Text von Katja Öhlschläger, Fotos von Beate Wolter
01.08.2007
17 Spielerinnen kamen in Magdeburg gegen Dänemark zum Einsatz. FanSoccer wirft einen Blick auf ihre augenblickliche Form und ordnet ein, wer für den WM-Auftakt jetzt schon bereit wäre, wer den noch verbleibenden Monat gut nutzen sollte und wer noch gar nicht WM-reif aufgetreten ist.
Tor:
Bundestrainerin Silvia Neid hat gestern entschieden, dass Nadine Angerer in China das deutsche Tor als Nr. 1 hüten wird, nachdem sich Silke Rottenberg im gestrigen Training einen Muskelfaserriss in der Wade zugezogen hat. Rottenberg soll zwar auf jeden Fall dem 21-köpfigen WM-Aufgebot angehören, wird allerdings nach Einschätzung von Teamarzt Dr. Bernd Lasarzewski etwa drei bis vier Woche benötigen, bis sie wieder schmerzfrei trainieren kann.
 Ariane Hingst (Mitte), hier im Gespräch mit Bundestrainerin Silvia Neid, kann momentan nicht an ihr altes Leistungsvermögen anknüpfen.
Umso mehr gerät dadurch auch die Entscheidung über die dritte WM-Torfrau ins Blickfeld, da Rottenberg aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht als sichere Bank für den zwar unerwünschten, aber möglichen Fall, dass sich Angerer im Laufe der WM verletzen sollte, gelten kann. Angerer ist als Nummer eins unumstritten, hat sich als Vertretung von Rottenberg im ersten Halbjahr als absolut gleichwertig präsentiert und auch auch am Sonntag eine souveräne Leistung abgeliefert. Durch zahlreiche UEFA-Cup-Spiele mit Turbine Potsdam auf höchster Ebene fehlt es ihr auch nicht an internationaler Erfahrung.
Spannend abzuwarten bleibt aber, ob und in welcher Form die beiden Kandidatinnen für Platz drei, Ursula Holl vom SC 07 Bad Neuenahr und Ulrike Schmetz vom FC Bayern München, angesichts dieser neuen Situation in den ausstehenden drei Testspielen zu Einsatzzeit kommen werden oder ob sich die Bundestrainerin allein auf Trainingseindrücke verlässt. Da Neid am 13. August ihren WM-Kader bekannt geben wird, bliebe für einen ernsthaften Test nur noch das Testspiel gegen Tschechien am morgigen Donnerstag in Gera. Sollte der Heilungsprozess bei Rottenberg zügig vorangehen, könnte sie schließlich beim Freundschaftsspiel gegen Norwegen am 30. August in Mainz ihr Comeback feiern, um nicht ohne jegliche Spielpraxis nach China zu fliegen.
Abwehr:
Kerstin Stegemann:
Am Sonntag gegen Dänemark präsentierte sie sich in starker körperlicher Verfassung und war defensiv wie offensiv eine Bank. Ihr kleines Tief aus dem Frühjahr scheint überwunden. So ist sie eine der Spielerinnen, die auf ihrer Position - rechte Verteidigern - gesetzt sind.
Ariane Hingst:
Im Gegensatz zu Stegemann konnte Ariane Hingst am Sonntag noch nicht an ihre gewohnten Leistungen anknüpfen. Im Stellungsspiel zeigte sie Unsicherheiten, auch das Zweikampfverhalten war verbesserungswürdig. Sie kann und muss sich noch steigern.
 Schrecksekunde in Magdeburg, als sich Sandra Minnert (Mitte) an die Nase fasst. Wieder einen Nasenbeinbruch. Entwarnung, sie konnte ihr starkes Comeback fortsetzen.
Sandra Minnert:
Die Bad Neuenahrerin zeigte ein überzeugendes Comeback. Souverän löste sie ihre Aufgaben in der Abwehr - nicht ohne auch für offensive Impulse zu
|
 Kerstin Stegemann (l.), die hier Johanna Rasmussen vom Ball zu trennen versucht, ist auf der rechten Abwehrseite eine Bank.
|
sorgen. Ist in der Innenverteidigung mit Hingst eingespielt, kann ihre Kollegin mitreißen. Dass sie auf der Innenverteidigerposition, die zuletzt Annike Krahn einnahm, und nicht auf der linken Abwehrseite eingesetzt wurde, könnte ein Fingerzeig sein, dass Neid in China den Faktor Erfahrung großschreiben wird.
Sonja Fuss:
Die Duisburgerin blieb am Sonntag eher unauffällig. Sie konzentrierte sich überwiegend auf Defensivarbeit, blieb dabei fehlerfrei. Nach vorne setzte sie jedoch nur wenige Akzente. Ihr Vorteil: Erfahrung.
Saskia Bartusiak:
Die 24-jährige Spätberufene fand nach ihrer Einwechslung zu Beginn der zweiten Halbzeit rasch in die Partie und präsentierte sich als gute Alternative zu Fuss oder der zuletzt sehr überzeugenden Bianca Rech. Ihr Vorteil könnte ihre Flexibilität sein, ihr Nachteil die trotz ihrer UEFA-Cup-Einsätze mit drei Länderspielen geringe Erfahrung.
Mittelfeld:
Kerstin Garefrekes:
Auf der rechten Seite unumstritten. Spielte ihre Gegenspielerin Bettina Falk Hansen zeitweise schwindlig, versteht sich auf Grund jahrelanger gemeinsamer Zeit mit der ebenfalls gesetzten Kerstin Stegemann auf der rechten Seite fast blind. Als Vorbereiterin und Vollstreckerin wertvoll.
Renate Lingor:
Hatte im Frühjahr mit einem Immundefekt zu kämpfen, trainierte nur unregelmäßig und muss erst wieder zu alter Leistungsstärke zurückfinden. Gegen Dänemark präsentierte sie sich auf einem guten Weg, konnte ihre Spielübersicht vor allem in der ersten Halbzeit zur Geltung bringen. Ist auch auf Grund ihrer Erfahrung gesetzt.
 Mittelfeldstrategin Renate Lingor (vorne, hinten Christina Øyangen Ørntoft) will nach gesundheitlichen Problemen bis zur WM wieder zu alter Form zurückfinden.
Simone Laudehr:
Bestritt gegen die Däninnen ihr erstes Länderspiel und fand nach einigen Minuten der Eingewöhnung besser in die Partie. Sie ist ähnlich wie Bartusiak flexibel einsetzbar, kann aber nur internationale Erfahrung aus den Jugendnationalteams vorweisen. Kommt für die Position im zentralen Mittelfeld oder auf der Außenbahn infrage, wo die Konkurrenz allerdings stark ist.
Melanie Behringer:
Setzte ihre konstant guten Leistungen im Nationaldress auch am Sonntag fort. Tritt forsch und selbstbewusst auf, zeigt viel Zug zum Tor und glänzt immer wieder mit ihrem starken Schuss. Machte auf der linken Außenbahn in den letzten Monaten den stärksten Eindruck, hat jedoch durch ihre Einsätze beim Algarve Cup 2006 und 2007 auch nur ein wenig mehr Erfahrung als Bartusiak oder Laudehr.
Fatmire Bajramaj:
Blieb trotz ihres Treffers zum 3:0 mit ihrer Leistung hinter ihren Mitspielerinnen zurück. Ihr fehlte die Bindung zum Spiel, war von der Schnelligkeit des Passspiels
|
überfordert. Im zentralen Mittelfeld wusste sie zu Beginn des Jahres besser zu gefallen. Dennoch: eine WM dürfte für sie noch zu früh kommen.
Navina Omilade:
Geht von allen Mittelfeldspielerinnen mit den schlechtesten Chancen ins Rennen. Wurde für Celia Okoyino da Mbabi nachnominiert und kam gegen Dänemark zu einem Kurzeinsatz, in dem sie nicht auffiel. Da sie nach ihrem frühzeitig angekündigten Wechsel zum VfL Wolfsburg in Potsdam kaum noch zum Einsatz kam, wäre ihre Nominierung eine große Überraschung.
Angriff:
Birgit Prinz:
Hatte am Sonntag großen Anteil am hohen Sieg und an der Art und Weise, wie die deutsche Offensive auftrat. Mit ihrer Torgefährlichkeit, ihrer Robustheit beim Herausarbeiten von Torchancen und ihrer oft unterschätzen Selbstlosigkeit, um ihren Mitspielerinnen den Ball vorzulegen, ist sie unverzichtbar und ganz sicher gesetzt.
 Navina Omilade (l.), die hier mit der aus dem Nationalteam zurückgetretenen Steffi Jones einen Plausch hält, hat allenfalls Außenseiterchancen auf eine WM-Nominierung.
Anja Mittag:
Kam nur zu einem Kurzeinsatz, weil sie wegen ihres vertretenen Fußes kurz nach ihrer Einwechslung wieder aus dem Spiel genommen werden musste. Hatte nur wenige Ballkontakte und wird vermutlich morgen ihre Chance bekommen.
Sandra Smisek:
Ihr Vorteil ist ihre gute Harmonie mit Kapitänin Prinz. Sie kann Gegenspielerinnen beschäftigen und damit Freiräume für ihre Kolleginnen schaffen. Den Nachweis ihrer Torgefährlichkeit hat sie im Nationalteam allerdings schon seit längerer Zeit nicht mehr erbracht. Klar eine Wackelkandidatin.
Martina Müller:
Brachte nach ihrer Einwechslung neuen Schwung in die Partie und bewies mit ihrer Vorarbeit zum aus Abseitsposition erzielten 4:0 durch Conny Pohlers ihr gutes Auge für die Mitspielerin. Torgefährlicher und effektiver als Smisek.
Conny Pohlers:
Strafte alle Kritiker Lügen, die sie seit geraumer Zeit als "Chancentod" bezeichnen, indem sie in fünf Minuten Spielzeit ein (Abseits-)Tor erzielte. Konnte in der Rückrunde nur wenig Spielpraxis sammeln, ist aber auch als Joker immer eine gute Karte. Ihre vergebenen Chancen sind oftmals auch Resultat ihres guten Stellungsspiels, durch das sie erst zu vielen Torgelegenheiten kommt. Ist zu trickreich und frech, um sie zu Hause zu lassen.
Den Spielbericht zur Partie gegen Dänemark findet ihr >> hier.
Wie Spielerinnen und Trainer die Begegnung sahen, was es mit Blick auf die Weltmeisterschaft noch zu verbessern gilt und welche Wasserstandsmeldungen zu interessanten Personalien abgegeben wurden, erfahrt ihr in unseren >> Stimmen zum Spiel.
Zur FanSoccer-Startseite
|