Fansoccer-Logo

Testspiel vor Olympia

Weiße Weste gewahrt

Deutschland - England 3:0 (1:0)

Text und Bilder von Nora Kruse

18.07.2008   Die deutsche Nationalmannschaft bleibt weiter ohne Niederlage gegen England. Auch im 18. Aufeinandertreffen blieb die Weste weiß, die DFB-Auswahl gewann souverän mit 3:0. Viel wichtiger als das Ergebnis war für beide Trainerinnen jedoch, den derzeitigen Leistungsstand ihrer Spielerinnen zu sehen. In England hat die Saison noch nicht begonnen, die deutsche Elf ist kurz vor der Abreise zu den Olympischen Spielen. Für die ist Bundestrainerin Silvia Neid nach dem Auftritt in Unterhaching guter Dinge.

„Ich hatte die Mannschaft nicht so spritzig erwartet”, resümierte Neid nach der Partie, in der sie die vereinbarten sechs Auswechslungen voll ausschöpfte. So viele Spielerinnen wie möglich wollte Neid in Aktion sehen, bevor sie sich am Abend für einen 18-köpfigen Kader entscheiden musste, mit dem sie die Reise nach Peking antreten wird. Eine leichte Wahl war es nicht, für einen solch kleinen Kader bei den Olympischen Spielen fehlte es ihr darüber hinaus an Verständnis. „18 sind eindeutig zu wenig”, fand die Bundestrainerin klare Worte und spielte auf die hohe Belastung in Peking an. Zu dem heißen Klima komme das sportliche straffe Programm hinzu, das zwischen den Partien nur zwei Ruhetage vorsehe. Doch die Fitness der Mannschaft stimme, sagt Neid und zeigte sich mit den drei bisher absolvierten Lehrgängen sehr zufrieden.

Karen Carney und Simone Laudehr

Die fleißige Karen Carney (vorne) wurde meist gut bewacht, hier von Simone Laudehr. Laudehr machte ein sehr gutes Spiel, geradezu genial ihre Vorarbeit zum 2:0

Mit diesen intensiven Vorbereitungen war die DFB-Elf den englischen Gästen weit voraus, was über die gesamte Spielzeit deutlich wurde. England steht vor der Saison, hat sich in Unterhaching das erste Mal seit vielen Wochen getroffen. Als Entschuldigung für die schwache Vorstellung ihrer Mannschaft wollte Nationaltrainerin Hope Powell das jedoch nicht gelten lassen. Man habe schließlich gewusst, worauf man sich eingelassen habe und sei froh und dankbar für diese Möglichkeit.

Mit Beginn des Spiels war die deutsche Mannschaft tonangebend, der erste Treffer war jedoch ein Geschenk der englischen Torfrau. Rachel Brown stand nach überwundener Verletzung das erste Mal seit knapp sechs Monaten wieder im Tor, die fehlende Spielpraxis war der 28-Jährigen deutlich anzumerken. Brown schien den Pass von Kerstin Stegemann auf Sandra Smisek unter Kontrolle zu haben, trat jedoch über den Ball,


Birgit Prinz und Faye White

Birgit Prinz war heute für Englands Abwehrchefin Faye White eine Nummer zu groß und praktisch nicht zu halten. So holte Prinz gegen White auch den Elfmeter zum 3:0 heraus

sodass Smisek keine Probleme hatte, in der 15. Minute die 1:0-Führung zu erzielen.

Mit diesem Ergebnis gingen die Teams in die Pause, denn obwohl Deutschland spielbestimmend war, gelang kein weiterer Treffer. Zu viel „Klein-klein” habe die Mannschaft gespielt, bemängelte Neid. Englands Angriffsspiel war dagegen harmlos. Auch Powell experimentierte, ließ die Flügelspielerinnen Rachel Yankey und Karen Carney die Seiten tauschen, Erfolg stellte sich nicht ein. Die zumeist lang gespielten Bälle der Engländerinnen waren ungenau, Stürmerin Lianne Sanderson stand tief, um sich die Bälle zu erobern, hatte dann jedoch zu lange Wege. Sturmkollegin Eniola Aluko fehlte an allen Ecken und Enden. Einzig ein Schuss von Kelly Smith in der 37. Minute aus der zweiten Reihe fand den Weg zum Tor, Nadine Angerer war jedoch zur Stelle.

Kurz vor dem Pausentee hätte Birgit Prinz die Führung ausbauen können. Sie gewann das Laufduell mit Englands Abwehrchefin Faye White, ihr Schuss ging jedoch knapp am Tor vorbei. Knapp war es auch, als fünf Minuten später Anita Asante in einem Getümmel im Strafraum auf der Linie klärte.

Kelly Smith und Kerstin Stegemann

Englands Star Kelly Smith, hier gegen Kerstin Stegemann, konnte nur selten ihre Klasse aufblitzen lassen. Außer einem Schuss aus der zweiten Reihe ging von ihr keine Gefahr aus

Nach dem Wechsel ergab sich ein ähnliches Bild, die deutsche Mannschaft bestimmte das Spiel und war zu keiner Zeit in Gefahr. Die Engländerinnen dagegen ununterbrochen, die Abwehr geriet immer wieder ins Schwimmen. In der 55. Minute war es dann soweit: Laudehr spielte rechts am Strafraum zwei Engländerinnen aus, flankte präzise nach innen, Prinz erwischte den Ball mit dem Kopf, und es stand 2:0.
Fast sinnbildlich für die englische Leistung war die 69. Minute, als White abermals einen Zweikampf gegen Prinz verlor und auch eine so erfahrene Spielerin wie die englische Spielführerin im Anschluss nur zu unfairen Methoden griff und Prinz im Strafraum umstieß. Schiedsrichterin Christine Beck zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt und Melanie Behringer verwandelte sicher.


Eigentlich stand schon Renate Lingor parat, doch Beck zeigte just in diesem Moment an, dass die Wechsel durchgeführt werden sollten, sodass Lingor ein eventueller Treffer bei ihrem Comeback verwehrt blieb. Insgesamt blieb die „Nummer 10” unscheinbar im Spiel und verlor viele Zweikämpfe. Die Bundestrainerin zeigte sich dennoch zufrieden mit Lingors Auftritt. „Sie hat die Mannschaft von ihrer Position gut gecoacht und dem Spiel gute Impulse gegeben.”

Kerstin Garefrekes und Rachel Yankey

Rachel Yankey (vorne) und Kerstin Garefrekes im Zweikampf. Hier ist Yankey eher am Ball, insgesamt lag Deutschland verdient mit drei Toren vorne

Bei den Olympischen Spielen werden jedoch noch weit mehr Impulse gefragt sein, auf eine so uneingespielte Mannschaft, wie die Engländerinnen, die ihre zahlreichen Ausfälle nicht gleichwertig ersetzen konnten, wird man dort nicht treffen. Bereits das Spiel gegen Norwegen in der nächsten Woche dürfte ein anderes Kaliber sein und den Deutschen zeigen, wie gut sie sich gegen Olympia-Favoriten verkaufen können.

Deutschland:
Angerer - Stegemann (71. Peter), Krahn (46. Bartusiak), Hingst, Bresonik - Laudehr, Lingor (71. Okoyino da Mbabi) - Garefrekes (71. Pohlers), Prinz, Bajramaj (46. Behringer) - Smisek (46. Mittag)

England:
Brown - A. Scott (60. Johnson), White, Asante, Stoney - Williams, J. Scott, Carney, Yankey, Smith, Sanderson (65. Westwood)

Tore:
1:0 Smisek (15.)
2:0 Prinz (55.)
3:0 Behringer (71., FE)

Gelbe Karten: White

Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt)

Zuschauer: 9185


Zu den A-Nationalmannschaften

Zur FanSoccer-Startseite