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Testspiel in Freiburg

Starke zweite Halbzeit reicht

Deutschland - China 2:0 (0:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Peter Clesle

28.02.2008   Vor 18.346 Zuschauern, die für prächtige Stimmung im Freiburger Stadion sorgten, präsentierte sich zunächst einmal der Gast aus China als der erwartet schwere Gegner. Von ihrer Trainerin Elisabeth Loisel hervorragend eingestellt, machten die laufstarken Chinesinnen den deutschen Spielerinnen mit frühem Pressing das Leben schwer. So gelang in der ersten Halbzeit kaum einmal eine Kombination, und die einzige echte Torchance war ein 30m-Lattenknaller von Babett Peter kurz vor der Pause, der allerdings alleine fast schon das Eintrittsgeld wert war.

Im deutschen Team fehlte es in dieser ersten Halbzeit an Präzision im Passspiel, aber auch an Spritzigkeit und Zweikampfstärke. Deutlich war zu erkennen, dass den Spielerinnen nach der langen Winterpause noch Spielpraxis fehlt. Positiv ist hervorzuheben, dass auch die Chinesinnen zu praktisch keiner echten Chance in dieser ersten Halbzeit kamen. Gegenüber dem Fernsehen erklärte Neid hinterher, sie sei auch mit der ersten Halbzeit zufrieden gewesen, in der es in erster Linie um gute Abwehrarbeit gegangen sei.

Renate Lingor

Typisch für die erste Halbzeit: die deutschen Offensivkräfte, hier Renate Lingor, fanden sich oft umzingelt und früh gestört von mehreren Chinesinnen

Es ist nicht überliefert, ob Bundestrainerin Silvia Neid bei ihrer Pausenansprache laut wurde, aber auf den Platz kam dann eine andere, bessere deutsche Mannschaft, die allerdings nur in einer Position (Martina Müller für Sandra Smisek) geändert wurde. Doch das deutsche Spiel wurde präziser, schneller, die Laufbereitschaft schien höher und die Zweikämpfe wurden engagierter angenommen.

Birgit Prinz

Birgit Prinz hatte es fast immer mit zwei Gegenspielerinnen zu tun, hier sind es Wang Kun (4) und Zhang Tong

So riskierte es Birgit Prinz, der in der ersten Hälfte wie so vielen im deutschen Team wenig gelungen war, eng gedeckt von zwei Chinesinnen diese auszuspielen statt abzugeben, setzte sich durch und kam zum ersten gefährlichen Schuss aus dem Strafraum heraus, den die gute Zhang Yanru im chinesischen Tor allerdings sauber parieren konnte. Auch Melanie Behringer ging auf ihrer Position links im Mittelfeld immer engagierter in die Zweikämpfe, versetzte Innenverteidigerin Wang Kun in Strafraumnähe, schöner Pass fast von der Torauslinie zurück in die Strafraummitte, doch eine Chinesin klärte noch zur Ecke. (52. Minute)

Doch in der folgenden Minute kam dann auch China zum ersten wirklich gefährlichen Konter, schnell aus der Abwehr durchs Mittelfeld auf linksaußen gespielt, schöner Diagonalpass auf Xie, die kam aus etwa 10 Meter vor dem Tor zum Schuss, doch Nadine Angerer hielt ihren Kasten mit erneut fehlerloser Leistung auch heute sauber und entschärfte den zu unpräzisen Schuss von Xie. Dann holte Behringer links nah am Strafraum einen Freistoß heraus, kurz ausgeführt von Renate Lingor auf Behringer, harte Flanke, doch


Tor Petra Wimbersky

Petra Wimbersky konnte sich über ein Traumtor zum 2:0 nach Hackentrickvorlage von Martina Müller freuen. Enttäuschung dagegen bei den Chinesinnen Zhang Ying, Wang Kun und Li Jie (von links), die der deutschen Mannschaft alles abverlangt hatten

Chinas Stürmerin Han Duan klärte mit dem Kopf knapp vor der aufgerückten Annike Krahn.

Deutschland jetzt deutlich überlegen, die Chinesinnen in der eigenen Hälfte eingeschlossen, verteidigten aber weiter sehr geschickt. 60. Minute, Foul an Simone Laudehr, Freistoß vom rechten Strafraumeck. Ausführung wieder Lingor, diesmal auf den Kopf von Petra Wimbersky, die einen schönen Kopfballtorpedo nur knapp neben den Pfosten setzte. Lingor wurde dann wenig später gegen Saskia Bartusiak ausgewechselt, und das deutsche Spiel ließ in dieser Mitte der zweiten Halbzeit wieder etwas nach, ohne jedoch so schlecht wie in der ersten Halbzeit zu werden.

Frauenfußball Nationalmannschaft

Die Startaufstellung der deutschen Elf: Oben von links Kerstin Stegemann, Annike Krahn, Nadine Angerer, Birgit Prinz und Simone Laudehr. Unten: Renate Lingor, Babett Peter, Melanie Behringer, Ariane Hingst, Sandra Smisek und Petra Wimbersky

Vielleicht lag es einfach nur an den Chinesinnen, die sich noch einmal aufbäumten und sich wieder aus der Umklammerung durch das deutsche Team befreien konnten. Xie spielte die ansonsten sichere Peter auf dem rechten Flügel aus, schoss dann aber weit vorbei. Doch es stand weiter 0:0, und ein Tor für China zu diesem Zeitpunkt hätte das Spiel entscheiden können, dieser Gedanke trieb die Chinesinnen zu einer starken kämpferischen Leistung.

Simone Laudehr

Simone Laudehr bot ein gutes Spiel, wurde oft gefoult. Hier hat sie Han Duan bereits hinter sich gelassen und flankt, befor Zhang Na ihr zu nahe kommen kann

Sehr sehenswert dann eine Direktabnahme von Müller, die einen Steilpass von Stegemann im Fünfmeterraum erwischte, aber Zhang parierte mit ebenso gutem Reflex. Auf der Gegenseite mußte Angerer im Herauslaufen vor der eingewechselten Zhang C. retten, Peter war hier etwas zu langsam gewesen. Doch gleich wieder Gefahr vor dem chinesischen Tor, Bartusiak mit einem Weitschuss nach Zuspiel von Prinz, doch am unteren linken Eck vorbei. Deutschland wurde aber nun wieder sehr stark, woran die für Behringer eingewechselte Conny Pohlers großen Anteil hatte. Nur wenige Minuten auf dem Platz lief Pohlers einfach genial in eine mitten in den Strafraum gespielte Flanke, war damit urpötzlich mit dem Ball alleine vor dem Tor und konnte von Li Jie nur noch mit einem Foul gestoppt werden. Den fälligen Elfmeter versenkte Prinz unhaltbar.


Nur eine Minute später jubelte das Publikum bereits wieder, Müller hatte ein schönes Tor erzielt, doch dieses wurde wegen angeblichen Abseits nicht gegeben. Eine Fehlentscheidung, wie die Zeitlupe zeigte, und schade, dass Nicole Schumacher Müller dann auch noch die gelbe Karte zeigte, weil sie nach dem Pfiff weitergespielt hatte, denn bei der lauten Kulisse war dieser sowieso unberechtigte Pfiff leicht zu überhören. Doch an dieser Stelle kann ich auch lobend erwähnen, dass die in aller Ruhe am Bildschirm kontrollierbaren Entscheidungen des Schieds- richtergespanns fast alle richtig waren. Ganz so schlecht, wie oft behauptet, ist es um unsere Schiedsrichterinnen offensichtlich doch nicht bestellt!

Die Chinesinnen hatten nun dem überlegenen deutschen Spiel nichts mehr entgegenzusetzen und mußten auch noch den zweiten Treffer hinnehmen, und der hat auch gleich noch das Zeug zum Tor des Monats. Wimberksy im vollen Lauf auf Müller, diese mit der Hacke zurück zu Wimbersky, und die mit Wucht ins Tor, da war alles drin, Dynamik, Technik, Präzision... ein Traumtor!

So gewannen die deutschen Spielerinnen am Ende doch noch deutlich und aufgrund der guten zweiten Halbzeit auch völlig verdient ihr erstes Länderspiel des Jahres 2008. Möge es den Rest des Jahres so weitergehen!

Lena Goeßling

Lena Goeßling feierte in den letzten fünf Minuten ihr Debut im Trikot der A-Nationalmannschaft

Deutschland

Angerer - Stegemann, Hingst, Krahn, Peter (77. Zietz) - Lingor (64. Bartusiak), Laudehr (85. Goeßling), Wimberksy, Behringer (77. Pohlers), Prinz, Smisek (46. Müller)

China

Zhang Yanru - Zhang Ying, Wang, Li, Liu - Zhang Na, Zhang Tong, Han (63. Zhang C.), Bi, Xie (83. Xu) - Guo

Tore:
1:0 Prinz (80. FE)
2:0 Wimbersky (89.)

Gelbe Karten: Müller

Schiedsrichterin: Nicole Schumacher (Oberhausen)

Zuschauer: 18.346


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