielerin", ich spiele gerne bei Regen”, sagte Popp später.

Alexandra Popp

Schon vor dem Regen ließ Alexandra Popp ihre Gegenspielerinnen, hier Maren Mjelde, alt aussehen. Als es nass wurde, war sie gar nicht mehr zu halten!

Bild: Tom Schlimme

Nadine Angerer parierte mit guter Reaktion einen Schuss von Larsen Kaurin, hauptsächlich vergaben die Norwegerinnen ihre Chancen aber weiter aus reinem Unvermögen. So brachte Guro Knutsen Mienna einen Ball wunderbar steil in den Strafraum, doch Marita Skammelsrud Lund vergab fast kläglich. Eine weitere Einwechselung brachte demgegenüber weiteren frischen Wind auf deutscher Seite, Martina Müller war gekommen und führte sich gleich mit gefährlichen Flanken von rechts ein. Das deutsche Team ließ sich von dem Regen in keiner Weise beeinträchtigen, der stärkste Sturm im Stadion war immer noch der deutsche Angriff.

Isabell Lehn Herlovsen gegen Linda Bresonik

Norwegens Stürmerstar Isabell Lehn Herlovsen machte keinen Stich. Hier ist Linda Bresonik Siegerin im Zweikampf

Bild: Sandra Kunschke

In der 79. Minute war es schließlich so weit. Bajramaj holte einen Eckstoß heraus, Behringer brachte den Ball herein, und Laudehr kam zu einem ähnlich wuchtigen Kopfstoß wie im Finale 2007 gegen Brasilien. Die inzwischen für Hjelmseth eingewechselte Erika Skarbø im norwegischen Tor war machtlos. Nur eine Minute später ein krasser Fehler der gerade erst eingewechselten neuen Innenverteidigerin Runa Vikestad, die sich als letzte Frau von Popp den Ball abnehmen ließ, Popp setzte sich klasse auch gegen die heraneilende Keeperin durch und bugsierte den Ball zum 2:0 ins Tor. Nochmal zwei Minuten später brachte Popp den Ball nach Flanke von Behringer dann mit einem schönen Flugkopfball zum 3:0 im norwegischen Tor unter.

Torjubel Ariane Hingst

Ariane Hingst gratuliert freudenstrahlend: Alexandra Popp (Nr.11) hat gerade das 3:0 erzielt

Bild: Tom Schlimme

„Ich bin zufrieden mit dem Spiel meiner Mannschaft, wenn man mal drei Minuten weglässt” sagte Norwegens Trainerin Eli Landsem nach dem Spiel. Klar, welche drei Minuten gemeint waren! Es hätte aber noch schlimmer für Norwegen


kommen können, denn Skarbø musste gegen Ende noch gegen Müller Kopf und Kragen riskieren, um einen vierten Treffer zu verhindern. Man hat schon ausgeglichenere Spiele zwischen Deutschland und Norwegen gesehen als dieses, und auch wenn die Tore in einer kurzen Phase besonders ausgeprägter norwegischer Unsicherheit fielen, war der Sieg doch auch in dieser Höhe absolut verdient.

Erika Skarbø gegen Martina Müller

Norwegens Keeperin Erika Skarbø hatte Pech, dass alle drei Tore erst fielen, als sie im Spiel war. An ihr lag es jedoch nicht. Hier pariert sie gut gegen Martina Müller

Bild: Tom Schlimme

Ein Sonderlob hat sich das Publikum verdient. Es war unglaublich laut im Stadion, die Stimmung war einfach grandios. Obwohl die Tore erst spät fielen, wurden die Zuschauer nicht ungeduldig, sondern feuerten ihr Team immer weiter an, und als dann die drei Tore so kurz hintereinander dazu kamen, war das Publikum schier aus dem Häuschen. „Heute waren es nur 13.500 Zuschauer, wie wird sich ihr Team im Berlin vor über 70.000 fühlen?”, wurde Silvia Neid gefragt, die durchaus realistisch antworten konnte, dass das Publikum heute ja schon so laut war, dass ihr Team bestens darauf vorbereitet sei, angefeuert zu werden. Überhaupt die Fragen einiger Pressevertreter... was sie denn in den vier trainingsfreien Tagen mache, die jetzt anstehen, wurde Neid gefragt. Hatte sie neulich ähnliche Fragen schon mit Hinweisen auf "Fußpflege" beantwortet, erzählte sie gestern ausführlich über Wäschewaschen und Bügeln, was ja auch sehr zeitaufwändig sei... Ob die Fragesteller wohl die Ironie bemerkt haben?

Eli Landsem und Silvia Neid

Die Trainerinnen bei der Pressekonferenz nach dem Spiel: Links Norwegens Eli Landsem, rechts Bundestrainerin Silvia Neid

Bild: Sandra Kunschke

Sportlich kann Neid jedenfalls aus dem Vollen schöpfen. Es dürfte kaum ein Team bei dieser WM-Endrunde geben, welches einen so ausgeglichenen Kader vorweisen kann. Schade, dass Neid nicht auch in den WM-Spielen sechsmal wechseln kann, dies würde dem deutschen Team einen deutlichen Vorteil verschaffen. Aber auch so ist klar, die Bundestrainerin kann ihr Team nach aktuellen Trainingseindrücken zusammen stellen, kann immer die Spielerinnen bringen, die zum Gegner besonders gut passen. Eine Startformation mit den etablierten Kräften, die den Gegner müde spielen, dann die jungen Wilden einwechseln, dieses Erfolgsrezept aus den Testspielen dürfte sich fortsetzen lassen.



Deutschland:
Angerer - Bresonik, Krahn (71. Goeßling), Bartusiak, Peter - Garefrekes (46. Behringer), Kulig (81.Hingst), Laudehr, Okoyino da Mbabi (71. Müller) - Prinz (46. Bajramaj), Grings (46. Popp)

Norwegen:
Hjelmseth (54. Skarbø) - Skammelsrud Lund, Mjelde, Holstad Berge (77. Vikestad), Knutsen Mienna - Bossard Haavi (69. Tofte Ims), Woods (46. Larsen-Kaurin), Rönning (69. Ryland) - Lehn Herlovsen (46. Stensland), Giske (61. Mykjåland) - Pedersen

Tore:
1:0 Laudehr (79.)
2:0 Popp (80.)
3:0 Popp (82.)

Gelbe Karten: - / Mjelde

Schiedsrichterin: Una Hong (KOR) mit Katrin Rafalski und Marina Wozniak (beide GER)

Zuschauer:13.812



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