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Das Frauenfußball-Magazin



A-Nationalmannschaft, Testspiel

Mit drei Kopfballtoren zum Sieg

Deutschland – DPR Korea 3:0 (2:0)

Text von Marion Kehren
Fotos von Katrin Müller

18.02.2010   Sportlich gesehen mag zwar das erste Testspiel der deutschen Mannschaft im Jahr 2010 ein voller Erfolg gewesen sein. Doch muss man dazu aber leider auch sagen, dass der Gegner, der amtierende Asienmeister und Fünfter der Weltrangliste, über weite Strecken enttäuschte und nicht die Leistung zeigte, die man von den Asiatinnen erwartet hatte.

Für das hoch gehandelte Team aus dem kommunistisch regierten Nordkorea (gespickt mit neun Junioren-Weltmeisterinnen) bedeutete dieser Ausflug nach Deutschland bereits ein großes Abenteuer, war es doch für sie der erste Auftritt in Europa überhaupt. Noch bis nächste Woche verweilt die Mannschaft in der Sporthochschule Wedau und absolviert ein weiteres Testspiel gegen den Zweitligisten 1. FC Köln, bevor es nach einem Zwischenstopp in Australien wieder zurück in die Heimat geht.

Frauenfußball Nationalmannschaft

Die deutsche Startelf:
oben von links: Simone Laudehr, Sonja Fuss, Nadine Angerer, Anja Mittag, Birgit Prinz, Linda Bresonik.
unten v.l.: Babett Peter, Lira Bajramaj, Saskia Bartusiak, Melanie Behringer, Kim Kulig

Die Witterungsbedingungen waren nicht gerade einladend für den Besuch eines Fußballspiels, und der unglücklich ausgewählte Termin für diese Partie (genau während der Hochsaison im rheinischen Karneval) tat noch sein Übriges dazu. So fanden lediglich 9.570 Zuschauer den Weg in die MSV Arena. Auch im Vorfeld bekamen die Akteurinnen wie z.B. Birgit Prinz die Karnevalsausläufer zu spüren. In der eigens für sie einberufenen Pressekonferenz zu ihrem 200. Länderspiel am Rosenmontag (!!!) verirrten sich gerade einmal 3 Journalisten, 3 Kameraleute und 1 Fotograf - So entwickelte sich die Pressekonferenz eher zu einer Art gemütlichem Kaffeeklatsch.

Ri Ye Gyong und Birgit Prinz

In ihrem 200. Länderspiel zeigte Birgit Prinz viel Spielfreude und zählte zu den besten in einem starken deutschen Team. Hier führt sie den Ball gegen die an diesem Tag beste Nordkoreanerin Ri Ye Gyong

Trotz lediglich fünf absolvierter Trainingseinheiten und diversen Verletzten zeigte sich die deutsche Mannschaft gut auf die Partie eingestellt und es dauerte gerade einmal 40 Sekunden, bis die Jubilarin Birgit Prinz die junge, nordkoreanische Torhüterin Hong Myong Hui prüfte. Als kurz darauf Melanie Behringer die Latte traf, dürfte vielen schon klar gewesen sein, wie ernst die deutschen Spielerinnen diese Partie nahmen. In der achten Minute gab es eine etwas fragwürdige Szene, als Anja Mittag durch Yu Jong Hui im Strafraum der Koreanerinnen zu Fall gebracht wurde. Aber die französische Schiedsrichterin Florence Guillemin ließ das Spiel weiter laufen.

Anja Mittag

Ho Un Byol (hinten) und Ra Un Sim versuchen hier zu zweit, Anja Mittag auszuschalten. Mittag war einige Male zu schnell für die Abwehr der Nordkoreanerinnen - wie die meisten deutschen Angreiferinnen

Deutschland machte das Spiel und Korea hatte enorme Schwierigkeiten sich auf den Gegner einzustellen und selber ihren Spielaufbau umzusetzen. Erst nach 14 Minuten schafften es die Asiatinnen einmal über die Mittellinie zu kommen und durch Ho Un Byol in den Strafraum des Gastgebers vorzudringen. Bei dieser Rettungsaktion prallte Torhüterin Nadine Angerer so unglücklich mit der Stürmerin zusammen, dass sie sich eine offene Risswunde am linken Knie zuzog und ausgewechselt werden musste.


Ehrung Birgit Prinz

Mit 200 Länderspielen hat Birgit Prinz eine sagenhafte Marke erreicht. Vor der Partie wurde sie für diese Leistung geehrt:. V.l.n.r. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, Birgit Prinz, DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburger und Bundestrainerin Silvia Neid

So konnte Ersatzfrau Lisa Weiß, von der SG Essen-Schönebeck, ihren ersten Einsatz in der A-Nationalmannschaft feiern. Diese machte im Verlaufe der restlichen Partie ihre Sache gut - ohne allerdings allzu ernsthaft geprüft zu werden - und wurde von Bundestrainerin Silvia Neid zu Recht für die „souveräne Leistung” gelobt. Also ein rundum gelungener Einstand!

In der 20. Minute klingelte es zum ersten Mal im Kasten der Koreanerinnen, Deutschland führte mit 1:0 durch Lira Bajramaj. Vorausgegangen war ein wunderschöner Pass von Kim Kulig auf die links laufende Prinz und diese zirkelte den Ball gekonnt auf Bajramaj, die per Kopf nur noch einnicken musste.

Kim Kulig

Jo Yun Mi und Ra Un Sim schafften es nicht die hervorragend aufgelegte Kim Kulig in Schach zu halten. Kulig hatte am Führungstreffer der Deutschen maßgeblichen Anteil

Die teilweise katastrophale Abwehrarbeit der Koreanerinnen nutzte Deutschland binnen kürzester Zeit nochmals gnadenlos aus. Nur neun Minuten später leistete Bajramaj mit einem Freistoß die Vorarbeit für das 2:0 durch Simone Laudehr (ebenfalls per Kopf). Die Deutschen waren zu diesem Zeitpunkt klar überlegen und Nordkorea konnte sich nur durch Einzelaktionen, wie z.B. durch Ri Ye Gyong und später durch Ho Un Byol, aus den Fängen der Deutschen befreien.

Nach der Pause wechselte Nationaltrainerin Silvia Neid drei Spielerinnen aus und nahm diverse taktische Änderungen vor. Der Überlegenheit der Deutschen tat dies aber keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Nach Vorarbeit der eingewechselten Kerstin Garefrekes, die schulbuchmäßig auf die ebenfalls neu gekommene Celia Okoyino da Mbabi flankte, köpfte diese zum 3:0 ein.

Assistenztrainer

Im kommunistischen Nordkorea herrschen anscheinend noch andere Trainingssitten, siehe hier den Assistenztrainer, der sich während des Aufwärmens eine Spielerin recht heftig zur Brust nahm, weil sie sich nicht anständig aufwärmte

Ab der 65. Minute nahm der Gastgeber sichtlich das Tempo aus dem Spiel. Zu schwach war der Auftritt der Asiatinnen, die mitnichten an die guten Leistungen von Olympia 2008 oder der letzten WM 2007 anknüpfen konnten. Groß war der Jubel des Duisburger Publikums, als 20 Minuten vor Schluss die 18-jährige Alexandra Popp vor heimischer Kulisse zu ihrer Länderspiel-Premiere kam.

Lisa Weiß und Alexandra Popp

Nach der Partie bedankten sich beide Debütantinnen Lisa Weiß (links) und Alexandra Popp beim heimischen Puplikum


Trainerin Silvia Neid zeigte sich anschließend zufrieden mit der gezeigten Leistung ihres Teams: „In der Defensive haben wir ganz gut gearbeitet, im Spielaufbau hatten wir noch ein paar Probleme und haben zu viele Chancen ungenutzt gelassen, aber dies werden wir auch noch abstellen.” Koreas Trainer Kim Kwang Min zeigte sich weniger erfreut: „Wir sind erst am Montag in Deutschland angekommen. Viele der jungen Spielerinnen haben sich noch nicht richtig akklimatisiert und waren noch müde.”

Trainer Kim Kwang Min

Nordkoreas Trainer Kim Kwang Min hatte sich den ersten Auftritt der nordkoreanischen Fauenfußball Nationalmannschaft in Europa sicher besser vorgestellt...

Was negativ an diesem Testspiel auffiel, waren dieses Mal die äußeren Bedingungen. Nicht nur, dass die Presse einige Änderungen in der Abhandlung hinnehmen und sich strengeren Regularien unterziehen mussten. Nein, auch für die Fans war es zum Teil kein besonders gelungener Nachmittag. Der Sicherheitsdienst war teilweise so streng, dass sich die Fußballfans vorkamen als würden sie einen Hochsicherheitstrakt betreten. Da muss man sich doch allen Ernstes fragen ob dass wirklich Fußball zum Anfassen sein soll? Wiedersehen bei Freunden???

Hong Myong Hui

Die koreanische Torhüterin Hong Myong Hui hatte einen rabenschwarzen Tag. Nicht nur, dass sie 3 Tore kassierte, sie war auch sehr unsicher und konnte fast keinen Ball festhalten. Doch die übertriebenen wirkenden Sicherheitsauflagen im Stadion können getrost ebenfalls unter "verbesserungswürdig" verbucht werden...



Deutschland:
Angerer (17. Weiß) – Bartusiak, Peter, Laudehr (46. Goeßling), Behringer (Okoyino da Mbabi), Prinz (84. Müller), Bresonik, Mittag (46. Garefrekes), Kulig (69. Popp), Fuss, Bajramaj

DPR Korea:
Hong Myong Hui – Choe Yong Sim, Ra Un Sim, Jo Yun Mi, Yun Hyon Hi (72. Kang Haeng Bok), Ho Un Byol (58. Kim Chung Sim), Kim Yong Ae (45+1. Jon Myong Hwa), Ri Ye Gyong, Kim Un Ju, Yu Jong Hui, Jong Pok Sim

Tore:
1:0 Bajramaj (21.)
2:0 Laudehr (29.)
3:0 Okoyino da Mbabi (50.)

Gelbe Karten: Ho Un Byol, Kim Un Ju

Schiedsrichterin: Florence Guillemin (FRA)
mit Marija Kurtes und Christina Jaworek (beide Deutschland)

Zuschauer: 9.570


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www.kapixblog.net


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