A-Nationalmannschaft, TestspielAusbaufähigDeutschland - China 1:1 (1:1) | ||
Text von Tom Schlimme 25.02.2009 Im ersten Spiel des Jahres 2009 mußte Bundestrainerin Silvia Neid auf fünf verletzte Stammspielerinnen verzichten. So kam es zu einer drastischen Verjüngung des Teams, dem aufgrund altersbedingter Veränderungen sowieso ein Umbruch bevorstehen dürfte. Neid entschied sich allerdings, die ganz jungen Spielerinnen erst in der zweiten Halbzeit zu bringen und ließ mit einer „mittelalten” Mannschaft anfangen. Am Ende zeigte das deutsche Team ein durchwachsenes Spiel, in dem einiges gelang, aber auch vieles zu verbessern bleibt. Dass Neid aufgrund des Ausfalls von drei der vier Stammabwehrspielerinnen eine komplett neue Viererkette würde aufbieten müssen, war klar gewesen. Doch die Variation, mit der Neid das Spiel eröffnen ließ, überraschte dann doch: Navina Omilade in der Innenverteidigung war noch zu erwarten gewesen, doch Saskia Bartusiak, die im Verein meist auf der linken Seite oder im Mittelfeld spielt, bei Neid bisher meist auf der Sechserposition vor der Abwehr, war die erste Überraschung. Babett Peter auf links die einzige Stammkraft in der Abwehr, rechts völlig überraschend Isabell Bachor, die bisher nur als Mittelfeldspielerin bzw. Stürmerin bekannt ist. Dies ging schief, man muss es einfach sagen, Bachor war der Schwachpunkt im Team, machte nicht nur beim Gegentor keine gute Figur, sondern auch in einigen anderen Szenen, konnte auch keine Akzente nach vorne setzen. In der zweiten Halbzeit machte die gerade 19-jährige Bianca Schmidt, zwar auch eine gelernte Stürmerin, aber mit viel Erfahrung auf dieser Position in den U-Natios, ihre Sache deutlich besser. Vorne war nach dreieinhalb Jahren und einigen atmosphärischen Störungen die 30-jährige Inka Grings zurückgekehrt und bewies, dass auch Fußballerinnen mit 30 noch nicht zum alten Eisen gehören. Zusammen mit Linda Bresonik, deren Einsatz auf der Sechserposition sich als Volltreffer herausstellte, und Melanie Behringer gehörte Grings zu den Besten im Team. Schon nach 89 Sekunden erzielte sie dann auch den wichtigen Führungstreffer. Die deutschen Angreiferinnen hatten sich auf dem linken Flügel durchgespielt, der Ball wurde schlecht abgewehrt, kam dann von links auf den rechten Flügel, wo Kerstin Garefrekes, insgesamt die viertbeste im Team, mit dem Kopf auf Grings weiterleitete. Diese nahm den Ball geschickt an - wie sie später zugab, unter leichter Zuhilfenahme des Oberarms - spielte sich an zwei Chinesinnen vorbei und vollstreckte knallhart ins Eck. Erst bei sehr genauem Hinsehen in der Zeitlupe war das Handspiel zu erkennen, Schiedsrichterin Anja Kunick, die insgesamt sehr gut leitete, sollte man da keinen Vorwurf machen. ![]() Die Duisburgerin Inka Grings ließ ihrem Fünferpack gegen Hamburg in der Liga nun ein Tor in der Nationalmannschaft folgen. In ihrem ersten Länderspiel nach dreieinhalb Jahren war Grings damit Spielerin des Spiels im deuschen Team In der elften Minute wurde ein Freistoß von Behringer flach abgewehrt, Bresonik holte sich den Ball, setzte sich gegen mehrere Gegenspielerinnen durch, doch dann wurde der Winkel zu spitz und Keeperin Zhang Yanru blockte ab. Im Gegenzug zeigten aber dann auch die Chinesinnen, dass sie nicht nur zum Verteidigen angetreten waren. Wang ließ Bachor stehen, Omilade konnte aber im Strafraum klären. Dann wieder das deutsche Team: Bresonik mit schönem Lauf durchs Mittelfeld nach links auf Garefrekes, die präzise zurück zu Bresonik, deren Kopfball ging aber über das Tor. Wenig später setzte sich Behringer links kraftvoll durch, zog dann mit ihrem starken rechten Fuß ab, aber auch sie verfehlte das chinesische Tor knapp. Wie aus heiterem Himmel fiel dann aber der Ausgleichstreffer: Xu warf auf der linken chinesischen Angriffseite ein, Bachor orientierte sich auf die Chinesin, die den Ball annahm, ließ Xu dabei völlig frei stehen. Prompt kam der Ball zu Xu zurück, die nun Platz hatte, gehen konnte und von links in den Strafraum flankte. Wahrscheinlich rutschte ihr der Ball über den Fuß, denn die Flanke kam näher zum Tor, als Xu das geplant haben dürfte. Viel näher, denn das Leder flog hoch über Keeperin Nadine Angerer, traf den Pfosten, prallte an das Bein von Li und von dort ins Netz. Angerer sah hier ebenfalls nicht gut aus, nahm hinterher auch eine Teilschuld an diesem Tor auf sich, meinte aber, dass diese verunglückten Flanken für jeden Keeper schwer zu halten seien. ![]() Melanie Behringer, hier gegen Liu Huana, gehörte mit ihrem kraftvollen Spiel zu den Besten im deutschen Team Gleich nach dem Anstoß kam das deutsche Team zur nächsten guten Gelegenheit, Garefrekes setzte sich links durch, doch ihr Schuss ging knapp vorbei. Doch der Faden im deutschen Spiel war nun gerissen, die |
Linda Bresonik überzeugte auf der Sechserposition und sorgte für einige Torgefahr. Hier hat sie Zhou Gaoping (im Hintergrund) aussteigen lassen, scheitert dann aber an Keeperin Zhang Yanru | |
Chinesinnen wurden stärker und hielten das Spiel jetzt ausgeglichen. Dabei kamen sie immer wieder über ihre linke Seite, begünstigt aber keineswegs nur durch die schwache Bachor, sondern insgesamt durch ein deutsches Team, dem im Spielaufbau nicht mehr viel gelingen wollte. Es waren zwar immer wieder gute Einzelaktionen zu sehen, aber das Zusammenspiel funktionierte in dieser Phase nur schlecht. Immerhin eine gute Chance hatte dann noch einmal Grings, die in der 38. Minute von Behringer freigespielt diesmal aber genau auf die chinesische Keeperin zielte. Behringer selber setzte sich kurz darauf im Strafraum durch, schoss aber vorbei. Eine Flanke von Garefrekes von rechts hätte sich in der 45. Minute dann auch noch fast ins chinesische Tor gesenkt, aber eben nur fast. ![]() Die Potsdamerin Bianca Schmidt zeigte in ihrem ersten Länderspiel in der A-Nationalelf eine gute Leistung In der zweiten Halbzeit brachte Neid dann wie erwähnt Schmidt für Bachor, außerdem Kim Kulig für die kaum in Erscheinung getretene Lena Goeßling im Mittelfeld sowie Martina Müller für Anja Mittag in den Sturm. Mittag hatte einigermaßen gut mitgespielt, aber wieder einmal jede Torgefährlichkeit vermissen lassen. Alle drei machten ihre Sache besser als ihre Vorgängerinnen, Schmidt machte die rechte Abwehrseite dicht und war auch einige wenige Male vorne zu finden, Kulig setzte im Mittelfeld in ihrem ersten A-Natiospiel überhaupt einige Akzente, und Müller ließ nicht nur mit zwei Pfostenschüssen ihre Torgefährlichkeit aufblitzen. Überhaupt wurde das deutsche Team jetzt wieder stärker, nahm das Heft in die Hand und diktierte das Spiel. Doch ob bei einem Fernschuss von Kulig, den Zhang hielt, oder bei einem Getümmel im Strafraum in der 52. Minute, der Ball wollte nicht mehr ins Tor. In der 57. Minute kam dann Lira Bajramaj für Grings und wußte mit ihrer völlig anderen Spiellweise ebenfalls zu gefallen. Richtig gefährlich wurde es wieder in der 65. Minute, als ein von Behringer getretener Eckball flach durch den chinesischen Strafraum strich und Garefrekes zum Schuss kam, doch eine Chinesin bekam das Bein dazwischen und der dritte Eckball innerhalb von zwei Minuten war die einzige Folge. Eine Minute später mußte Angerer bei einem Schuss von Wang ihre Klasse unter Beweis stellen, in dieser Szene war die ganze deutsche Abwehr nicht auf dem Posten. Doch im direkten Gegenzug trieb Kulig den Ball, passte steil auf Garefrekes, die setzte sich rechts durch, Müller warf sich mit einem sehenswerten Flugkopfball in ihre Flanke, doch der Ball ging nur an den Pfosten. ![]() Martina Müller hatte mit ihrem Flugkopfball die schönste Aktion des Tages. Leider ging der Ball nur an den Pfosten, genau wie ein sehenswerter Schuss einige Zeit später Die Zeit verstrich, das deutsche Team war im Mittelfeld deutlich überlegen, der letzte Pass in die Spitze kam aber zu selten an. Erst in der Schlussphase der Partie gelang es dann doch noch mal, einige wirklich zwingende Chancen - gegen wahrscheinlich auch müder werdende Chinesinnen - herauszuspielen. Es begann in der 83. Minute mit einem schnellen deutschen Konter, Kulig zu Bresonik, die steil auf Bajramaj, Keeperin Zhang spritze an der Strafraumgrenze dazwischen, schlechte Abwehr, der Ball kam direkt zu Müller, die umspielte eine Gegenspielerin und zog von der Strafraumgrenze ab, doch auch diesmal fehlte das Quäntchen Glück, Müller traf genau den Winkel des chinesischen Tores. Doch das deutsche Team ließ nicht nach, Bresonik setzte sich rechts durch, spielte in den Rücken der Abwehr, doch minimal zu ungenau, der Ball war nicht wirklich zu verwerten. |
Dann war es die eingewechselte Nicole Banecki, die sich am Torraum durchsetzte, Keeperin Zhang warf sich ihr entgegen, der Ball prallte ab, blieb heiß. Bresonik legte rechts zurück auf die heraneilende Schmidt, schöner Schuss, doch Zhang hielt. In der Nachspielzeit wurde Bresonik nach Zuspiel von Banecki gerade noch vor dem Tor gestoppt, und ein Kopfball von Kulig nach Eckstoß ging auch noch vorbei. So hätte das deutsche Team schon aufgrund der starken Schlussphase und einer deutlich höheren Zahl an Torgelegenheiten in diesem Spiel den Sieg durchaus verdient gehabt, allerdings hätte dies nur übertüncht, dass der Spielaufbau über weite Strecken noch haperte, die Abwehr nicht immer sicher stand, der Sturm an seiner Chancenauswertung arbeiten muss, insgesamt noch eine Menge Sand im Getriebe war. Neid zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, die junge Mannschaft habe die schwere Aufgabe hervorragend gelöst. Die neu zusammengesetzte Innenverteidigung habe sicher gestanden, das ganze Team gut angefangen, nach 20 Minuten aber nachgelassen, da sei China dann besser ins Spiel gekommen. In der zweiten Halbzeit habe das deutsche Team das Spiel dann wieder im Griff gehabt, mit viel Leidenschaft gespielt. Die Chancen seien da gewesen, hätten reingehen müssen, daran sei noch zu arbeiten. Zufrieden sei sie auch mit den beiden Debütantinnen, der 18-jährigen Kim Kulig, der 19-jährigen Bianca Schmidt sowie mit der 20-jährigen Nicole Banecki, die ihren zweiten A-Natio Einsatz hatte. „Jetzt kommen vier Spiele in Portugal, wo wir weiter dazulernen wollen mit dieser jungen Mannschaft!” ![]() Auch die 18-jährige Kim Kulig, jüngste im Team, wurde von der Bundestrainerin nach ihrem Debut gelobt. Hier setzt sich Kulig gegen Wang Dandan durch
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