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A-Nationalmannschaft

Déjà-Vu gegen China

Freundschaftsspiel: Deutschland - China 0:1 (0:0)

Von Katja Öhlschläger (Text) und Nora Kruse (Fotos)

02.03.2006
März, niedrige Temperaturen, Freundschaftsspiel gegen China - anscheinend nicht die besten Vorzeichen für die deutsche Frauenfußball-Natio. Wie schon vor fast exakt zwei Jahren in Fürth zog der amtierende Weltmeister gegen die unbequem spielenden Asiatinnen mit 0:1 den Kürzeren und konnte nur phasenweise spielerisch überzeugen.

Am Platz allerdings hatte es nicht gelegen. Knapp 100 Homburger hatten am Morgen nach zahlreichen Aufrufen im Lokalradio mit angepackt und den Rasen im Waldstadion von der Schneeschicht der Vortage befreit. Lange Zeit mögen sich diese Helfer gefragt haben, wofür sie sich abschufteten, denn man hätte nicht selten meinen können, es handele sich um ein Spiel auf Schnee. Zu zerfahren, ungenau und hilflos wirkte das deutsche Offensivspiel über weite Strecken. Doch von vorne.

Bundestrainerin Silvia Neid hatte ihre Mannschaft aufgrund des Ausfalls mehrerer Stammkräfte - Mittelfeldregisseurin Renate Lingor, Stürmerin Inka Grings, Offensivkraft Petra Wimbersky, Abwehrdirigentin Ariane Hingst - umstellen müssen. Überraschenderweise beließ sie es nicht bei personellen Umstellungen, sondern wirbelte auch das Spielsystem kräftig durcheinander. Wie üblich lief das deutsche Team mit einer Viererabwehrkette auf - personell mit der einzigen Veränderung, dass Sandra Minnert für Hingst in die Innenverteidigung rückte und Sonja Fuss Minnerts Platz links in der Abwehr übernahm. Im Tor bekam diesmal die Potsdamerin Nadine Angerer ihre Einsatzchance für Stammtorfrau Silke Rottenberg, die unlängst ihren Wechsel zum 1. FFC Frankfurt bekannt gegeben hatte.

Anja Mittag

Anja Mittag legte los wie die Feuerwehr und überzeugte mit technischer Finesse sowie großem Laufpensum

Ungewohnt dann aber die Formation in Mittelfeld und Angriff. Für die verletzungsbedingt fehlende Lingor sollten deren Mittelfeldpartnerin Britta Carlson und die seit langem mal wieder zum Einsatz kommende Pia Wunderlich die Schaltzentrale im Mittelfeld bilden - allerdings beide defensiv orientiert. Offensiv ausgerichtet gingen die beiden Außen, Anja Mittag und Kerstin Garefrekes, in die Partie. Mit Birgit Prinz versuchte Neid das Experiment der hängenden Spitze, das ihre Vorgängerin Tina Theune-Meyer nach ihrem ersten und einzigen Versuch noch als gescheitert bezeichnet hatte. Als alleinige Sturmspitze wurde mit Martina Müller die einzige Zweitligaspielerin im Team des Weltmeisters aufgeboten.

Die Chinesinnen wurden angeführt von ihrer Kapitänin Sun Wen, der FIFA-Fußballerin des Jahrhunderts, die beim Vier-Nationen-Turnier im Januar ihr Comeback noch in Form von Kurzeinsätzen gefeiert hatte. Zusammen mit Han Duan sollte sie für Gefahr vor dem Tor sorgen. Wie schon vor zwei Jahren war außerdem mit einer massiven Abwehr und konsequentem Zweikampfverhalten von Beginn an zu rechnen.

Vor der prächtigen Kulisse von 20.000 Zuschauern im Homburger Waldstadion erwischte die deutsche Mannschaft einen guten Start ins Länderspieljahr 2006 und spielte sich gleich einige gute Chancen heraus. Vor allem Anja Mittag auf der linken Seite legte los wie die Feuerwehr und war an nahezu allen Angriffsaktionen beteiligt. In der 5. Minute gelang es ihr, sich an der linken Strafraumgrenze mit einem Körpertrick gegen zwei Chinesinnen durchzusetzen und zum Abschluss zu kommen. Ihr Schuss war dann allerdings zu harmlos und ging am Tor vorbei. Nur eine Minute später setzte sich Mittag als Flankengeberin in Szene, passte präzise auf den Kopf von Weltfußballerin Birgit Prinz, doch diese kam im Kopfballduell mit Lin Yali zu sehr in Rücklage und bugsierte den Ball über das Tor.

Kurz darauf war es wieder Prinz, die - diesmal mit einem Freistoß aus halblinker Position - die deutsche Führung hätte besorgen können. Bei ihrem satten Schuss aus gut 20 Metern Entfernung fehlten jedoch Zentimeter, denn der Ball ging knapp über die Torlatte. 15 Minuten dauerte es, bis die Gäste zum ersten Mal gefährlich über die Mittellinie kamen. Der Fernschuss von Zhang Ying war allerdings eher als dankbarer Ballkontakt für Nadine Angerer einzuordnen. Doch zeigte sich nun, wo der Anfangsdruck der Gastgeber nachließ, dass die deutsche Abwehr immer dann, wenn die Chinesinnen schnell auf Angriff umschalteten, durchaus anfällig war.

Pu Wei, Martina Müller

Martina Müller war als einzige Sturmspitze sehr auf sich allein gestellt. Hier kämpft sie mit Pu Wei um den Ball.

So auch in der 32. Minute - bis dahin waren keine weiteren nennenswerten Chancen mehr zu verzeichnen -, als Zhao Xiaoyan von der rechten Seite gefährlich in den deutschen Strafraum flankte und Kerstin Stegemann nur noch in höchster Not vor der lauernden Han Duan klären konnte. Bis zum Pausenpfiff war dann ein leichtes Übergewicht für die Chinesinnen zu verzeichnen, die den Platz nutzten, der ihnen von der planlos agierenden deutschen Mannschaft gelassen wurde. Echte Torchancen konnten sie allerdings auch nicht verzeichnen, weshalb das Niveau der ersten Halbzeit bis auf die Anfangsminuten eher als dürftig zu bezeichnen ist.

Bai Lili

Bai Lili - wie vor zwei Jahren in Fürth die Matchwinnerin für China

An Stellen wie diesen lässt sich dann bekanntlich immer trefflich darüber streiten, ob die Spielerinnen unter ihren Möglichkeiten blieben, der Gegner so gut war, die Ausfälle nicht kompensiert werden konnten oder das System nicht passte. Ich denke, es trifft alles ein wenig zu, nicht unbedeutend für so manche schlechte Leistung scheint in meinen Augen aber das umgestellte System zu sein. Britta Carlson, die sonst den defensiveren Part neben Renate Lingor einnimmt, sollte diesmal die offensiven Akzente setzen, die sonst Lingor überlassen sind, hatte gleichzeitig aber ihren defensiven Part vor der Viererkette einzunehmen. Ein Spagat, der schon Lingor nicht geglückt war, als diese nach dem Karriereende von Bettina Wiegmann die "10" übernahm, lange Zeit defensiv mit Viola Odebrecht oder alternativ Navina Omilade eingesetzt wurde, und nicht Defensiv- und Offensivarbeit zu gleichen Teilen übernehmen konnte. Ähnlich schwer tat sich dann auch Britta Carlson - zumal ihr mit Pia Wunderlich eine Spielerin zur Seite gestellt wurde, die weder im Verein noch bisher in der Nationalmannschaft Aufgaben im zentralen Mittelfeld übernommen, sondern immer die Außenpositionen besetzt hatte.


Kerstin Stegemann, Nadine Angerer, Britta Carlson, Steffi Jones, Sun Wen, Sandra Minnert, Kerstin Garefrekes

Das Tor des Tages - Nadine Angerer hatte die Ecke von Bai Lili falsch berechnet, sodass sich der Ball ins Tor senkte. Verdutze Gesichter bei den Deutschen, nur Sun Wen (Nr. 10) jubelt.

Da die Flügelspielerinnen recht offensiv ausgerichtet waren und Birgit Prinz irgendwo zwischen Mittelfeldregisseurin und hängender Spitze schwankte, klaffte denn ein recht großes Loch zwischen Abwehr und Angriff, weshalb ein strukturiertes Aufbauspiel so gut wie gar nicht zustande kam. Martina Müller, deren große Chance durch das Fehlen von Wimbersky und Grings mit einem Einsatz von Beginn an gekommen schien, war somit als einzige echte Sturmspitze auf völlig verlorenem Posten und konnte sich weder positiv noch negativ auszeichnen. Dass es somit ausgerechnet Müller und Wunderlich, die sich beweisen wollten, waren, die zur zweiten Halbzeit ausgewechselt wurden, ist zum einen bedauerlich für die betroffenen Spielerinnen und zum anderen auch schwer nachvollziehbar, da Müller - vorne auf sich allein gestellt und kaum mit Pässen bedient - und Wunderlich aufgrund der ihr völlig fremden Position mehr als undankbare Aufgaben übernehmen mussten.

Ohne Änderungen am System kamen zur zweiten Spielhälfte also Celia Okoyino da Mbabi für Pia Wunderlich und Sandra Smisek für Martina Müller. Smisek führte sich gleich kurz nach Wiederanpfiff gut ein, passte auf die linke Seite zu Prinz, deren Flanke Garefrekes dann knapp über das Tor köpfte. Es folgten nun die Minuten der Kerstin Garefrekes, die das deutsche Angriffspiel für einige Zeit nahezu im Alleingang antreiben sollte. Ähnlich wie Anja Mittag zu Beginn der ersten Hälfte zeigte sie sich nun mal rechts, mal links, und war an nahezu allen Torchancen beteiligt. So auch in der 50. Minute nach einer Ecke von Birgit Prinz, als ihr präziser Kopfball auf Höhe des Pfostens gerade noch von Lin Yali geklärt werden konnte. Ohne Zweifel die bisher größte deutsche Torchance.

Doch die deutsche Mannschaft blieb jetzt am Drücker - Mittag flankte in die Mitte zu Steffi Jones, die in mehr als aussichtsreicher Position zum Schuss kam, ihre Direktabnahme aber verhältnismäßig weit rechts neben das Tor setzte. Da wäre mehr möglich gewesen. In der Folge mühte sich die deutsche Mannschaft zwar, vor allem Mittag, Stegemann und Garefrekes absolvierten ein hohes Laufpensum, doch die Kreativität und Passgenauigkeit fehlte.

Kerstin Garefrekes, Liu Huana

Kerstin Garefrekes, hier im Zweikampf mit Liu Huana, war vor allem in der zweiten Hälfte an vielen Chancen beteiligt und zeigte großen Einsatz

Fast schon symptomatisch für ein Spiel, das an schön herausgespielten Chancen bis dato wenig zu bieten hatte, erzielten die Chinesinnen ihren Siegtreffer in der 55. Minute dann mit fleißiger Mithilfe von Torfrau Nadine Angerer, die einen Eckball von Bai Lili - übrigens auch vor zwei Jahren in Fürth die Torschützin - unterlief bzw. neben den Ball griff und somit nicht verhindern konnte, dass der Eckball vom Pfosten direkt ins Tor trudelte.

Ein unglückliches Gegentor für die Deutschen, das in logischer Konsequenz eine von da an noch defensiver agierende Gästemannschaft zur Folge hatte. Den Einsatz und den Willen konnte man der deutschen Mannschaft nicht absprechen, doch auch da Mbabi und Smisek konnten aus ihren Rollen nicht mehr herausholen, als es vorher Müller und Wunderlich möglich war. So ergab sich denn die nächste deutsche Chance auch aus einer Standardsituation. Einen Freistoß von Stegemann in der 58. Minute lenkte da Mbabi weiter zu Garefrekes, die direkt abzog, aber an der gut postierten und heute glänzend haltenden chinesischen Keeperin Han Wenxia scheiterte.

Bis etwa zur 70. Minute dauerte es, ehe die deutsche Mannschaft in ihrer Gesamtheit mehr aufrückte, Carlson und da Mbabi ihre Defensivaufgaben mehr zurückstellten und Smisek und Prinz auf einer Sturmlinie dadurch mehrfach zu gelungenen Kombinationen kommen konnten. Die Lücke zwischen Abwehr und Offensivabteilung, die zuvor den Spielaufbau so erschwerte, schien nun weitestgehend geschlossen. So gelang es dann auch immer öfter, die kompakt stehende und konsequent agierende chinesische Abwehr mit variablem Kurzpassspiel in Bedrängnis zu bringen oder zu sich nun häufenden Fouls zu zwingen, was mit der zuvor praktizierten Taktik - weite Bälle nach vorne - nicht gelungen war.

In den letzten 25 Minuten kam die deutsche Mannschaft zu etwa doppelt so vielen Chancen wie über das ganze Spiel hinweg. Eine echte Großchance stellte in der 66. Minute ein Freistoß von Birgit Prinz dar - doch ihr strammer Schuss ging erneut knapp drüber. Eine Minute später war es die nun sehr agile und gut in das Spiel eingebundene Sturmpartnerin Smisek, die nach einem Kopfball von Steffi Jones mit einem Seitfallzieher ihr Glück versuchte, aber in der Abwehr hängen blieb. Wenig später versuchte sich wieder die Weltfußballerin, die in der zweiten Halbzeit von Minute zu Minute stärker wurde und im Zusammenspiel mit Smisek aufblühte. Nach einer Vorlage von Smisek verfehlte sie das Tor erneut nur knapp. Dass Prinz' Freistoß zwei Minuten später, maßgenau ins Dreieck gezirkelt, nicht zum Tor führte, konnte wohl nur eine Weltklassetorfrau verhindern, und als solche präsentierte sich Han Wenxia heute ohne Zweifel. Schuss und Parade nahmen sich an Qualität in dieser Szene nichts.

In der Zwischenzeit waren Conny Pohlers für Anja Mittag und Bianca Rech für Sonja Fuss gekommen. Für Rech war es ihr Comeback nach langer Verletzungspause, nach der sie sich in der schwedischen Liga bei Sunnana SK - mittlerweile bei Bayern München angelangt - wieder zu alter Form gesteigert und ins Nationalteam zurückgearbeitet hatte. Die beiden Eingewechselten waren dann gleich in der 83. Minute an einer weiteren deutschen Großchance beteiligt. Rech passte auf die linke Seite zu Pohlers, diese leitete gekonnt auf Smisek weiter, die mit einem Kopfball aus vollem Lauf die Riesenchance zum Ausgleich hatte - doch auch sie fand mit ihrem zu wenig platzierten Kopfball ihre Meisterin in Han Wenxia, die den Ball über die Latte lenkte.

Liu Yali, Han Wenxia

Der Ball wollte einfach nicht rein - Sandra Smisek hatte zahlreiche große Chancen, doch entweder fehlte die Präzision oder hatte Torfrau Han Wenxia etwas dagegen. Rechts Liu Yali.

Völlig unverständlich allerdings, dass es auf diese Szene hin keinen Eckball für Deutschland gab, da Han den Ball bei ihrer Abwehr ganz offensichtlich berührt hatte. Doch Han Wenxia war es Sekunden später selber, die beinahe - wie zuvor Angerer - mit einem Torwartfehler ein Gegentor geschenkt hätte, indem sie sich - nicht nur in dieser Szene - bei ihrem Abschlag sehr viel Zeit nahm und diesen geradezu aufreizend


lässig ausführen wollte. Smisek roch den Braten, ging in den Ball rein, erwischte ihn gar, doch der Ball strich knapp am linken Torpfosten vorbei. Hätte es ein Tor gegeben, Han Wenxia hätte sich in Zukunft vielleicht mehr beeilt.

Bianca Rech, Liu Huana

Bianca Rech feierte ihr Comeback im Nationaltrikot - hier im Duell mit Liu Huana.

Jetzt in der Schlussphase, in der sich das deutsche Team zahlreiche Chancen erarbeitete, wäre der Ausgleich mehr als verdient gewesen. Und auch möglich gewesen - zuletzt in der 90. Minute durch Conny Pohlers, die aus aussichtsreicher Position im Strafraum zum Schuss kam, den Ball aber nur schlecht erwischte und diese Chance geradezu kläglich vergab. Nach Toren am Fließband in der Bundesliga erfuhr ihr Spitzname "Chancentod" so wieder seine Berechtigung. Bei nur 15 Minuten Einsatzzeit fehlte ihr allerdings auch die Gelegenheit, ihre andere, effizientere Seite zu zeigen.

Insgesamt ein bestenfalls durchwachsenes Spiel der deutschen Mannschaft, die über weite Strecken Zielstrebigkeit vermissen ließ und erst dann, als sie sich aus dem vorgegebenen System löste, sich mit mehr Schwung Chancen erarbeitete. Zweifelsohne ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Bundesliga gerade erst wieder begonnen hat und die chinesische Mannschaft durch das Vier-Nationen-Turnier und die dazugehörige intensive Vorbereitung deutlich mehr Gelegenheiten hatte, sich einzuspielen und Spielpraxis zu sammeln. Doch präsentierten die Chinesinnen sich nicht als DER starke Gegner, der ein besseres deutsches Spiel nicht zugelassen hätte. Auch der Verweis auf das unglückliche Gegentor durch Torwartfehler würde viel zu kurz greifen - an Zeit und Chancen, um den Gegentreffer auszugleichen, mangelte es nicht. Ob eine sicherlich im Spielaufbau fehlende Renate Lingor, die mit der Doppelaufgabe defensive Absicherung und Spielaufbau auch überfordert war und sich erst entfalten kann, seit sie sich durch die defensive Absicherung in Person von Britta Carlson auf den Spielaufbau konzentrieren kann, bei dem heute angewandten System viel mehr hätte bewegen können, ist gewiss auch keine ausgemachte Sache. Die Strategie mit zwei defensiven Mittelfeldspielerinnen kann aus meiner Sicht - wie früher mit Lingor/Odebrecht und Lingor/Omilade - erneut nur als gescheitert betrachtet werden.

Die Bundestrainerin wird sich die Frage stellen müssen, ob gegen eine so massiv stehende chinesische Mannschaft nicht ein offensiver ausgerichtetes zentrales Mittelfeld besser in der Lage

Yuan Fan, Birgit Prinz

Birgit Prinz drehte vor allem in der zweiten Halbzeit auf und konnte nicht zuletzt von Yuan Fan häufig nur durch Fouls gebremst werden.

gewesen wäre, aus zentraler Position das Spiel zu verlagern, Räume zu öffnen und eine Doppelsturmspitze mit Bällen zu versorgen, statt es mit weiten Bällen zu versuchen und die alleinige Sturmspitze vorne verhungern zu lassen. Bleibt aus meiner Sicht zu hoffen, dass mit den bewährten Kräften auch wieder zum zuletzt so erfolgreichen System zurückgekehrt wird, in dem sich dann hoffentlich auch die heute eingesetzten Spielerinnen wieder besser entfalten können.

So bleibt das eher positive Fazit von Bundestrainerin Silvia Neid in der ARD für mich schwer nachvollziehbar. Positiv zu erwähnen ist sicher die Einsatzbereitschaft und der Kampf bis zur letzten Sekunde - allerdings sollte dies nicht besonders hervorzuheben, sondern als selbstverständlich anzusehen sein. Zumal vor einer solchen Kulisse. So entschuldigte sich Neid denn auch in der Pressekonferenz für den ausbleibenden Erfolg. Man habe den fleißigen Helfern, die das Spiel erst möglich machten, mit einem guten Spiel danken wollen. Dass dies nicht geglückt sei, erklärte Neid vor allem mit der schwachen ersten Halbzeit, in der man China habe es ins Spiel kommen lassen. Die zweite Halbzeit gefiel der Bundestrainerin deutlich besser - ein Sonderlob bekam Celia Okoyino da Mbabi, die viel Schwung reingebracht habe -, vor dem Tor habe ihre Mannschaft aber viel zu hastig agiert und so beste Torchancen vergeben.

Abschließend bleibt dennoch die erfreuliche Tatsache zu resümieren, dass die deutsche Mannschaft auch unter der Woche und in einem Freundschaftsspiel mittlerweile konstant in der Lage ist, 15.000-20.000 Zuschauer in die Stadien zu ziehen. Geht man gezielt in Regionen, die nicht von Spitzenfußball gesättigt sind, sondern nach fußballerischen Höhepunkten lechzen, so wurde in der Vergangenheit nahezu jedes Länderspiel zu einem kleinen Fest. Vielleicht ja auch demnächst wieder zu einem fußballerischen.

Erstmal aber geht es für die Frauen um Silvia Neid in der nächsten Woche nach Portugal zum Algarve-Cup, wo in der Gruppenphase mit Schweden, Norwegen und Finnland echte Prüfsteine warten. "Ich mag das gerne, wenn man vor einem Event verliert, dann weiß man, wo man steht.", konnte die Bundestrainerin der Niederlage mit Blick auf den Algarve-Cup auch positive Seiten abgewinnen. In dieser "Mini-WM", der Neid höchste Bedeutung beimisst, wird die deutsche Mannschaft mit dem 18-köpfigen Kader aus Homburg - plus Petra Wimbersky und Renate Lingor - antreten. Die deutschen Spiele sowie einige weitere Spitzenbegegnungen werden bei Eurosport live übertragen. Soweit es die Bedingungen zulassen, wird FanSoccer von vor Ort möglichst zeitnah berichten.

Bildergalerie

Aufstellungen

Deutschland
Angerer, Stegemann, Minnert, Jones, Fuss (75. Rech), Garefrekes, Carlson, P. Wunderlich (46. Okoyino da Mbabi), Mittag (75. Pohlers), Prinz, M. Müller (46. Smisek)

China:
Han Wenxia, Liu Huana, Yuan Fan, Pu Wei, Liu Yali, Zhao Xiaoyan (78. Qu Feifei), Zhan Ying, Pan Lina, Bai Lili (86. Sun Yongxia), Han Duan (90. Guo Yue), Sun Wen (71. Ma Xiaoxu)

Tor:
0:1 Bai Lili (55.)

Gelbe Karte: Han Wenxia, Yuan Fan

Schiedsrichterin: Elke Günthner (Bamberg)

Zuschauer: 20.000

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