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EM-Qualifikation

Frühlingsspaziergang

Belgien - Deutschland 0:5 (0:1)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Florian Büchting

07.05.2008   Mit einem guten Spiel gegen einen extrem schwachen Gegner machte die deutsche Nationalmannschaft die Qualifikation zur Europameisterschaft 2009 perfekt. Der Sieg geht auch in der Höhe völlig in Ordnung. Allerdings ist das Spiel als Gradmesser für die Beurteilung der deutschen Leistungsstärke im Hinblick auf die bei Olympia wartendenden schweren Gegner nur sehr begrenzt geeignet.

Aufgrund der vereinbarten Rotation hätte eigentlich Silke Rottenberg im deutschen Tor stehen sollen, doch aufgrund einer leichten Verletzung verzichtete Rottenberg und ließ WM-Heldin Nadine Angerer den Vortritt. Doch in diesem Spiel hätte auch eine Schaufensterpuppe im deutschen Tor keinen Gegentreffer kassiert, denn Angerer bekam praktisch keinen Ball zu halten.

Nadine Angerer

Nadine Angerer im deutschen Tor konnte für jeden Ball dankbar sein, der in ihre Nähe kam

Wenn man es positiv sieht, kauften die deutschen Spielerinnen ihren Gegnerinnen bereits in den ersten 20 Minuten den Schneid ab. Da war es ein flottes Spiel, mit gutem Pressing erkämpften sich die deutschen Spielerinnen immer wieder sehr schnell den Ball, um dann sofort in schnellen Aktionen das belgische Tor anzusteuern. So mußte Belgiens Keeperin Gave van Poucke in den ersten Minuten gleich zweimal im Herauslaufen vor Conny Pohlers klären, die heute ihre starke Form der letzten Monate eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Gave van Poucke

Belgiens Keeperin Gave van Poucke lief einige Mal gut heraus und beherrschte ihren Strafraum, bei den Toren war sie aber machtlos

Birgit Prinz, heute sehr mann- schaftsdienlich und unauffällig, verpasste in der 9. und 10. Minute zweimal knapp vor dem belgischen Tor, Linda Bresonik, die in der ersten Halbzeit links in der Viererkette eingesetzt wurde, verfehlte mit einem Fernschuss ebenfalls knapp den Pfosten. Dann endlich erzielte Pohlers in der 20. Minute die längst verdiente deutsche Führung. Melanie Behringer hatte einen Freistoß in Strafraumnähe herausgeholt, den sie auch selbst mit Wucht ausführte. Der Ball prallte von der Mauer in die Strafraummitte zu Saskia Bartusiak ab, von dort direkt weiter zu Pohlers, die gewohnt schnell schaltete und einschoss.

Doch dieser Treffer hatte vor allem den Effekt, dass sich das belgische Team nun immer weiter zurückfallen ließ und sich nur noch auf das Zerstören des deutschen Spiels beschränkte. Das beste Rezept gegen eine solche Taktik ist Toreschießen, doch die Chancenauswertung der deutschen Spielerinnen wurde in dieser Phase zum eindeutigen Schwachpunkt. Behringer kam in der 28. Minute frei zum Schuss, doch genau auf die Torhüterin, Pohlers in der 34. Minute knapp vorbei, und nun wurde auch das Spiel der Deutschen insgesamt


Tor Kerstin Garefrekes

Das 0:2 durch Kerstin Garefrekes, die von Lira Bajramaj steil geschickt wurde und sich weder von Tina Vanderauwera noch von Keeperin Gave van Poucke aufhalten ließ

Weitere Bilder von Florian Büchting findet ihr unter: http://www.unihockey-pics.de/

schlechter, Fehlpässe schlichen sich ein und es gelang immer seltener, in den gut gehüteten belgischen Strafraum vorzudringen.

Dazu trugen allerdings auch die äußerst schwachen Schieds- richterassistentinnen bei, die im gesamten Spiel mindestens viermal falsch auf Abseits gegen Deutschland entschieden und auch sonst öfter mal völlig unmotiviert die Fahne hoben, so auch in der 39. Minute, als ein schönes Tor von Simone Laudehr aus unerfindlichen Gründen nicht gegeben wurde. Grotesk auch eine Fehlentscheidung der Assistentin in der zweiten Halbzeit, die nach einem Einwurf der eingewechselten Lira Bajramaj auf Prinz ohne jeden Grund auf Foul entschied. Die Leistung der Hauptschiedsrichterin Cristina Inonescu war immerhin im großen Ganzen in Ordnung.

Schiedsrichterin Florea Cristina Ionescu

Schiedsrichterin Florea Cristina Ionescu pfiff ordentlich, ihre Assistentinnen dagegen erwischten einen schwarzen Tag und lagen mit ihren Entscheidungen häufig daneben

Doch in der zweiten Hälfte hatte sich das deutsche Team dann besser eingestellt und endlich stimmte auch die Chancen- auswertung. 52. Minute, Bajramaj mit schönem Diagonalpass auf die sich prima freilaufende Kerstin Garefrekes, die wie so häufig eiskalt Siegerin gegen eine Abwehrspielerin und die Keeperin, und es stand 0:2. 59. Minute Laudehr auf Garefrekes, Flanke, Pohlers volley an die Latte, von dort sprang der Ball in den Rücken von Keeperin van Poucke und zum 0:3 hinter die Linie. Nur eine Minute später Pohlers von links mit flacher Hereingabe, Prinz verpasst, aber Garefrekes nimmt den Ball direkt und läßt der Keeperin erneut keine Chance.

Conny Pohlers

Conny Pohlers, die hier gerade das 0:3 erzielt hat, und Kerstin Garefrekes erzielten abwechselnd die ersten vier deutschen Tore

Es folgte eine Chance für Kerstin Stegemann, die hinten unbeschäftigt für erheblichen Druck auf dem rechten Flügel sorgen konnte, und dann das 0:5 durch Bresonik, die in der zweiten


Halbzeit für Bartusiak auf der Sechserposition im Mittelfeld spielte, während Jennifer Zietz die linke Abwehrseite hütete. Bresonik wußte auf beiden Positionen zu gefallen und krönte ihre gute Leistung mit einem von Pohlers gut vorbereiteten harten Schuss in die Mitte des belgischen Tores. In der 86. Minute hatte das deutsche Team dann noch Pech, dass eine belgische Abwehrspielein gleich zweimal auf der Linie für ihre schon geschlagene Keeperin klären konnte, als der Ball flippergleich durch den Strafraum sprang.

Insgesamt also ein hochverdienter Sieg, der sogar noch höher hätte ausfallen können. Ob Deutschland so stark oder Belgien so schwach war, werden zukünftige Spiele zeigen. Auf jeden Fall ist mit dem sechsten Sieg im sechsten Spiel der EM-Qualifikation das Ziel erreicht und die Teilnahme Deutschlands an der Europameisterschaft 2009 sichergestellt. Beste Spielerinnen im deutschen Team waren, nicht wegen der Tore, sondern insgesamt, Pohlers, Garefrekes und Bresonik.

Lira Bajramaj

Die zur 2. Halbzeit eingewechselte Lira Bajramaj, hier gegen Davina Philtjens, hatte einige gute Szenen und bereitete das wichtige 0:2 mit ihrem öffnenden Pass vor



Belgien:
Van Poucke - Coutereels, Jacques, Timmermans, Vanderauwera - de Cock, Heiremans (76. Philtjens), Zeler (46. Seegers), Maes, Cayman, Verelst (87. de Rammelaere)

Deutschland:
Angerer - Stegemann, Hingst, Krahn, Bresonik - Bartusiak (46. Zietz), Laudehr (70. Mittag), Behringer (46. Bajramaj), Prinz, Garefrekes, Pohlers

Tore:
0:1 Pohlers (20.)
0:2 Garefrekes (52.)
0:3 Pohlers (59.)
0:4 Garefrekes (60.)
0:5 Bresonik (79.)

Karten: Keine

Schiedsrichterin: Floarea Cristina Inonescu (Rumänien)

Zuschauer: ca. 3500


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