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A-Nationalmannschaft, Freundschaftsspiel

Flügellahme „Super Falcons“

Deutschland - Nigeria 8:0 (5:0)

Text von Marion Kehren

26. November 2010 Der vom DFB vielzitierte „Härtetest auf Augenhöhe“ entpuppte sich als lockerer Aufgalopp zu einer munteren Trainingseinheit der Deutschen. Gegen einen müden und erschreckend schwachen Gegner gewann das Team von Sylvia Neid mit 8:0 und konnte mächtig Selbstvertrauen für die WM2011 tanken.

Nein, auch die Bundestrainerin hatte keine richtige Freude an diesem Wetter ... oder war es gar doch die Enttäuschung über die geringe Anzahl der Zuschauer???

Bild: Volker Nagraszus

Anscheinend war es ein Wink mit dem Zaunpfahl, als der Regen bei frostigen Temperaturen vom Himmel fiel. Vor einer traurigen Kulisse von noch nicht einmal 5.000 Zuschauern (offizielle Zahl 8.100), in der Leverkusener BayArena, hatte die Nationalmannschaft im letzten Spiel des Jahres kaum Mühen gegen den frisch gebackenen Afrikameister aus Nigeria und stutzte den eh schon flügellahmen Falken noch einmal kräftig die Federn.

Recht früh (nach 10. Minuten) in der Partie deutete sich bereits an, dass dieses Spiel eine lockere Angelegenheit werden würde.

Bild: Thomas Thienel

Wer auf einen spannenden Kick gehofft hatte, wurde schnell eines besseren belehrt. Binnen fünf Minuten wurde bereits der Grundstein für einen nie gefährdeten Sieg gelegt. In der fünften Minute köpfte Inka Grings, nach schönem Zuspiel von Rekordnationalspielerin Birgit Prinz, zum 1:0 Führungstreffer ein. Vier Minuten später schickte Prinz Teamkollegin Kerstin Garefrekes mit einem sehenswerten Pass auf Reisen und es stand bereits 2:0.

Die völlig überforderten Gäste hatten nicht den Hauch einer Chance, als Grings in der 10. Minute einen ihrer Hammerschüsse auspackte und aus knapp 25 Metern ihren zweiten Treffer besiegelte. Gern hätte man Grings noch länger auf dem Platz gesehen, doch ein leichtes Ziehen in der Leistengegend zwang die Stürmerin dazu das Spielfeld zu verlassen.



Leider lies die Fankulisse bei diesem Wetter sehr zu wünschen übrig. Doch diejenigen, die den Weg ins Stadion gefunden hatten, wurden mit acht wunderschönen Toren ihrer Mannschaft belohnt.

Bild: Volker Nagraszus

Den ersten und einzigen Schussversuch der Nigerianerinnen in der ersten Halbzeit gen deutsches Tor steuerte Helen Ukaonu bei, als sie einen Freistoß nutzte um Nadine Angerer zu testen. Doch den direkt verwandelten Freistoß konnte die Keeperin zur Ecke klären und war fortan förmlich arbeitslos.



Auch Ersatztrorhüterin Tochukwu Oluehi konnte ihren Kasten nicht "sauber" halten und kassierte gleich mehrere Gegentore.

Bild: Volker Nagraszus

Die Deutschen glänzten mit schönem Kombinationsfußball und schnürten den Gegner in der eigenen Hälfte ein. Nach neunzehn Minuten stand es bereits 4:0 durch Prinz und die schockgefrosteten Afrikanerinnen vermittelten nicht nur bei den Zuschauern eine Art Lustlosigkeit.


Die dreifache Torschützin Kerstin Garefrekes zeigte sich bereits in bestechender Frühform und glänzte auch oftmals als Vorbereiterin. Weder Onome Ebi noch Precious Dede konnten die Frankfurterin an diesem Abend stoppen.

Bild: Thomas Thienel

„Ich hatte das Gefühl, dass Nigeria nach der frühen Führung nicht wirklich mehr Lust hatte mitzuspielen – so als wollten sie nicht mehr“, resümierte Nationaltrainerin Silvia Neid später in der Pressekonferenz.



Nach langer Knieverletzung endlich wieder im DFB-Dress, Linda Bresonik. Obwohl Onome Ebi in dieser Szene zu Fall brachte, konnte Linda ihre ansteigende Form bereits kurz aufblitzen lassen.

Bild: Sandra Kunschke

Auf dem schwer bespielbaren Boden lies es die Neid-Elf in der Folgezeit etwas ruhiger angehen, behielt aber weiter die Oberhand. Einzig und allein Nigerias Keeperin Precious Dede lies ab und an ihr Können aufblitzen. Die beste Torhüterin der Afrikameisterschaft zeigte einige gute Reflexe, während die Defensive der Falcons eine völlig indiskutable Leistung zeigte. Ebenfalls ein völliger Totalausfall bei den Gästen war das „berühmte“ Sturmduo Perpetua Nkwocha und Stella Mbachu, die bei der gerade erst beendeten Afrikameisterschaft für Furore gesorgt hatten. Mit ihrem zweiten Treffer, kurz vor der Halbzeit, krönte Prinz ihre hervorragende Leistung in dieser Partie.

Als Alexandra Popp eingewechselt wurde, bekamm die nigerianische Abwehr mächtig Arbeit.

Bild: Thomas Thienel

In der zweiten Halbzeit zweigten die Nigerianerinnen weiterhin wenig Gegenwehr. Lange Zeit plätscherte das Spiel vor sich hin, sodass die wenigen Zuschauer versuchten die eine oder andere La-Ola-Welle zu erzeugen, um nicht ganz einzufrieren. Unterdessen nahm Silvia Neid mehrere Wechsel vor. Ihr bereits viertes Länderspieltor, in der noch jungen Karriere, erzielte die Duisburgerin Alexandra Popp nach einem schön heraus gespielten Ball von Melanie Behringer in der 62. Minute.



DFB-Maskottchen freute sich mit Lena Goeßling über den verdienten Sieg.

Bild: Thomas Thienel

So langsam konnten einem die Afrikanerinnen schon Leid tun. In der Schlussphase gab es noch diverse Tormöglichkeiten u.a. auch durch Ariane Hingst, aber die letzten beiden Treffer blieben Kerstin Garefrekes vorbehalten. Kurz vor Schluss wäre Nigeria fast noch der Ehrentreffer geglückt, aber weder Saidat Adegoke noch Desire Oparanozie konnten sich energisch genug durchsetzen.




Ein Genuß an diesem Abend war mit Sicherheit das Auftreten der Rekordnationalspielerin Birgit Prinz. Mit sichtlich viel Spielfreude im Gepäck zeigte sie, dass sie sich bereits jetzt in bestechender Frühform befindet und auch in der Liga nicht zu Unrecht auf Platz 2 der Torschützenliste liegt.

Bild: Volker Nagraszus

Trainerstimmen:

Nationaltrainerin Silvia Neid zeigte sich mehr als zufrieden, betonte aber auch, dass sich Nigeria im Sommer in einer anderen Verfassung präsentieren wird. „Wir haben von Anfang an sehr konzentriert gespielt und einen schönen Kombinationsfußball gesehen. Besonders das Abwehrverhalten hat mir gut gefallen. Wir haben hinten nichts zugelassen und vorne nicht nachgelassen. Ich denke die Zuschauer sind auf ihre Kosten gekommen.“



Beide Trainerin resümierten auf ihre Art und Weise über das soeben beendete Freundschaftsspiel.

Bild: Martin Meier

Nigerias Trainerin Eucharia hatte bereits vor der Partie ihren Unmut über die Spielansetzung geäußert und tat dies auch nochmals während der Pressekonferenz. „Ursprünglich wollten wir die Paarung absagen. Zum einen haben wir gerade die anstrengende Afrikameisterschaft gespielt und auch gewonnen. Zum anderen haben die Mädchen seit Wochen keine Pause gehabt. Dazu kommt natürlich auch noch der extreme Temperaturunterschied; denn in Nigeria sind es zurzeit 37°.“

Deutschland:
Angerer – Peter, Bartusiak (74. Henning), Goeßling, Faißt, Laudehr (46. Bresonik), Hingst, Garefrekes (87. Mittag), Prinz (67. Marozsan), Bajramaj (46. Behringer), Grings (24. Popp)


Nigeria:
Dede (78. Oluehi) - Akpa (29. Okoronkwu), Ukaonu, Ebi, Jerome, Ohale, Mbachu (78. Adegoke), Nkwocha, Chikwelu, Orji (29. Uwak, 63. Sunday), Oparanozie


Tore:
1:0 Grings (5.)
2:0 Garefrekes (9.)
3:0 Grings (10.)
4:0 Prinz (19.)
5:0 Prinz (42.)
6:0 Popp (62.)
7:0 Garefrekes (71.)
8:0 Garefrekes (79.)


Gelbe Karten:
Bartusiak / Ohale


Schiedsrichterin:
Christina Pedersen (NOR) mit Marina Wozniak (GER) und Miriam Dietz (GER)


Zuschauer:
Offiziell 8.100, nach Schätzung der Journalisten knapp 5.000


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