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WM-Vorbereitungsspiel A-Natio

Ein bequemes Training endet 5:0

Deutschland - Tschechien 5:0 (3:0)

Text von Katja Öhlschläger, Fotos von Katja Müller

02.08.2007

Als Schiedsrichterin Anja Kunick um 19.12 Uhr ihre Pfeife an den Mund nahm, hatte das WM-Vorbereitungsspiel zwischen Deutschland und Tschechien einen klaren Sieger gefunden. 5:0 für Deutschland - soweit die nackten Zahlen. Doch wirklich glücklich sah eigentlich niemand aus, dem man nach der Partie ins Gesicht schaute. Zu einseitig waren die vergangenen 90 Minuten verlaufen, zu wenig Glanz zeigte die deutsche Mannschaft und zu wenig von dem, was man sich von den Tschechinnen als Testspielgegner erhofft hatte, hielt der Gast.

"Sie werden ganz anders spielen als Dänemark. Wir haben sie uns ausgesucht, weil sie ähnlich wie unser WM-Auftaktgegner Argentinien spielen. Wesentlich defensiver als Dänemark. Da wird unsere Ballkontrolle auf engstem Raum erprobt werden", hatte Bundestrainerin Silvia Neid noch am Sonntag nach dem 4:0 gegen Dänemark ihre Hoffnungen auf einen aussagekräftigen Test zum Ausdruck gebracht. Sah man Tschechiens Trainer Dusan Zovinec später im Presseraum ins Gesicht, dann saß da einer, dem es ehrlich leid tat, dass seine Mannschaft - ohne die drei etatmäßigen Stürmerinnen, darunter auch die ehemalige Münchnerin Pavlina Scasna, jetzt KIF Örebro - diesen Erwartungen nicht gerecht werden konnte.

Deutsche A-Nationalmannschaft

Und wieder was fürs Sammelalbum...
Oben v.l.: Kerstin Stegemann, Nadine Angerer, Sandra Minnert, Birgit Prinz, Simone Laudehr, Kerstin Garefrekes
Unten v.l.: Ariane Hingst, Renate Lingor, Anja Mittag, Petra Wimbersky, Bianca Rech

"Panzer gegen Fahrrad", nannte Zovinec das Match, das im Geraer "Stadion der Freundschaft" in direkter Nachbarschaft der Bundesgartenschau gerade einmal 4.793 Zuschauer verfolgen wollten. Und dann fehlte dem "Fahrrad" auch noch der Libero, wie Neid bedauerte: "Offensichtlich hat sich in der tschechischen Mannschaft einiges getan. Sie haben gut gestanden, aber in Zukunft wissen wir, dass die Tschechen nicht der richtige Gegner sind, wenn wir ein Team mit Libero suchen. Oder wollt Ihr das wieder umstellen, Dusan?"

Ob mit oder ohne Libero - erwartet hatten alle einen Gegner, der nicht mitspielen, sondern kompakt stehen und allenfalls kontern würde. Dementsprechend hatte Bundestrainerin Neid die Marschroute ausgegeben, mit viel Kreativität, hoher Laufbereitschaft und Aggressivität sofort das Ruder an sich zu reißen. Das gelang nur bedingt. Überlegen war der amtierende Weltmeister, angesichts der Harmlosigkeit und bisweilen haarsträubender Fehlpässe des Gegners jedoch agierten die Deutschen nicht zwingend genug. "Wir haben zu behäbig gespielt, zu wenig Aggressivität an den Tag gelegt und zu viele Fehlpässe produziert", konstatierte später Ariane Hingst.

Renate Lingor, Ariane Hingst

Zwei ganz Erfahrene, die noch auf der Suche nach ihrer Form sind: Renate Lingor (l.) und Ariane Hingst. Hingst zeigte sich heute gegenüber dem Dänemark-Spiel verbessert, war mit der Leistung ihrer Mannschaft aber nicht glücklich.

Die wenigen Zuschauer, die den Weg ins Stadion gefunden hatten, hatten augenscheinlich bescheidene Ansprüche mitgebracht. Erste Torgelegenheiten durch Anja Mittag (8./9.) und Renate Lingor per Fernschuss (18.) reichten aus, um für Volksfeststimmung und mehrere - von DFB-Maskottchen "Paule" initiierte - LaOla-Wellen durchs spärlich besetzte Rund zu sorgen. Dabei waren die taktischen Varianten, die Neid testen ließ, in der Anfangsphase interessanter zu beobachten als die schlechte Torausbeute des Gastgebers.

Birgit Prinz, Petra Wimbersky

Birgit Prinz eröffnete nach 19 Minuten den Torreigen.

Bianca Rech hatte diesmal den Vorzug vor Sonja Fuss auf der linken Abwehrseite erhalten, um "über außen viel Druck zu erzeugen" (Neid). Im linken Mittelfeld durfte sich Petra Wimbersky beweisen, nachdem Melanie Behriner gegen Dänemark auf dieser Position überzeugt hatte. Anja Mittag nahm für Sandra Smisek die Position der Sturmspitze ein, nachdem ihr


Petra Bertholdova, Kerstin Garefrekes, Petra Divisova

Kerstin Garefrekes lieferte als Konstanz in Person erneut eine starke Partie, überzeugte als Vorbereiterin und Vollstreckerin. Hier wird sie von Petra Bertholdova verfolgt. Rechts Petra Divisova, die von 2004-2006 für den 1. FC Gera 03 kickte.

Einsatz gegen Dänemark verletzungsbedingt kurz geblieben war.

Sowohl Mittag und Wimbersky als auch Mittag und Garefrekes - allesamt nachweislich mit einem guten Torriecher ausgestattet - rochierten regelmäßig und erarbeiteten sich dadurch zahlreiche Torchancen, die jedoch deutlich besser waren als ihre Verwertung. Insbesondere mit Anja Mittag, die gleich mehrere Großchancen nicht zu nutzen wusste, ging die Bundestrainerin nach Spielende hart ins Gericht: "Das war ein ganz schlechtes Spiel von Anja. Sie hat mindestens fünf 100%ige Chancen vergeben, wirkte unkonzentriert und ist schlampig mit ihren Chancen umgegangen. Ich habe sie dann ausgewechselt, weil ich mir diese Leistung nicht nochmal ansehen wollte."

Was sie in der 19. Minute sah, dürfte ihr besser gefallen haben. Nach einer schönen Ballstafette über Kerstin Stegemann, Petra Wimbersky, Renate Lingor und wieder Wimbersky, kam Rekordnationalspielerin Birgit Prinz aus gut zehn Metern erfolgreich zum Abschluss. Etwa die doppelte Entfernung war es vier Minuten

Petra Wimbersky, Irena Martinkova

Petra Wimbersky (l. Irena Martinkova) gehörte auf der linken Außenbahn zu den Aktivposten im deutschen Team.

darauf bei Neu-Nationalspielerin Simone Laudehr, der in ihrem zweiten A-Länderspiel bereits ihr erstes Tor gelang. Nach geschickter Vorlage der Torschützin zum 1:0 fasste sich die Duisburgerin ein Herz, nutzte die freie Schussbahn und drosch das Leder wuchtig in den tschechischen Kasten. Sofort stürmte sie zu Vereinskollegin Lira Bajramaj an die Seitenlinie und feierte ihr Premierentor, konnte aber auch schon zu diesem Zeitpunkt ebenfalls auf eine für sie gelungene Anfangsphase zurückblicken. Selbstsicherer, weniger fehlerbehaftet und mutiger als noch bei ihrem Debüt stellte die 21-Jährige ihre Mittelfeldpartnerin Renate Lingor, an der das Spiel vorbei lief, in den Schatten.

Bis zum Pausenpfiff tat sich dann nicht mehr wirklich viel. Zu Aufregung kam es nur noch zweimal. Zunächst setzte nach etwa einer halben Stunde Spielzeit ein heftiger Regenschauer ein, der zu hektischem Treiben an der Seitenlinie führte. Den sportlichen Höhepunkt setzte dann in der 38. Minute Kerstin Garefrekes, die nach einem Flugkopfball von Petra Wimbersky per Abstauber-Tor den 3:0-Pausenstand markierte.

Anja Mittag height=

Ein Bild spricht Bände: Anja Mittag erlebte keinen guten Tag. Erst vergab sie mehrere hochkarätige Chancen, und dann gab es noch ungewöhnlich harte Kritik von der Bundestrainerin.

In Halbzeit zwei begann, wie in Testspielen üblich, der bunte Wechselreigen. Martina Müller war für Mittag in die Partie gekommen, Linda Bresonik für Lingor und Babett Peter für Sandra Minnert. Während Peter einen ruhigen Abend verlebte, gelang es Bresonik und Müller mit zunehmender Spieldauer das deutsche Offensivspiel zu beleben. Insbesondere Bresonik war nun an fast allen Angriffsaktionen beteiligt und schlüpfte in Lingors Rolle als Zuständige für die Standardsituationen. In der 50. Minute setzte die Essenerin aus gut und gerne 22 Metern einen Hammerschuss an die Latte, um drei Minuten später Torfrau Zuzana Pincova nach einem Torwart-Abpraller aus spitzem Winkel zu einer Glanztat zu zwingen. Weitere zehn Minuten später bediente Bresonik Torschützin Laudehr an der Strafraumgrenze mustergültig, doch deren Schlenzer strich denkbar knapp am tschechischen Gehäuse vorbei.

Bis in die Schlussminuten kontrollierte die deutsche Mannschaft die Partie, kombinierte phasenweise gefällig, wurde vom Gegner aber auch erst in der Nähe


des Strafraums ernsthaft attackiert. Um dieses Bollwerk zu knacken, brauchte es im zweiten Spielabschnitt 38 Minuten, ehe die eingewechselte Lira Bajramaj aus 20 Metern nur den Pfosten traf und Müller im Nachschuss zum 4:0 einnetzte. Birgit Prinz sorgte schließlich Sekunden vor Abpfiff nach schöner Vorlage von Garefrekes für den 5:0-Endstand.

Linda Bresonik, Kerstin Stegemann

Linda Bresonik übernahm in der zweiten Halbzeit die Standards, bewies aber nicht nur am ruhenden Ball ihre Torgefährlichkeit.

"Ein bequemes Training", meinte anschließend Dusan Zovinec und traf damit den Nagel auf den Kopf. Bundestrainerin Neid dürfte diese Partie bei ihrer Entscheidung über die 21 WM-Fahrerinnen nur sehr begrenzt weitergeholfen haben. Einzig, dass "die jungen Spielerinnen gezeigt haben, dass sie die älteren ersetzen können", bleibt unter dem Strich als positives Fazit. Neben viel Kritik: "Die Tschechinnen haben die Räume gut eng gemacht, da war es für uns schwer, sich Freiräume zu schaffen. In der ersten Halbzeit standen wir zu oft auf einer Linie, war zu wenig Bewegung im Spiel, hatten wir Probleme beim Umschalten und ließ die Präzision zu wünschen übrig."

Dusan Zovinec

Dusan Zovinec beklagte in der Pressekonferenz die fehlende Ausgeglichenheit in der Liga: "2-3 Vereine sind okay, der Rest ist schrecklich."

Mangelnde Präzision, die Neid mit Konzentrationsschwächen nach den vielen Lehrgängen erklärte. "Ich glaube, die Spielerinnen sind froh, wenn sie morgen erstmal für zwei Tage nach Hause fahren und abschalten können." Zwei Tage auch, in denen das Trainerteam die Entscheidungen über den WM-Kader reifen lassen kann, ehe den Spielerinnen in der kommenden Woche und der Öffentlichkeit am 13. August mitgeteilt wird, wohin die Reise geht.

Für 18 von 21 möglichen Spielerinnen habe sie sich schon entschieden, so die Bundestrainerin. Die drei weiteren Plätze seien noch vakant, klar sei nur, dass aus dem 26-köpfigen erweiterten Aufgebot eine Torfrau und eine Stürmerin gestrichen würden. Ergo: drei Spielerinnen aus Abwehr und Mittelfeld werden die bittere Nachricht verdauen müssen, dass es für sie nicht gereicht hat. Die Spannung steigt.

Deutschland

Angerer - Stegemann, Minnert (46. Peter), Hingst, Rech - Garefrekes, Laudehr, Lingor (46. Bresonik), Wimbersky (79. Bajramaj) - Prinz, Mittag (46. Müller)
Trainerin: Silvia Neid

Tschechien

Pincova (61. Zborilova) - L. Martinkova, Smeralova, Mouchova, Bertholdova, Divisova (46. Markova), Heroldova (81. Pribyslavska), Penickova (77. Danielova), Doskova (46. Mocova), Hoferkova, I. Martinkova
Trainer: Dusan Zovinec

Tore:
1:0 Prinz (19.)
2:0 Laudehr (25.)
3:0 Garefrekes (38.)
4:0 M. Müller (83.)
5:0 Prinz (90.)

Zuschauer: 4.793

Gelbe Karten: Martinkova, Markova

Schiedsrichterin: Anja Kunick (Leipzig)

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