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A-Nationalmannschaft
Fußballfest bei der Generalprobe
Deutschland - Kanada 3:2 (2:1) | ||
| 24.04.2005 Von Katja Öhlschläger Heute stand im Hildesheimer Friedrich-Ebert-Stadion das zweite Aufeinandertreffen innerhalb von vier Tagen zwischen Deutschland und Kanada an. Zum einen die Generalprobe für die EM (es folgen nur noch drei Lehrgänge) und zum anderen das letzte Heimspiel für Tina Theune-Meyer als Bundestrainerin.
Und der Rahmen passte zweifelsohne. Hildesheim hatte sich rausgeputzt - es war zu merken, dass man ein guter Gastgeber sein wollte. So hatten die örtlichen Verkehrsbetriebe einen Shuttle-Verkehr im 20-Minuten-Takt von Bahnhof bis Stadion eingerichtet. Etwa 30 Minuten vor Spielbeginn trafen wir ein, die Stehplätze waren schon bis in die oberste Reihe gefüllt und draußen reihten sich noch an jedem Kassenhäuschen Schlangen wartender Fans. Ob sie alle noch eine Karte bekommen haben? Schwer zu sagen, denn mit 8.000 Zuschauern war das Stadion ausverkauft. 7.000 davon waren bereits im Vorverkauf weggegangen. Und diese 8.000 Zuschauer sorgten schon vor Anpfiff bei herrlichem Fußballwetter für einen stimmungsvollen Rahmen. Im Vergleich zum Spiel am Donnerstag begann eine leicht veränderte deutsche Elf. Für Silke Rottenberg, die mit ihrem Verein FCR Duisburg in der Bundesliga im Einsatz war, stand Nadine Angerer im Kasten. Auf die rechte Abwehrposition kehrte die vor drei Tagen leicht angeschlagene Kerstin Stegemann zurück und verdrängte Sonja Fuss. Auf der rechten Seite lief Anja Mittag statt Kerstin Garefrekes und in der Sturmspitze Petra Wimbersky statt Sandra Smisek auf, die mit dem FSV Frankfurt ein Bundesliga-Spiel zu bestreiten hatte. Ariane Hingst im Zweikampf mit Katie Thorlakson Bild: Silvia Schmidt
In der 10. Minute dann die erste deutsche Großchance: Birgit Prinz zieht von der Strafraumgrenze direkt ab, doch Karina LeBlanc – diesmal statt Taryn Swiatik im kanadischen Tor – kann den Ball gerade noch mit den Fingerspitzen am Tor vorbeilenken. Den anschließend von Renate Lingor hereingegebenen Eckball verpasst Steffi Jones nur knapp. Deutschland erarbeitete sich nun zunehmend eine deutliche Überlegenheit und zeigte wirklich sehenswerten Kombinationsfußball. Insbesondere die Abstimmung auf der linken Seite zwischen Sandra Minnert und Conny Pohlers sorgt für viele Offensivimpulse.
In der 14. Minute zeigen Navina Omilade und Renate Lingor auf halblinks einen tollen doppelten Doppelpass, doch Navina Omilades Schuss geht übers Tor. Vier Minuten später flankt die agile und technisch sehr beschlagene Anja Mittag von links in den Strafraum zu Renate Lingor, diese nimmt den Ball mit einer schnellen Körperdrehung an, zieht den Torschuss dann aber rechts am Kasten vorbei.
In der 22. Minute wird es dann vor dem deutschen Tor brenzlig. Birgit Prinz setzt zu einem Konter an, legt sich den Ball dabei aber viel zu weit vor, sodass die Kanadierinnen ihrerseits zum Kontern kommen. Schnell ist das Mittelfeld überbrückt und Brittany Timko am Ball. Als sie kurz vor der Strafraumgrenze zum Schuss kommt, ist Nadine Angerer aus ihrem Kasten geeilt, aber zu unentschlossen, denn sie greift Timko nicht an. Timko hebt über Angerer in Richtung leeres Tor, doch der Ball geht knapp rechts vorbei. Glück gehabt!
Keine 60 Sekunden später geht es auf der anderen Seite wieder hoch her. Anja Mittag setzt sich auf der linken Seite gut durch, tanzt eine Gegenspielerin spielend leicht aus und zieht dann nach einem weiteren Haken direkt aufs Tor ab. Doch der Abschluss war zu harmlos und so hatte LeBlanc keine Probleme. Ohnehin konnte LeBlanc eindeutig mehr überzeugen als die bisweilen sehr unsichere Swiatik am Donnerstag.
Wieder ist nur eine Minute vergangen, als Deutschland zur nächsten Großchance kommt. Renate Lingor und Anja Mittag spielen die rechte Abwehrseite der Kanadierinnen mit einem Doppelpass gut aus, Lingor flankt scharf in den Strafraum, Petra Wimbersky versucht, mit einem „Becker-Hecht“ an den Ball zu kommen, doch es fehlen wenige Zentimeter. Die deutschen Chancen werden nun auch immer besser rausgespielt. Viel läuft über die linke Seite, besonders Anja Mittag zeigt sich auf der Außenbahn sehr durchsetzungsstark. Interessant auch die taktische Variante der Rochade zwischen Pohlers, Wimbersky und Mittag, die mehrfach zwischen der linken bzw. rechten Außenbahn und der zentralen Sturmspitze wechseln und die Kanadierinnen somit gekonnt irritieren.
Dann ein seltenes Bild – Deutschland fährt einen Konter. Mittag spielt auf die links freistehende Prinz, diese sieht in der Mitte Wimbersky freistehen, passt rein, doch Isabelle Moreau bekommt ihren Fuß noch knapp vor Wimbersky, sodass es nur eine Ecke gibt. Viel hätte allerdings nicht gefehlt, wäre Moreau mit dieser Rettungstat ein Eigentor „gelungen“.
Kurz darauf, in der 32. Minute, fällt wie aus dem Nichts das 1:0 für die Gäste aus Kanada. Bei einem Eckball verlieren Ariane Hingst und Steffi Jones das Kopfballduell gegen Randee Hermus, Angerer im deutschen Tor wirkt wie vom Schlag getroffen und zeigt keine Reaktion, und drin war der Ball. Wie auch schon in Osnabrück
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![]() Kerstin Garefrekes nimmt Maß für ihr Tor zum 3:1. Im Hintergrund beobachtet Passgeberin Conny Pohlers den Abschluss. Bild: Nora Kruse | |
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zeigte sich hier die deutsche Abwehrschwäche bei Standardsituationen und in Kopfballduellen.
Doch wer nun fürchtete, das deutsche Team wäre geschockt, der hatte sich getäuscht. Im Gegenteil, der Gegentreffer scheint das deutsche Spiel nur noch weiter zu beleben. Direkt nach Wiederanpfiff kommt Pohlers an der Strafraumgrenze zum Schuss, zieht entschlossen ab, doch LeBlanc hat auch hier wieder ihre Fingerspitzen dran. Ein Raunen geht durchs Stadion angesichts der vielen nur knapp vereitelten deutschen Chancen. Wieder eine Minute später passt Lingor zu Omilade, diese flankt in den Strafraum, gleich drei deutsche Spielerinnen verpassen, ein kanadisches Bein kommt dazwischen und bugsiert den Ball aus dem Strafraum, Prinz kommt an den Ball und zieht direkt ab, doch eine Kanadierin wirft sich mit großem Einsatz mit ihrem Körper dazwischen. Wieder nichts.
Sekunden später die nächste Ecke, der deutsche Druck ist nun enorm, Kanada kommt nicht mehr über die Mittellinie. Das Publikum merkt, dass das Tor in der Luft liegt und so springt der Funke von den Rängen auf die Spielerinnen über, wie auch andersrum das tolle Angriffsspiel der Deutschen das Publikum begeistert. Und wieder dauert es nur eine Minute bis zur nächsten deutschen Großchance. Wimbersky passt zu Pohlers, doch deren Schuss trifft nur den linken Außenpfosten. Als ob nun nicht jeder mitbekommen hätte, dass auch die Hildesheimer Tore durch Pfosten begrenzt sind, trifft Sekunden später auch Lingor mit einem Volleyschuss aus 25 Metern nur den Innenpfosten. Die Torhüterin wäre geschlagen gewesen, doch der Ball springt zurück ins Feld. Chancen im Minutentakt und so ist das 2:1 noch vor der Pause, das aus einer großartigen Szene entstand, nicht nur psychologisch wichtig, sondern auch hochverdient. Omilade passt vom Mittelkreis aus über gut 40 Meter zielgenau auf ihre Vereinskameradin Mittag, diese flankt den Ball direkt weiter in den Strafraum, im Getümmel verpassen Angriffs- wie Abwehrspielerinnen und so kommt Lingor an den Ball, legt sich den Ball mit einem Haken noch auf den rechten Fuß und lupft das runde Leder dann vorbei an LeBlanc in die Maschen. 2:1 zur Halbzeit – angesichts der vielen Chancen wäre bei einer besseren Verwertung dieser einiges mehr drin gewesen, doch man sollte nicht meckern, denn das deutsche Team präsentierte sich in dieser ersten Halbzeit so gut wie schon sehr, sehr lange nicht mehr. Alle Spielerinnen agieren sehr zielstrebig, vertändeln die Balle – wie sonst so oft – nicht lange und zeigen sich auch im Abschluss entschlossen. Man merkte, dass sich in diesem letzten Testspiel alle noch mal beweisen wollten.
Viel läuft über die Außenbahnen, sodass sich viele Strafraumszenen ergeben können. Das zentrale Mittelfeld scheint offensiver ausgerichtet, schaltet sich mehr in die Angriffe ein und harmoniert gut mit den Flügelspielerinnen. Ein beliebtes Mittel sind Doppelpässe, mit denen das Feld schnell überbrückt werden kann. Auch die Positionswechsel zwischen den Außenbahnen und der Sturmspitze sorgen für Abwechslung und viel Bewegung im deutschen Offensivspiel. Hervorzuheben sind auf deutscher Seite die agile Pohlers und Lingor. Auch Mittag zeigt einige technische Kabinettstückchen, ist aber im Abschluss zu harmlos. Zur zweiten Halbzeit wechselte Bundestrainerin Tina Theune-Meyer dann – wie auch schon in Osnabrück – dreimal aus. Auf rechts kam Kerstin Garefrekes für Mittag ins Spiel, in der Sturmspitze Martina Müller für Wimbersky und im zentralen Mittelfeld Viola Odebrecht für Omilade. Charmaine Hooper gab nur drei Monate nach der Geburt ihrer Tochter das Comeback des Tages Bild: Silvia Schmidt
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In der 53. Minute dann die erste deutsche Chance: Pohlers setzt sich auf links gut durch, gibt zu Müller rein, doch diese kommt einen Schritt zu spät. Eine kleine Mini-Chance, allerdings bei Feldüberlegenheit Kanadas in dieser zweiten Halbzeit. Mit Garefrekes und Müller besetzen nun zwei neue Spielerinnen die „Rochadepositionen“, doch an dieser taktischen Variante ändert sich nichts. Ein wirklich interessanter Ansatz. Dann kommen die Minuten der Christine Sinclair. Nach einer Flanke von ihr kommt Amy Walsh zum Schuss, doch Angerer klärt zur Ecke. Zwei Minuten später schießt Sinclair selber von halblinks, doch Angerer hat das kurze Eck abgesichert. Dann kommt wieder Sinclair im Strafraum an den Ball, aber Angerer zeigt einen tollen Reflex und verhindert auch diese Chance der emsigen Sinclair. Deutschland kommt nur noch mit Kontern vor das kanadische Tor. Müller und Garefrekes bemühen sich redlich, können sich dabei aber keine gefährlichen Chancen erarbeiten. Dem Gastgeber fehlt nun gänzlich der Spielfluss der ersten Halbzeit. Odebrecht kann nicht die Akzente setzen, die in der ersten Hälfte noch von Omilade ausgingen. Nach etwa 60 Minuten dann rappelt sich das deutsche Team noch mal auf und kombiniert nun wieder besser. Sofort ist auch das Publikum wieder da. In dieser Phase fällt das 3:1 durch Garefrekes. Stegemann passt mit einem Flügelwechsel auf Pohlers, die sieht die im Strafraum freistehende Garefrekes und passt maßgenau, sodass die Frankfurterin den Ball aus Nahdistanz nur noch an LeBlanc vorbei legen muss. Als ob das Publikum untermauern möchte, dass die deutsche Mannschaft jetzt doch bitte nicht wieder nachlassen sollte, schwappt erneut mehrfach die Welle durchs Stadion. In der 73. Minute gibt es dann auf kanadischer Seite ein Comeback der besonderen Art. Nur drei Monate nach der Geburt ihrer Tochter Charlie steht Charmaine Hooper wieder in der Mannschaft und wird für Sophie Schmidt eingewechselt. Sie spielt die ihr verbleibenden knapp 20 Minuten allerdings unauffällig. Die überragende Spielerin der Gäste: Spielführerin Christine Sinclair Bild: Nora Kruse
Das Spiel plätschert nun vor sich dahin und alles sieht danach aus, als ob es beim 3:1 bleibt. Doch Christine Sinclair, vorher bereits oft genug gescheitert, möchte doch noch unbedingt zu ihrem Tor kommen. Das dachten sich offenbar auch ihre Mitspielerinnen und setzten die ihre überragende Spielerin mit einem Steilpass perfekt in Szene. Angerer sieht den Pass kommen, eilt aus ihrem Tor, greift Sinclair dann aber nicht konsequent an, sondern scheint unentschlossen, ob sie den Winkel verkürzen oder direkt klären soll. Sinclair schaltet da schneller, umkurvt die deutsche Torfrau und schiebt den Ball dann ins leere deutsche Tor.
Ein Tor, das aus deutscher Sicht nur aus Nachlässigkeiten entstand und wahrlich nicht sein musste. Für Sinclair allerdings ein hochverdienter Treffer, den sie sich hart erarbeitet hatte.
Die zweite Halbzeit fiel gegenüber der ersten Halbzeit deutlich ab. Die Entschlossenheit und die letzte Konsequenz vor dem Tor fehlte. Nach den vielen Auswechslungen verlor das deutsche Team den Faden und fand dann nie wieder richtig ins Spiel. Die unsichere Abwehrleistung des Weltmeisters ermöglichte den Gästen somit einige Chancen, so auch beim 3:2, zuviel.
Doch die Begeisterung des Hildesheimer Publikums konnte das nicht beeinträchtigen. Mit großem Applaus wurden die Spielerinnen verabschiedet, die nach Abpfiff noch zahlreichen Autogrammwünschen nachkommen durften.
Statistik:
Deutschland
Kanada
Tore:
Schiedsrichterin: Frai (Bremen)
Gelbe Karten: -
Zuschauer: 8000 (ausverkauft)
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