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WM-Qualifikation für China 2007

Durch Arbeitssieg weiße Weste gewahrt

Deutschland – Irland 1:0 (1:0)

Text von Katja Öhlschläger, Notizen von der Pressekon-
ferenz von Christian Heidler, Fotos von Jan Kuppert

11.05.2006   Ohne spielerisch überzeugen zu können, hat sich die deutsche Nationalmannschaft am gestrigen Abend im Cottbusser „Stadion der Freundschaft“ durch ein Tor von Petra Wimbersky in der 3. Spielminute ihren vierten Sieg im vierten und letzten Heimspiel der WM-Qualifikation gesichert. Dem frühen Führungstreffer folgten zahlreiche Großchancen einer kämpferisch starken deutschen Mannschaft, deren Chancenausbeute jedoch nur als bestenfalls mangelhaft bezeichnet werden kann.

Dabei hatte alles glänzend begonnen, weil die Potsdamerin Wimbersky den Wunsch ihrer Trainerin Silvia Neid, die Irinnen mit einem frühen Tor aus ihrer massierten Abwehr locken zu können, nach tollem Pass von Conny Pohlers bereits erfüllte, als man gerade die taktische Aufstellung in Augenschein genommen hatte. Das neue 4-2-3-1-System brachte nämlich einige Überraschungen mit sich: Britta

Deutschland

Die deutsche Mannschaft:
Ariane Hingst, Annike Krahn, Sandra Minnert, Kerstin Stegemann, Anja Mittag, Kerstin Garefrekes (hinten v.l.n.r.)
Petra Wimbersky, Conny Pohlers, Silke Rottenberg, Sonja Fuss, Renate Lingor (vorne v.l.n.r.)

Carlson musste die Bank drücken, weshalb ihre Vereinskollegin Ariane Hingst gemeinsam mit Renate Lingor, die wegen des verletzungsbedingten Ausfalls von Birgit Prinz gestern die Kapitänsbinde trug, das zentrale Mittelfeld bildete, vor dem mit Anja Mittag und Kerstin Garefrekes auf den Außenpositionen sowie Wimbersky im zentralen offensiven Mittelfeld ein Trio agieren und rochieren sollte. Conny Pohlers, in dieser Saison heißeste Anwärterin auf die Torjägerkanone, verkörperte die einzige echte Sturmspitze.

Der Plan, mit schnellem Kurzpass- und Flügelspiel dem irischen Abwehrbollwerk beizukommen, funktionierte zunächst prächtig, obwohl man den Irinnen attestieren muss, zwar defensiv, aber nicht zerstörend gespielt zu haben. In den ersten Minuten aber entfachte die Heimmannschaft einen solchen Angriffswirbel, dass den Irinnen nichts als das Verteidigen blieb. Schon nach zwei Minuten kam Sandra Minnert, die die Hingst-Position in der Innenverteidigung übernahm, nach einem Lingor-Freistoß aus kurzer Distanz zum Abschluss, zielte aber über das Gehäuse von Torfrau Emma Byrne. Aus ähnlicher Position traf Wimbersky Sekunden später ins Schwarze, als sie eine Hereingabe von Pohlers direkt abnahm, den Ball unter die Latte drosch und der zunächst unsicheren, dann aber immer stärker werdenden Byrne keine Abwehrchance ließ.

Weitere Chancen durch Garefrekes nach einem schönen Doppelpass zwischen Lingor und Wimbersky, durch Pohlers und Wimbersky, zu denen ihnen mehrfach auch Torfrau Byrne durch mangelhafte Strafraumbeherrschung verhalf, blieben ungenutzt, ehe Garefrekes in der 9. Minute in Strafraumnähe von Kapitänin Ciara Grant von den Beinen geholt wurde und einige Zuschauer schon auf den Strafstoß warteten. Die litauische Referee Ausrá Tvarijonaite entschied jedoch korrekt auf Freistoß, da das Foul außerhalb des „16ers“ begangen wurde. Lingor zirkelte den Freistoß ins kurze Eck, aber die irische Mauer konnte klären. Den darauf folgenden Eckball faustete Byrne aus dem Strafraum direkt vor die Füße von Minnert, doch die Führungsspielerin aus Bad Neuenahr hatte augenscheinlich kein Zielwasser getrunken und bugsierte das Leder erneut über die Torlatte.

Irland

Die Gäste aus Irland:
Michele O'Brien, Diane Caldwell, Emma Byrne, Sharon Boyle, Ciara Grant, Edel Malone (hinten v.l.n.r.)
Sonya Hughes, Olivia O'Toole, Elaine O'Connor, Marie Curtin, Alisha Moran (vorne v.l.n.r.)

Dem starken Beginn folgte eine gut zwanzigminütige Phase, die wohl am treffendsten mit dem Wort Sommerfußball zu beschreiben ist. Der Weltmeister hatte seine Gäste zwar sicher im Griff, tat aber nur noch wenig nach vorne und leistete sich viele Fehler im Kombinationsspiel. Die Gastmannschaft präsentierte sich in erstaunlich guter körperlicher Verfassung und doppelte die angreifenden deutschen Spielerinnen konsequent. Ohne die notwendige Laufbereitschaft, um sich der ballführenden Spielerin als Anspielstation anzubieten, kam ein strukturiertes Aufbauspiel nur noch selten zustande. Spielmacherin Lingor konnte bei den Standards überzeugen, im Gegensatz zu Hingst aber nur wenige gelungene Offensivakzente setzen. So dauerte es bis zur 29. Minute, ehe mein Notizblock wieder Verwendung fand. Sonja Fuss hatte auf der linken Seite ihre ehemalige Potsdamer Vereinskollegin Pohlers bedient, die vor das Tor zu Wimbersky passte, deren Schuss jedoch noch abgeblockt werden konnte.

In der Schlussphase der ersten Hälfte spielte das deutsche Team wieder lebendiger und zeigte stärkeren Offensivdrang. In der 31. Minute köpfte Hingst einen Lingor-Eckball über das Tor, zwei Minuten später passte die eine Kerstin, Stegemann nämlich, zur anderen Kerstin, doch Garefrekes scheiterte aus fünf Metern Entfernung. Die Keeperin von


Emma Byrne, Kerstin Garefrekes, Conny Pohlers, Alisha Moran

Irlands Torfrau Emma Byrne stand oft im Mittelpunkt des Geschehens und steigerte sich während des Spiels zur überrragenden Spielerin auf dem Platz. Hier allerdings muss sie das 1:0 durch Wimbersky (nicht im Bild) nach Pass von Pohlers (r.) hinnehmen. Links Kerstin Garefrekes und Alisha Moran.

Arsenal London musste vier Minuten später erst gar nicht eingreifen, als Pohlers eine Hereingabe von Wimbersky rechts neben das Gehäuse setzte. Doch kurz vor dem Pausenpfiff bewies sie nochmal ihre Klasse – Pohlers bewies ihr gutes Auge, indem sie die links durchstartende Garefrekes bediente, die mit einem gekonnten Hackentrick den Ball annahm und in den Strafraum leitete, beherzt ins kurze Eck abzog, jedoch an der nun regelrecht aufblühenden Byrne nicht vorbei kam.

Zur zweiten Halbzeit kam Celia Okoyino da Mbabi für Sonja Fuss und nahm die Hingst-Position im Mittelfeld ein, woraufhin die Potsdamerin auf ihre angestammte Innenverteidigerposition und Sandra Minnert auf die linke Abwehrseite rückte. Die Gastgeberinnen begannen die Spielhälfte erneut schwungvoll und mit einigen guten Torgelegenheiten. In der 47. Minute passte Garefrekes zu Pohlers, doch diese zielte rechts am Tor vorbei. Zwei Minuten später schoss Wimbersky Torfrau Byrne aus Nahdistanz ebenso wie zwei Minuten später Lingor mit einem Fernschuss in die Arme.

Wir schrieben die 52. Minute, als die Gäste ihre erste Torchance zu verbuchen hatten. Nach einem Freistoß von Marie Curtin stürmten Edel Malone und Michele O'Brien in den Strafraum, doch die deutsche Torfrau Silke Rottenberg konnte ihre hervorragende Strafraumbeherrschung unter Beweis stellen und den Ball rechtzeitig abfangen. Nachdem Elaine O'Connor in der 54. Minute auf der Linie einen Schuss von

Sandra Minnert, Emma Byrne, Marie Curtin

Sandra Minnert vergab in der 2. Minute diese Großchance, indem sie über den Kasten schoss. Torfrau Byrne wäre vermutlich machtlos gewesen. Rechts Marie Curtin.

Wimbersky klären konnte, schlichen sich – ähnlich wie in Halbzeit eins – wieder zunehmend Nachlässigkeiten und Unkonzentriertheiten ins deutsche Spiel ein, so dass sich die Irinnen mehrfach aus der Abwehr befreien konnten – ohne dabei allerdings wirklich gefährlich in die Nähe des deutschen Tores zu kommen. Um das Spiel zu beleben, wechselte die Bundestrainerin in der 60. Minute Sandra Smisek für die müde Wimbersky und kurz darauf noch Martina Müller für die leicht an der Wade verletzte Anja Mittag ein.

Smisek hatte direkt im Anschluss an ihre Einwechslung eine gute Chance, blieb aber ebenso erfolglos wie Pohlers eine Minute darauf, die nach einer Flanke von Garefrekes allerdings einen sehenswerten Seitfallzieher zeigte. Es war der Truppe von Silvia Neid nun deutlich anzumerken, dass sie nachlegen und sich mit dem 1:0 nicht begnügen wollte – schließlich ist auch keine Mannschaft vor einem dummen Gegentor gefeit. Nach einer Ecke von Lingor köpfte die in der Abwehr sehr stabil und sicher agierende Annike Krahn über das Tor, kurz darauf konnte ein Kopfball von Martina Müller in letzter Sekunde - erneut von O'Connor - auf der Linie geklärt werden. In der 74. Minute war Müller erneut an einer guten Offensivaktion beteiligt – nach Pass von Pohlers zielte sie aufs Tor, den Abpraller setzte da Mbabi allerdings über den Kasten, da sie zu sehr in Rücklage geriet. Den Torschrei hatten die 9.257 Zuschauer dann in der 80. Minute erneut auf den Lippen – nach einem gelungenen Pass von Lingor auf die sich rechts freilaufende Smisek, fehlte nicht mehr viel, doch die Frankfurter Stürmerin traf nur das Außennetz.

Da die letzten Chancen durch da Mbabi und Müller ungenutzt blieben, stand am Ende mit dem 1:0 ein Ergebnis, das die deutsche Mannschaft schnell als wichtigen Arbeitssieg abhaken kann, da sie streckenweise ihre spielerischen Qualitäten demonstrieren konnte, der letzte Einsatz aufgrund der klaren Überlegenheit und möglicherweise unterbewusst auch wegen des bevorstehenden Top-Duells am kommenden Sonntag

Petra Wimbersky

Die "Matchwinnerin vom Dienst": Petra Wimbersky

zwischen Turbine Potsdam und dem FFC Frankfurt (11 Uhr im Potsdamer Karl-Liebknecht-Stadion) aber fehlte. Die mangelhafte Chancenauswertung von Spielerinnen, die im Verein Woche für Woche ihre Torgefährlichkeit unter Beweis stellen, sollte daher nicht überbewertet werden. Man könnte im Nachhinein durchaus von Glück sprechen, ein solches Spiel gegen


Irland und nicht etwa gegen Russland erwischt zu haben. Die Irinnen haben nach ihrem Sieg gegen die Schweiz bewiesen, dass sie ihren Abstand zu den Top-Nationen verkleinert haben und sich selbst gegen Deutschland nicht nur verstecken müssen.

Irlands Trainer Noel King hatte ein „fantastisches Spiel“ gesehen und lobte neben dem deutschen Team vor allem seine Torhüterin Emma Byrne. Er betrachtete es als „großen Erfolg“ in Deutschland nur mit 1:0 verloren zu haben. Auf Nachfrage erklärte er, nach dem frühen Gegentreffer große Befürchtungen gehabt zu haben. Seine Mannschaft habe aber ein „tolles Spiel“ geliefert und „große Leidenschaft“ gezeigt. Zudem war das Spiel bei der „fantastischen Atmosphäre“ im Stadion ein „großartiges Erlebnis“, bei dem seine Spielerinnen „gegen die beste Mannschaft der Welt“ viel gelernt hätten. Für King hatte dieses Match „die längsten 90 Minuten“, die er je erlebt hatte.

Sandra Minnert, Diane Caldwell

Kopfballduell zwischen Diana Caldwell und Sandra Minnert.

Der irische Frauenfußball befinde sich noch in der Entwicklung. Es gibt (noch) keine nationale Liga, aber viele Talente und große Begeisterung. Verband und Regierung haben ein Dreijahresprogramm aufgelegt, wonach jährlich 6 Spielerinnen ein Stipendium erhalten, um Vollzeit Fußball zu spielen. Als ungünstig für die Bestückung der Nationalmannschaft nannte er den Umstand, dass die Saison in England einen anderen Zeitrahmen als in den USA hat.

Silvia Neid empfand das Spiel als „anstrengend“. Sie sah einen „sehr guten Anfang“, der zum 1:0 geführt hat. Die Mannschaft sollte „direkt ins Spiel rein kommen“, was auch „super umgesetzt“ wurde.

Kerstin Stegemann, Michele O'Brien

Die deutsche Abwehr um Kerstin Stegemann ließ keine gefährlichen Chancen zu - hier attackiert die Rheinenserin Michele O'Brien.

Nach dem Tor hätte das Team aber nachgelassen, zu viele Stockfehler und Fehlpässe produziert. Allein vier hundertprozentige Chancen seien in der 1. Halbzeit vergeben worden. In der 2. Halbzeit habe man „den Ball gut laufen lassen“, gutes Zusammenspiel gezeigt und flach gespielt. Man habe sich sehr viele Torchancen erarbeitet, aber das Tor schien wie vernagelt und war teilweise auch Unvermögen im Spiel. Neid war daher auch etwas erleichtert, am Ende nicht noch einen Ausgleich kassiert zu haben, wobei sie die letzte Ecke Irlands als wenig gefährlich einschätzte. Insgesamt sei sie „sehr zufrieden mit dem Spiel und den drei Punkten“. Sie habe eine „muntere, nie aufgebende Mannschaft“ gesehen, die stets offensiv agiert habe: „Hut ab!“

Zu den Wechseln erklärte die Bundestrainerin, dass Wimbersky sehr aktiv agiert habe, aber nachher müde wurde. Der Wechsel sollte „frischen Schwung“ bringen, was durch Smisek auch erfolgte. Anja Mittag hatte einen Tritt in die Wade erhalten und wollte deshalb aus dem Spiel genommen werden. Auf die Frage, ob die Terminplanung nicht ungünstig sei und viele Spielerinnen einen „Hemmschuh im Kopf hätten“, reagierte Neid mit Unverständnis und einem klaren Nein. Der Termin sei ohnehin von der UEFA vorgegeben, und bis Sonntag gebe es auch noch „vier Tage zur Erholung“.

Beste Spielerinnen: Wimbersky, Stegemann - Byrne

Deutschland

Rottenberg - Stegemann, Krahn, Minnert, Fuss (46. Okoyino da Mbabi) - Hingst, Lingor - Wimbersky (67. Smisek), Garefrekes, Mittag (66. Müller) - Pohlers

Irland

Byrne - O´Connor, Moran, Curtin, Boyle - Malone (60. Griffin), Grant, Caldwell, Hughes, O´Brian - O´Tool (85. O´Gorman)

Tor:
1:0 Wimbersky (3.)

Gelbe Karte: Grant

Schiedsrichterin: Ausrá Tvarijonaite (Litauen)

Zuschauer: 9.257


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