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Vier-Nationen-Turnier 2007 in China

Torflaute hält an

28.01.07 in Guangzhou: Deutschland - China 0:0

Text von Tom Schlimme, Archivfotos von Nora Kruse

28.1.2007   Die deutsche Nationalmannschaft hat sich gegen China schon öfter schwer getan, zuletzt bei der einzigen deutschen Niederlage des Jahres 2006 (1.3.06, 0:1 in Homburg). Dieses Spiel heute im Reich der Mitte konnte man also getrost zu den ganz schweren Auswärtsspielen rechnen. Von daher kann man mit dem Ergebnis vielleicht zufrieden sein. Wenn man das Spiel und die deutsche Überlegenheit über die gesamten 90 Minuten gesehen hat, muss man jedoch einem verschenkten Sieg nachtrauern.

Bundestrainerin Silvia Neid hatte gegenüber dem USA-Spiel auf sechs Positionen umgestellt, um möglichst vielen Spielerinnen Spielpraxis zu geben. So blieb die gegen die USA so glänzende Celia Okoyino da Mbabi lange draußen, eine Maßnahme, die ich beim Zusehen zunehmend bedauert habe, denn im deutschen Spiel vermißte ich oft eine regieführende Spielerin im Mittelfeld. Diesen Mangel glichen die Spielerinnen durch Einsatzbereitschaft und frühes Stören aus, dem meist Balleroberung und schnelle Angriffe folgten. Herausragend dabei Conny Pohlers, die heute ihrem Beinamen "Kampfschwein" alle Ehre machte und durch ihren großen Einsatz die chinesische Abwehr immer wieder in Verlegenheit brachte.

Conny Pohlers

Conny Pohlers gefiel gegen China durch eine starke kämpferische Leistung und hatte die meisten - leider vergebenen - Torchancen für Deutschland

Die ersten beiden Chancen im Spiel hatte jedoch Martina Müller, die gleich zu Beginn von der links durchgelaufenen Pohlers bedient nur knapp im Abseits war, wenig später dann nach Vorlage von Kerstin Stegemann von rechts den Ball volley aufnahm, doch verzog. In der 5. Minute war es der in der ganzen Partie sehr soliden Ariane Hingst zu verdanken, dass China nicht in Führung ging, als Hingst in letzter Sekunde im Strafraum vor einer mit einem Steilpass bedienten Stürmerin klären konnte.

Die für die verletzte Silke Rottenberg im Tor stehende Stephanie Ullrich machte ein sehr gutes Spiel ohne jeden Anschein von Nervosität. So klärte sie in der 15. Minute mit der Faust im Fünf-Meter-Raum, der direkte Gegenzug brachte einen schönen deutschen Angriff, den Linda Bresonik mit einem Volleyschuss abschloss, der aus ca. 20 Metern über das Tor ging. Wenig später konnte Ullrich im Herauslaufen außerhalb des Strafraums knapp vor einer Chinesin klären, Klasse-Aktion! Im Gegenzug hatte dann wieder Bresonik die nächste große Chance, als sei einen Eckball von Pohlers mit dem Kopf gefährlich auf das chinesische Tor bringen konnte, Torhüterin Han Wenxia konnte den Ball nicht festhalten, Müller roch den Braten und war zur Stelle, doch eine chinesische Abwehrspielerin konnte gerade noch abblocken.

Deutschland kam zu weiteren Chancen: Navina Omilade mit einer Mischung aus Schussversuch und Hereingabe, Petra Wimbersky verpasst den Ball knapp, der auch nicht weit am Tor vorbeigeht. Schuss Müller aus kurzer Distanz, doch etwas zu schwach und genau auf die Torfrau nach Vorarbeit von Wimbersky und


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Kerstin Stegemann trug heute wieder die Kapitänsbinde für Deutschland. In der Defensive wenig beschäftigt, konnte sie sich vor allem in der ersten Hälfte an vielen deutschen Angriffen beteiligen

Omilade, das hätte es in der 20. Minute eigentlich sein müssen! Dann Fatmire Bajramaj rechts durch, doch statt einer Flanke folgt nur ein schwacher Schuss. Dazwischen mal wieder ein Schuss von China, der aber neben das Tor ging nach einem Fehlpass von Annike Krahn in der Abwehr. Krahn war heute meist sicher in der Defensive, leistete sich nach vorne aber einige Fehler. Es folgten noch ein schöner Linksschuss von Pohlers, den Han Wenxia nur mit Mühe halten konnte, und der schönste Spielzug der ersten Halbzeit: Krahn mit einem weiten Ball zu Pohlers auf die linke Seite, diese gibt fast von der Torauslinie zurück zu Müller, Direktabnahme, aber wieder steht die chinesische Torfrau dem Treffer im Weg.

Nach der Pause ging es mit Bianca Rech für Sonja Fuss weiter. Beide spielten solide, aber unauffällig. Riesengelegenheit für Deutschland dann in der 52. Minute: Pohlers ist rechts durch, läuft mit dem Ball auf das chinesische Tor zu, Bajramaj läuft in der Mitte mit, schöner flacher Pass von Pohlers, doch Bajramaj tritt freilaufend am Ball vorbei. Wenig später dann Bajramaj mit schöner Vorarbeit von rechts, Müller mit Flugkopfball, doch vorbei. Dann ein deutscher Tempogegenstoß, Wimbersky steil auf Müller, die weiter zu Pohlers, Direktschuss, Fußabwehr Han Wenxia.

Sonja Fuss

Sonja Fuss spielte heute für Sandra Minnert auf der linken Abwehrseite. Zur Halbzeit wurde sie dann durch Bianca Rech ersetzt. Beide spielten gleich stark, so dass auf dieser Position zwei Alternativen für Minnert zur Verfügung stehen

Ein Tor für Deutschland lag in der Luft und wäre hochverdient gewesen, doch die chinesische Torfrau erwies sich heute als unüberwindliches Hindernis, wobei man aber sagen muss, sie hielt, was gehalten werden mußte, unhaltbare waren nicht dabei. Auch nicht nach 64 Minuten, als Müller den Ball im Strafraum mit dem Kopf eroberte und zu Pohlers bugsierte, die sofort abzog, aber wieder zu nah auf die Torfrau. Schrecksekunde dann wenig später, als die wieder gut herauslaufende Ullrich und eine chinesische Stürmerin zusammenprallten und beide minutenlang behandelt werden mußten, dann aber beide weiterspielen konnten. Nach der Verletzung von Rottenberg hätte Deutschland bei einer Verletzung von Ullrich ohne Torhüterin dagestanden!


Wenig später kam dann da Mbabi für Müller und Anja Mittag für Pohlers. Die beiden eingewechselten konnten keine besonderen Akzente mehr setzen, die Wirbelwinde Pohlers und Müller fehlten dem deutschen Angriffsspiel, hatten sich bis dahin allerdings auch sehr verausgabt, so dass die Wechsel sicher sinnvoll waren. Ein gehaltener Schuss von Bajramaj ist noch zu vermerken, ein Kopfball von Krahn nach einer von Mittag getretenen Ecke, der auf der Linie abgeblockt wurde, Einwechslung Melanie Behringer für Wimbersky, vier Minuten Nachspielzeit, dann ging also auch diese Partie torlos zu Ende.

Positiv ist zu vermerken, dass die deutsche Mannschaft kaum chinesische Chancen zuließ, Stephanie Ullrich hat Silke Rottenberg gut vertreten, der Kampfgeist im deutschen Team hat gestimmt, es gab einige sehr schöne Kombinationen, aber im Torabschluss haperte es, da fehlte letztlich die Durchschlagskraft. Linda Bresonik ist nach der Anfangsphase weitgehend untergetaucht, Bajramaj zeigte viele gute Ansätze, man sah aber auch, dass ihr noch die Erfahrung fehlt. Navina Omilade hatte einige gute Szenen und zeigt aufsteigende Form, ist aber nicht der Typ, der ein solches Spiel an sich reißt, und genau das hat heute im Mittelfeld gefehlt. Petra Wimbersky spielte heute weiter hinten als sonst und dort längst nicht so gefährlich wie gewohnt, auch dies wird wohl keine Dauerlösung werden. Fazit: die aus verschiedenen Gründen zu Hause gebliebenen erfahrenen Spielerinnen konnten noch nicht vollständig ersetzt werden, doch für die Zukunft läßt auch dieses jüngere Team schon einiges erwarten!

Annike Krahn

Annike Krahn, als Zerstörerin stark wie immer, nach vorne mit einigen Fehlpässen, am Ende noch mit einem gefährlichen Kopfball auf das chinesische Tor

Deutschland:

Ullrich - Stegemann, Krahn, Hingst, Fuss (46. Rech) - Bajramaj, Omilade, Bresonik, Pohlers (70. Okoyino da Mbabi) - Wimbersky (76. Behringer), Müller (70. Mittag)

Karten: Sehr faire Partie, keine Karten!

Zuschauer: 10.000


A-Natio

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