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WM-Vorbereitungsspiel A-Natio

Die Erleichterung stand allen ins Gesicht geschrieben

Deutschland - Dänemark 4:0 (2:0)

Text von Katja Öhlschläger, Fotos von Beate Wolter

30.07.2007

Man kann viele Adjektive finden, um das gestrige 4:0 der deutschen Nationalmannschaft im Vorbereitungsspiel für die WM im September in China gegen Dänemark zu beschreiben. Überzeugend: ja. Einseitig: ja. Souverän: ja. Aber vor allem war das Spiel für alle Beteiligten eines: erleichternd.

Nach quälenden Monaten, in denen es nicht so recht laufen wollte und es Niederlagen in ungeahnter Anzahl hagelte, Mannschaft und Trainerin in dieser Form bisher unbekannte Kritik einstecken mussten, genossen alle Beteiligten am gestrigen Tag sichtlich die Zuneigung, die ihnen das Magdeburger Publikum per LaOla-Welle und Standing Ovations entgegenbrachte. Und stellten sie nicht unbedingt übertrieben stolz, aber doch mit Genugtuung und zufrieden fest, dass nach vier Wochen gemeinsamer Vorbereitung deutliche Fortschritte erkennbar waren und auch ein beim Algarve Cup vor vier Monaten noch so starker Gegner wie Dänemark nur mit Wasser kocht. Gestern allerdings mit sehr trübem.

Deutsche A-Nationalmannschaft bei der Welle in Magdeburg

Nach dem besten Auftritt des Jahres ließen sich die Nationalspielerinnen glücklich vom Magdeburger Publikum feiern.

Wenn bei einem Testspiel noch Minuten nach Abpfiff Jubelschreie aus den Katakomben tönen und sich Spielerinnen vor versammelter Journalistenschar huckepack in die Kabine tragen, dann sagt das viel aus. Sehr viel - über den Gemütszustand und die Felsbrocken, die dem gesamten Team gestern vom Herzen abfielen, als die Freiburgerin Melanie Behringer in der 13. Minute mit einem satten Fernschuss unter gern in Anspruch genommener Mithilfe des Rückens von Torfrau Heidi Johansen, an den der Ball von der Latte und dann ins Tor sprang, die deutsche Führung markierte und damit die Phase der Unsicherheiten und Abstimmungsprobleme, die die Anfangsminuten geprägt hatten, beendete.

Mit Rückkehrerin Sandra Minnert (Knorpelschaden im Knie) in der Innenverteidigung neben Ariane Hingst, Debütantin Simone Laudehr im zentralen Mittelfeld neben der von einem Immundefekt genesenen Renate Lingor, Sonja Fuss (links) und Kerstin Stegemann (rechts) auf den Außenverteidigerpositionen, Kerstin Garefrekes (rechts) und Melanie Behringer (links) auf den Flügeln und dem altbekannten Frankfurter Traditionssturm Birgit Prinz und Sandra Smisek knüpfte die deutsche Mannschaft zunächst an die schwächeren Vorstellungen dieses Jahres an und machte sich mit Abspielfehlern das Leben schwer. Dänemark, das mit einem 4-2-3-1-System mit Maiken With Pape als alleiniger Spitze aufwartete, war in dieser Phase gleichwertig.

Kerstin Garefrekes, Bettina Falk Hansen, Anne Dot Eggers Nielsen, Birgit Prinz

Kerstin Garefrekes, Bettina Falk Hansen, Anne Dot Eggers Nielsen, Birgit Prinz

Kerstin Garefrekes, Bettina Falk Hansen, Anne Dot Eggers Nielsen, Birgit Prinz

Die Entstehung des 2:0: Kerstin Garefrekes umspielt Bettina Falk Hansen und Birgit Prinz steht völlig frei, um einzuschieben. Der Rest ist Jubel in Gegenwart der sichtlich bedienten Anne Dot Eggers Nielsen (l.).

Doch das änderte sich schlagartig nach dem Führungstreffer. Der amtierende Weltmeister konnte sich nun rasch ein Übergewicht erarbeiten und den Gegner mit dem von Bundestrainerin Silvia Neid geforderten Pressing am eigenen Spielaufbau hindern. So war es nur logisch, dass der zweite Torerfolg nicht lange auf sich warten ließ. Nachdem Ariane Hingst zwei Minuten zuvor bei einem zaghaften Schussversuch von Cathrine Paaske Sørensen klären konnte, war es die insbesondere im ersten Spielabschnitt überragende und regelrecht omnipräsente Kerstin Garefrekes, die nach Vorlage von Behringer über Birgit Prinz in den Strafraum zog, Bettina Falk Hansen gekonnt austanzte, um präzise in den Strafraum zur dort bereits warteten Prinz zu passen, die schließlich auch keine Mühe mehr hatte, das Leder in den Maschen unterzubringen. Torerfolg also mit einem der Doppelpässe, die die Torschützin zum 2:0 nach dem Spiel als gezielte Strategie verriet, weil dem deutschen Team die Schwäche der Däninnen auf den Außenpositionen bekannt gewesen sei.

Wie überhaupt die Mannschaft von Silvia Neid nicht nur fitter, sondern auch taktisch besser eingestellt wirkte. Erst in der 58. Minute entschied sich Trainer Kenneth Heiner-Møller für die erste Auswechslung, obwohl seine Mannschaft schon in der ersten


Simone Laudehr, Maiken With Pape

Simone Laudehr (l.) - hier im Zweikampf mit Dänemarks Ein-Frau-Sturm, Maiken With Pape - feierte ihr Debüt in der A-Nationalmannschaft. Links hat Cathrine Paaske Sørensen die beiden im Blick.

Halbzeit nicht einmal ansatzweise ein probates Mittel fand, um die deutsche Mannschaft ernsthaft gefährden zu können. Pape sah gegen die gut gestaffelte deutsche Abwehr, in der Rückkehrerin Minnert eine deutlich stärkere Leistung als ihre Partnerin Ariane Hingst zeigte, keinen Stich.

Lediglich bei weiten und hohen Bällen waren die Defizite in der deutschen Defensive unübersehbar, doch über weite Strecken fehlten den Däninnen die Spielerinnen, die daraus Kapital schlagen konnten. Johanna Rasmussen auf der linken Seite und Julia Rydahl-Bukh rechts hatten keinen guten Tag erwischt, sodass die emsige, aber glücklose Paaske Sørensen als Alleinunterhalterin auffiel, ohne dabei die nötige Unterstützung zu bekommen. Wie es hätte gehen können, zeigte Spielminute 24. Eine Flanke von Mia Olsen verpassten Hingst und Minnert, die freistehende Pape leitete auf Sørensen weiter. Doch die, glücklos eben, verballerte diese bisher mit Abstand beste Chance leichtfertig.

In der Folge überzeugte die deutsche Mannschaft mit zahlreichen gelungenen Kombinationen, viel Lauffreude und starkem Drang zum Tor. Das begeisterungsfähige Magdeburger Publikum nahm die Vorlage dankbar auf und begleitete jeden Antritt der couragiert auftretenden Behringer mit einem lauten Raunen, applaudierte, wenn Kilometerzählerin Stegemann - gerade eben noch einer Dänin den

Steffi Jones

Auch die aus der Natio zurückgetretene Steffi Jones war vor Ort. Was sie sah, dürfte ihr gefallen haben.

Ball weggegrätscht - schon wieder in der Nähe des dänischen Strafraums angekommen war und eine ihrer starken Flanken schlug. In der Abwehr hatte sie - wie ihr Pendant auf der linken Seite, Sonja Fuss - nur wenig zu tun - mit dem Unterschied, dass Stegemann die ihr sich daraus bietenden Freiräume zu nutzen wusste, während Fuss nur wenige Akzente setzen konnte.

Auch Debütantin Laudehr, die auf der für sie "ungewohnten Sechser-Position" (Laudehr) zum Einsatz kam und anfänglich sichtbar mit dem Tempo zu kämpfen hatte, ohne Bindung zum Spiel wirkte, gelangen zunehmend mehr Aktionen. Zu Mitte der zweiten Halbzeit überschlugen sich die Ereignisse, mit Laudehr im Mittelpunkt. In der 29. Minute verpasste sie per Fernschuss. Und nachdem eine Minute darauf ein satter Schussversuch von Behringer nur an den Pfosten und dann in die Arme von Johansen sprang, ergab sich für die Duisburgerin erneut nur eine Minute später eine fast schon 100%ige Torchance. Erst scheiterte Prinz an der bemitleidenswerten Johansen, sodass Laudehr aus zentraler Position "nur" noch hätte einnetzen müssen. Doch vielleicht kam die Chance zu plötzlich, fehlte noch die Kaltschnäuzigkeit. Auch die Schlussminuten von Halbzeit eins gehörtem dem Gastgeber, weitere Torgelegenheiten durch Behringer und Prinz blieben jedoch ungenutzt.

Nach dem Seitenwechsel gestaltete sich die Begegnung zunächst ausgeglichener. Die Pausenansprache von Heiner-Møller schien ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Dänemark kam nun zu den ersten Eckbällen der Partie durch Rasmussen, ließ die Gefährlichkeit vor dem Tor von Nadine Angerer aber weiterhin vermissen. Die eingewechselten Saskia Bartusiak (für Fuss), Lira Bajramaj (für Behringer) und Anja Mittag (für Smisek) mussten noch

Katrine Pedersen, Sandra Smisek

Ein Bild mit Symbolcharakter: wie hier Sandra Smisek (l.) vor Katrine Pedersen waren die Deutschen ihren Gegnerinnen meistens einen Schritt voraus.

ins Spiel finden, was Bartusiak und Mittag recht zügig gelang. Bajramaj allerdings fehlte lange Zeit die Bindung zum Spiel, wirkte sie von dem schnellen Kombinationsspiel, das der Weltmeister an den Tag legte, überfordert. Auffällig auch, wie Bajramaj in der Nähe des gegnerischen Strafraums auf Anspiele wartete, während Behringer sich oftmals noch in der


eigenen Hälfte die Bälle abholte, um dann Richtung Strafraum zu stürmen.

Es brauchte erst eine mehrminütige LaOla-Welle der 10.735 Zuschauer, ehe die deutsche Mannschaft mit neuer Inspiration nach einer Stunde Spielzeit wieder das Tempo erhöhte. Eine Chance durch Lingor nach Rückpass von Prinz (61.) blieb jedoch ungenutzt, Stegemann in der 71. Minute ein klarer Freistoß auf Höhe des Strafraums nach einem Zweikampf mit Bettina Falk Hansen verwehrt. So wurde es erneut ein Doppelpass, der das 3:0 durch Lira Bajramaj einleitete. Aus der Mitte kommend, passte die junge Duisburgerin auf Garefrekes, die die Kugel mit perfektem Timing rechts in den Strafraum zu Bajramaj beförderte, welche aus nicht ganz einfacher Position per Innenpfosten den Ball an Heidi Johansen vorbei im dänischen Tor unterbrachte. "Damit hat sie auf sich aufmerksam gemacht", meinte Neid nach dem Spiel, die Bajramajs Leistung ansonsten eher kritisch sah.

Mia Olsen, Conny Pohlers, Heidi Johansen, Lira Bajramaj

Mia Olsen hebt sofort den Arm, nachdem Conny Pohlers den Ball im Tor untergebracht hat. Doch das Schiedsrichterteam sah die klare Abseitsposition nicht.

Zahlreiche Auswechslungen in der Schlussviertelstunde, darunter auch die Einwechslung der bereits seit Jahren in Deutschland spielenden Louise Hansen, zerstörten zusehends den Spielfluss. Einem Kopfball der "dänischen Frankfurterin" stand auf der Gegenseite somit auch nur noch das "Tor" von "Speedy und Gonzalez" gegenüber. Martina Müller, "Speedy", machte ihrem Namen auf der rechten Seite alle Ehre und bediente die fünf Minuten vor Schluss eingewechselte Conny Pohlers, "Gonzalez", mustergültig. Dass "Gonzalez" dabei zu viel Speed aufgenommen hatte und mindestens einen Schritt im Abseits stand, hatten Miriam Dräger und Inka Müller an der Seitenlinie ebenso wenig gesehen wie Schiedsrichterin Christine Beck.

Alles in allem ein gelungener Test, um das Selbstvertrauen zu festigen und weiter auszubauen. Ein Test, der nicht nur beim Publikum vor Ort, sondern auch an den Fernsehern einen guten Eindruck hinterlassen haben sollte. Der aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass mit Dänemark ein Gegner in Magdeburg aufspielte, der in dieser Form bei der Weltmeisterschaft keinen Blumentopf gewinnen kann.

Wie Spielerinnen und Trainer die Begegnung sahen, was es mit Blick auf die Weltmeisterschaft noch zu verbessern gilt und welche Wasserstandsmeldungen zu interessanten Personalien abgegeben wurden, erfahrt ihr in unseren >> Stimmen zum Spiel.

Louise Hansen

Die einzige Deutschland-Legionärin, Louise Hansen vom 1. FFC Frankfurt, feierte nach Bandscheibenproblemen ihr Comeback im Nationalteam.

Deutschland

Angerer - Stegemann, Minnert, Hingst, Fuss (46. Bartusiak) - Garefrekes (85. Pohlers), Laudehr (78. Omilade), Lingor, Behringer (46. Bajramaj) - Prinz, Smisek (46. Mittag/78. M. Müller)
Trainerin: Silvia Neid

Dänemark

Johansen - Olsen, Pedersen, Ørntoft, Falk Hansen - Eggers Nielsen (78. Røddick Hansen), Gajhede Knudsen (69. Hansen) - Rasmussen (58. Kjæer Dimun), Rydahl-Bukh, Paaske Sørensen
Trainer: Kenneth Heiner-Møller

Tore:
1:0 Johansen (13./ET)
2:0 Prinz (20.)
3:0 Bajramaj (72.)
4:0 Pohlers (89.)

Zuschauer: 10.735

Karten: -

Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt)

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