Fansoccer-Logo

Wattenscheid, 12. April 2007, EM-Qualifikation 2009, Gruppe 4

Deutlicher Sieg nach mühsamem Beginn

Deutschland - Niederlande 5:1 (2:1)

Fotos von Beate Wolter
Text von Jens Wolter

16.4.2007   Nach durchwachsenen Leistungen beim Turnier in China und schlechten Leistungen beim Algarve-Cup traf das deutsche Team im ersten Spiel der EM- Qualifikation gleich auf den wahrscheinlich stärksten Gruppengegener, die Nieder- lande. Diese wiederum hatten durch gute Ergebnisse in Freundschaftsspielen (Siege gegen Russland, Italien und England) Selbstvertrauen für die Qualifikationsrunde getankt.

Deutschland begann die Begegnung sehr schwungvoll. Es war deutlich zu spüren, dass das Team von Silvia Neid in dieses Pflichtspiel durch ein möglichst frühes Tor Ruhe für den eigenen Spielaufbau bringen wollte. Die ersten Aktionen in dieser Richtung gelangen Fatmire Bajramaj, deren Flanke in der 2. Minute allerdings hinters Tor ging, und Kerstin Garefrekes, deren Lattentreffer nach Zuspiel von Birgit Prinz nur eine Minute später bereits für den ersten Aufreger der Partie sorgte. In der 7. Minute konnte die niederländische Abwehr eine Chance von Anja Mittag in 5 Metern Torentfernung gerade noch abblocken. Das Team von Vera Pauw versteckte sich jedoch keineswegs vor dem amtierenden Welt- und Europameister.

Kerstin Stegemann

Deutschlands Verteidigerin Kerstin Stegemann hatte in der ersten Halbzeit eine Menge zu tun, um die schnellen Angriffe der Niederländerinnen abzufangen. Hier stoppt sie Petra Hogewoning

Konzentriert und selbstbewußt gingen die niederländischen Spielerinnen in die Zweikämpfe und kamen durch Zuspiele auf ihre schnellen Spitzen Sylvia Smit und Manon Melis immer wieder zu gefährlichen Kontern. Insbesondere Melis bekam die deutsche Abwehr nie wirklich in den Griff. Immer wieder stand die schnelle, ballsichere Stürmerin von Malmö FF am linken Flügel frei und konnte mehrfach nur mit vereinten Kräften und viel Glück in letzter Sekunde am erfolgreichen Torabschluss gehindert werden.

Jessica Torny

Jessica Torny, hier im Zweikampf mit Kerstin Stegemann, nutzte ihre Nachschussmöglichkeit zur überraschenden Führung für die Niederlande

In der 14. Minute schien die Situation dann jedoch reif für die deutsche Führung zu sein. Nach Vorarbeit von Garefrekes über rechts legte Mittag den Ball zurück auf Prinz, deren Schuss jedoch noch knapp zur Ecke abgewehrt wurde. Die 17. Minute brachte die - von aufmerksamen Betrachtern inzwischen befürchtete - kalte Dusche für das deutsche Team. Manon Melis setzte sich auf der linken Seite durch, ihren Schuss konnte Nadine Angerer gerade noch mit dem Fuß abwehren, gegen den Nachschuss von Jessica Torny (ehemals Heike Rheine) waren sie und die Abwehrspielerinnen jedoch machtlos - die 1:0-Führung für die Gäste war perfekt.

Nachdem Renate Lingor einen direkten Freistoß in der 18. Minute über das Tor geschossen hatte, ergab sich, wieder duch einen Konter von Melis, für die Niederlande in der 20. Minute die Chance, sogar auf 2:0 zu erhöhen, aber der Schuss ging knapp am deutschen Tor vorbei. Ein deutscher Angriff in der 22. Minute brachte eine doppelte Schrecksekunde für die Niederlande. Renate Lingor passte nach rechts zu Garefrekes, diese flankte nach innen zu Prinz und deren Schuss konnte Torfrau Loes Geurts zwar gerade noch zur Ecke ablenken, prallte hierbei jedoch mit Birgit Prinz zusammen und mußte von den Betreuern behandelt werden, bevor sie die Partie fortsetzen konnte. Das deutsche Team setze seine Bemühungen um Ergebniskorrektur unverzagt fort.


name

Hollands Keeperin Loes Geurts, in der Bundesliga Torfrau des FFC Heike Rheine, zeigte Klassereflexe und wirkte auch beim Fangen hoher Flanken, wie hier, sicher. An ihr lag es nicht, dass Holland am Ende doch deutlich verlor!

In der 24. Minute erwischte Mittag, die von Marloes de Boer zum Teil in Einzelbewachung genommen wurde, nach einer Flanke von Kerstin Stegemann den Ball nicht richtig, so dass keine wirkliche Torgefahr entstand. In der 26. Minute zielte Birgit Prinz nach entschlossenem Antritt knapp über das Tor.

Die Niederländerinnen blieben mit ihren Kontern jedoch weiterhin gefährlich. Nach einem erneuten Steilpass auf Melis konnte die herauslaufende Nadine Angerer den Ball rund 30 Meter vor dem deutschen Tor in der 28. Minute gerade noch ins Seitenaus schlagen. In der 31. Minute fiel dann der umjubelte Ausgleich für Deutschland. Birgit Prinz wiederholte ihren Versuch aus der 26. Minute und dieses Mal fand der stramme Schuss aus rund 25 Metern den Weg ins Tor zum 1:1. Nur drei Miunten später brachte Anja Mittag das deutsche Team mit 2:1 in Führung, als sie nach einem Lattentreffer von Bianca Rech den Ball im Nachschuss verwandelte. In der 38. Minute sah Renate Lingor die einzige gelbe Karte des Spiels, als sie bei einem direkten Freistoß für die Niederlande zu früh aus der Mauer stürmte. Zwei Minuten vor der Pause konnte Angerer einen erneuten weiten Ball auf Melis gerade noch abfangen.

Renate Lingor

Renate Lingor, die hier Sherida Spitse bereits abgehängt hat, verwandelte den Elfmeter zum 3:1 und machte dann noch mit dem 5:1 den Abschluss perfekt

Kurz nach dem Seitenwechsel fiel eine Vorentscheidung in dieser sehensweten Begegnung. Wieder einmal war es Birgit Prinz, die mit energischem Antritt auf der linken Seite bis zur Torauslinie vorstieß und von dort - schon fast im Liegen - nach innen flankte, wobei der Ball vom ausgestreckten Arm einer niederländischen Abwehrspielerin deutlich erkennbar abgelenkt wurde. Der fällige Elfmeter wurde von Renate Lingor in der 47. Minute sicher verwandelt. Die deutsche 3:1-Führung nach dem anfänglichen Rückstand prägte den weiteren Verlauf der zweiten Halbzeit. Deutschland versuchte, sein Torkonto mit engagierten Aktionen weiter zu erhöhen, die gefährlichen Tempogegenstöße der Niederländerinnen wurden hingegen immer seltener.

Elfmetertor

Nichts zu halten gab es für Loes Geurts beim von Renate Lingor hart in die linke untere Ecke getretenen Elfmeter

Von der 49. bis zur 51. Minute ergaben sich für die Deutschen gleich drei Möglichkeiten, ihre Führung auszubauen. Zunächst wurde Birgit Prinz bei einem erneuten Vorstoß zu weit nach links abgedrängt, ihr Ball wurde per Kopf geklärt. Nach einem Foul an Bajramaj 20 Meter mittig vor dem Tor hatte Renate Lingor eine Freistoßchance, zog den Ball aber knapp links am Tor vorbei. Wiederum Prinz hatte dann nach Zuspiel von Mittag eine erneute Möglichkeit, diesmal geriet ihr Schuss jedoch zu schwach, so dass Loes Geurts halten konnte.


In der 53. Minute hatte Sherida Spitse aus 25 Metern nach einem Abpraller aus der deutschen Abwehr eine der wenigen Möglichkeiten für die Gäste, schoss jedoch knapp über Angerers Tor hinweg. Anschließend hatte wieder Loes Geurts zwei Gelegenheiten, sich auszuzeichnen. In der 59. Minute tauchte sie ins linke Eck und hielt einen erneuten Prinz-Schuss aus 25 Metern, in der 65. Minute wehrte sie mit einer Glanzparade einen 15-Meter-Schuss von Bajmaraj, die von Renate Lingor glänzend freigespielt worden war, zur Ecke ab. Zwei Minuten später war die niederländische Torfrau dann jedoch machtlos, als die hereinstürmende Kerstin Garefrekes eine der wiederholten Ecken von Renate Lingor zum 4:1 einköpfte. Gerade mal eine weitere Minute nach diesem Treffer war vergangen, als Geurts einen verdeckten Schuss von Lingor fast vom linken Strafraumeck passieren lassen musste, der im langen Toreck landete. Bei diesem Treffer schien es zunächst, als habe Anja Mittag dem Ball noch eine Richtungsänderung gegeben, sie hatte diesen jedoch lediglich geschickt passieren lassen. Dieser deutsche Doppelschlag in der 67. und 68. Minute entschied das Spiel endgültig für die Gastgeberinnen. In der Folge wurde von deutscher Seite zwar weiterhin nach vorne gespielt, der Torabschluss wurde hingegen nicht mehr mit allerletzter Konsequenz gesucht. Trotzdem ergab sich noch die eine oder andere Möglichkeit, das halbe Dutzend Treffer voll zu machen, so z.B., als in der 76. Minute Kerstin Garefrekes und die für Mittag eingewechselte Petra Wimbersky eine Linksflanke von Bianca Rech nur um jeweils einen Schritt verfehlten.

Nach zwei Minuten Nachspielzeit konnten die Spielerinnen mit dem Publikum den ersten "Dreier" auf dem Weg nach Finnland bejubeln. Den Niederländerinnen bleibt nur der magere Trost, sich vor keinem Gruppengegner verstecken zu müssen, was sie bei ihrem nächsten Quali-Spiel am 9. Mai in der Schweiz allerdings auch in Punkte umsetzen müssen, um einen der ersten beiden Plätze in der Gruppe zu erreichen.

Beste Spielerinnen: Lingor, Prinz - Melis

Jubel

Endlich mal wieder Grund zum Jubeln für die deutsche Nationalmannschaft!



Deutschland:

Angerer - Stegemann, Hingst, Krahn, Rech - Bresonik - Garefrekes, Lingor (82. Bartusiak), Bajramaj (73. Pohlers) - Mittag (73. Wimbersky), Prinz

Niederlande:

Geurts - Bito, Migchelsen, de Boer, Hogewoning - Hoogendijk, Spitse, Stevens (73. van Eyck), Torny (73. Legemate) - Smit, Melis

Tore:
0:1 Torny (17.)
1:1 Prinz (31.)
2:1 Mittag (34.)
3:1 Lingor (47./E)
4:1 Garefrekes (67.)
5:1 Lingor (68.)

gelbe Karte: Lingor (36.)

Schiedsrichterin: Jenny Palmqvist, Assistentinnen: Susanne Borg, Helen Cato (alle Schweden)

Zuschauer: 8.657 (Lohrheidestadion)


Zur Seite A-Natios

Zur FanSoccer-Startseite